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Die Liebe Jesu mit allen Menschen teilen.

Dies ist ein offener Brief an die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche in Altersbach, Schmalkalden und Friedrichroda, also an die Gemeinden, in denen und mit denen ich als Pastor diene.

Liebe Schwestern und Brüder.

In den letzten Tagen hatte ich Gespräche mit manchen aus eurer Mitte, die zutiefst entsetzt und traurig über die Ergebnisse der außerordentlichen Generalkonferenz sind. Ich teile diese Trauer. Deshalb dieser offene Brief an euch.

In unseren Gemeinden gibt es - genau so wie in der weltweiten EmK - Geschwister, die das biblische Zeugnis zu Ehe und Sexualität so verstehen, dass andere als heterosexuelle Liebesbeziehungen nicht von Gott gesegnet sein können. Andere Geschwister verstehen das gleiche biblische Zeugnis anders und treten dafür ein, auch homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Diese Geschwister sind sehr enttäuscht von der Generalkonferenz.

Mir ist deshalb wichtig, dass alle in unsern Gemeinden ein paar Dinge wissen und in ihre Überlegungen einbeziehen:

  • Wir haben Zeit, die Generalkonferenz in Ruhe und mit Sorgfalt auszuwerten und herauszuarbeiten, welche Möglichkeiten wir haben, mit ihren Beschlüssen umzugehen. Es gibt keinen Grund zur Eile. Lasst uns die Zeit, die wir haben, nutzen - zusammen mit unserm Bischof, unsern Superintendenten und unserer Jährlichen Konferenz. 
  • Ich tue gern meinen Dienst mit euch allen. Ihr seid meine Freunde, meine Schwestern und Brüder. Und ich werde weiter versuchen, euch allen ein guter und liebevoller Pastor zu sein.
  • Ich feiere die Gnade Gottes, dass wir als Christinnen und Christen mit manchmal unterschiedlichen Interpretationen der Bibel zusammen Gemeinde Jesu am Rennsteig leben. 
  • Mich beeindruckt, wie unsere doch recht kleinen Gemeinden mit ihren Gottesdiensten, Gruppen und ihrem Engagement in so vielen Bereichen den Menschen dienen. Das ist so wertvoll! Unsere Aufgabe ist es, die Liebe Jesu mit allen Menschen um uns herum zu teilen, sie in die Nachfolge Jesu zu rufen und dadurch die Welt, in der wir leben, zu verändern. Ihr lebt auf viele unterschiedliche Arten und Weisen diesen Auftrag. Und ihr lebt ihn zusammen, ungeachtet unterschiedlicher Auffassungen über sexuelle Lebensweisen - und das ist gut so. 
  • Mein Eindruck ist: In unseren Gemeinden respektieren wir uns gegenseitig auch in unserer unterschiedlichen Einschätzung sexueller Lebensweisen. Wir achten einander und billigen dem und der jeweils anderen zu, sich im Hören auf die Bibel nach eigenem Gewissen eine Meinung zu bilden. Wir diskutieren respekt- und liebevoll darüber, versuchen aber nicht, dem oder der anderen unsere Sicht aufzuzwingen. Das schätze ich sehr, und so soll es in unsern Gemeinden auch bleiben
Das wichtigste ist mir: Wir haben als Gemeinden in methodistischer Tradition so viel zu bieten und einen so wichtigen Auftrag: den Menschen das Evangelium zu verkünden, ihnen mit Worten und Taten die Liebe Jesu zu bringen und sie mit ihnen zu teilen und sie einzuladen, sich für ein Leben mit Jesus zu entscheiden. Wir wollen Heiligung, die Sehnsucht nach einem geheilten und geheiligten Leben verbreiten und zusammen fröhlich die neue Welt Gottes feiern, die kommt. Ich genieße es sehr, diesen Auftrag mit euch allen zu leben.

Dies ist nicht die Zeit, unsere Kirche zu verlassen. Im Gegenteil. Dies ist die Zeit, unsern Auftrag zusammen zu leben, ihn zu bekräftigen und andere einzuladen, in unsere Kirche hineinzukommen und mit uns zu gehen. 

Heiligung ist die gelebte Sehnsucht nach vollkommener Liebe. Lasst uns diese Sehnsucht zusammen  mit Leben füllen.

Euer Pastor Uwe

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