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Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Eine Gemeinde mittendrin

Heute nun war es endlich so weit: Stühle, den Abendmahlstisch und unser Pult konnten wir in die "Ladenkirche" räumen, damit wir schon Weihnachten dort Gottesdienst feiern können. Aber der Reihe nach...

Am 1. September begann mein Dienst als Pastor der EmK Schmalkalden - und einen Tag vorher, am 30. August, wurde das Gemeindehaus verkauft. Nach zwei Gottesdiensten und einer Handvoll Kleingruppentreffen stand also Ausziehen auf dem Programm.

Die Gemeinde war entsprechend traurig - und ich natürlich auch. Dank der guten ökumenischen Beziehungen in Schmalkalden gelang es, Übergangslösungen zu organisieren: Mit unsern Kleingruppen konnten wir in der örtlichen Baptistengemeinde und mit den Gottesdiensten in einem evangelischen Gemeindehaus unterkommen. Es war aber klar, dass all das nur Zwischenlösungen sein konnten.

Wir dachten viel nach, beteten viel und dann... Dann bot uns die städtische Wohnungsbaugesellschaft ein leerstehendes Ladenlokal mitten in der Fachwerk-Altstadt von S…

Der König auf dem Esel

(Grundgedanken der Predigt vom 29.11.2015 in der EmK Altersbach und der EmK Schmalkalden)

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharja 9,9)

Der 1. Advent stellt Jesus als den erwarteten König in die Mitte.

Was aber sage ich damit aus, wenn ich Jesus meinen König nenne?

1. Dieser König will dir dienen

Jesus ist anders, als alle andern Könige, die wir kennen: Er kommt, um zu dienen, nicht, um sich bedienen zu lassen.

Die einzige Krone, die Jesus je getragen hat, war eine aus Dornen. Und genau wie Sacharja es verheißt, reitet er auf einem Esel in Jerusalem ein – Zeichen eines demütigen Königs.

Jesus ist also der dienende König, und er will dir - gerade dir! - dienen. Wie will er dir dienen?

a) Jesus ist vollkommen gerecht.
Er erfüllt den Willen Gottes für seine Geschöpfe, der sich im Doppelgebot der Liebe ausdrückt, bis zum Schluss.

b) Dieser Gerechte will aber seine Gerechtigkeit nicht für sich behalten, sondern er will sie dir …

Ganz schön verrückt: Vergebung

(Predigt, gehalten in der EmK Altersbach und der EmK Schmalkalden am 1.11.2015)

Wenn einer mir Unrecht tut - immer wieder - , soll ich ihm dann immer wieder vergeben?, fragt Petrus Jesus. Und Jesus antwortet: Ja, das sollst du. Du sollst ihm nicht nur einmal oder ein paar mal, sondern immer und immer wieder vergeben. Und um zu verdeutlichen, was er damit meint, erzählt Jesus dann ein Gleichnis:

23 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.  4 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25 Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. 26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen. 27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.

28 Da ging dieser Knech…

Nicht immer, aber immer öfter: Collarhemd

Bis vor gar nicht langer Zeit war die Sache für mich klar: Das Collarhemd steht für ein "High Church"-Kirchenverständnis und für ein priesterliches Selbstverständnis dessen, der es trägt. Pastoren, die Collar tragen, betonen den Abstand ihrer selbst zur Gemeinde und halten sich möglicherweise sogar für "was besseres". Das war mein Bild, und mein Misstrauen war Collarträgern deshalb stets gewiss.

Irgendwann hab ich mich dann mal länger mit einem der Kollegen unterhalten, die man fast immer mit Collar sieht. Der Kollege hat erzählt, wie es ihm damit ergeht. Wir haben viel gelacht und: Es ist ihm gelungen, mich neugierig zu machen. Bis dahin hatte ich selbst Collarhemden - wenn überhaupt - im Gottesdienst getragen. Aber nun wollte ich es einfach mal probieren, das auch außerhalb zu tun.

Gesagt, getan: Am nächsten Tag saß ich also mit Collarhemd in meinem Stammcafe, ging damit durch die Fußgängerzone und nahm bewusst den Bus auf dem Weg zu einem Hausbesuch. Und was sol…

Projekt Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.


Johannes 15,1-8

Das Ziel der Jüngerschaft: F…

Anders einsam

Für sich zu sein, also alleine, das ist nicht jedermanns Sache. Manche Leute sind gern allein. Sie brauchen das. Zeit für sich – ohne Reden und Lächeln und Konversation und so. Andere dagegen vermeiden es, allein zu sein. Sie fürchten sich regelrecht davor. Für viele ist die Stille ein Horror. Ihr erster Griff am Morgen gilt dem Radio, das sie dann den ganzen Tag über begleitet – zu Hause, im Auto, auf der Arbeit – überall. Nicht, dass sie die ganze Zeit aufmerksam zuhören. Aber das Dudeln im Hintergrund beruhigt sie irgendwie. Hauptsache, es ist nicht still. Hauptsache, sie haben nicht das Gefühl, allein zu sein.

Um das Alleinsein geht es heute auch in dem Text, den ich euch auslegen möchte. Einer, der ist gezwungenermaßen allein und wird aus diesem Alleinsein befreit. Und ein anderer, der sucht mitten im größten Trubel die Stille. Er will allein sein mit sich und mit Gott.

Wir gehen weiter in unserer Predigtreihe über das 5. und 6. Kapitel des Lukasevangeliums. In Kapitel 5, 12-16 h…

Angelst du noch oder fischst du schon?

(Predigt über Lukas 5,1-11. Gehalten in der EmK Detmold am 5.2.2015)

Kennt ihr das? Ihr telefoniert gerade mit jemandem per Festnetz, es ist ein wichtiges Gespräch, das eigentlich eure volle Aufmerksamkeit erfordert, und mitten im Gespräch klingelt das Handy, und ihr seht aus dem Augenwinkel die Nummer eines nicht weniger wichtigen Gesprächspartners. Parallel dazu schreit euch vom Bildschirm aus die lange Latte der Mails an, die unbedingt heute noch bearbeitet werden müssen, während – natürlich ohne anzuklopfen – plötzlich eure Tochter im Zimmer steht und eine Frage zu ihren Hausaufgaben hat, ohne deren Klärung sie tatsächlich nicht weiterarbeiten kann. Kennt ihr, oder? So oder so ähnlich kennt ihr das bestimmt.

Vergleichbar stelle ich mir die Situation vor, von der Lukas in Kapitel 5 erzählt. Jesus hatte sein öffentliches Wirken in Galiläa gerade begonnen und durch vollmächtige Predigten und viele Heilungen Aufmerksamkeit bei den Leuten erregt: Da ist einer, der predigt anders, als w…