Freitag, 31. August 2012

Gott ist... - Der Glaube Jesu (Predigtreihe)

Im Moment lese ich das Buch "The Jesus Creed" von Scot McKnight. Scot entwickelt darin den "Sinn geistlichen Wachstums", wie er es nennt, und den Inhalt der Jüngerschaft aus dem Doppelgebot der Liebe, mit dem Jesus die Thora zusammenfasst:

"Höre Israel. Adonaj, unser Gott, ist der einzige Herr. Und du sollst Adonaj, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, in allen deinen Gedanken und mit aller deiner Kraft lieben. Das ist das Wichtigste. Das andere ist ebenso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden."

In diesen Sätzen sieht Scot den zentralen Inhalt des Glaubens Jesu und seiner Verkündigung angelegt und zusammengefasst. Beides entfaltet er dann in dem Buch. Mich begeistert das, und seit ich das Buch lese, lebe ich mit diesem Glaubensbekenntnis und merke, wie mich der tägliche intensive Umgang damit verändert und den Jüngern Jesu, von denen in den Evangelien erzählt wird, näher bringt. Ich lerne wie sie von Jesus.

Angeregt von all dem lade ich ein zu einer kleinen Predigtreihe in der Immanuelkirche Detmold:

  • Sonntag, 9. September, 10 Uhr: Der Glaube Jesu (1) - Gott ist der Eine
  • Sonntag, 23. September, 10 Uhr: Der Glaube Jesu (2) - Gott ist die Liebe
  • Sonntag, 7. Oktober (Erntedank), 10 Uhr: Der Glaube Jesu (3) - Gott ist der Nachbar
Und allen, die gerne Englisch lesen, empfehle ich das wunderbare Buch von Scot McKnight zur Lektüre. 

Sonntag, 26. August 2012

Von Lähmung befreit

Predigt in der EmK Detmold am 26. August 2012

Seid ihr schonmal vor Freude in der Kirche herumgehüpft und habt dabei Gott gelobt? Nein? Ich auch nicht. Mir wäre das peinlich - und es ist ja auch alles andere als üblich. Aber der, um den es heute geht, der hat das getan. Er ist im Tempel herumgehüpft und hat dabei Gott gelobt. Und das kam so:

Apostelgeschichte 3, 1-8: Eines Nachmittags gingen Petrus und Johannes in den Tempel, um zu beten. Gerade als sie hinkamen, wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Jeden Tag wurde er an den Eingang des Tempels gebracht, damit er dort bei den Leuten betteln konnte, die hineingingen. Auch Petrus und Johannes bat er um etwas Geld.
Petrus und Johannes blickten ihn aufmerksam an und Petrus sagte: Sieh uns an. Der gelähmte Mann blickte erwartungsvoll auf und hoffte, etwas zu bekommen. Da sagte Petrus: Ich hab kein Geld für dich. Aber was ich habe, gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus von Nazareth, steh auf und geh!
Dann gab er dem Gelämten die rechte Hand und half ihm auf. Als er das tat, wurden die Füße und Knöchel des Mannes geheilt und bekamen Kraft. Er stand auf, konnte auf seinen eigenen Füßen stehen und fing an, zu gehen. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, hüpfte umher und lobte Gott.

Der Mann, der ehemals gelähmt war, ging mit ihnen in den Tempel auf eigenen Beinen, hüpfte umher und lobte Gott. Und wer will es ihm verdenken?

Normalerweise hat Petrus die Hauptrolle in der Auslegung dieser Geschichte. Aus seiner und Johannes’ Perspektive wird sie erzählt. Der Geheilte wird noch nicht mal mit Namen vorgestellt. Aber es lohnt sich doch, einen Augenblick bei ihm zu verweilen und aus seiner Sicht darüber nachzudenken, was hier passiert:
Der Mann ist von Geburt an gelähmt, nicht durch einen Unfall oder eine Krankheit. Er wurde gelähmt geboren und weiß gar nicht, wie das ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Arbeiten und für sich selbst sorgen kann er nicht und konnte er noch nie. Betteln um die Almosen anderer - das ist die einzige Möglichkeit für ihn, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber noch nicht mal zum Betteln kann er allein gehen. Er ist darauf angewiesen, dass andere ihn tragen, und zum Glück hat er Freunde, die das für ihn tun. Er muss zum Betteln getragen werden.  

So sitzt er vor dem Tempel und bettelt und freut sich über die Münzen, die ihm im Vorbeigehen zugeworfen werden. Wir kennen dieses Bild aus unseren Fußgängerzonen. Und genau das, eine im Vorbeigehen zugeworfene Münze, erwartet er auch von Petrus und Johannes.

Aber dann kommt alles ganz anders. Petrus und Johannes blicken ihn aufmerksam an, heißt es, und Petrus sagt zu ihm diesen Satz, der Geschichte gemacht hat: “Ich hab kein Geld für dich. Aber was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus von Nazareth, steh auf und geh.” Der Gelähmte bekommt nicht das, was er erwartet hat und worauf er aus war - das schnelle Almosen im Vorübergehen. Aber stattdessen sieht ihn jemand wirklich an und spricht ihm den Namen Jesu Christi zu. Petrus lässt dem Gelähmten Christus begegnen. Und es ist, wie es immer ist: Wer Christus begegnet, der kann nicht in der Passivität und Lähmung verbleiben, sondern wird aufgefordert und ermächtigt: Steh auf und geh. Das gilt auch heute: Wer Christus wirklich begegnet, der kann nicht in seiner Lähmung und Passivität verbleiben. Der wird aufgefordert und zugleich ermächtigt: Steh auf und geh.

Und Petrus fordert den Gelähmten nicht nur dazu auf, aufzustehen, sondern er hilft ihm auch dazu, ganz pratisch. Er wird im Namen Jesu selbst handgeiflich und bietet dem Gelähmten seine Hand: Dann gab er dem Gelämten die rechte Hand und half ihm auf. (V. 7) Das ist wichtig: Wenn jemand Jesus zu dir bringt, dann kannst du dich darauf verlassen: Er hat nicht nur fromme Worte und es bleibt nicht bei Worten, sondern er wird selbst mit anpacken und helfen. Das erfährt hier der gelähmte Mann: Petrus bringt ihm Jesus, spricht ihm Jesu Hilfe zu und packt dann selbst helfend an.

Und das Unfassbare geschieht: Die Lähmung weicht tatsächlich. Da wurden die Füße und Knöchel des Mannes geheilt und bekamen Kraft. Er stand auf, konnte auf seinen eigenen Füßen stehen und fing an, zu gehen. (VV 7b-8) Zum ersten Mal in seinem Leben steht der Mann auf eigenen Füßen und kann gehen. Halleluja. Wo jemand - so wie er damals - Christus begegnet, da stellt der ihn auf eigene Füße und befreit ihn aus seiner Passivität, aus seiner Lähmung. Und er wird tatsächlich gehen.

Wenn ich unsere Geschichte lese, dann denke ich an eine Menge von Lähmungen, unter denen Menschen heute leiden. Da sind die buchstäblichen, körperlichen Lähmungen, die es Menschen auch heute noch schwer machen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Barrierefreiheit ist ein hoher Anspruch, der noch lange nicht überall erfüllt ist. Da sind andere, die von einer Sucht gelähmt werden, die sie gefangen hält. Wieder andere stoßen im Beruf oder anderswo auf so viel Ablehnung, dass diese sie förmlich lähmt und am Leben hindert. Manche sind von Überarbeitung und der ständigen Erreichbarkeit, die der Beruf von ihnen verlangt, gelähmt. Andere leiden unter Schuldgefühlen wegen irgendwas aus ihrer Vergangenheit, das sie lähmt. Manche werden von Minderwertigkeitsgefühlen gelähmt, manche von Materialismus, vom Mehr-und-immer-mehr-haben-wollen, und immer mehr von uns werden vom Konsumismus, dem Zwang, ständig kaufen und konsumieren zu müssen, koste es, was es wolle gelähmt. Allen diesen Gelähmten ist eins gemeinsam: Ihre Lähmung hindert sie daran, ein würdiges und freies Leben zu führen und als freie Menschen an echter Gemeinschaft teilzuhaben.

Vielen geht es dabei so wie dem Gelähmten in unserer Geschichte: Sie erwarten gar nicht mehr, dass jemand sie aus ihrer Lähmung befreit. Fr den Süchtigen zum Beispiel scheint der nächste Schuss oder der nächste Schnaps Hilfe zu sein. Er ist es aber nicht, sondern hält ihn im Gegenteil in seiner Lähmung gefangen. Fü den im Konsumismus Ǵefangenen sieht die nächste Shoppingtour wie Hilfe aus. Dabei treibt sie ihn nur tiefer hinein in seine Lähmung. Und so weiter.

Aber allen diesen Gelähmten kann das passieren, was dem Mann in unserer Geschichte passiert ist. Wenn du dich selbst in einem meiner Beispiele wiederfindest oder wenn du gerade an was anderes denkst, das dich lähmt, dann ist das die gute Nachricht, die ich heute Morgen für dich habe: Christus will dir begegnen wie dem Mann in unserer Geschichte und in dein Leben kommen. Er will und kann dich aus deiner Lähmung herausholen, dich davon befreien und auf deine eigenen Füße stellen. Das ist vielleicht nicht die schnelle Hilfe, die du erwartest, aber es ist ein Weg, der dich befreit.

Wie sehr wünschen wir uns als Gemeinde, dass auch wir das wieder öfter erleben, stimmts? Menschen begegnen Christus und werden von ihm aus ihrer Lähmung (durch Sucht, Konsumismus, Minderwertigkeitskomplexen und Schuld) befreit. Christus lehrt sie leben und sie werden befähigt, auf eigenen Füßen zu stehen und ein befreites Leben zu leben, das sie vor Freude tanzen lässt. Wie sehr wünschen wir uns, das wieder öfter zu erleben?

Ich bin fest davon überzeugt, Freunde, dass das möglich ist und dass auch wir das - heute! - erleben können. Wir dürfen und sollen damit rechnen, dass das wirklich passiert. Wir Jünger Jesu heute dürfen uns trauen und uns die Jünger Jesu Petrus und Johannes zum Vorbild nehmen und es machen wie sie - und dann, daran glaube ich ganz fest, werden wir wieder das erleben, was sie erlebt haben: dass Christus Menschen aus Lähmung befreit und sie selbst gehen lässt.

Was können wir uns dabei von Petrus und Johannes abgucken?

Zunächst: Jünger Jesu wissen oft selbst nur zu genau, wie es ist, ganz unten zu sein und nicht mehr zu können und von Jesus trotzdem angenommen zu sein und mit neuem Leben beschenkt zu werden. Hab ich recht? Wir wissen ganz genau, ein welch großes Geschenk das ist - dass wir angenommen sind von Gott. Das ist der Grund, warum wir hier sind, richtig? Der Petrus, der uns hier so vollmächtig begegnet, ist der gleiche, der bitterlich weinte, weil er Jesus verraten hat. Er kann erzählen, wie es ist, als Bettler vor Gott zu stehen und trotzdem angenommen zu sein. Auch wir - viele von uns - können das erzählen. Lasst es uns wieder lernen, uns gegenseitig und anderen zu erzählen aus eigener Erfahrung: wie Christus uns begegnet ist, uns befreit hat und uns verändert.

Zweitens: Jünger Jesu lassen sich auf dem Weg zum Gebet stören, von dem, der am Wegrand sitzt. Sie sehen ihn an: Petrus und Johannes blickten den Gelähmten aufmerksam an (Vers 4-5). Das haben sie von Jesus gelernt: Wenn du unterwegs bist in den Tempel oder in die Kirche, und da sitzt einer, der Not hat, der  gelähmt ist von was auch immer, dann lass dich stören. Gott begegnet dir nicht zuerst im Tempel oder in der Kirche, sondern in dem Menschen, dem du helfen kannst: auf deiner Arbeit, im Haus gegenüber, in der Stadt, in deinem Verein, in deiner Familie... Also lass dich stören und nimm dir Zeit.

Drittens: Jünger Jesu trauen sich was. Sie sprechen Gelähmten Christus zu. Sie erzählen von ihrer Erfahrung mit Christus und vermitteln die Begegnung mit ihm - mit dem, der helfen kann. Lasst uns das von Petrus und Johannes lernen, uns das zu trauen: anderen zuzusprechen, dass Christus sie befreien kann aus dem, was sie lähmt und ihnen bezeugen, wie er uns befreit hat. Und zuletzt:

Jünger Jesu packen selbst an. Sie werden handgreiflich im Namen Jesu. Sie haben nicht nur fromme Worte zu geben, sondern ihre rechte Hand, um Gelähmten aufzuhelfen - ganz praktisch im Namen Jesu aufzuhelfen.

Ich bin überzeugt, Freunde: Wenn wir uns das von unseren Brüdern Petrus und Johannes abgucken und wieder lernen, das zu tun, was Jünger Jesu tun, dann dürfen auch wir damit rechnen, dass wir es wieder häufiger erleben: Menschen begegnen Christus, erfahren bei ihm, dass sie bedingungslos angenommen sind und werden von ihm aus ihrer Lämung befreit, auf eigene Füße gestellt, verwandelt  und zu echtem Leben ermächtigt.

Nicky Gumbel, der Entwickler der Alphakurse, erzählt: Vor einigen Jahren kam nach einem Abendgottesdienst eine junge Frau zu ihm und seiner Frau und bat darum, für sie zu beten. “Bitte beten Sie dafür, dass mein Rücken geheilt wird.” Seine Frau und er haben für sie gebetet und sich dann von ihr verabschiedet. Von Zeit zu Zeit hat er sie mal im Gottesdienst gesehen - und ist ihr aus dem Weg gegangen. Er hat sich nicht getraut, sie nach ihrem Rücken zu fragen - um sich nicht anhören zu müssen, dass das Beten nicht geholfen hat.
Eines Tages stand sie direkt vor ihm: Es gab kein Ausweichen. Er musste fragen und er hat sie gefragt: “Wie geht es Ihrem Rücken?” Sie sagte: “Der Rücken? Ach so, der ist vollkommen geheilt, seit Sie dafür gebetet haben!” Und Gumble gesteht, damit habe er nicht gerechnet.

Amen.  

Freitag, 24. August 2012

Kirche in Seenot - Und der Käpt'n schläft

Die Kirche im Westen ist in schwerer Seenot. Sie hat für viele Menschen ihre Glaubwürdigkeit verloren. Mehr und mehr Leute - vor allem junge Leute - finden Jesus o.k., können sich manchmal sogar für ihn begeistern, aber haben für die Kirche nichts übrig. Stimmt's?

Was ist unsere Reaktion? Um im Bild der Seenot zu bleiben: Wir sehen den Sturm um uns herum und registrieren, dass unser Bott voll Wasser läuft und zu sinken droht. Und dann tun wir das, was ganz natürlich ist: Manche suchen nach einem Rettungsboot, lassen es zu Wasser und "verlassen das sinkende Schiff." O.k., aber wahrscheinlich werden auch sie in der stürmischen See umkommen, oder? Andere fangen panisch an, mit den Händen das Wasser vom Boot in das Meer zurück zu schöppen. Ein aussichtsloses Unterfangen - wohl wahr -, aber besser als nichts zu tun, oder? So entwerfen wir Programme, Analysen und Pläne und und und - und das Boot wird trotzdem mehr und mehr überflutet.

Und Jesus? Jesus schläft. Kein Witz.

"Als es Abend wurde, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen auf die andere Seite des Sees fahren. Jesus war schon im Boot. So entließen die Jünger die Menge, stiegen zu ihm ins Bott und fuhren los. Einige andere Boote fuhren mit ihnen. Doch bald darauf erhob sich ein heftiger Sturm, und hohe Wellen schlugen ins Boot, bis es fast ganz voll Wasser gelaufen war.
Währenddessen schlief Jesus hinten im Boot mit dem Kopf auf einem Kissen. In ihrer Verzweiflung weckten sie ihn schließlich und riefen: Lehrer, macht es dir denn gar nichts aus, dass wir umkommen?
Jesus erwachte, bedrohte den Wind und befahl dem Wasser: Schweig, sei still! Sogleich legte sich der Wind und es herrschte tiefe Stille. Und er fragte die Jünger: Warum seid ihr so ängstlich? Habt ihr immer noch keinen Glauben? Voll Furcht sagten sie zueinander: Wer ist dieser Mann, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen?" (Markus 4,35ff. Neues Leben Bibel)

Vielleicht ist es an der Zeit, uns ein paar Dinge klarzumachen auf unserem Schiff in Seenot:

  • Es ist Jesu Schiff, nicht unseres. Er hat gesagt: Lasst uns ans andere Ufer fahren, und er war schon im Bott, als wir einstiegen. Unsere Aufgabe ist es nicht, uns selbst als Kirche zu erhalten, sondern an seiner Mission mitzuarbeiten, also die neue Welt Gottes zu verkünden und zu leben.
  • Jesus ist der Kapitän, nicht wir. Wenn wir auf dem richtigen Kurs sind, d.h. wirklich seine Mission im Sinn haben, dann werden wir auch ankommen und können so gelassen sein wie er. Falls wir uns aber längst von seiner Mission verabschiedet und ganz andere Ziele haben, werden wir untergehen. 
"Warum seid ihr so ängstlich?", fragt Jesus. Tut einfach euren Job: Lasst euch von mir verwandeln und in Gottes neue Welt hinein verändern, lernt von mir, lebt in meiner Nachfolge und verändert die ganze Gesellschaft, in der ihr lebt, durch die neuen Maßstäbe, die ich euch zeige. "Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht." (Matthäus 6,33 Neues Leben Bibel)

Sonntag, 5. August 2012

Königreich Gottes 2.0 - Teil 2 von 2

Konzept der Predigt in der EmK Detmold am 5. August 2012

Mein vierter Vorschlag: Gottes Mission/Sendung

Bis vor einigen Jahren war das allgemeine Bild von Mission sehr negativ geprägt. Mission wurde assoziiert mit Zwangsbekehrungen in der neuen Welt, vorgestellt als Mission mit dem Schwert. Viele dachten beim Begriff Mission auch vorrangig an fanatische amerikanische Erweckungsprediger.

Zum Glück hat sich dieses Bild in den letzten Jahren gründlich gewandelt.

  • Jeder Friseur- oder Bäckerbetrieb hat heute ein “Mission Statement”. Wozu sind wir eigentlich da? Was ist unser Unternehmenszweck?
  • Übrigens: Auch unsere EmK hat ein solches Mission Statement. Kennt es jemand?  

Angesichts der Herausforderungen der Postmoderne entdecken wir Mission in ihrem ursprünglichen Sinn gerade wieder.
  • Missio Dei: Gott hat/gibt sich selbst eine Mission: die neue Welt der Versöhnung, des Shalom.
  • Gott sendet in Jesus sich selbst, lebt seine Mission mit aller Konsequenz und bindet sich an sie.
  • Jesus macht uns zu einem Teil der Mission Gottes und lädt uns ein, an ihr mitzuwirken.

Dieser Veränderung im Verständnis von Mission entspricht eine Veränderung im Sprachgebrauch. Viele sprechen bewusst nicht mehr von “missionarisch”, sondern von “missional”.
  • Missionarisch: Wir schicken einige aus der Kirche zeitweilig nach draußen, um möglichst viele einzuladen, zu uns zu kommen, damit wir größer werden.
  • Missional: Unsere Gemeinde ist eine Missionsstation. Wir alle als Jesus-Leute sind Missionare. Unsere Mission/Sendung ist nicht unsere Selbsterhaltung, sondern die Verwandlung der Welt. Wir nehmen an Gottes Mission teil, indem wir in der Welt wie und mit Jesus an Gottes neuer Welt mitbauen.

Übersetzung Königreich Gottes: Jesus verkündete: Gottes Mission für die Welt ist im Gange. Folgt mir nach, werdet meine Jünger und lebt mit mir diese Mission.

Mein fünfter Vorschlag: Gottes Netzwerk, das sich über die ganze Welt spannt

In vielen Berufen heute ist “networking”, die Vernetzung mit anderen, das Gebot der Zeit. Es ist wichtig, sich zu vernetzen, mit anderen zu verknüpfen, sich mitzuteilen.

Gottes Königsherrschaft, die Jesus ansagt, können wir heute bildlich beschreiben als Gottes networking über die ganze Welt. Gottes Ziel ist es, dass einmal alle zu seinem großen Netzwerk des Lebens gehören - d.h. dass sie mit ihm und untereinander verbunden sind.

Wenn man zu Gottes Netzwerk gehört, verlieren andere Netzwerke demgegenüber an Bedeutung (Rasse, Klasse...)

Jesus knüpft Gottes soziales Netzwerk. Er sendet dir eine Freundschaftsanfrage Gottes. Willst du dazugehören?

Mein sechster und letzter Vorschlag: Gott fordert uns zum Tanz auf.

In der Alten Kirche gab es für die Dreieinigkeit von Gott-Vater, -Sohn und -Geist das Bild des ewigen, fröhlichen und harmonischen Tanzes.

Miteinander tanzen heißt, dass man sich auf den anderen einstellt, sich in ihn hineinfühlt und sich harmonisch im Takt miteinander bewegt.

Die ganze Geschichte Gottes mit der Welt lässt sich als ein solcher Tanz beschreiben:
  • In der Schöpfung setzt Gott den Takt und fordert seine Geschöfe dazu auf, harmonisch miteinander und mit ihm zu tanzen.
  • Obwohl die Musik gut und rhythmisch  und die Atmosphäre angenehm ist, geraten die Menschen aus dem Tritt und verlieren den Takt. Sie fallen sozusagen aus dem Tanz heraus.
  • In seiner Geschichte mit Israel und durch Jesus mit der Welt lehrt Gott uns seinen Takt neu und wirbt um uns, dass wir wieder mit ihm und miteinander tanzen und uns in den Takt einfügen.

Jesus verkündet: Gott will dich auf die Tanzfläche ziehen. Er lädt dich ein, mit den anderen Menschen und mit ihm zu tanzen.

Jesus ist Lord of the Dance. Das alte Lied Lord of the Dance, das Jesus als Herrn des Tanzes besingt, will ich euch jetzt vortragen. (Lied 137)

(Frei nach Kapitel 16 des Buches „Die geheime Botschaft von Jesus“ von Brian Mc Laren).