Sonntag, 28. Juli 2013

Wer sucht hier eigentlich wen?

(Predigt in der EmK Detmold am 28. Juli 2013)

Ein unerwarteter Fund

Das passiert schonmal, oder? Das große Glück, dass wir was finden, was für uns sehr wertvoll ist. Und manchmal passiert es sogar gerade dann, wenn wir gar nicht damit rechnen – geschweige denn auf der Suche sind. Plötzlich hat es zwischen Dani und mir gefunkt, damals im Frühsommer 1989. Gerechnet haben wir damit beide nicht. Wir kannten uns schon lange und waren sehr vertraut – aber dass wir ein Paar werden... Es war wie in dem Lied: Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert, tausend und eine Nacht, und es hat Zoom gemacht. So ist das manchmal, wenn wir unerwartet Wertvolles finden. Genau von so einem Fund erzählt Jesus in unserem Predigttext.

Ich lese Matthäus 13,44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß und kaufte den Acker.“

Eine tolle Geschichte, oder? Ich stelle mir einen Tagelöhner zur Zeit Jesu vor. Er freut sich, dass er heute eine Arbeit gefunden hat. Das allein ist schon ein Segen. Heute Abend wird er sich und seiner Familie was zu essen kaufen können. Den Acker soll er umgraben. Harte Arbeit, aber immerhin Arbeit. Da stößt er plötzlich auf etwas Hartes im Acker – ein Tongefäß. Er wird nervös und buddelt das Gefäß vorsichtig mit den Händen aus. Dann kann er seinen Augen kaum trauen: In dem Tonkrug befindet sich ein wertvoller Schatz. Damit hat er nicht gerechnet. Vor lauter überraschter Freude verbuddelt er den Schatz wieder. Hier in der Erde ist er schließlich sicher. Dann kratzt er alles zusammen, was er hat und kauft davon den Acker. Nun ist er also ein reicher Mann. Er und seine Familie – sie sind reich. Wer hätte das heute Morgen noch für möglich gehalten?

So, sagt Jesus, so wie der Schatz in dieser Geschichte, ist das Reich Gottes – das Himmelreich. Es ist verborgen in unserer Welt – genau wie der Schatz verborgen im Acker war. Man sieht es nicht immer, aber es ist da. Und es kann sein, dass du ihm ganz unerwartet mitten im mühevollen Alltag begegnest.
  • Da war dieses Gespräch, dass ich schon so lange vor mir hergeschoben hatte. Irgendwie war es mir unbewusst unangenehm. Und dann, ganz unerwartet, wurde es ein Gespräch voller Segen. Wir spürten, dass der Geist Gottes da war. Wir wurden reich beschenkt durch das Gespräch.
  • Da nagt der Frust in dir. Mach ich denn alles falsch? Warum hacken immer alle auf mir rum? Es scheint, als kriege ich in meinem Leben gar nichts richtig gut auf die Reihe. Und plötzlich steht sie da, lächelt dich an und lobt dich. Du, das wollte ich dir unbedingt mal sagen. Das da hast du richtig gut gemacht. Danke dafür.

Reich-Gottes-Momente will ich das einmal nennen. Kennst du auch solche Momente? Teilen, das zum Segen wird. Ein Gebet mit jemandem zusammen, bei dem ihr Gottes Nähe spürt. Die unerwartete Solidarität der Kollegen mit einem, der gemobbt wird. Eine, die einen tröstet im Leid. Die Versöhnung nach einem bitteren Streit. Reich-Gottes-Momente. Es ist immer da, das Reich Gottes, sagt Jesus – wie ein verborgener Schatz im Acker. Und manchmal passiert es wirklich, dass ein Tagelöhner wie wir ganz unerwartet auf das Reich Gottes stößt und den Schatz findet. Und dann, wenn er das merkt, der Tagelöhner, dann ist die Freude groß. Ich bin reich. Kaum zu fassen. Unsagbar reich beschenkt. So ist das mit dem Reich Gottes.

Ich wünsche euch allen diesen Moment. Diesen Moment, in dem ihr plötzlich merkt: ich bin reich, weil ich das Reich Gottes gefunden habe, diesen verborgenen Schatz im Acker. Ich bin reich, weil Gott mich annimmt. Weil er mir meine Schuld vergibt. Weil er mich trotz aller meiner Macken und Kanten und Fehler unendlich liebt. Ich bin reich.

Und wenn ich suche, aber nichts finde?

Was ist mit denen, die zwar nach Gott suchen, aber nicht finden? Viele beschreiben sich ja heute so: So richtig gläubig bin ich nicht. Ungläubig bin ich auch nicht. Ich bin ein Suchender, ein Mensch auf der Suche nach Gott.

Ich kann das gut verstehen. Das Evangelium von Jesus ist kein Hopp-oder-Topp-Evangelium, kein Friss-oder-stirb-Vogel. Und manchmal bin ich auch so ein Suchender. Manchmal bin ich wirklich wie der Tagelöhner, der gerade den Schatz gefunden hat: voller Freude und Überschwang des Glaubens und absolut gewiss: Ich bin reich, weil ich Jesus, das Reich Gottes, gefunden habe. Aber ich kenne auch Zeiten des Zweifels, des Fragens, des Suchens. Und um ganz ehrlich zu sein: Leute, Geschwister im Glauben, die das nicht kennen, die keine Brüche und Fragen kennen, die machen mich meist mehr misstrauisch als froh. Was also ist mit den Suchenden, die die Freude des Tagelöhners über das gefundene Reich Gottes nicht oder nicht immer oder noch nicht teilen können?

Unser Predigttext geht ja noch weiter. Jesus erzählt noch ein Gleichnis. Ich lese die Verse 45 bis 46: „Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.“

Wer sucht hier wen?

Die meisten Ausleger sagen: Hier wird das gleiche wie im ersten Gleichnis noch einmal erzählt. Jesus erzählt das gleiche nochmal ganz anders – mit einem andern Bild. Auf den ersten Blick ist das auch so. Aber trotzdem glaube ich das nicht. Ein kleines grammatisches Detail in Vers 45 spricht dagegen. Im ersten Gleichnis hieß es: Das Himmelreich ist wie ein Schatz, den jemand überraschend findet. Aber hier heißt es eben nicht: Das Himmelreich ist wie eine wertvolle Perle, sondern: Das Himmelreich ist wie ein Kaufmann, der eine solche Perle findet. Kaufleute gehörten in Jesu Zeit zu den eher wohlhabenden Leuten – ganz anders als Tagelöhner. Und dieser Kaufmann findet nicht etwa zufällig oder überraschend eine Perle, sondern er ist ganz gezielt auf der Suche danach. Aber beachtet: Nicht das Himmelreich ist die Perle, sondern der Kaufmann. Das Himmelreich in diesem zweiten Gleichnis wird nicht gefunden, sondern es sucht und es findet. Meiner Meinung nach erzählt Jesus hier also nicht einfach das gleiche nochmal, sondern er wechselt bewusst die Perspektive. Er macht aus dem Gefundenen des ersten Gleichnisses (dem Reich Gottes) ein Suchendes.

So wie ein Kaufmann, der auf der Suche nach schönen Perlen ist und dann eine ganz besonders wertvolle findet, so, sagt Jesus mit diesem Bild, steht das Reich Gottes zu dir. Du bist vielleicht eine Suchende, die das Reich Gottes nicht oder noch nicht gefunden hat. Aber lass dir deshalb nicht einreden, du wärst ein Christ zweiter Klasse oder so. Denn noch bevor du überhaupt suchst, hat Gott dich schon gefunden, weil auch er – und zwar lange vor uns – auf der Suche ist nach dir.

Vorlaufende Gnade

In der methodistischen Tradition heißt das, worum es meiner Meinung nach hier geht, vorlaufende Gnade. In Bezug auf Gott gibt es nicht nur ein Drinnen oder Draußen, Glauben oder Nicht-Glauben, Hopp oder Topp. Gott ist immer auf der Suche nach jedem Menschen – auch nach dir. Deshalb rechnen wir zum Beispiel damit, dass Gott auch außerhalb der Kirche Gutes tun und Menschen ansprechen kann. Deshalb rechnen wir damit, dass Gott Menschen bewegt, die keine oder noch keine Christen sind – lange bevor sie es werden. Vorlaufende Gnade.

Ich bin froh, dass es dieses zweite Gleichnis vom Kaufmann und der wertvollen Perle gibt. Jesus hat uns Suchenden was zu sagen, nicht nur denen, die das Reich Gottes gefunden haben. Auch wenn du nicht oder noch nicht im Reich Gottes den Schatz deines Lebens gefunden hast, sagt Jesus dir: Für Gott bist du - jetzt schon - eine ganz besonders wertvolle Perle. Gott ist immer schon auf der Suche nach schönen Perlen, er ist immer schon auf der Suche nach dir. Und du – du bist in seinen Augen die eine, die ganz besonders wertvolle Perle.

Zusammenfassung

Nochmal: Ich wünsche jedem von euch die Tagelöhner-Erfahrung aus dem ersten Gleichnis. Die Erfahrung: Im Reich Gottes, in der bedingungslosen Annahme, die Gott mir schenkt, in Gottes Gnade und Vergebung habe ich den Schatz meines Lebens gefunden. Nichts und niemand kann mir diesen Schatz nehmen. Ich bin reich. Das ist 'ne tolle Erfahrung. Ich bin dankbar, dass ich sie machen durfte.


Aber wie viele andere auch kenne ich auch das andere: Wir sind Menschen auf der Suche. Da ist nicht immer nur Gewissheit und Freude und Sicherheit, das Reich Gottes gefunden zu haben, sondern da sind manchmal auch Fragen und Zweifel und Unsicherheit. Dann hilft es mir, mir das zu sagen, was Jesus im zweiten Gleichnis erzählt: Bevor ich Gott suche, hat Gott mich – und dich – schon längst gefunden. Gott ist immer auf der Suche nach uns. Das ist seine Persönlichkeit. Und: In seinen Augen ist jeder und jede von uns die eine ganz besonders wertvolle Perle, für die er alles aufgibt, sogar sich selbst. Das ist das Geheimnis des Glaubens. Gott sucht dich, und er findet dich, denn du bist für ihn unendlich wertvoll – unendlich geliebt.

Montag, 8. Juli 2013

Therapie gegen die Furcht

(Predigt in der EmK Detmold am 07. Juli 2013)

Furcht – wer von uns kennt sie nicht? Die harmlose Furcht vor dem Zahnarzt, aber auch die Furcht vor Entlassung und Arbeitslosigkeit, die Furcht vor einem unangenehmen Gespräch, die Furcht vor dem Alleinsein, vor dem Rausgehen im Dunkeln, vor dem Sterben...

Furcht – das ist was anderes als Angst. Angst ist ein unangenehmes Gefühl ohne reale Ursache. Furcht dagegen hat immer einen realen Grund. Sie ist begründbar und angebracht. Das macht sie so schlimm. Ich habe Furcht vor dem Zahnarzt, weil ich genau weiß: Es wird weh tun. Ich habe Furcht vor der Entlassung, weil tatsächlich welche anstehen im Betrieb...

Furcht kann lähmen. Dann kriegst du nicht mehr auf die Reihe wegen deiner Furcht. Ein gutes Beispiel dafür sind die Leute, von denen manche Schuldnerberater erzählen: Aus Furcht vor den Rechnungen haben sie sie jahrelang ignoriert, bis es eben nicht mehr ging und die Pfändung vor der Tür stand. Statt mit ihren Gläubigern das Gespräch zu suchen und zum Beispiel Ratenzahlungen auszuhandeln, waren sie immer dann, wenn wieder eine Mahnung kam, wie gelähmt, und haben sie deshalb erst gar nicht aufgemacht. Gelähmt von ihrer Furcht. So zerstört die Furcht Existenzen.

Was aber kann man machen gegen die Furcht? Kann man sie sich abtrainieren? Klar, da gibt es Wege – in einer Therapie zum Beispiel. Mühevolle, aber gute Wege.

Einer kann und will uns die Furcht nehmen, uns davon befreien, damit wir nicht mehr gelähmt sind. Darum geht es heute in meiner Predigt.

Denn auch Israel, Gottes Volk, kennt die Furcht. Damals im Exil haben sie sie kennengelernt. Die Furcht davor, von Gott verlassen zu sein. Denn genau danach sah es ja tatsächlich aus. Fern der Heimat waren sie, Sklaven der Siegermacht, ohne Aussicht auf Befreiung und Heimkehr. Hatte Gott sie verstoßen? Hatte er sie verlassen?

Wir kennen diese Furcht, oder? Mir jedenfalls ist sie gut bekannt. Hat nicht am Ende jede Furcht – egal ob vor dem Zahnarzt oder vor der Mahnung im Briefkasten – etwas damit zu tun? Mit dieser Furcht davor, von Gott verlassen zu sein? Vielleicht ist das die Grundfurcht, die alle anderen Furcht-Ausprägungen erst hervorbringt.

Israel jedenfalls fürchtete sich im Exil vor der Gottverlassenheit. Und da trat er auf – der Prophet. Wir nennen ihn Deuterojesaja, den anderen Jesaja, weil wir seine Reden in einem Anhang zum Buch Jesaja in der Bibel finden. Er war der Mutmachprophet Israels im Exil. Er tritt also auf (Jesaja 43) und teilt dem Volk, das voller Furcht ist, Folgendes mit:

1. Jetzt aber – so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.
2. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen.
3. Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Ich gebe Ägypten als Kaufpreis für dich, Kusch und Seba gebe ich für dich.
4. Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker.
5. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Vom Osten bringe ich deine Kinder herbei, vom Westen her sammle ich euch.
6. Ich sage zum Norden: Gib her, und zum Süden: Halt nicht zurück! Führe meine Söhne heim aus der Ferne, meine Töchter vom Ende der Erde!
7. Denn jeden, der nach meinem Namen benannt ist, habe ich zu meiner Ehre erschaffen, geformt und gemacht.

Unser Prophet spricht im Namen Gottes: So spricht der Herr (Vers 1). Gott, sagt er, will euch helfen, eure Furcht zu besiegen. Gott sagt: Fürchte dich nicht. Gleich zweimal sagt er das: Fürchte dich nicht – in Vers 1 und in Vers 5. So wichtig ist es ihm. Aber kann man das denn – die Furcht einfach abstellen? Gehe nicht bei Rot über die Ampel. Das kann ich – mit ein bisschen Mühe zumindest. Aber: Fürchte dich nicht? Geht das so einfach? Natürlich nicht.

Aber Gott hat eine Therapie gegen die Furcht. Die Furcht hat ja eigentlich – so haben wir vorhin gesagt – mehr oder weniger verborgen – immer denselben Gegenstand: Sie ist im Kern Furcht davor, von Gott verlassen und allein gelassen zu sein. Diese Furcht treibt Israel um – und uns auch. Wie sieht Gottes Therapie gegen diese Furcht aus?

Gott gibt drei Tipps für Schritte auf dem Weg, die Furcht zu besiegen.

1. Denk daran: Gott ist dein Schöpfer.
2. Denk daran: Gott ist dein Retter. Und
3. Denk daran: Gott ist Immanuel

1. Denk daran: Gott ist dein Schöpfer.

Das ist der erste Schritt auf dem Weg aus der Furcht heraus: Erinnere dich daran, dass Gott dich geschaffen hat. Geschaffen und geformt, heißt es in Vers 1. Das heißt: Gott hat dich gewollt, und er will dich noch. Du bist kein Produkt des Zufalls, sondern Ergebnis der schöpferischen Liebe Gottes.

Das tut gut, sich daran zu erinnern. Israel im Exil tat es gut. Der Prophet nennt hier in Vers 1 sowohl den Namen Jakob als auch den Namen Israel. Damit erinnert er daran: Gott hat aus dem Betrüger Jakob seinen Liebling Israel gemacht. So viel liegt ihm an euch. Glaubt ihr im Ernst, er würde euch jetzt allein lassen oder gar fallen lassen? Ich bin sicher: Diese Botschaft tat dem furchtsamen Israel Exil gut.

Und uns Furchtsamen kann sie auch gut tun: Du fürchtest, dass Gott dich verlassen hat oder dass er dich verlassen könnte? Dann denk daran: Gott hat dich geschaffen und dich gewollt, weil er dich liebt. Du, wie es in dem Lied heißt, bist ein Gedanke Gottes – und ein schöner noch dazu. Er hat dich bei deinem Namen gerufen. Er kennt dich und liebt dich. Deshalb wird er dich nie verlassen. Du, sagt Gott in Vers 4, bist in meinen Augen teuer und wertvoll, weil ich dich liebe. Gibt es eine schönere Liebeserklärung? Am liebsten wäre mir, wir Furchtsamen würden uns das alle an den Spiegel im Badezimmer kleben, damit wir es jeden Morgen sehen, bevor wir den Tag beginnen. Gott spricht: Du, Sonja, du, Gustav, du, Birgit, du, Werner, du, Else bist in meinen Augen teuer und wertvoll, weil ich dich liebe. Das ist Therapie gegen die Furcht.

2. Denk daran: Gott ist dein Retter

Vers 3: Ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Mag sein, dass ihr keine Hoffnung mehr habt, jemals aus der Gefangenschaft erlöst zu werden und wieder nach Hause zu kommen. Aber erinnert euch daran: Ich bin euer Retter. Ich kann euch befreien. Ich werde, Vers 6, alle meine Töchter und Söhne nach Hause, nach Israel zurückholen.

Das ist kein leeres Versprechen. Gott hat das tatsächlich gemacht. Der Tag kam, an dem das Exil zu Ende war und Israel nach Hause kam. Gott hält sein Versprechen. Er rettet. Das heißt nicht, dass es kein Unglück im Leben gibt. Man muss nur Vers 2 lesen. Auch denen, die sich auf Gott verlassen, kann das Wasser manchmal buchstäblich bis zum Hals stehen. Auch in ihrem Leben kann es lichterloh brennen. Aber sie wissen: Gott hält sein Versprechen. Er rettet. So wie er damals und bis heute immer wieder Israel gerettet hat, so auch uns. Darauf kann ich mich und kannst du dich wirklich verlassen. So ist Gott.

Der, der uns hier zusammenführt, Jesus, hat das im Namen. Jesus, Jehoschua, heißt: Gott rettet. Für mich ist dieser Jesus der Retter der Welt. Ihm vertrauen, mit ihm leben, von ihm lernen und in seiner Spur durchs Leben gehen – das bewahrt mich jeden Tag vor der Furcht, von Gott verlassen zu sein. Jesus ist für mich die ständige Versicherung: Gott lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht. In Jesus gibt er sich selbst für dich. Ich wünsche euch allen so sehr, dass ihr in Jesus wirklich den Jehoschua findet, den, der Gottes Rettung für euch verkörpert. Denn ich weiß: Das – oder besser: er – treibt die Furcht aus.

Und der dritte Schritt der Therapie gegen die Furcht:

3. Denk daran: Gott ist Immanuel.

Jesaja, auf den sich unser Prophet ja bezieht, hat in Kapitel 7 von diesem besonderen Namen gesprochen. Immanuel, das heißt „Gott ist mit uns“. Der andere Jesaja, Deuterojesaja, nimmt das mitten im Exil hier wieder auf. Vers 2: Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir. Und Vers 5: Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.

Immanuel, Gott ist mit uns, das ist Gottes Name. Gott rettet seine Töchter und Söhne nicht so, dass er sie aus allen Gefahren und Leiden herausholt oder sie davor bewahrt. Nein, sonst hätte es kein Exil gegeben. Aber: Gott geht mit. Auch im Exil bleibt er Immanuel. Wenn du durchs Wasser gehst, dann stapfe ich an deiner Seite. Ich bin mit dir. Israel braucht sich nicht davor zu fürchten, von Gott fallen gelassen oder allein gelassen zu werden. Gott ist immer mit dabei – auch im Exil.

Als ich 15 oder 16 war, habe ich mal an einer Podiumsdiskussion mit einem jüdischen KZ-Überlebenden teilgenommen. Das war sehr beeindruckend. Und irgendwann kam die Frage: Wo war denn Gott da, in Auschwitz? Eine schwierige Frage – für mich eine der schwierigsten überhaupt. Ich bin noch lange nicht mit ihr fertig – und werde es wahrscheinlich nie. Aber die Antwort des alten jüdischen Mannes hat mich fasziniert und hat mein Verständnis von Gott zutiefst bis heute geprägt: Er ist mit den Gefangenen in die Gaskammer gegangen. Gott ist Immanuel, er geht immer mit seinen Töchtern und Söhnen mit – auch ins Leiden.

Auf diesen Namen Gottes – Immanuel – bezieht sich Matthäus im ersten Kapitel seines Evangeliums. Gott ist mit uns. Ihn sieht Matthäus in einzigartiger Weise in Jesus verkörpert. In ihm, dem Immanuel, wagt es Gott, ganz und gar bis zur letzten Konsequenz mit uns zu sein. Er wird selbst Mensch und gibt sich ganz hin in unser Leben hinein. So radikal ist Gott Immanuel, Gott mit uns, dass er selbst in Jesus für uns Mensch wird und mit uns und für uns lebt und feiert und leidet und stirbt.

Immanuelkirche. In ihr feiern wir heute Gottesdienst. Ich liebe diesen Namen. Dass Gott mit uns ist, in Jesus, das führt uns zusammen. Dieser Immanuel macht uns zur Gemeinde. Immanuel – Gott ist mit uns.

So also sieht Gottes Therapie gegen die Furcht vor der Gottverlassenheit aus. Für Israel und für uns. Er ermutigt uns, uns immer wieder zu sagen: Gott ist unser Schöpfer. Er hat dich und mich geschaffen, weil wir in seinen Augen wertvoll sind und weil er uns liebt. Gott ist unser Retter. Jehoschua. Er wird uns befreien aus dem, wovor wir uns fürchten. Gott steht zu seinen Versprechen. Am Ende wird er alles in allem sein. Und Gott ist Immanuel. Er ist wirklich mit uns und geht an unserer Seite auch durch das Leiden, das uns solche Furcht macht.

Jesus, der für mich diese drei Eigenschaften Gottes – seine Schöpferliebe, sein Retter-Sein und sein Mit-uns-Sein – verkörpert, kann so tatsächlich die Furcht besiegen und vertreiben. Er wird zur Therapie gegen die Furcht und setzt an ihre Stelle das Vertrauen zu Gott, den ewigen Schöpfer, Retter und Immanuel.


Donnerstag, 4. Juli 2013

Monatsthema Heidelberger Katechismus

Nachmittage der Begegnung im Juli

Er ist sicher der bedeutendste deutschsprachige Katechismus der reformierten Tra­dition und wird in diesem Jahr 450 Jahre alt: der Heidelberger Katechismus. Anlass genug für uns, ihn etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Juli laden wir des­halb in der Immanuelkirche in Detmold zu zwei Nachmittagen der Begegnung über den Heidelberger ein:

Themenmonat „Der Heidelberger Katechismus“
Herzliche Einladung

10.07.13 15-17 Uhr: Themen-Café
„Was ist dein einziger Trost? - Eine Einführung in den Heidelberger Katechismus“
Ort: Immanuelkirche Detmold


24.07.13 15-18 Uhr: Ausflug nach Schötmar
Besichtigung der Kilianskirche und Besuch der Wanderausstellung „450 Jahre Heidelberger Katechismus“
Treff: 15 Uhr an der Immanuelkirche zum Bilden von Fahrgemeinschaften


Kontakt: Uwe Hanis, Tel. 05231-23297, detmold@emk.de

Mittwoch, 3. Juli 2013

Veranstaltungshinweis: Eine methodistische Position zum § 218

Ein echtes Aufregerthema steht im Mittelpunkt des „Theologischen Grillabends“ am 9 Juli: die gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland.

Wie sieht diese Regelung überhaupt genau aus? Was sagen die §§ 218 und 219 des Strafgesetzbuches genau? Und: Wie können wir als Christen glaubwürdig dazu Stel­lung nehmen? Welche theologisch verantworteten Positionen legen sich aus der methodistischen Tradition heraus nahe? Um diese Fragen geht es um 19 Uhr im Ein­führungsvortrag im Gemeindesaal.


Aber beim Vortrag soll es nicht bleiben. Anschließend wollen wir beim Grillen auf dem Kirchhof zu Würstchen und alkoholfreien Getränken über das Thema ins Ge­spräch kommen.

Ein spannender Abend wartet also auf uns – und ganz bestimmt interessante und herausfordernde Gespräche. Und das Beste ist: Sie sind ganz herzlich eingeladen. Der Theologische Grillabend richtet sich an alle, die In­teresse an theologischen Fragen haben – nicht nur an Theologinnen und Theologen.

Also: Tragen Sie sich den Termin ruhig in Ihren Kalender ein und freuen Sie sich auf einen interessanten Abend: 9. Juli, 19 Uhr. 

Was Nachfolge kosten kann

Diese Predigt ist für mich eine besondere. Zum Einen, weil sie in die Not-a-fan-Reihe passt, über die wir gerade im Mittwochshauskreis sprechen. Der vorgeschlagene Predigttext heute wird in dem Buch von Kyle Idleman an mehreren Stellen besprochen. Zum Andern aber auch, weil der Text mich immer noch provoziert und herausfordert. Ich bin noch lange nicht mit ihm fertig. Wie viele Texte aus der Bibel regt er mich auf und an, stört er mich manchmal und macht mich unruhig.

Es geht um einen Abschnitt aus Lukas 14 – ihr findet den Text in euren Programm zum Mitlesen -, der ganz harmlos oder besser ziemlich erfreulich beginnt:

25 Viele Menschen begleiteten ihn. Da wandte er sich an sie und sagte:

Jesus hatte gerade eingeladen in Gottes Reich und hatte dazu das Gleichnis vom großen Festmahl erzählt. „Euch alle lädt Gott zu sich ein“, war seine Botschaft. Und tatsächlich: Es hat funktioniert. Viele Menschen kamen. Sie fanden Jesus und die Bewegung, die sich ihm angeschlossen hatte, interessant, verlockend, bereichernd. Und sie kamen, um mehr von ihm zu erfahren – mehr über diesen Rabbi und mehr über das Reich Gottes, das er verkündete. Toll oder? Die Jünger waren bestimmt begeistert. Wir haben tatsächlich Erfolg. Wow.

Und Jesus wandte sich an die vielen Leute, die ihn nun begleiteten, und redete sie an. Klar. Er muss ja irgendwas zu ihnen sagen, oder? Dazu sind sie schließlich gekommen – um ihn zu hören. Was wird er ihnen also mitgeben?

Schön, dass ihr alle da seid. Herzlich willkommen. Wir, meine Jünger und ich, wollen alles tun, damit ihr euch wohl fühlt und auch Jünger werdet. Es soll euch an nichts fehlen. Und wenn euch irgendwas doch unbequem sein sollte, dann zögert nicht, es mir zu sagen. Ich werde es sofort ändern.“ Sowas in der Art ist es wohl, was wir erwarten, oder? Aber nichts da. Jesus sagt den Leuten, die zu ihm stoßen, Folgendes:

26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 33 Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Whom, das hat gesessen. Ja, ist der denn verrückt? Will er denn die Leute gleich wieder vertreiben – jetzt, wo sie endlich da sind? Fast könnte man diesen Eindruck haben.

Jesus tut das, was er immer tut, wenn er Erfolg bei den Leuten hat. Wenn sie ihm nachlaufen und begeistert für ihn sind: Er warnt. Und er macht deutlich: Das Leben mit mir, die Nachfolge, das Leben als mein Jünger, ist ganz schön anspruchsvoll. Das ist keine Butterfahrt, sondern eher eine Abenteuerreise.

Denn wenn ihr nicht nur Zuschauer bleiben, sondern wirklich meine Jünger werden wollt, sagt Jesus, dann solltet ihr mit zwei Dingen auf jeden Fall rechnen:

Erstens mit Leiden und Verzicht. Wer Jesu Jünger sein will, der muss sein Kreuz auf sich nehmen. Jesus nachfolgen hat etwas mit Leiden und mit Tod zu tun. An einer anderen Stelle sagt Jesus das so: Ein Weizenkorn, wenn es Frucht bringen soll, muss erst in die Erde fallen und sterben. Dann und nur dann kann das Korn Frucht tragen.

Ich werde dein Leben ganz schön durcheinanderbringen, sagt Jesus hier. Wenn du mich in dein Haus lässt, dann bleibe ich nicht freundlich distanziert im Flur stehen. Nein, ich möchte alle Räume deines Hauses sehen und werde mich gründlich in alle Bereiche deines Lebens einmischen. Das wird vielleicht ganz schön unbequem für dich:
  • Ich möchte in dein Wohnzimmer und sehen, was du so fernsiehst und liest. Und ich werde dir Fragen stellen: Tut dir das wirklich gut – die Gewalt, die du dir jeden Abend so reinziehst? Oder kann es sein, dass dein Jähzorn und deine Grobheit und deine Unzufriedenheit damit zu tun haben?
  • Ich möchte deine Küche gerne sehen. Mich interessiert, was du einkaufst und was du so isst und trinkst. Kaufst du fair gehandelte Lebensmittel ein, oder ist dir die Gerechtigkeit beim Preis egal? Und: Hast du schonmal gehört, dass Gott dir deinen Körper geschenkt hat, damit du ihn damit lobst und preist? Findest du es da angemessen, dass du ihn jeden Tag 40 mal mit Teer und giftigem Qualm verpestest? Ganz schön unangenehm, was Jesus da fragt. Aber er ist noch nicht fertig:
  • Ich möchte sogar in dein Schlafzimmer gucken, sagt er. Was sind Ehe und Familie für dich? Wie hältst du´ s mit der Treue – auch in deinen Gedanken?
Jesus möchte in unseren Weinkeller gucken und fragt, wie wir mit Alkohol umgehen. In unsere Garage. Wie verhalten wir uns im Straßenverkehr? In unser Portemonnaie. Wofür geben wir unser Geld aus? Kein Bereich unseres Lebens ist für ihn uninteressant. Weil er sagt: Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Wer nicht bereit ist, von mir zu lernen, sich mehr und mehr von mir verwandeln zu lassen, auch wenn er dafür liebgewordene Gewohnheiten, ja sich selbst, aufgeben muss, der kann nicht mein Jünger sein. Jünger Jesu sein, das heißt: Jesus ist Herr meines ganzen Lebens. Und wo er es noch nicht ist, da soll er es Schritt für Schritt werden. Er soll mich – mehr und mehr – ganz bestimmen und prägen und verwandeln in sein Bild.

Und das Zweite, was Jesus hier sagt: Wer denkt, ein Jünger macht sich durch sein Leben mit mir bei allen beliebt, der ist ganz schön auf dem Holzweg. Es kann sein, dass die Menschen, die dir am liebsten sind, deine Eltern, deine Frau oder dein Mann, deine Kinder und Geschwister, dich ablehnen und dein neues Leben, zu dem ich dich führe, nicht verstehen werden.

Ich bin mir sicher, dass Jesus hier nicht nur an Mönche und Nonnen denkt, auch wenn das oft so ausgelegt wurde, sondern an alle seine Jünger. Natürlich gibt es einige Geschwister, die in besonderer Weise berufen sind, ihre Familie zu verlassen, zölibatär zu leben oder in die Mission zu gehen oder ähnliches. Aber Jesus meint hier wirklich alle. Er spricht zu allen, die ihn begleiten. Seid darauf gefasst, sagt er: Wenn ihr es ernst mit mir meint und konsequent als meine Jünger lebt, wenn ihr mich in alle eure Zimmer lasst, dann kann es auch bei euch so sein, dass ihr es euch dadurch mit Menschen, die ihr sehr lieb habt, verderbt. Es kann sein, dass sie euch nicht verstehen und dass sie nichts mehr mit euch zu tun haben wollen. Seid dann nicht überrascht.

Was will Jesus mit diesen schwer zu verdauenden Sätzen erreichen. Will er, dass wir weglaufen? Will er uns Angst vor einem Leben als seine Jünger machen? Lesen wir weiter:

28 Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten 30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen andern in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.

Bilder, finde ich, die Jesus auch heute hätte genauso sagen können. Oder? Wer ein Haus bauen will, der muss vorher gründlich die Kosten überschlagen. Sonst ist am Ende nach dem Rohbau Schluss, weil die Mittel ausgehen. Und das wäre nicht nur blöd, sondern auch reichlich peinlich. Und wenn ein Land in einen Krieg zieht, dann sollten vorher alle möglichen Kriegsentwicklungen durchgespielt worden sein. Sonst endet das ganze so wie eben in Afghanistan: Man kommt nicht mehr so leicht raus aus der Nummer.

Jesus will nicht, dass wir weglaufen, und er will uns keine Angst vor dem Leben als Jünger machen. Was er will ist, dass wir die Kosten überschlagen, wenn wir uns ernsthaft auf ein Leben mit ihm als unserm Lehrer und Herrn einlassen. Er will, dass wir wissen, was wir tun. Bewunderer Jesu sind reichlich da, damals wie heute. Fans, würde Kyle Idleman sagen. Es stehen reichlich Leute am Rand und sehen Jesus zu und finden ihn toll. Aber Jesus sagt: Was ich eigentlich von euch will, ist nicht, dass ihr mich bewundert, sondern dass ihr mir nachfolgt. Dass ihr wirklich mit mir lebt, meine Jünger werdet, von mir lernt und euch von mir verwandeln lasst. Wenn ihr euch aber dafür entscheidet, dann solltet ihr wissen, welche Konsequenzen das hat. Wir werden euer ganzes Leben gemeinsam umkrempeln. Manchmal wird euch das wehtun. Ihr werdet liebgewordene Gewohnheiten aufgeben, ja, euch selbst aufgeben für die neue Welt Gottes. Und ihr werdet gewiss nicht Everybody´s Darling sein, sondern manchen Leuten, auch solchen, die ihr gern habt, ganz schön unbequem werden. Wenn ihr dazu nicht bereit seid, sagt Jesus, dann bleibt lieber am Rand stehen und staunt. Als Jünger kann ich euch dann nicht gebrauchen. Harte, aber ehrliche Worte.

Jesus ist keiner dieser Fernsehevangelisten, der uns vormacht: Du musst dich nur für den Glauben entscheiden, dann wird alles gut. Dein Leben wird wunderbar. Wohlstand und Glück und Zufriedenheit warten auf dich. Das ist nicht Jesu Botschaft. Seine Botschaft lautet: Mit mir bricht Gottes neue Welt in die Gegenwart ein. Gott hat Großes mit der Welt vor, er will sie ganz neu machen. Alle seid ihr eingeladen in diese neue Welt Gottes. Gott kann jede und jeden brauchen. Und ihr dürft auch alle mitmachen. Gott nimmt euch an, egal was ihr auf dem Kerbholz habt. Ihr dürft kommen, wie ihr seid. Euer Leben in meiner Nachfolge im Dienst an Gottes neuer Welt wird abenteuerlich sein, aber erwartet kein Zuckerschlecken. Es wird auch Leid geben, das Kreuz. Eure Verwandlung in Menschen der neuen Welt wird manchmal auch schmerzlich sein. Ihr werdet auf euch selbst verzichten müssen. Und ihr werdet nicht nur auf freundschaftlichen Beifall treffen, sondern auch auf entschiedene Ablehnung und Missgunst, ja Feindschaft. Wenn ihr also mitmachen wollt, wenn ihr wirklich meine Jünger sein wollt und nicht nur Bewunderer oder Zuschauer, dann solltet ihr das alles vorher wissen.

Aber dann, nur dann, wenn ihr dazu bereit seid, wenn ihr das Abenteuer Jüngerschaft wirklich eingeht und euch traut, mir nachzufolgen und in meiner Spur zu leben, dann könnt ihr für Gottes neue Welt Wunderbares bewirken. Ihr werdet wirklich Salz der Erde. Und zwar solches Salz, das man auch schmeckt.

34 Das Salz ist etwas Gutes. Wenn aber das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man ihm die Würze wiedergeben? 35 Es taugt weder für den Acker noch für den Misthaufen, man wirft es weg. Wer Ohren hat zum Hören, der höre.

Deshalb also ist Jesus so deutlich und klar in seinen Worten – und auch so unbequem. Beim Leben als Jünger Jesu geht es nicht nur um mich oder um uns. Es geht um nicht weniger als die Welt. Jesus will uns zum Rech-Gottes-Salz der Erde machen. Er will uns durch seinen Geist in die Lage versetzen, wirklich die Welt zu verändern, ihr einen anderen neuen Geschmack zu geben. Unser Lebensstil, den wir von ihm lernen, wird die Welt verwandeln und wir werden so Teil seiner Mission. Das ist groß, oder? Und ich staune immer wieder über dieses Wunder: Gott kann für seine Mission, für seine neue Welt, Leute wie uns brauchen – nicht nur Superhelden, sondern dich und mich.


Also los: Lassen wir uns neu einspannen von Jesus. Lassen wir uns neu verpflichten zu seinen Jüngerinnen und Jüngern. Leben wir mit ihm und lernen wir von ihm. Lassen wir uns ein auf das Abenteuer der Nachfolge. Jesus will uns verwandeln, unser ganzes Leben umkrempeln, um durch uns und mit uns die Welt zu verändern. Das wird unbequem sein, manchmal wehtun und Leiden mit sich bringen, es wird uns unbequem machen und wir werden nicht nur Freunde haben, sondern auch Feinde. Aber als Jünger Jesu Reich-Gottes-Salz der Erde zu sein, das ist der wichtigste und schönste und spannendste und aufregendste Lebensstil der Welt.