Freitag, 30. Mai 2014

Über das Gebet der Sammlung - Von Basil Pennington

Von Basil Pennington, übersetzt von Uwe Hanis
Quelle: http://imagodeicommunity.ca/on-spiritual-issues/on-centering-prayer-by-fr-basil-pennington/

Das Gebet der Sammlung ist ein sehr einfacher Gebetsweg. Er kann von allen Menschen gegangen werden, die mit Gott zusammensein und seine Liebe und Gegenwart erfahren wollen. Das Beten führt uns auf einen Weg vom Verlangen nach Gemeinschaft mit Gott zur Erfahrung Seiner Gegenwart.

Als erstes setzen wir uns ruhig hin. Die meisten von uns können am besten im Sitzen beten. Es ist dir aber freigestellt, die Gebetshaltung zu wählen, die dir zusagt. Der Rücken sollte dabei möglichst gerade aufgerichtet sein. Wenn wir dann sanft unsere Augen schließen, beginnen wir sofort, ruhiger zu werden. Eine große Menge psychischer Energie verbrauchen wir nämlich normalerweise beim Sehen.

Wenn wir so sitzen und etwas ruhiger geworden sind, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Herrn, der in uns gegenwärtig ist. Wir wissen, dass Er in uns ist, weil wir es glauben. Wir wissen es, weil Er es gesagt hat. In Liebe wenden wir uns Ihm zu. Für zwanzig Minuten gehören wir allein Ihm. Er kann mit uns tun, was Er will. Dieses Gebet ist reines Geschenk: Wir schenken Ihm uns selbst in Liebe.

Um ruhig und aufmerksam bei unserem Geliebten verweilen zu können, gebrauchen wir ein Wort der Liebe, ein einfaches Gebetswort. Es soll unser Verlangen danach, mit dem Herrn zusammen zu sein, unsere Liebe zu Ihm ausdrücken. Dazu eignet sich gut der Name des Herrn, der uns am liebsten ist: Jesus, Herr, Vater, Liebe... - der Name, der uns am bedeutsamsten ist. Wir lassen das Wort einfach innerlich da sein, um unsere Aufmerksamkeit bei Ihm zu halten. Nicht als angestrengtes Rufen oder krampfhaft wiederholtes Mantra, sondern mehr wie ein leiser Seufzer oder ein liebevolles Murmeln. Das Wort darf einfach da sein.

Wann immer während der Gebetszeit wir auf irgendetwas anderes aufmerksam werden, gebrauchen wir einfach unser Wort, um zum Herrn zurückzukehren. An manchen Tagen werden wir es fast ständig gebrauchen müssen, weil eine Menge Aufregung um uns herum oder in uns ist. Das macht nichts. Wann immer wir unser Wort gebrauchen und zu Ihm zurückkehren, ist das ein vollkommenes Geschenk unser selbst an Ihn in Liebe. An anderen Tagen werden wir unser Wort kaum gebrauchen müssen. Auch gut. Das macht wirklich keinen Unterschied. Diese zwanzig Minuten gehören ganz einfach Ihm, um damit zu tun, was Er will. Wir suchen darin nichts für uns selbst und erwarten nichts. Das Gebet ist reines Geschenk. Wir wollen in diesen zwanzig Minuten nichts erleben. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt Ihm. Außerhalb der Gebetszeit werden wir den Unterschied sehen. Wir werden sehen, wie die Früchte des Geistes wie Liebe, Frieden, Freude und Freundlichkeit beginnen, sich in unserem Leben auszubreiten.

Am Ende unserer zwanzig Minuten wollen wir nicht hektisch in unsere Aktivitäten zurückspringen. Unser Gebet hat uns in die Tiefe geführt, auch wenn wir das vielleicht gar nicht deutlich gemerkt haben. Deshalb wollen wir es möglichst sanft beenden. Ich schlage vor, innerlich ganz langsam das Vaterunser zu beten. Sprich jedes Wort langsam und aufmerksam und mach dir seine ganze Bedeutung bewusst. Der Herr kann uns mit dem Vaterunser eine Menge lehren. Und der tiefe Frieden des Gebets der Sammlung wird sich in unser aktives Leben hinein ausbreiten.

Das Gebet der Sammlung ist ein Gebet der Erfahrung. Wir können es nur durch Erfahrung kennenlernen. Triff am besten eine Vereinbarung mit dir selbst, dass du das Gebet treu, zweimal am Tag, dreißig Tage lang übst. Dann frage dich ehrlich, ob das Gebet Frucht in deinem Leben trägt. Vielleicht nimmst du einen Freund dazu, denn andere sehen manchmal mehr als wir selbst. Wenn die Art und Weise, in der du vorher gebetet hast, mehr Frucht getragen hat, dann kehre zu ihr zurück. Aber wenn das einfache Gebet des Hörens, der aufmerksamen Liebe einen guten Einfluss auf dich hat, dann mach damit weiter. Wichtig ist, dass wir regelmäßig beten und Gott erlauben, das zu sein, was er sein will: die Quelle der Liebe, des Lebens, des Friedens und des Glücks für jeden von uns.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Christliche Meditation nach John Main - Teil 2

(Aus dem Buch "Radical Simplicity" von John Main - übersetzt von Uwe Hanis)

Die Berührung mit deinem Geist

Mehr und mehr Männer und Frauen in unserer Gesellschaft beginnen, zu verstehen, dass unsere persönlichen Probleme, genau wie die, denen wir als Gesellschaft gegenüberstehen, im Kern spiritueller Natur sind. Sie sehen, dass der menschliche Geist in materiellem Erfolg oder materiellem Wohlstand allein keine Erfüllung findet. Materieller Erfolg und Wohlstand sind nicht schlecht an und für sich, aber sie reichen einfach nicht aus, um den Menschen die Antworten zu geben, die sie brauchen. 

Viele empfinden, dass der Materialismus, in dem wir leben, ihren Geist förmlich erstickt. Viele sind frustriert, weil sie genau fühlen: Wir leben für Besseres als das. Wir wurden für Größeres erschaffen als dazu, nur zu überleben. 

Um uns selbst kennenzulernen, um uns zu verstehen, um dadurch fähig zu werden, unsere Probleme wirklich anzugehen, müssen wir in Berührung mit unserem Geist kommen. Erst wenn wir uns als spirituelle Wesen verstehen, verstehen wir uns selbst. Nur die Berührung mit unserem Geist kann uns die Tiefe und die Breite geben, die wir brauchen, um die Bedeutung unserer Erfahrungen zu verstehen. Erfahrung ist nur dann nützlich und hilft uns weiter, wenn wir sie auswerten können. Aber oft genug machen wir Erfahrungen, die uns eigentlich helfen könnten, aber können sie nicht auswerten und fruchtbar machen. 

Die monastische Tradition hat dazu etwas zu sagen: Wenn wir uns selbst verstehen und wissen wollen, wer wir wirklich sind, dann müssen wir in Kontakt mit unserem inneren Zentrum kommen. Solange wir nicht auf diesem Weg zu unserem Zentrum sind, bleiben alle Erfahrungen nur oberflächlich.

Der Weg  in unsere Mitte ist nicht schwer. Er ist sogar sehr leicht. Er braucht nur unser ernsthaftes Wollen und Engagement. Der Weg der Meditation ist einfach. Alles, was von uns verlangt wird, ist mit Leib und Geist so still wie möglich zu sein. 

Den Leib bringen wir in die Stille, indem wir einfach still dasitzen. Also: Wenn du mit der Meditation beginnst, nimm die einen Moment Zeit, um dich bequem hinzusetzen. Nur halte deinen Rücken dabei so aufrecht wie möglich. Dann beginnt der Weg zur Stille des Geistes, indem du lernst, innerlich, in der Tiefe deines Geistes dein Wort oder deinen kurzen Vers zu sagen. 

Die Kunst der Meditation liegt einfach darin, dass du lernst, dein Wort immer und immer wieder zu sagen. Bewege dabei nicht deine Lippen, sondern wiederhole es rein innerlich. Es ist wichtig, dass du dein Wort von Anfang bis Ende der Meditation wiederholst. 

Meditieren lernen heißt lernen, die eigenen Gedanken, Ideen und Vorstellungen gehen zu lassen und in der Tiefe deines Seins zu ruhen - wach, aber still. Versuche, dir das immer zu merken. Denke nicht nach und gebrauche keine anderen Wörter als dein Gebetswort. Stell dir nichts vor. Sprich einfach sanft dein Wort in der Tiefe deines Geistes und höre ihm zu. Richte d eine ganze Aufmerksamkeit auf dein Wort. 

Warum hat das so viel Kraft? Weil es uns den Raum gibt, den unser Geist braucht, um zu atmen. Es gibt uns den Raum, indem wir wir selbst sein können. Wenn du meditierst, musst du dich für dich selbst nicht entschuldigen und du musst dich nicht rechtfertigen. Du kannst einfach du selbst sein.