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Zur Debatte um Homosexualität in der EmK: Von wegen Konservative gegen Liberale

Nach der Generalkonferenz im Februar wird in unserer Kirche an vielen Orten - auch in Deutschland - intensiv darum gerungen, wie wir mit den Beschlüssen der weltweiten Kirche zur Unvereinbarkeit von praktizierter Homosexualität und der Lehre der EmK umgehen können. Dieses Ringen finde ich gut.

Was mich an der Debatte aber massiv stört, ist, dass immer wieder die Begriffe "konservativ" bzw. "evangelikal" auf der einen und "liberal" bzw. "progressiv" auf der anderen Seite benutzt werden, um die beiden Seiten in der Debatte zu bezeichnen. Das halte ich für grundfalsch.

Der Streit geht meiner Meinung nach nicht darum, ob unsere Kirche einem konservativen/evangelikalen Kurs (im Umgang mit Homosexualität) oder einem liberalen/progressiven Kurs folgt. Diese Begriffe aus dem theologischen Lagerdenken werden den Positionen überhaupt nicht gerecht und taugen in keiner Weise dazu, die Diskussion zu versachlichen.

Ich denke, die beiden Positionen, um die wir ringen, lassen sich so zusammenfassen:

Position A: Wir wollen und können in einer Kirche zusammen leben und Jesus dienen, auch wenn wir die Schrift beim Thema Homosexualität unterschiedlich interpretieren. 

Position B: Wir können nicht mit anderen zusammen in einer Kirche leben und Jesus dienen, die die Schrift beim Thema Homosexualität anders interpretieren als wir selbst. 

Das ist der eigentliche Gegensatz, der meiner Meinung nach im Moment zur Diskussion steht. Und die Positionen zu dieser Frage verlaufen quer dazu, ob man theologisch oder geistlich konservativ/evangelikal tickt oder liberal/progressiv. ich selbst zum Beispiel bin theologisch ganz sicher konservativ, ich lebe eine evangelikal geprägte Frömmigkeit, und trotzdem trete ich für die Position A ein.

Anders gesagt: Ich würde nach meiner Interpretation des Zeugnisses der Bibel derzeit keine Trauung eines homosexuellen Paares leiten können, aber ich kann damit leben und es respektieren, wenn ein anderer Pastor die Schrift an dieser Stelle anders versteht als ich. Ich kann - und das nicht erst seit der Generalkonferenz, sondern schon sehr viel länger - sehr gut mit Menschen in einer (nämlich unserer weltweiten Evangelisch-methodistischen) Kirche zusammen leben und Jesus dienen und Menschen in seiner Nachfolge einladen, die die Bibel anders interpretieren als ich.

Adam Hamilton spricht in seinen Stellungnahmen zum Thema häufig nicht von der Alternative konservativ/evangelikal gegen liberal/progressiv, sondern stattdessen von Kompatibilisten, die die Position A vertreten und Inkompatibilisten, die die Position B vertreten. Kompatibilisten wollen mit Geschwistern, die die Bibel anders verstehen, in einer Kirche bleiben, Inkompatibilisten wollen genau das nicht. Auch wenn diese Begriffe im Sprachgebrauch sicher ungewohnt sind, treffen sie sehr viel präziser das, worum es in der Debatte eigentlich geht. Es wäre schön, wenn wir auch in Deutschland diese oder andere treffendere Begriffe gebrauchen würden als die alten in dieser Frage nicht hilfreichen Lagerbezeichnungen.

Kommentare

  1. Besten Dank für diese sehr hilfreiche Darstellung, um was es wirklich geht. Ich würde mir wünschen, dass die Abkürzung EmK eine neue Bedeutung bekommt: Eine Menge Kompatibilisten

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  2. Trifft genau meine Meinung! Vielen Dank für diesen guten und für die weitere Diskussion in der Gemeinde hilfreichen Beitrag.

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  3. Ich denke nicht, dass im Grundkern der Debatte eine begriffliche Unklarheit stünde. Ich bin aus eigener Erfahrung eher der festen Überzeugung, dass dort, wo man sich um die Elenden und Verlassenen der Welt kümmert, sie von Herzen annimmt und ihnen dient, Jesus Christus als Retter und Erlöser live erfahren wird, - von theologischer, anthropologischer usw. Differenzen ganz unabhängig. Dort dagegen, wo sich die EMK in dieser seid Jahrzehnten andauernden-ausufernden Debatte sich immer mehr zersplittert und zerfleischt, ist dies für mich ein trauriger Beweis dafür, dass der gemeinsame, zwangsläufig zum Kern des Evangeliums führende Dienst an den "kleinsten Brüdern" vernachlässigt, und unterlassen wurde.

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