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Gutmenschen und besorgte Bürger

Zum Unwort des Jahres 2015 haben Sprachwissenschaftler soeben den Begriff "Gutmensch" gewählt, weil mit ihm häufig in diffamierender Absicht Menschen bezeichnet würden, die sich freundlich und hilfsbereit zum Beispiel um Flüchtlinge kümmern. Ich kann diese Entscheidung der Jury nur aus vollem Herzen unterstützen: Es nervt kolossal, wenn hilfsbereite Menschen mit dem Begriff "Gutmensch" in eine dümmlich-naive Ecke gestellt, dadurch mundtot gemacht und für nicht diskussionswürdig befunden werden.

Noch besser hätte ich es aber gefunden, wenn die Jury diesmal gleich zwei Begriffe zu Unworten des Jahres gekürt hätten: den Begriff "Gutmensch" und den mittlerweile ebenso weit verbreiteten Begriff "besorgte Bürger". Die Bezeichnung "besorgte Bürger" nämlich wird - vor allem in den sozialen Netzwerken - meiner Beobachtung nach ebenso diffamierend gebraucht wie die des "Gutmenschen" - nur eben von anderen. Als "besorgte Bürger" werden die betitelt, die sich eben Sorgen machen: um ihr Land, ihre Kultur, ihre Familie, ihre Kinder - und die auf Grund dieser Sorgen eine andere politische Haltung einnehmen: zum Beispiel bei Pegida mitgehen oder die AfD wählen.

Beide Begriffe - "Gutmenschen" und "besorgte Bürger" - werden in diffamierender Weise und mit ebensolcher Absicht gebraucht, um den politischen Diskurs mit Andersdenkenden zu beenden, um sich nicht mit ihren Argumenten auseinandersetzen zu müssen, indem man sie von vornherein für nicht diskussionswürdig erklärt.

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