Freitag, 18. Dezember 2015

Eine Gemeinde mittendrin

Heute nun war es endlich so weit: Stühle, den Abendmahlstisch und unser Pult konnten wir in die "Ladenkirche" räumen, damit wir schon Weihnachten dort Gottesdienst feiern können. Aber der Reihe nach...

Am 1. September begann mein Dienst als Pastor der EmK Schmalkalden - und einen Tag vorher, am 30. August, wurde das Gemeindehaus verkauft. Nach zwei Gottesdiensten und einer Handvoll Kleingruppentreffen stand also Ausziehen auf dem Programm.

Die Gemeinde war entsprechend traurig - und ich natürlich auch. Dank der guten ökumenischen Beziehungen in Schmalkalden gelang es, Übergangslösungen zu organisieren: Mit unsern Kleingruppen konnten wir in der örtlichen Baptistengemeinde und mit den Gottesdiensten in einem evangelischen Gemeindehaus unterkommen. Es war aber klar, dass all das nur Zwischenlösungen sein konnten.

Wir dachten viel nach, beteten viel und dann... Dann bot uns die städtische Wohnungsbaugesellschaft ein leerstehendes Ladenlokal mitten in der Fachwerk-Altstadt von Schmalkalden zur Miete an.

Gemeindeleben in einem Laden? Zuerst waren nicht alle begeistert, aber nach und nach gewöhnten wir uns an den Gedanken. Ist eine "Ladenkirche" nicht auch eine Chance, Gemeinde ganz neu zu definieren - neu zu lernen, Gemeinde für andere zu sein? 

Und heute nun ist es so weit: Die Nebenräume sind zwar noch nicht fertig, wohl aber der große Hauptraum, in dem wir zukünftig unsere Gottesdienste feiern werden. Am Heiligabend um 5 ist Premiere.

Einige Freiwillige trafen sich heute Morgen schon und brachten alles das, was man für Gottesdienste so braucht, in den "Laden". Jetzt kann es also losgehen.

Ich habe in diesen vier Monaten Vertrauen gelernt und bin heute der festen Überzeugung, dass Gott auf diesem Weg mit uns ist. Er hat mit uns noch einges vor und führt uns auf neue Wege, Gemeinde zu sein - näher bei den Menschen, da, wo ihr Alltag stattfindet und wo sie zu hause sind. Gute Nachbarn wollen wir sein und Leben und Glauben mit den Menschen in Schmalkalden teilen.

Unser neues Gemeindezentrum werden wir also mit Leben füllen - Gottesdienste, Kleingruppen, Gebetstreffs und Lobpreisabende dorthin verlegen, unsern neuen Nachbarn gut zuhören und mit ihnen ins Gespräch kommen - um Gemeinde "mittendrin" zu sein.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Der König auf dem Esel

(Grundgedanken der Predigt vom 29.11.2015 in der EmK Altersbach und der EmK Schmalkalden)

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharja 9,9)

Der 1. Advent stellt Jesus als den erwarteten König in die Mitte.

Was aber sage ich damit aus, wenn ich Jesus meinen König nenne?

1. Dieser König will dir dienen

Jesus ist anders, als alle andern Könige, die wir kennen: Er kommt, um zu dienen, nicht, um sich bedienen zu lassen.

Die einzige Krone, die Jesus je getragen hat, war eine aus Dornen. Und genau wie Sacharja es verheißt, reitet er auf einem Esel in Jerusalem ein – Zeichen eines demütigen Königs.

Jesus ist also der dienende König, und er will dir - gerade dir! - dienen. Wie will er dir dienen?

a) Jesus ist vollkommen gerecht.
Er erfüllt den Willen Gottes für seine Geschöpfe, der sich im Doppelgebot der Liebe ausdrückt, bis zum Schluss.

b) Dieser Gerechte will aber seine Gerechtigkeit nicht für sich behalten, sondern er will sie dir schenken. Er ist nicht nur der Gerechte schlechthin, sondern auch der Helfer schlechthin.

Lässt du dir von diesem König dienen? Lässt du dir seinen Dienst gefallen?

2. Dieser König will regieren

Schon klar, das will jeder König…

Aber dieser König will dein persönlicher König sein. Er regiert nicht über ein äußerliches Reich. Das ist seine Sache nicht.

Der König Jesus will keinen Staat erobern, sondern dein Herz. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von Mohamed. Als die Leute ihn einmal zum irdischen König machen wollten, da „entzog er sich ihnen“.

Der König Jesus sagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist anders als andere Königreiche.

Nein, Jesus will keinen Staat erobern, sondern dein Herz. Unsere Herzen. Die aber will er im Sturm einnehmen, um durch uns die ganze Welt zu verändern.

Lässt du dein Herz von Jesus einnehmen? Lässt du ihn, durch seinen Geist in dir wohnen?

Wenn du das zulässt und ja dazu sagst, dann bist du ein Königskind. Du kannst ein Königskind sein. Jeder von uns kann ein Königskind sein. Du kannst es werden, wenn du dein Herz Jesus hinhältst, damit er als König darin regiert.

Als Königskind bin ich herausgefordert, alle Lebensbereiche meinem König zu unterstellen: die Religion, aber auch mein politisches Denken und Handeln, meine Finanzen, meine Liebe und Ehe, die Erziehung meiner Kinder, mein berufliches Engagement…

3. Dieser König war schon da und wird zugleich noch kommen. 

Über unsern König heißt es: Er ist es, der da war, der da ist und der da kommen wird. Um sein Kommen geht es im Advent.

Der König herrscht, aber er herrscht derzeit noch im Verborgenen.

Manchmal spüren wir seine Macht:
Heilungen geschehen.
Die Befreiung von Schuld wird wirklich erlebt.
Aber oft ist uns nur allzu deutlich, dass seine Königsherrschaft eine verborgene ist.
Oft siegt die Krankheit am Ende doch.
Krieg und Gewalt überall auf der Welt.

Auch wenn der König schon da ist, müssen wir doch auf ihn warten. Sein Reich ist schon da, es hat schon begonnen, aber es ist noch nicht vollendet, noch nicht endgültig offenbar.

Der Advent erinnert uns daran, dass wir Wartende sind: Königskinder, die darauf warten, dass die Herrschaft ihres Königs sich endgültig und für alle durchsetzen wird. Dass seine Werte alles durchwirken.

Siehe, sagt Sacharja, siehe, dein König kommt zu dir.
Biblisches Sehen ist Sehen mit dem Herzen.
Mit den Augen sehen wir Jesu Königsherrschaft heute oft noch nicht. Nur, wenn wir lernen, statt mit den Augen mit dem Herzen zu sehen, dann erkennen wir, wie er verborgen jetzt schon sein Reich baut,
indem er dient und
indem er die Herzen von Menschen erobert, um durch sie die Welt zu verwandeln.

Wir als Königskinder dürfen ein Teil dieser Bewegung des Königs sein und an seinem Reich mitbauen.