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Heimat ist da, wo das Grab ist

In seiner Kolumne "Prantls Blick" schreibt Heribert Prantl in dieser Woche unter anderem Folgendes:

"Trauertage - sie sind nicht einfach nur traurige Tage; sie sind mehr. Wer in den vergangenen Monaten einen lieben Menschen verloren hat, der spürt und weiß es: Trauer ist auch eine Art von Widerstand gegen das Verschwinden dieses lieben Menschen. Und zugleich ist das Trauern Ausdruck des schmerzhaften Wissens, dass der Tod zum Leben gehört.

Die allgemeinen Totengedenktage des Monats November sind übrig geblieben aus der Zeit, in der das Leben fester gefügt war und es verbindliche Gewohnheiten dafür gab, wie zu trauern ist. An diesen Tagen hat sich ein Rest der alten Verbindlichkeiten bewahrt; viele Menschen fahren, oft Hunderte von Kilometern, "nach Hause", schmücken ein Grab, stehen davor, hören den Gebeten zu.

Es wird ja derzeit viel über Heimat geredet. Vielleicht ist Heimat auch und vor allem da, wo das Grab ist - das Grab der Eltern, das Grab der Menschen, die einem lieb waren und lieb sind. Das macht den Friedhof und den Friedwald zu einem heimatlichen Ort." 

Ich kann dem nur zustimmen: Die Zeit am Ende des Kirchenjahres mit dem Volkstrauertag und dem Ewigkeitssonntag gehört für mich zu den wichtigsten Zeiten. Und: Ich merke, wie viele Menschen in den Gemeinden diese besonderen Tage brauchen. Wir brauchen Möglichkeiten, unsere Trauer zum Ausdruck zu bringen und sie mit anderen zu teilen. Wir brauchen Möglichkeiten, sie vor Gott zu bringen. Und wir brauchen Zeiten, besondere Zeiten, um uns trösten zu lassen und uns die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben zusagen zu lassen.

Das ist der Grund, warum wir jedes Jahr wieder am Ewigkeitssonntag besondere Gottesdienste feiern, in denen wir unserer Verstorbenen gedenken, für sie beten und uns neue Hoffnung zusagen: Jesus hat den Tod schon besiegt und ihm die letzte Macht genommen. Und wir werden mit ihm - und mit unsern Lieben, die schon verstorben sind - leben. 

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Heute früh haben Dani und ich beim Steinmetz das Grabmal für unsere Tochter Lea abgenommen. In der nächsten Woche wird es dann auf dem Friedhof auf Leas Grab aufgestellt.

Es ist ein sehr schönes Grabmal: ein schlichtes Kreuz aus natürlichem Stein, aber es tut verdammt weh. Lea ist jetzt seit über einem Jahr tot, aber noch immer brennt das Loch in unseren Herzen ganz fürchterlich. Das ist eine Wunde, die niemand heilen kann.

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Deshalb ist für uns völlig klar, dass wir hier nicht mehr weggehen. Wir werden hier bleiben - hier leben und arbeiten, wo unsere Tochter begraben ist.

Aus diesem Grund wechsle ich zum 1. April 2020 meinen Dienstgeber. Ich werde dann nicht mehr für die Ev.-meth. Kirche, sondern für die Landeskirche arbeiten und werde Dienst als Pfarrer in Gemeinden in unmittelbarer Nähe von Leas Grab tun.

Es war, ist und ble…