Freitag, 29. März 2013

Kannst du Lasten abgeben?

(Predigt in der EmK Detmold am Karfreitag 2013)


Alles bei Jesus abgeben – so heißt unser Thema heute am Karfreitag.

Das mit dem Abgeben, das fällt vielen von uns – mich eingeschlossen – ganz schön schwer. Wir erledigen die Dinge lieber selbst. Ich zum Beispiel habe eine Zeit lang viel Mühe gespart, indem ich meine Hemden zum Bügeln weggegeben habe – an Profis. Das hat auch ganz gut geklappt, aber trotzdem bügel ich heute wieder selbst. Und das nicht nur aus lippischen Gründen, weil es sparsamer ist, sondern auch, weil ich mir einbilde, dass ich sie besser, ordentlicher bügel als die Profis. So sind wir, oder? Wir tragen die Lasten lieber selbst, statt sie abzugeben, weil wir denken, wir könnten das besser als andere.

Aber manches, was wir so mit uns rumtragen, ist eben doch ganz schön schwer. So schwer, dass es uns die Luft zum Atmen nimmt.
  • Die Verantwortung für unsere Kinder zum Beispiel: Da liegen sie in unserer Hand, die kleinen Würmchen, und sind einfach nur süß. Und dann sollen wir als Eltern und Großeltern und Tanten und Onkel dafür verantwortlich sein, was aus ihnen wird? Wir, ausgerechnet wir, sollen ihnen helfen, zu anständigen und selbstbewussten und lebenstüchtigen Menschen heranzuwachsen? Eine ganz schön schwere Last.
  • Oder die Angst vor dem Älterwerden. Plötzlich und unbemerkt schleicht sie sich in unser Leben ein. Auf einmal sind sie da, die kleinen Wehwehchen, die uns klarmachen, dass unsere biologische Uhr unaufhörlich tickt. Wie wird das Alter sein? Werde ich viele Krankheiten und Schmerzen haben? Werde ich allein sein? Eine ganz schön schwere Last.
  • Damit verbunden die Angst vor dem Tod. Einmal werde ich nicht mehr da sein. Und was wird dann? Wo werde ich dann sein? Ist da am Ende doch ein großes Nichts, in das ich falle? Die Angst vor dem Tod – eine schwere Last.
  • Oder Schuld, die uns drückt. Da haben wir jemandem großes Unrecht getan. Und wer kann von sich behaupten, er habe das noch nie? Oder die fortgesetzte Schuld: Ich weiß genau, das es falsch ist, was ich mache. Ich weiß genau, dass Gott es nicht will, weil es mir oder anderen schadet. Und doch tue ich es immer wieder. Schuld kann uns gewaltig drücken. Eine ganz schön schwere Last.

Bestimmt hat jede und jeder von uns solche schweren Lasten, die ihn, die sie drücken. Und bei aller Lust am Selber-Machen: Die würden wir nur zu gerne abgeben, wenn sie nur jemand mittragen würde. Aber leider gibt es zwar einen Bügelservice, der mir das Hemden-Bügeln abnehmen kann, aber keinen Erziehungsservice, der für mich meine Kinder erzieht. Keinen Betrieb, der für mich alt wird und mir meine Sorge vor dem Krankwerden abnimmt. Keinen Sterbeservice, der mir die Angst vor dem Tod einfach abnimmt. Und auch keine Vergebung GmbH & Co. KG, die mir meine Schuld von den Schultern nehmen könnte.

Oder doch?

Wir haben gerade die Matthäus-Fassung über Jesu Sterben am Kreuz gehört. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, das hat Jesus dort geschrien. Der Sohn Gottes, Gott selbst als Mensch, schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ein Paradox, und doch viel mehr als das.

Wir glauben, dass Gott in Jesus war und, wie Paulus schreibt, die Welt mit sich versöhnte. Auch dort am Kreuz, im Leiden Jesu, in seinem Sterben und in der Gottverlassenheit des Schreis: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber.

Das heißt doch, liebe Freunde: Es ist Gott selbst, der in Jesus am Kreuz die Gottverlassenheit auf sich nimmt und aushält und trägt. Die Gottverlassenheit, vor der wir solche Angst haben, die trägt Gott selbst in Jesus für uns. An unserer Stelle. Wir brauchen sie nicht mehr zu fürchten.

Und deshalb dürfen wir wirklich alles abgeben bei Jesus. Der hat einmal gesagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Es ist der Gekreuzigte, der das sagt. Und er kann das sagen, weil er uns dort, am Kreuz wirklich alles abnimmt, was wir ihm bringen. Wir sind mit unseren Lasten nicht mehr allein. Jesus – und in Jesus Gott selbst – trägt sie mit und nimmt sie uns ab:
  • Die Verantwortung für unsere Kinder dürfen wir bei ihm abgeben. Jesus trägt sie mit und entlastet unsere Schultern. Wir dürfen unsere Kinder und Enkel zu Jesus unters Kreuz bringen und durch ihn für sie zu Gott beten, dass er sie trägt und umfängt und durchs Leben begleitet. Nicht mehr wir allein sind dann für sie verantwortlich. Er trägt mit.
  • Die Angst vor dem Älter- und Kränkerwerden dürfen wir zu Jesus bringen. Er nimmt sie uns ab. Gott, der selbst in Jesus so gelitten hat, als er angespuckt und geschlagen und gefoltert wurde und als er am Kreuz starb, wird da sein, wenn wir leiden. Wir werden nicht allein sein. Er wird an unserer Seite stehen – mit uns und für uns. Wir dürfen getrost alt werden.
  • Auch unsere Angst vor dem Tod dürfen wir zu Jesus bringen. Es gibt seit Golgatha keinen Ort mehr ohne Gott – auch nicht den Tod. Gott selbst hat in Jesus alle Gottverlassenheit des Todes für uns getragen. Deshalb kann der Tod kein Ort ohne Gott mehr sein. Der Sieg über den Tod wird genau dort errungen – am Kreuz.
  • Und unsere Schuld. Wir dürfen sie zum Kreuz bringen. Du darfst deine Schuld zum Kreuz bringen. Er vergibt sie dir. Darauf kannst du dich verlassen. Er vergibt dir alles, und sei die Schuld, die du ihm bringst, noch so groß. Und wie auf den Karfreitag Ostern kommt, so wagt er mit dir einen Neuanfang. Er will dir neues, befreites, von Schuld und Angst entlastetes Leben schenken.

Und so seid ihr alle heute eingeladen unters Kreuz – sei es zum ersten Mal oder sei es zum wiederholten Mal. Ihr seid eingeladen, alles abzugeben bei Jesus – eure Sorgen und Fragen, eure Ängste und eure Schuld. Alles, was euch von Gott trennt, alles, was euch belastet und euch das Atmen schwer macht, dürft ihr ihm bringen. Heute. Denn er sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich nehme euch eure Lasten ab.

Amen.

Sonntag, 24. März 2013

Esel wie du und ich

(Predigt in der EmK Detmold am 24.03.2013)


Heute noch muss ich schmunzeln, wenn ich an den Kosenamen denke, den meine Mutter meinem Vater verpasst hat. Sie hat ihn nicht so gerufen. Aber wenn sie ihm einen Brief geschrieben hat (und sie haben sich oft, vor allem zur Versöhnung nach einem Streit, kleine Zettelchen geschrieben), dann begann ihr Text mit den Worten: Mein lieber Esel. Komisch, oder?

Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem – wir haben sie vorhin in der Lesung gehört – ist ziemlich bekannt. Die meisten von uns haben sie schon viele Male gehört. Und wie bei vielen Erzählungen über Jesu Leben unterscheiden sich die Evangelien dadurch voneinander, was und wie sie erzählen. Eins aber findet sich immer. Es war zu eindrücklich und seltsam, um es wegzulassen: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Ausgerechnet auf einem Esel.

Was hat es mit diesem Esel auf sich? Dieser Frage möchte ich heute mit euch nachgehen. Was bedeutet dieser Esel aus der Palmsonntagserzählung? Drei Bedeutungen möchte ich mit euch teilen:
1. Der Esel ist Gottes Königskrone
2. Der Esel ist das Lasttier schlechthin und wird so zum Bild für Jesus selbst. Und
3. Der Esel, das sind wir

1. also: Der Esel ist Gottes Königskrone.

Esel haben ein schlechtes Image. Sie gelten als dumm, stur und träge. Alles Eigenschaften, die wir uns mit Sicherheit nicht wünschen. Wer will das schon sein: dumm, stur und träge? „Der Esel ist ein dummes Tier, der Elefant kann nichts dafür,“ dichtet Wilhelm Busch in seinem Tier-ABC. Generationen von Schulkindern haben damit das Alphabet gelernt.

Aber nicht nur in unserer Kultur gilt der Esel als..., wenn auch nicht unsympathisch, so doch einigermaßen dämlich. Auch zur Zeit Jesu war das so. In vielen antiken römischen und griechischen Fabeln ist der Esel der exemplarische Dummkopf.

Ganz anders bei Gott. Gott ist schräg – wie Anna Andersrum aus der Kinderpredigt. Bei Gott werden Arme ganz wichtig - sie sind seine Lieblinge - , und Reiche haben plötzlich ein Problem. Intellektuelle verstehen Gott oft nicht. Er erscheint ihnen unlogisch. Gott am Kreuz? Aber einfachen Leuten erschließen sich Gottes Geheimnisse, seine Gnade und Barmherzigkeit und Hingabe oft schnell. Gott ist schräg.

Bei ihm ist der Esel alles andere als dumm, faul und träge. Der Esel ist Gottes Königskrone. In Israels früher Geschichte, von der die Bibel erzählt, tauchen Esel immer im Zusammenhang mit Königen auf. Sie sind königliche Tiere. Und der Prophet Bileam erfährt ganz drastisch, dass sein Esel ziemlich klug ist. Er lernt von seinem Esel, was Gott will, nämlich Israel zu segnen, denn der Esel erkennt das viel früher als der Prophet.

Wenn Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreitet, dann heißt das: Der hier kommt, ist Gottes König. Oder besser: So wie der hier, so und nicht anders ist Gottes König. Er wird nicht in einer Sänfte getragen und reitet nicht auf einem herrschaftlichen Pferd, sondern auf einem Esel, dem Kleine-Leute-Tier. Er sucht nicht die politische Revolution aus Zwang und Gewalt, sondern die stille Revolution der Liebe und Vergebung und der Einladung in Gottes neue Welt an alle. Er will sich nicht mit Zwang und Herrschaft durchsetzen. So ein König ist er nicht. Sondern er lädt sanft und leise alle an seinen Tisch ein und schafft dadurch eine neue Gemeinschaft. Er bekehrt Menschen, mehr und mehr Menschen, vom falschen Weg des Hasses, des Neides, des Verurteilens und Auf-andere-herab-Sehens weg auf den Weg des Vertrauens, der Vergebung, des Friedens, des Teilens und der Liebe. So und nicht anders ist Gottes König.

Und ganz ehrlich: Ich liebe diesen König und ich kann mir nichts besseres vorstellen, als in seinem Dienst und in seiner Nachfolge mein Leben zu führen, von ihm zu lernen und seine Vision von Gottes neuer Welt mit ihm und euch zu teilen.

Und du? Liebst du diesen König auf dem Esel?

2. Der Esel ist das Lasttier schlechthin und wird so zum Bild für Jesus selbst

Der Esel, auf dessen Rücken Jesus in Jerusalem einreitet, ist nicht der einzige Esel in seinem Leben. Esel begleiten Jesus sein Leben lang. Esel sind in der Antike das Lasttier der kleinen Leute Und Jesus gehörte eben zu den kleinen Leuten – und tut das heute immer noch. Schon ganz am Anfang von Jesu Leben war da ein Esel: Wir kennen ihn aus unseren Krippendarstellungen zu Weihnachten. Ochs und Esel gehören dazu, sonst ist die Krippe nicht vollständig, oder? Und dann die Flucht nach Ägypten. Jesus und seine Familie wurden zu politischen Flüchtlingen und fanden in Ägypten eine Zeit lang Asyl. Glücklicherweise. Denn was wäre wohl aus Jesus geworden, wenn die Ägypter seiner Familie kein Asyl gewährt hätten? Und wie kamen Maria, Josef und Jesus dorthin? Richtig, auf einem Esel.

Esel sind in Jesu Leben der kleinen Leute allgegenwärtig. Besonders gut kann man sie gebrauchen, um Lasten zu tragen. Dabei sind sie ganz schön be-last-bar und ausgesprochen geduldig.

So wird der Esel, auf dem Jesus in Jerusalem einreitet, still und heimlich zum Bild für Jesus selbst. Von wegen dumm. Das Lasttier trägt den, der dann verhaftet, verhört, gefoltert und ans Kreuz genagelt wird. Das Lasttier trägt den, der seinerseits die Lasten der Menschen trägt: unsere Ängste, unsere Sünden, unser Versagen, unseren Egoismus, unsere Ferne von Gott. All das trägt Jesus für uns bis zum Ende, sodass wir es nicht mehr tragen müssen. Jesus trägt unsere Lasten – an unserer Seite und mehr noch: an unserer Stelle, für uns. Er nimmt freiwillig unsere Lasten auf sich.

Schon früh wurde Jesus von Menschen, die das nicht verstanden, als Esel verspottet: Ausgrabungen in Rom brachten eine Spottzeichnung hervor. Jesus hängt am Kreuz und hat einen Eselskopf. Darunter steht in griechischer Sprache: Alexamenos betet zu seinem Gott. So hat man sich über Alexamenos' Glauben an Jesus lustig gemacht und dabei doch – unbeabsichtigt – eine tiefe Wahrheit ausgesprochen: Wie ein Lastesel trägt Jesus unser schweres Gepäck des Lebens an Kreuz. Er bietet dir an, es dir abzunehmen und für dich zu tragen: deine Angst vor dem Altwerden und Sterben, deine Schuldgefühle und deinen Zorn. Lässt du es dir von Jesus abnehmen? Am Karfreitag wollen wir das ganz buchstäblich tun. Im Gottesdienst wollen wir unsere Lasten auch ganz körperlich ans Kreuz tragen und bei Jesus abgeben.

Und zuletzt

3. Der Esel, das bist du

Nein, ich will mich nicht über dich lustig machen. Ich halte dich nicht für dumm. Was ich meine, ist: Jesus, Gottes Sohn, der König der Welt, sucht sich einen Esel aus, um in Jerusalem einzuziehen. Ja, er trägt unsere Lasten und vergleicht sich damit selbst mit einem Esel. Wir, seine Jünger, meine ich, brauchen deshalb den Vergleich mit dem Esel für uns selbst nicht zu scheuen. Auch wir können und sollen zu Eseln werden.

Martin Luther sagt das so: „Durch unseren Reiter (Jesus) wird der Esel (ich) gezähmt und regiert.“ Mit anderen Worten: Wie ein Esel sich führen und leiten lässt von seinem Herrn, wie er sich die Richtung und das Ziel zeigen lässt, so sollen und dürfen auch wir uns von Jesus zeigen lassen, wie und wohin wir gehen und was wir tun oder lassen sollen.

Und noch in einem anderen Sinn dürfen wir Esel sein: Wie der Esel von Jerusalem dürfen wir Jesus, den so ganz anderen und schrägen König Gottes, in unsere Welt hineintragen. Bernhard von Clairvaux schreibt: „Das Lasttier..., auf dem Christus gesessen ist: seid ihr es denn nicht selbst nach der Mahnung des Apostels Paulus, dass ihr Gott preist und tragt mit eurem Leibe?“

Wenn wir anderen vergeben, wie Jesus uns vergeben hat, überraschend großzügig, dann tragen wir Jesus in die Welt. Wenn wir denen helfen, denen sonst keiner hilft, dann tragen wir Jesus in die Welt. Wenn wir an der Seite der Armen stehen und nicht auf sie herabblicken, dann tragen wir Jesus in die Welt. Wenn wir Menschen Hoffnung und Mut geben, dann tragen wir Jesus in die Welt. Wenn man uns die Gnade und Liebe und Barmherzigkeit, die wir von Jesus erfahren haben, abspürt, dann tragen wir Jesus in die Welt. Wenn wir einen einladenden Lebensstil der neuen Welt Gottes praktizieren, der die Mauern von Rein und Unrein, Heilig und Profan, Arm und Reich, Anständig und Unanständig, Fremd und Deutsch, Suchend und Glaubend einreißt durch unser alltägliches Verhalten, sodass er andere ansteckt, dann tragen wir damit Jesus in die Welt. Dann werden wir zu ganz vielen kleinen Eseln – nicht dumm und träge, sondern geduldig, belastbar, lebendig und phantasievoll. So ein Esel möchte ich gerne sein. Und du? Machst du mit?

Dorothee Sölle betet: „Lass mich dein Esel sein, Christus... Christus kommt nicht anders als durch solche Esel wie dich und mich... Wenn wir glauben, dass Christus einreiten kann, heute, dass Leute ihn verstehen, dass er sich vermitteln lässt in unser Leben, dass er wirklich kommt, dann nur durch uns.“ Durch Esel wie dich und mich.  

Sonntag, 10. März 2013

Von Blinden und Sehenden

(Predigt in der EmK Detmold am 10. März 2013)


Seit einigen Jahren macht – vor allem, aber beileibe nicht nur in den USA – eine Form der Evangeliumsverkündigung von sich reden, die man allgemein „Wohlstandsevangelium“ nennt: Willst du, dass es dir richtig gutgeht?, wird dort gefragt. Willst du viel Geld verdienen, eine glückliche Ehe führen, willst du Gesundheit erleben und Erfolg in jeder Beziehung haben? Wenn ja, dann glaube an Jesus. Entscheide dich für ein Leben mit ihm, gib dich ihm hin. Er wird dir das alles schenken.

Viele kritisieren dieses „Wohlstandsevangelium“, zu recht, wie ich finde. Aber doch gewinnen die Gemeinden, in denen so gepredigt wird, immer mehr Anhänger und Fans. Sie predigen nicht nur Erfolg, sie sind auch erfolgreich. Ein Beispiel dafür, wie irreführend es sein kann, bei der Frage, ob eine Gemeinde Jesus verkündigt und lebt, zuerst auf die Zahlen zu sehen.

Jesus jedenfalls hatte wahrlich kein „Wohlstandsevangelium“ zu verkünden. Seine Predigt versprach alles andere als Wohlstand, Erfolg und Glück. Er sprach vom Kreuz, das seine Jünger auf sich nehmen sollen, vom Leiden für andere, davon, dass seine Leute geschlagen werden und dann denen, die sie schlagen, die andere Backe auch noch anbieten. Und er sprach auch von seinem eigenen Leiden, ganz offen. Hört Worte aus Lukas 18:

Jesus nahm die Zwölf beiseite und sagte zu ihnen: Seht doch, wir ziehen jetzt hinauf nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben: Er wird den Heiden ausgeliefert, die unser Land besetzt haben. Er wird verspottet, misshandelt und angespuckt werden. Sie werden ihn auspeitschen und töten. Aber am dritten Tag wird er vom Tod auferstehen.“

Wohlstandsevangelium? Alles andere als das, oder? Jesus weiß genau, dass sein Lebensstil, der Lebensstil der Gnade, der Barmherzigkeit, der Vergebung und der Einladung an alle in Gottes neue Welt, alles andere als erfolgreich im landläufigen Sinne ist. Und er weiß das nicht nur: Er sagt es auch – ganz offen. Und er fordert seine Schüler auf, dieser Tatsache mutig ins Auge zu sehen. Seht doch!, sagt er.

  • Gott, wie er sich in Jesus zeigt, ist kein Erfolgs- und Allmachtsgott. Dieser Gott macht sich selbst ohnmächtig. Mit seiner Liebe - gerade zu den Unangepassten, Gemiedenen und Unreinen - stößt er auf Widerstand. Auf Widerstand, der ihn direkt ans Kreuz führt. Und er weicht diesem Widerstand nicht aus, sondern stellt sich ihm – wehrlos – und hält ihn aus bis zum Letzten. Wohl wahr: Am Ende wird er siegen. Am Ende ist das Grab leer. Aber der Weg dorthin ist der Weg ans Kreuz. Und
  • Wer sich auf diesen Gott und seine Liebe einlässt, der sollte lieber nicht damit rechnen, dass das alle toll finden. Sondern der sollte auch mit dem gleichen Widerstand rechnen, auf den Jesus getroffen ist. Das ist heute nicht anders als vor 2.000 Jahren: Wer sich aufmacht, Gottes Liebe zu allen Menschen zu leben, der bekommt es mit Widerständen zu tun – oft gerade von den Frommen.

Seht doch, sagt Jesus. So sieht's aus. Und die Jünger? Sehen sie? Wir lesen weiter in Lukas 18.

Die Zwölf verstanden kein Wort. Der Sinn dieser Worte blieb ihnen verborgen. Sie begriffen nicht, wovon er sprach.“

Sie verstanden kein Wort. Diese zwölf Männer, die tagaus tagein mit Jesus zusammen waren, seine Schüler und Vertrauten und Freunde, waren blind für das Geheimnis des Kreuzes. Dass Gottes Weg in der Welt ein Weg der Ohnmacht und des Leidens ist, dass der Sieg des Lebens und der neuen Welt Gottes sich gerade in der wehrlosen Liebe Jesu zeigt, dafür waren diese Männer blind. Sie sahen zwar Jesus körperlich – jeden Tag sahen sie seine Wunder, sein Leben, sein Erbarmen und seine Hinwendung zu den Unreinen und Ausgeschlossenen. All das sahen sie körperlich, aber für das Eigentliche waren sie blind: Gottes neue Welt setzt sich nicht in einem Siegeszug des Erfolges durch, sondern durch das ohnmächtige und wehrlose Leiden dieses Menschen Jesus und seiner Jüngerinnen und Jünger aller Zeiten. Für dieses Geheimnis des Kreuzes waren die Jünger blind. Sind wir es auch? Apropos blind:

Bei den synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas geschieht nichts nur zufällig. Wie sie die Erzählungen aus dem Leben Jesu anordnen, geschieht geplant und durchdacht. Und so ist es auch kein Zufall, dass direkt nach dem Bericht über die Jünger, die körperlich sehen, aber blind sind für das Geheimnis des Leidens Jesu, eine Erzählung von einem Blinden folgt, der körperlich nichts sieht, aber … Hört selbst:

Da saß ein Blinder am Straßenrand und bettelte. Er hörte, wie die Volksmenge an ihm vorbeiging und fragte: Was ist denn los? Die Leute sagten zu ihm: Jesus von Nazareth kommt gerade hier vorbei. Da rief er laut: Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir! Die Leute, die vor Jesus hergingen, fuhren ihn an: Sei still! Aber der Blinde schrie noch viel lauter: Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir.“

Der Blinde kann Jesus körperlich nicht sehen. Er ist ja blind. Aber was heißt schon blind? Das Eigentliche, das, worum es Jesus geht, das Geheimnis Jesu, das sieht gerade der Blinde ganz klar – anders als die Jünger. Der Blinde erkennt in diesem wehrlosen Mann, der seiner Folterung und Hinrichtung entgegengeht, den wahren König, den Sohn Davids, den Gesandten Gottes, den, der allein retten kann.

Der Blinde sieht viel besser und viel mehr als die körperlich sehenden Jünger: Gottes Macht, unser Leben und die Welt zu verändern und heil zu machen, der Sieg der neuen Welt Gottes, kommt ganz leise daher, machtlos, wehrlos, gewaltlos – in diesem Menschen Jesus von Nazareth. Wirklich heilen, uns als Person und die Welt heilen, kann nur der ohnmächtige Gott in Jesus Christus. Das sieht der Blinde. Da können die Frommen sich noch so sehr gestört fühlen von diesem Mann, der als unrein gilt, der ganz anders ist, der laut ist und die frommen Formen durchbricht. Er kann nicht anders, er muss weiter Jesus rufen, weil er ihn sieht als das, was er eigentlich ist: das Heil der Welt gerade in seiner Ohnmacht und seinem Leiden.

Und Jesus? Er heilt den körperlich Blinden:

Da blieb Jesus stehen und sagte: Bringt ihn zu mir. Als der Blinde bei ihm war, fragte Jesus ihn: Was willst du? Was soll ich für dich tun? Der Blinde antwortete: Herr, dass ich sehen kann. Und Jesus sagte zu ihm: Du sollst sehen können. Dein Glaube hat dich gerettet. Sofort konnte er sehen. Er folgte Jesus und rühmte Gott.“

Jesus heilt den Blinden, sodass er auch körperlich sehen kann. Aber: Ist das wirklich so? „Dein Glaube hat dich gerettet.“, sagt Jesus. Heißt das nicht: Der Blinde war schon heil in dem Moment, in dem er vertraute – dem ohnmächtig-wehrlosen Heiland Jesus einfach vertraute. Dein Glaube, dieses Vertrauen in Gottes Macht, die sich im Leiden Jesu zeigt, hat dich gerettet.

Mich fasziniert diese Doppel-Erzählung in den Evangelien. Wer ist hier wirklich blind und wer ist sehend? Körperlich sehen die Jünger und der Blinde ist eben blind. Das ist wahr. Aber eigentlich ist es doch genau umgekehrt: Die Jünger sehen das Entscheidende eben nicht, das der Blinde sieht: Dass Jesus der König der Welt ist, nicht trotz, sondern gerade in seinem Leiden. Dass er, nur er, uns und unsere Welt heilen kann. Nicht mit Tschingderassabum und Donnerschlag und Gewalt, sondern mit seiner Sanftmut, seiner Liebe zu allen, gerade zu denen, die sonst niemand liebt, mit seiner wehrlosen Güte, seiner Vergebung, die er vollmächtig den Sündern zuspricht und seiner Missachtung der Unterteilung von Menschen in rein und unrein, anständig und anstößig, drinnen und draußen, fromm und zweifelnd... Mit all dem will dieser sanftmütige und wehrlose König Gottes uns und unsere Welt heilen.

So ist Gott: Er siegt mit seiner neuen Welt nicht anders als durch das Leiden hindurch.
  • Lasst uns nicht aufhören, zu hoffen, zu lernen, zu handeln und zu beten, dass Menschen Heilung erfahren durch Vertrauen. Körperliche und seelische Heilung. Dass Menschen aufgerichtet werden und befreit werden, dass Barrieren zwischen Sehenden und Nicht-Sehenden, Nicht-Behinderten und Behinderten überwunden werden. Und
  • lasst uns ebenso nicht aufhören, zu hoffen, zu lernen, zu handeln und zu beten, dass wir und alle sehend werden (und ich meine hier das eigentliche Sehen, das, worauf es wirklich ankommt), dass wir die Herrlichkeit Gottes, seine Macht und seine Hilfe erkennen in dem leidenden, wehrlosen Jesus, der um unsere Liebe und unser Vertrauen in Gottes neue Welt wirbt.  

Montag, 4. März 2013

Krisenfest als Jünger leben

(Predigt in der EmK Detmold am 3. März 2013)


Das möchten wir, oder? Sturmsicher als Jünger Jesu leben. Sturmsicher, das heißt: krisenfest, nicht wetterwendisch, sondern auch in schwierigen Zeiten konsequent, authentisch und glaubwürdig Jünger Jesu sein. Aber wir wissen auch, dass das gar nicht einfach ist.
  • Vergeben, wenn mir jemand fortwährend Unrecht tut ohne das geringste Schuldbewusstsein?
  • Großzügig teilen, wenn der Monat in die zweite Hälfte geht und es auf dem Konto gar nicht mehr so rosig aussieht?
  • Gott vertrauen und treu sein, wenn ein mir so wichtiges Gebet scheinbar nicht erhört wird?
Das sind nur einige Beispiele von vielen, die zeigen: So einfach ist das nicht, Jünger Jesu zu sein, wenn die Sonne nicht scheint und das Leben es uns schwer macht.
Aber wir wollen das – wirklich. Wir sehnen uns danach, so Jünger Jesu zu sein, dass Krisen und Schwierigkeiten uns nicht umhauen, sondern uns stärken.

Die gute Nachricht ist: Jesus weiß das. Ihm ist bewusst, dass das Leben als Jünger auch schiefgehen kann, wenn es nicht sturmsicher, also krisenfest aufgebaut ist. Und: Er gibt uns ganz praktische Tipps, wie wir das Haus unserer Jüngerschaft so bauen können, dass es Stürmen und Krisen standhält.

Warum nennt ihr mich Herr, Herr, und tut doch nicht, was ich sage? Wer zu mir kommt und meine Worte hört und sie befolgt – ich will euch zeigen, wem er gleicht: Er ist wie ein Mensch, der ein Haus baute. Er hob eine tiefe Grube aus und legte das Fundament auf felsigen Boden. Als es nun Hochwasser gab, prallten die Wassermassen gegen das Haus. Und sie konnten es nicht erschüttern – so gut war es gebaut.“ (Lukas 6,46-48 BasisBibel)

Das ist genau das, wonach wir uns sehnen, oder? Ein Leben als Jünger, das wie dieses Haus ist – so stabil und auf gutem Fundament gebaut, dass Stürme und Wassermassen, Krisen und Schwierigkeiten ihm nichts anhaben können, sondern an ihm abprallen.

Wie entwerfen und bauen wir unser Leben als Jüngerinnen und Jünger als so stabiles Haus? Jesus macht sich selbst quasi zum Architekten und nennt uns drei Schritte, die wir beim Bauen befolgen sollten:

1. Wer zu mir kommt...

Am Anfang steht das Wissen darum, dass wir das richtige Fundament für unseren Bau nicht selbst legen können. Das Fundament kann nur Er sein – Jesus selbst. Die Grundlage unseres Hauses, worauf alles steht und worin alles fest verankert ist, ist Jesus. Jüngerschaft wird nur dann sturmsicher und krisenfest sein, wenn sie festen Grund in Jesus hat – wenn wir ihm vertrauen und ihn zu unserem Lehrer und Freund und Bruder und Herrn machen.

Das heißt für mich: Jesus muss Zugang haben zu allen meinen Lebensbereichen. Nicht nur zu den sozusagen religiösen – zum Gemeindeleben, zur Stillen Zeit, zum Gebet und so. Sondern zu allen Lebensbereichen. Mit meinem Freund und Bruder und Lehrer und Herrn, wenn er das denn wirklich sein soll, darf ich alle Lebensbereiche teilen. Vor ihm brauche ich keine Geheimnisse zu haben.

Wie ich meinem Geld umgehe, wie ich meine Zeit verbringe, was ich mir im Fernsehen angucke oder besser nicht, wie ich mich kleide, wo und was ich einkaufe, wie viel und wie ich Auto fahre, wie ich meine Ehe gestalte, wie viel Zeit ich wie mit meiner Frau und meinen Kindern verbringe – alles das geht Jesus was an, wenn er wirklich das Fundament meines Lebens und ich sein Jünger sein soll.

In den nächsten zwei Wochen denken wir bei einigen Veranstaltungen in unserer Gemeinde über unseren Umgang mit der Schöpfung nach: Kaufe ich vorrangig regionale Produkte oder sind mir Transportwege egal? Verzichte ich so weit wie möglich auf das Auto oder gewinnt doch meist meine Trägheit und Bequemlichkeit? Wie oft brauche ich eine Flugreise für meine Erholung? Auch das sind Fragen, die ich mit Jesus teilen will.

Das also ist Jesu erster Tipp: Wenn das Haus deines Lebens als Jünger sturmsicher und krisenfest sein soll, dann achte auf ein gutes Fundament. Ich selbst, Jesus, bin dein Fundament. Und das heißt: Teile alle Lebensbereiche mit mir, nicht nur die religiösen.

2. Wer zu mir kommt und meine Worte hört...

Wenn du so auf sicherem Fundament baust, sagt Jesus, dann achte beim Erdgeschoss darauf, dass du auf meine Worte hörst. Das ist wichtig. Auf Jesu Worte hören. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Worte über Jesus, etwa über seine göttliche und menschliche Natur oder über sein Erlösungswerk. Es geht hier nicht um christliche Dogmatik oder Lehre über Jesus. Sondern Jesus meint ganz schlicht seine Worte – das, was er gesagt hat.

Ich kenne viele, die können mit der Lehre der Kirche über Jesus gar nichts mehr anfangen. Rechtfertigungslehre, Heiligungslehre, Trinitätslehre – das ist ihnen alles fremd. Und sie wollen auch gar nichts davon hören oder damit anfangen können. Aber die Worte Jesu, das, was er darüber gesagt und gelehrt hat, wie gelingendes Leben aussieht – in der Bergpredigt und in seinen Gleichnissen und Geschichten – die finden die gleichen Leute oft hochgradig spannend und anziehend und faszinierend und attraktiv. Kirchliche und christliche Lehre mögen für viele unattraktiv geworden sein, irgendwie aus der Zeit gefallen, aber Jesus und seine Lehre ist heute – vielleicht mehr denn je – für die gleichen Leute oft anziehend und ganz schön cool.

Dass Vergebung sich lohnt und Beziehungen heilt, die hoffnungslos im Eimer zu sein scheinen, das verstehen wir. Dass Sorgen uns kaputt machen können, ein Leben des Vertrauens dagegen uns frei macht, das leuchtet uns ein. Das Gegengewalt, wenn wir angegriffen werden, nur zu neuer Gegen-Gegengewalt führt, aber produktive und phantasievolle Gewaltlosigkeit – auch in der Sprache – Chancen auf Versöhnung schafft, das ist provozierend wahr. Dass Fromme oft am Kern des Glaubens zielstrebig vorbeirennen, während vermeintliche Sünder die schlichte Wahrheit, dass Gott sie liebt und ihnen vergeben und sie heil machen will, als Befreiung erleben, das ist immer wieder aufregend richtig.

Seine Worte hören, nicht nur und nicht zuerst die vielen Worte über ihn, sondern ganz schlicht seine Worte – darauf, sagt Jesus, kommt es an, wenn unser Leben als Jünger sturmsicher und krisenfest sein soll.

Dem entspricht eine Bibelausgabe, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat und die nun auch nach Deutschland überzuschwappen beginnt: die Red-Letter-Bible. In diesen Bibelausgaben, mittlerweile auch von deutschen Übersetzungen erhältlich, sind die Worte Jesu rot gedruckt. Sie werden also besonders hervorgehoben und rücken beim Bibellesen so von ganz allein besonders in den Fokus der Aufmerksamkeit. Viele jüngere Leute greifen gerne zu einer Red-Letter-Bible. Und

3. Wer zu mir kommt und meine Worte hört und sie befolgt

Wenn das Haus deines Lebens als Jünger wirklich sturm- und krisensicher sein soll, sagt Jesus, dann reicht es nicht, alle Lebensbereiche mit mir zu teilen und meine Worte zu hören, sondern dann muss eins dazukommen: Praxis. Das Tun.

In der protestantischen Tradition haben wir uns angewöhnt, das Tun ein wenig geringzuachten. Es steht sozusagen unter dem Verdacht der Werkgerechtigkeit. Aber spätestens, wenn wir einmal eine Red-Letter-Bible zur Hand nehmen, fällt uns auf: Bei Jesus geht es ganz viel ums Tun. Jesus ist sehr interessiert in Fragen der Praxis. Was fällt euch eigentlich ein, fragt er, mich Herr zu nennen und dann nicht zu tun, was ich sage?

Uwe Mackfeld erzählt von seiner Führerscheinprüfung: „Neben mir sitzt der Fahrlehrer, hinter mir der Prüfer. Kreuz und quer kurven wir durch die Stadt. Der Prüfer ist schlecht gelaunt. Ich mache fast alles richtig. Nur das seitlich Einparken klappt nicht. Ich brauche zu viele Versuche, bis der Wagen richtig steht. Das war's, denke ich. Auf den letzten Metern passiert es. Ich befinde mich auf der Vorfahrtstraße. Da braust ein Schüler auf einer Querstraße mit dem Rad den Berg herunter. Ich sehe den Jungen kommen, bremse stark ab und bringe den Wagen zum Stillstand. Tatsächlich: Der Radfahrer kann nicht mehr bremsen und rauscht vor dem Auto vorbei. Das war knapp! Als wir aussteigen, meint der Fahrprüfer: Das Parken müssen Sie noch üben, aber der Schein gehört Ihnen, denn Sie haben nicht nur die Verkehrsregeln, sondern das Fahren gelernt!“ (Wort für heute 2013 vom 25. Januar)

Jesus will, dass wir nicht nur seine Worte hören, sondern dass wir beginnen, sie zu tun. Er will, dass wir nicht nur die Verkehrsregeln lernen, sondern dass wir tatsächlich fahren.

Wenn wir also Jesu Worte hören, also beim Bibellesen besonders darauf achten, was Jesus sagt – wie wäre es dann mit folgendem Selbstversuch? Ich nehme mir vor, in jeder Woche ein Wort Jesu (zum Beispiel aus der Bergpredigt) zu meiner alltäglichen Praxis zu machen. Ich schreibe es ab auf einen Zettel und lege den in mein Portemonnaie oder stecke ihn in meine Hosentasche oder wie auch immer. Und ich gestalte meine Tage damit – eine ganze Woche lang. So wird das Wort Jesu zu meiner Praxis, ich kann es einüben und lernen.
  • Eine Woche lang besonders darauf achten, was ich mir ansehe – im Fernsehen zu Beispiel -, weil Jesus sagt: „Wenn dein Auge klar ist, ist dein ganzer Körper hell.“ (Mt. 6,22) Oder:
  • Eine Woche lang leben mit dem Satz: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben.“ (Mt. 6,14) Oder:
  • Eine Woche lang einen Zettel im Portemonnaie, auf dem steht: „Wenn du einem armen Menschen etwas gibst, häng es nicht an die große Glocke!“ (Mt. 6,2)

Was meint ihr: Würde sich unser Leben mit dieser Methode verändern?

Jesus kennt unsere Sehnsucht danach, unser Leben als Jüngerinnen und Jünger sturmsicher und krisenfest zu gestalten. Und er will uns helfen, es so anzulegen, indem er sagt: Das Haus deiner Jüngerschaft ist dann sicher und fest, wenn du
1. zu mir kommst und alle Lebensbereiche für mich öffnest,
2. meine Worte hörst und auf sie besonders achtest und
3. methodisch anfängst, sie zu tun und zu deiner täglichen Praxis zu machen.