Montag, 22. Oktober 2012

Gott sei Dank - es ist Sonntag

(Grundgedanken der Predigt in der EmK Detmold am 21.10.2012)

  • Habt ihr vor dem Gottesdienst gut gefrühstückt? Und: Gab es dazu frische Brötchen? Was habt ihr heute noch vor? Wir wollen heute ins Ziegeleimuseum nach Lage - ein schöner Familienausflug. Aber der funktioniert natürlich nur, weil wir frei haben - und andere, die da arbeiten, eben nicht. 
  • Wie hältst du es mit dem Sonntag? 
  • In den Allgemeinen Regeln schreibt J. Wesley, dass Methodisten Leute sind, die am "Tag des Herrn" nicht "kaufen oder verkaufen". 
  • Jesu Haltung zum Sabbat ist eine Hilfe für einen befreiten Umgang mit dem Sonntag heute. 
Lies Markus 2,23-28

(23) Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Saatfelder ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen Ähren auszuraufen. (24) Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh doch: Warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
(25) Und er sagte zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte samt denen, die bei ihm waren?
(26) Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjathars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und er gab davon auch denen, die bei ihm waren?
(27) Und er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. (28) So ist der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat. 

Jesus löst den Sabbat nirgendwo auf
  • Nirgendwo sagt Jesus: Der Sabbat hat nun keine Bedeutung mehr. Er löst ihn nicht auf und ruft uns nicht dazu auf, das Gebot der Sabbatheiligung nicht zu respektieren oder nicht mehr zu beachten. Jesus respektiert den Sabbat.
  • Das entspricht Jesu Umgang mit der Thora und Gottes Gebot insgesamt: Er löst Gottes Gebot nicht auf, sondern er versteht und interpretiert es von Gottes neuer Welt, die mit ihm selbst angefangen hat neu. Gerade dadurch nimmt er es ernst und erfüllt es. (Mt. 5,17-20)
Jesus befreit den Sabbat von Gesetzlichkeit
  • Jesus geht mit dem Gebot Gottes nicht auf "gesetzliche" Art und Weise um. Gottes Wille muss - um recht verstanden zu werden - immer interpretiert und aktualisiert werden. 
  • Exkurs: Wie verstehen wir die Bibel? Gottes Wort steht nicht da - eingezwängt zwischen zwei Buchdeckeln -, sondern Gottes lebendiges Wort geschieht, wenn wir die Bibel (gemeinsam) lesen, auslegen, interpretieren. Das ist Jüngerschaft: Gemeinsam mit Jesus (siehe oben Vers 23) umherziehen, mit ihm reden, von ihm lernen und so die Bibel in unser Leben hinein auslegen.
  • Zum Sabbat sagt Jesus: Nehmt euch Davids Freiheit gegenüber dem Gebot als Beispiel (Verse 25-26). Gottes Wille soll uns nicht knechten, sondern uns befreien. Gottes Gebot ist dazu da, in unserem Leben Freiräume für die neue Welt Gottes zu schaffen. 
Jesus stellt den Sabbat in das Licht der neuen Welt Gottes
  • Jesus legt die Bibel und Gottes Gebote nicht willkürlich aus, sondern von seiner grundlegenden Botschaft her: Er stellt sie in  Beziehung zu Gottes neuer Welt, die nun anbricht und in die Gott alle Menschen einladen will. Von daher beleuchtet, wertet und interpretiert er die Gebote. Seine Grundannahmen sind: 
    • Alle werden von Gott in seine neue Welt eingeladen. 
    • Gott will Menschen verwandeln und ihre Beziehung zu Gott und zu ihren Mitmenschen heilen. 
  • In diesem Licht kommt es zu Jesu beeindruckender Freiheit gegenüber dem Sabbatgebot. Der Sabbat (Verse 27-28) ist für den Menschen gemacht, d.h. er ist ein Vorschein der neuen Welt Gottes mitten im Alltag. Am Sabbat können wir Ruhe und Entspannung finden, haben wir Zeit für Gott und füreinander. Der Sabbat schafft im Alltag Raum für Gottes Liebe. 
Wie hältst du es mit dem Sonntag?
  • Für mich ist der Sonntag ein besonderer Tag. Ich freue mich auf ihn: auf den Gottesdienst, das gemeinsame Singen und Beten und Auf-Gott-hören; auf die Gemeinschaft mit lieben Menschen, die zusammenkommen - Junge und Alte; auf das Sonntagsessen, das Dani macht und die Zeit, die wir als Familie füreinander haben; auf gemeinsame Unternehmungen. Der Sonntag ist ein besonderer Tag. 
  • Befreit durch Jesu Haltung zum Sabbat erfahre ich den Sonntag nicht als eine Last, die mich zu bestimmten Dingen verpflichtet, sondern als Geschenk: als Raum der Freiheit Gottes, um Christus im Gottesdienst zu begegnen, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen und wie die Jünger in Markus 2 mit Jesus durch das Leben zu streifen.