Samstag, 31. März 2012

Der kleine Legionär

Zur Vorbereitung und zum Neugerig-Machen auf die Predigt morgen:

Der kleine Legionär (von Arno & Andreas)


Ein kleiner Legionär, Verfassungsschutz-Kohorte Vier

las staunend den Geheimauftrag in seinem Dienstpapier.

Da gibt es einen Rabbi, der die Hohenpriester stört.

Der predigt was von Gottes Reich. Bevor der Mob das hört,

geh'n Sie heut nach Gethsemane mit Fünfzehn oder mehr

und ziehen diesen Mann noch vor dem Fest aus dem Verkehr.


Beim Haftbefehl-Vollstrecken kommt es dann zur Schlägerei.

Ein Jünger Jesu zieht das Schwert, trifft knapp am Kopf vorbei.

Dem kleinen Legionär schießt helles Blut in sein Gewand.

Er schreit vor Schmerz, fällt hin – da greift der Rabbi seine Hand.

Und unerklärlich heilt er ihm das abgeschnittne Ohr,

und Jägern wie Gejagten kommt das mächtig komisch vor.


Jesus hilft dem, der von den Jüngern verletzt ist,

heilt dem die Wunden, der sein Gegner war.

Jesus kennt den, der sich klammheimlich heranschleicht,

ist auch im Schmerz ihm ganz nah.


Wenn einem Christus durch die Christen ziemlich unglaubwürdig ist,

wenn einer Gottes Liebe in der Kirche vermisst,

wenn einer einen Frommen kennt, der Frau und Kinder schlägt,

wo träges Herz und stumpfes Hirn mit Christsein sich verträgt.

Wen Reich- und Rechts- und Frommsein an den Christen lang schon stört,

kann Jesus spüren, auch wenn er auf dem Ohr nichts mehr hört.


Jesus hilft dem, der von den Jüngern verletzt ist,

heilt dem die Wunden, der sein Gegner war.

Jesus kennt den, der sich klammheimlich heranschleicht,

ist auch im Schmerz ihm ganz nah.


Die Spötter und die Zweifler sind ein wirklich großes Heer.

Und gut gerüstet läufst du mit als kleiner Legionär.

Ein Panzer von Erfahrungen mit Christen aller Art

hat dir schon oft Begegnungen mit Christus selbst erspart.

Pass auf, wenn Jesus liebevoll zu seinen Gegner eilt,

kann's sein, dass er dir heilsam hilft, dich dabei hilfreich heilt.



Jesus hilft dem, der von den Jüngern verletzt ist,

heilt dem die Wunden, der sein Gegner war.

Jesus kennt den, der sich klammheimlich heranschleicht,

ist auch im Schmerz ihm ganz nah.

Sonntag, 25. März 2012

Petrus - Versuch einer Ermutigung


(Predigt in der Immanuelkirche in Detmold am 25.03.2012)

Wie hat sich dein Glaube im vergangenen Jahr, also seit dem letzten Osterfest, entwickelt? Von welcher Glaubensentwicklung kannst und magst du erzählen?

  • Kannst du von Wachstum im Glauben berichten – vielleicht sogar von stetigem Wachstum?
  • Ist dein Glaube weniger geworden, sind Zweifel und Fragen gewachsen?
  • Gab es Brüche? Besondere Ereignisse, die deinen Glauben verändert haben? Gab es einschneidende glaubensförderliche oder -hinderliche Ereignisse?

Ich lade euch ein, euch für einen kurzen Moment – etwa 2 Minuten – mit eurem Nachbarn darüber auszutauschen: Wie hat sich dein Glaube innerhalb des letzten Jahres, also seit dem letzten Osterfest, entwickelt?

(Zeit zum Austausch)

Hört Worte aus der Heiligen Schrift von einem, der bitterlich weint über seinen Glauben. Ich lese Matthäus 26, 69-75:

„Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sprach ihn an: Du warst auch mit Jesus aus Galiläa. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Und Petrus leugnete wieder und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. Da fing Petrus an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und erging hinaus und weinte bitterlich.“

Furchtbar, oder? Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Stellt euch für einen kurzen Moment diesen starken Kerl, diesen selbstbewussten Typen vor, wie er hinausging und bitterlich weinte.

Petrus hielt sich in diesem Moment für einen totalen Versager im Glauben, für einen Großsprecher, der dann, wenn es darauf ankommt, zum Feigling wird. Deshalb weint er bitterlich, weil er seinem Herrn, seinem Meister, Christus, untreu geworden zu sein meint.

Wenn wir uns die Evangelien und die Apostelgeschichte ansehen, wissen wir, dass Petrus alles andere als ein Feigling war – im Gegenteil: Er war mutig und in vielem ein Vorbild im Glauben.

  • Fischer von Beruf hat er eines Tages Jesus getroffen. Und der hat zu ihm und seinem Bruder gesagt: Folgt mir nach. Ich will euch zu Menschenfischern machen. Gebt euren Beruf auf und werdet meine Jünger, meine Schüler. Geht mit mir, vertraut mir und lernt von mir und fangt ein völlig neues Leben an. „Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ (Mt. 4,20). Ein Feigling? Alles andere als das.
  • So wurde Petrus Jesu Jünger. Er ließ sich herausrufen aus seinem bisherigen Leben und folgte Jesus treu und engagiert. Er wurde Zeuge der Worte Jesu – der Bergpredigt, der Gleichnisse, der Ansage der Herrschaft Gottes – und seiner Taten – der Heilungen, Zeichenhandlungen und so weiter. Er lernte von Jesus und war sein Schüler – jeden Tag. Ein Feigling? Nein.
  • Dann wurden er und die anderen Jünger selbst von Jesus ausgesandt, um den Menschen das Himmelreich anzusagen und um selbst auch zu heilen. „Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus.“ Ein ganz schön heftiger Auftrag, den Jesus seinen Jüngern gibt. Und er warnt sie auch: „Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe. Und ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen.“ (Mt. 10,7-10.16.22). Und sie gingen und predigten und heilten. Ein Feigling?
  • Petrus war in seinem Vertrauen Jesus gegenüber und in seiner Nachfolge so stark, dass er einmal sogar übers Wasser ging. Nicht nur Jesus, auch Petrus. Er „sprach zu Jesus: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und Jesus sprach: Komm her. Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.“ Für einen kleinen Moment brachte er es fertig, nur auf Jesus zu sehen und nicht auf die Wellen und den Wind. Für einen kleinen Moment war sein Glaube ganz stark – und er konnte übers Wasser gehen und das Unmögliche möglich machen. (Mt. 14,28-29)

Und dann dies. Er ging hinaus und weinte bitterlich. Nein, Petrus ist kein untreuer Feigling. Aber in diesem Moment, in dem er es nicht schaffte, zu Jesus zu stehen, kam er sich selbst so vor.

Ich glaube, liebe Freunde, die Geschichte von der Verleugnung Jesu durch Petrus ist nicht aufgeschrieben, um uns niederzudrücken und zu frustrieren, sondern um uns zu ermutigen. Das mag euch vielleicht verwundern, aber ich will euch erklären, warum ich das denke.

I Bekennen – aber wie

Das Erste: Viele von uns wollen gerne Christus und ihren Glauben an ihn vor anderen bekennen und sie zum Glauben einladen, aber wissen nicht, wie. Viele sehnen sich danach, missionarisch zu leben, andere für Christus zu begeistern und sie anzustecken. Aber sie haben keine Idee, wie das geht. Und dann denken wir nach über unsere ganz persönlichen Evangelisierungsstrategien:
  • Sollen wir uns so einen „Jesus liebt dich“-Sticker an die Jacke heften?
  • Sollen wir in der Nachbarschaft oder auf dem Markt Traktate verteilen?
  • Sollen wir einfach immer wieder allen unseren Bakennten, Verwandten und Freunden gegenüber möglichst viel von Jesus reden und vom Glauben?

Ich empfinde die Geschichte von der Verleugnung des Petrus da als sehr entlastend. Petrus wird an seiner Haltung und an seiner Sprache als Jünger erkannt. Er hat kein großes Schild um den Hals, auf dem steht: Ich glaube an Jesus. Aber er wird erkannt. Einmal heißt es: Deine Sprache verrät dich.

So ist das mit der Jüngerschaft: Die Jünger Jesu werden an ihrer Haltung und an ihrer Sprache erkannt. Wenn du mit Jesus gehst als sein Jünger, wenn du mit ihm lebst und ihn an dir wirken lässt, dann wird er dich langsam und Schritt für Schritt, oft unmerklich, aber wirklich, ganz real verändern. Er wird deine Sprache, deine Haltung und deinen Lebensstil verwandeln. Und andere werden dir abspüren, dass du Heil bei Christus erfahren hast, dass du fröhlicher bist, dass du anderen vergibst und vieles mehr. Sie werden es dir abspüren und sie werden dich fragen: Was ist es, dass dich anders macht? Und dann – dann ist es Zeit, zu bekennen und von Christus zu reden.

Die Geschichte der Verleugnung des Petrus entlastet uns von dem Druck, uns persönliche Strategien überlegen zu müssen, wie wir anderen unseren Glauben bezeugen. Sie macht uns Mut, uns einfach Jesus anzuvertrauen, ihm zu folgen als Jünger, uns von ihm verändern zu lassen und darauf zu vertrauen, dass er uns verwandelt: unsere Haltung und unsere Sprache, damit andere uns das abspüren und dann fragen werden.

II Mir ist das Kreuz so schwer

Das Zweite, was mich an der Geschichte ermutigt: Viele von uns haben Schwierigkeiten mit dem Kreuz. Ihnen ist das Leiden und Sterben Jesu für uns schwer. Da tröstet es doch, zu lesen und zu wissen: Damit bist du nicht allein. Petrus, diesem Vorbild in der Jüngerschaft, ging es genauso.

Denn das ist es, was Petrus so quält und was es ihm so schwer macht, Jesus zu bekennen: Er kann sich mit dem Kreuz, mit dem Leiden Jesu nicht abfinden. „Jesus sagte seinen Jüngern, dass er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht.“ (Mt. 16, 21ff.)

Dieser gestandene Jünger, der so viel mit Jesus erlebt hat, gerät mit ihm in einen richtig heftigen Streit, weil er das Kreuz nicht will und nicht verstehen kann. Du bist nicht allein mit deinen Fragen unter dem Kreuz. Petrus erwartet anderes, Großes und Mächtiges von Jesus – aber nicht, dass er freiwillig leidet und sich hinrichten lässt. Später erst, nach Jesu Auferstehung, wird er den Segen des Kreuzes begreifen und erfahren: dass Jesus für uns dort stirbt, dass er für uns das Gericht über die Sünde aushält und es trägt an unserer statt. Dass im Kreuz das Angebot liegt: Du darfst glauben und dich auf Jesus verlassen und dir bei ihm alle deine Schuld und Sünde vergeben lassen und neu anfangen. All das begreift Petrus erst viel später.

Für mich liegt eine tiefe Wahrheit darin, dass dieser gestandene Jünger unter dem Kreuz so schwach wird, dass er seinen Herrn verleugnet. Es ermutigt mich. Unter dem Kreuz kann auch Petrus auf keine eigene Leistung verweisen, nicht mal auf großes Vertrauen. Er ist ganz schwach. Unter dem Kreuz sind wir alle, ich und du, nur Empfangende der unverdienten Liebe Gottes, die sich in dem leidenden Christus zeigt, mit der er uns annimmt, so schwach, wie wir sind.

Gerade die Erfahrung des bitterlichen Weinens des Petrus über sich selbst und sein Versagen, macht mir Mut: Unter dem Kreuz muss Petrus nicht der starke Mann sein, Er kann es auch nicht. Auch ich muss und kann es nicht und auch du nicht. Unter dem Kreuz können wir – und dazu lädt Gott uns ein - ganz unverdient Gottes Gnade in Christus erfahren und aus ihr leben.

III Kann Jesus wirklich mit mir was anfangen?

Und das Dritte und letzte: Von was für einer Glaubensgeschichte innerhalb des vergangenen Jahres konntet ihr am Anfang der Predigt berichten? Was habt ihr eurem Nachbarn erzählt? Konntet ihr von Wachstum erzählen oder war es eher ein abnehmender Glaube, von dem ihr berichtet habt? Gab es etwas Großes im Glauben, was ihr erlebt habt im vergangenen Jahr oder eine große Enttäuschung?

Wir neigen zu der Vorstellung, Christus würde nur dann mit uns arbeiten und uns verwandeln, wenn wir Wachstum im Glauben erfahren und spüren, wenn wir Großes im Glauben und Leben mit ihm erfahren.

Petrus kannte solche großen Momente des Glaubens. Er nun wirklich. Eben noch war er mit Jesus, Jakobus und Johannes ganz oben auf dem Berg. Diese Ganz-Oben-Glaubenserfahrung machen nur wenige, es ist eine kleine Gruppe, die sie erlebt: „Jesus nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und führte sie mit sich auf einen hohen Berg.“ Wow, welch eine Glaubenserfahrung – ganz oben im buchstäblichen Sinn. Sie hören dort live und ganz nah Gottes Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Ihn sollt ihr hören.“ Und sie sehen unverstellt und unmittelbar die ganze Herrlichkeit Jesu als Gottessohn und Erlöser: „Und er wurde verklärt vor ihnen und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ (Mt. 17,1-5) Was für eine Glaubenserfahrung, was für eine Höhe im Glauben. Fast möchte man neidisch werden auf die drei Jünger, die das erleben durften. So klar möchte ich auch einmal Jesus sehen und Gott hören dürfen. Du auch? Welche Höhe des Glaubens.

Aber seine wichtigste Glaubenserfahrung hat Petrus nicht dort, ganz oben gemacht, sondern hier, ganz unten, als er bitterlich weinte. Im Tal der Tränen. Hier, in diesen Tagen des Kreuzes und der Auferweckung Jesu, hat er die Erfahrung gemacht, die ihn dann so stark geprägt hat: Ich habe nichts zu bringen vor Gott. Ich kann auf keine eigene Leistung verweisen und muss es auch nicht. Jesus starb für mich. Ich kann nur vertrauen und will es tun: Gott nimmt mich um Jesu willen an.

Diese Glaubenserfahrung ist es, die Petrus zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der jungen Gemeinde macht. Er, dem das Kreuz so schwer war, wird zu einem seiner wichtigsten Verkündiger. Von dem Gekreuzigten wird er einmal sagen: „In keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Act. 4,12)

Die Geschichte von der Verleugnung des Petrus ist schwierig und traurig. Aber sie drückt mich nicht nieder, sondern ermutigt mich. Und ich hoffe, sie ermutigt euch auch.
  • Wir stehen nicht unter dem Druck, uns Strategien überlegen zu müssen, wie wir missionarisch leben können. Sondern wir dürfen ganz einfach Jesu Jünger sein, uns von ihm verwandeln lassen und darauf vertrauen, dass er unsere Sprache und unsere Haltung so verändert, dass andere uns fragen werden: Was ist das? Und dann ist es Zeit, zu bekennen.
  • Wir sind nicht allein damit, wenn uns das Kreuz schwer ist: schwer zu verstehen und schwer zu akzeptieren. Petrus ging es auch so. Aber er durfte erfahren – und du darfst das auch, dass gerade im Kreuz das Heil liegt, dass Gott in Christus das alles für uns getan und erlitten hat. Und
  • Wir dürfen wissen, dass Gott mit uns, mit jedem hier, etwas anfangen kann und will – egal ob wir gerade ganz oben oder ganz unten sind mit unserem Glaubenserfahrungen. Gott bietet uns in Christus den Glauben an – unverdiente Annahme, so wie wir sind. Und er lädt uns ein, Christus nachzufolgen als seine Jünger wie Petrus, uns von ihm verändern zu lassen, damit er mit uns die Welt verändern kann.

Sonntag, 18. März 2012

Vom Beinahe-Christen zum Jünger


(Predigt in der EmK Detmold am 18.03.2012)

Wisst ihr, liebe Freunde: Manchmal mache ich mir richtig Sorgen um unsere Gemeinde. Da läuft was schief in der EmK Detmold. Ich glaube, dass wir als Gemeinde an einer ganz wichtigen Stelle auf der falschen Spur sind. Darüber möchte ich gerne heute mit euch nachdenken und predige deshalb nicht, wie vorgesehen, über Petrus als Zeugen des Kreuzes, sondern über das Thema „Vom Beinahe-Christen zum Jünger Jesu“.

Was meine ich, wenn ich sage: Bei uns läuft etwas grundsätzlich schief? Ich will euch einige Beobachtungen schildern, die mich zu dieser These veranlassen:

  • Wir haben fast 90 Glieder und noch mal so viele Angehörige und Freunde. Meine Gemeindeliste umfasst insgesamt 209 Namen. Ein richtig großer Laden also. Aber im Gottesdienst am Sonntagmorgen sind wir nicht selten nur 30 Leute. Der Gottesdienst aber ist die zentrale Lebensäußerung von Gemeinde. Nicht die Liste beim Pastor und auch nicht das Kirchenbuch, sondern der Gottesdienst. 30 Leute – das ist ein Drittel unserer Glieder und gerade einmal ein Siebtel aller, die sich zur Gemeinde halten. Wo sind die anderen sechs Siebtel? Warum sind sie nicht hier?
  • Für zweihundert Menschen, die sich zu unserer Gemeinde halten, kommen wir mit ganzen zwei Hauskreisen, einem Frauenkreis und einem Nachmittag der Begegnung aus, und manchmal sitzen wir dort zu viert. Am Donnerstag im Glaubenskurs waren wir – mich eingerechnet – 8 Personen. Dabei sind Kleingruppen unter der Woche doch DIE Chance schlechthin, den Glauben mit in den Alltag zu nehmen. Nirgendwo kann man im Glauben so gut und mit viel Spaß wachsen, nirgendwo kann man geschwisterliche Gemeinschaft so erleben wie in einer Kleingruppe, die gemeinsam in der Bibel liest, sich darüber austauscht, sich im Glauben gegenseitig stärkt und unterstützt.
  • Unser Musikteam hat die Aufgabe, Gott mit Liedern zu loben und gemeinsam mit der Gemeinde seine Größe, seine Gnade und Zuwendung zu preisen, ihn anzubeten. Im Musikteam singen neben den Kindern ganze 4 Erwachsene mit – mich eingerechnet. Gibt es wirklich unter den 200 Menschen in der Gemeinde nur 4 Erwachsene, die für diesen Auftrag, Gott im Gottesdienst als Gemeinde zu verherrlichen, Leidenschaft aufbringen?
  • Der Finanzausschuss unserer Gemeinde ist größer als beide Hauskreise zusammen!!! Da stimmt was nicht, oder? Nicht dass der Finanzausschuss nicht wichtig wäre... Aber: Gemeinde heißt nicht zuerst Finanzausschuss, sondern Gottesdienst, Kleingruppen, gemeinsames Bibelstudium, Lobpreis. Der Finanzausschuss dient dem allem nur.
  • Als ich hierherkam, wurde mir gesagt: Besonders wichtig ist der Gemeinde das ökumenische Engagement, das Feiern und Bekennen des Glaubens mit Christen anderer Konfession. Manchmal habe ich den Verdacht, ich habe den letzten Teil des Satzes überhört und eigentlich hätte es heißen müssen: Besonders wichtig ist der Gemeinde das ökumenische Engagement... ihres Pastors. Bei der Allianz-Gebetswoche am Anfang des Jahres war die Beteiligung der Gemeinde gering und ging gegen 0. D.h. doch: Das Interesse daran, die Sehnsucht danach, mit anderen Christen gemeinsam für die Stadt, die Region, das Land und die Welt im Gebet einzutreten, geht gegen 0. Denn wenn es diese Sehnsucht gäbe, hätte die Beteiligung anders ausgesehen, oder? Bei den ökumenischen Passionsandachten in der Heilig-Kreuz-Kirche, die wir im Moment immer Mittwochs feiern, geht die Beteiligung unserer Gemeinde nicht gegen 0, sondern ist 0. Ich war bisher immer der einzige Methodist dort. Das ist wirklich wahr. Am letzten Mittwoch habe ich dort gepredigt und die Andacht gefeiert – mit vielen Leuten: Katholiken, Lutheranern, Reformierten. Nur Methodisten waren keine da.

Wo ist die Leidenschaft für den Glauben? Wo ist unsere Lust und Sehnsucht, mit anderen zusammen Gott anzubeten und zu feiern? Und:
  • Wo ist unsere Freude daran, andere in den Gottesdienst einzuladen und mitzubringen, damit sein „Haus voll werde“? Sind unsere Gottesdienste so schlecht, dass wir uns dafür schämen müssen? Das mag ich nicht glauben.
  • Als zweites wurde mir gesagt: Das Soziale Engagement ist der Gemeinde besonders wichtig. Die Detmolder sind eher sozial eingestellt. Tatsache ist: Seit einem halben Jahr haben wir an jedem Freitagabend ein soziales Projekt hier im Haus: die Lebensmittelausgabe für Bedürftige. Aber immer noch – ein halbes Jahr später – hat sich nicht einer, wirklich nicht ein einziger aus unserer Gemeinde gefunden, der Lust darauf bekommen hat, den es dazu treibt, dort mitzuarbeiten.

Genug geschimpft. Ich hoffe, ihr versteht mich recht: Mir macht meine Arbeit hier viel Freude, und ich tue sie mit Elan und in der Gewissheit, wirklich Gewissheit, dass mich Gott hierhin gestellt hat, um mit euch gemeinsam an seinem Reich mitzubauen. Ich freue mich über diese Aufgabe. Aber ich denke eben auch, dass wir, um das zu tun, um gemeinsam Gottes Auftrag für uns zu entdecken und ihn zu leben, etwas ändern müssen. Es gibt viel Positives, Schönes Ermutigendes, gute und Freude machende Entwicklungen in unserer Gemeinde. Aber trotzdem - wenn wir ehrlich sind: Die angesprochenen Beobachtungen sind Grund genug, sich Sorgen zu machen.

Könnte es sein, liebe Freunde, dass bei uns deshalb manches Anlass zur Sorge gibt, weil wir keine Jünger sind? Oder besser: weil zu wenige unter uns wirkliche Jünger sind? Könnte es sein, dass wir zwar alle irgendwie Christen sind oder doch zumindest sowas wie Beinahe-Christen, dass aber nur sehr wenige von uns sich als Jünger verstehen und als Jünger leben? Das ist meine These.

Jesus hat keine Leute gesucht, die an ihn glauben und die das Heil von ihm empfangen – Vergebung der Sünden, Gewissheit des ewigen Lebens – und die dann so weiterleben wie bisher. Jesus hat auch keine Leute gesucht, die „Christen“ werden oder die sich zu einer bestimmten Gemeinde oder Kirche bekennen. Was Jesus gesucht hat, sind: Jünger. „Folgt mir nach“, hieß sein Ruf, werdet meine Jünger. „Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ Und die Sendung der Gemeinde lautet nicht: Freut euch, dass ihr glaubt und fühlt euch wohl in einer möglichst kuscheligen Gemeinde, zu der ihr ab und zu, wenn ihr gerade nichts anderes vorhabt, hingeht, sondern: „Geht hin in alle Welt und macht alle Völker zu Jüngern.“ Wie aber sollen wir um Himmels willen andere zu Jüngern machen, wenn wir selbst keine sind?

Was ist ein Jünger?


1.) Ein Jünger Jesu lebt aus dem Vertrauen in Jesus – aus dem Glauben. Das ist das Fundament, auf dem die Jüngerschaft steht. Ein Jünger hat erfahren: Jesus ist wirklich der Christus. Er ist Gottes Sohn für mich. In ihm begegnet mir Gott selbst. Ihm kann ich vertrauen, an ihn kann ich mich halten. Er vergibt mir alle meine Schuld. Ihm kann ich mein Leben anvertrauen. Das ist das Fundament und immer wieder in den vergangenen Wochen habe ich darüber gepredigt.

2.) Ein Jünger folgt Jesus nach. „Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ Nachfolgen ist hier durchaus buchstäblich gemeint. Sie gingen ihm hinterher. Sie gingen mit ihm. Nun heißt das für uns nicht, dass wir heute alle unseren Beruf aufgeben sollen und Vollzeit-Missionare oder ähnliches werden. Für manche Jünger ist auch das der Fall. Manche erfahren eine Berufung zu solcher Art Nachfolge. Aber sicher nicht alle. Aber für alle, die an Jesus glauben, heißt Jünger-Sein, dass sie sich so eng wie möglich an ihn halten, dass sie jeden Tag in seiner Nähe sind. Das heißt zum Beispiel:
  • Jeden Tag mit ihm reden. Beten. Ihn fragen, was richtig und falsch ist. Mit ihm über Sorgen und Nöte und Zweifel und Glaubensfragen reden. Ein lebendiges Gebetsleben gehört zur Jüngerschaft. Und
  • Ihm zuhören und zuschauen. Ein Jünger begleitet seinen Meister überall hin. Er sieht und hört ihm zu. Wir können das tun, indem wir jeden Tag in der Bibel von Jesus lesen – von dem, was er tut und von dem, was er sagt. Und indem wir darüber nachdenken, was es für uns und unser Leben bedeutet. Das tägliche Studium der Bibel gehört zur Jüngerschaft.
Nur wenige Jünger heute werden gerufen, alles – ihren Beruf, ihr Haus, ihre Heimat, ihre Familie – aufzugeben und ganz anders neu anzufangen im vollzeitlichen Dienst. Aber alle Jünger Jesu sind gerufen, ihm nachzufolgen, hinterherzugehen, jeden Tag ganz nah bei ihm zu sein, und das heißt: viel Zeit im Gebet und mit dem Studium der Bibel zu verbringen. Wirklich alle.

Ein Jünger lebt aus dem Vertrauen auf Jesus, ein Jünger lebt ganz nah an und mit Jesus, und




3.) Ein Jünger ist Jesu Schüler. Er geht buchstäblich bei Jesus als seinem Rabbi in die Lehre. Das Verhältnis eines Jüngers zu seinem Rabbi ist anders als das eines Schülers zu seinem Lehrer heute. Ein Lehrer lehrt in der Schule durch Rede und Gruppenarbeit und Medieneinsatz und und und. Viele von euch wissen um die große methodische Vielfalt an unseren Schulen heute. Mit dem Jünger und seinem Rabbi ist das allerdings anders. Der Jünger lernt von seinem Rabbi, der Jünger Jesu lernt von Jesus, indem er ihm folgt, ihn beobachtet, ihm zuhört und – jetzt kommsts: ihn imitiert. Jünger imitieren ihren Lehrer, um zu werden wie er. Das Ziel unserer Jüngerschaft ist tatsächlich nicht weniger als: werden wie Jesus, ihm immer ähnlicher werden. Wir dürfen ihn buchstäblich imitieren, ihn nachmachen. Unendlich viel können wir bei Jesus lernen, wenn wir beginnen, ihn nachzumachen mit dem Ziel, ihm ähnlicher zu werden:
  • Die Hinwendung zu den Sündern. Die Sündenvergebung, die wir erfahren haben, will weitergegeben werden. Und das heißt: Wir lernen von und bei Jesus, selbst auch zu vergeben – denen, die uns Unrecht tun. Und wir lernen, denen, die unter ihrer Schuld leiden, zu sagen und zu zeigen, dass Gott ihnen vergeben will und es tut, wenn sie nur Jesus vertrauen.
  • Noch mehr können wir in der Jüngerschaft bei Jesus, unserem Rabbi, lernen: Echte Liebe. Und zwar Liebe, die mehr ist als ein Gefühl. Liebe zu Gott und zu unserem Mitmenschen. Liebe gerade denen gegenüber, die es uns so unglaublich schwer machen mit ihrer Art, sie zu lieben. Ich kann euch sagen: Das ist etwas, was mir in der Jüngerschaft ganz persönlich mit am meisten Spaß und Freude macht: morgens in meiner Stillen Zeit mit Jesus immer einen Menschen zu benennen, dem ich heute ganz bewusst Liebe entgegenbringen will: durch einen Besuch, durch ein kleines Geschenk, durch ein gutes Wort oder wie auch immer. Da kommen dann ganz verblüffende Sache heraus und man lernt manche Menschen ganz neu und anders kennen. Liebe, die göttliche Liebe, können wir bei Jesus lernen. Und
  • Geistliche Übungen können wir bei Jesus lernen. Über das Studium der Bibel und das Gebet habe ich schon gesprochen. Eine weitere geistliche Übung ist das Fasten. Von Jesus können wir lernen, zu fasten und wie wir es richtig tun. Alleinsein und Stille als geistliche Übungen können wir bei Jesus lernen. Und den Dienst an Armen als geistliche Übung können wir bei Jesus lernen. Hier, liebe Freunde, hat das soziale Engagement in der Jüngerschaft seinen rechten Ort. Das soziale Engagement von Jüngern Jesu erschöpft sich nicht in sozialpolitischen Forderungen. Die kann es auch geben. Aber wie konkret gute Sozialpolitik aussieht, darüber werden auch Jünger Jesu oft ganz unterschiedlicher Meinung sein. Jesus jedenfalls hat sich nicht lange damit aufgehalten, den Staat dazu aufzurufen, etwas gegen die Armut zu tun, sondern er hat selbst ganz konkret und praktisch den Armen gedient und seine Jünger aufgefordert, das auch zu tun. Und das können wir von ihm lernen. Etwas zu leihen ohne Aussicht, es wiederzubekommen. Das können wir von Jesus lernen. Großzügig abzugeben, risikobereit, nicht nur von unserem Überfluss, sondern mit Freude weit darüber hinaus im Vertrauen auf Gott, der uns alles gibt, was wir brauchen. Ich kenne Jünger Jesu, die es sich zur Angewohnheit gemacht haben, regelmäßig Bettler zum Essen einzuladen. Möglichst konkreter Dienst an den Armen ist wie das Bibelstudium, das Gebet, das Fasten und die Stille vor Gott eine geistliche Übung. Jünger Jesu fragen nicht zuerst: Wo sollte der Staat oder wo sollten die Reichen etwas tun, sondern sie fangen selbst an, den Armen zu dienen. Vielleicht haben die Freiwilligen, die am Freitagabend bei der Lebensmittelausgabe an Bedürftige helfen, mehr von der Jüngerschaft verstanden als wir?
Also: Ein Jünger lebt aus dem Vertrauen auf Gott in Christus, ein Jünger lebt in enger Nähe zu seinem Meister und ein Jünger lernt von ihm, imitiert ihn, um ihm immer ähnlicher zu werden mit dem Ziel, so zu werden wie er. Billiger hat es das Neue Testament leider nicht. „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe“, sagt Paulus in Philipper 3,12, „oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“

Bleibt die Frage: Warum sollte sich einer dazu entschließen? Warum sollte er seine Bequemlichkeit aufgeben und von heute an nicht nur Christ oder Beinahe-Christ sein, nicht nur an Jesus glauben und sich des Heils erfreuen, das er erfährt, sondern anfangen, wirklich als Jünger Jesus zu leben, ihm zu folgen, ihm nah zu sein, jeden Tag und von ihm zu lernen, bei ihm in die Schule zu gehen. Warum?

Die Antwort ist ganz einfach: Weil das Leben des Jüngers Jesu Leben in Fülle ist. Weil es wirkliches, angefülltes und überfließendes und reiches Leben ist. Leben in der Gegenwart Gottes, Leben mit Sinn und einer Sendung. Weil Jüngerschaft wahrer Reichtum und wahre Freude ist und weil sie wahren Reichtum und wahre Freude und echte Erfüllung schenkt. Weil Jünger Jesu den Himmel jetzt schon, hier in diesem Leben erfahren und spüren. Weil Jünger Jesu die Schlüssel des Himmelreichs haben. Wirkliches Glück, wirkliches Heil, echtes überfließendes Leben – das ist der Grund, vom Beinahe-Christ zum Jünger Jesu zu werden.

Manchmal mache ich mir Sorgen um unsere Gemeinde. Warum, das habe ich euch gesagt. Aber ich bin überzeugt: Wenn von den 200 Leuten, die unserer Gemeinde in irgendeiner Form verbunden sind: als Glieder, Angehörige oder Freunde, nur 20 %, also 40 Menschen, sich entschließen, nicht nur zu glauben, sondern wirklich und mit aller Konsequenz als Jünger Jesu zu leben und bei ihm in die Schule zu gehen, dann gibt es keinen Grund mehr, uns Sorgen zu machen. Dann werden wir leben können, wozu Christus uns ruft. Dann werden wir andere anstecken und auch sie zu Jüngern machen. Dann werden uns andere unsere Freude und unsere Erfüllung durch Christus abspüren und dann wird Sein Reich hier mitten unter uns wachsen.

Mittwoch, 14. März 2012

Wer bist du - Petrus oder der junge Mann?

(Andacht, gehalten bei der ökumenischen Passionsandacht in Detmold am 14.03.2012)



Text: Markus 14,43-65

Ich bin's, sagt Jesus: Ich bin Christus. Ich bin der Sohn Gottes, in dem Gott selbst auf die Erde gekommen ist, um die Menschen zu sich zu ziehen. Ich bin der, der den Willen Gottes, den Lebensstil der Gottesherrschaft verkörpert. Ich bin der, dem ihr nachfolgen müsst, dessen Jünger ihr werden müsst, wenn ihr Gottes Nähe erfahren wollt. Ich bin der, der für eure Sünden stirbt, bei dem ihr Vergebung erfahren könnt. Und ich bin der, der euch verwandeln und erneuern kann in das Ebenbild Gottes hinein, zu dem ihr geschaffen wurdet. Ich bin's, sagt Jesus. Ich bin der Christus.

Aber wer bist du? Wo kommst du in den Ereignissen rund um die Verhaftung Jesu und um den Prozess vor dem Hohen Rat vor? Viele Leute haben eine Rolle in dem Text, den wir gehört haben:
  • Da ist Judas, der Jünger, der Jesus verriet. Und wer bist du?
  • Da sind die, die Jesus festnehmen, bewaffnet mit Schwertern und mit Stangen. Sie handeln nicht selbstbestimmt. Sie sind Soldaten und stehen unter dem Befehl anderer. Aber sie führen ihn aus. Und wer bist du?
  • Da ist „einer von denen, die dabeistanden“, der sich schützend vor Jesus stellen will, sein Schwert zieht und einem der Schergen das Ohr abschlägt. Einer, der die Sache selbst in die Hand nehmen und Jesus verteidigen will, gerade damit aber dem Willen Jesu selbst in die Quere kommt. Und wer bist du?
  • Da ist der Hohe Rat, der über Jesus ein Urteil fällen will. Ob es der Wahrheit entspricht oder nicht, spielt keine große Rolle. Hauptsache, ich urteile. Und wer bist du?
  • Und da ist der Hohepriester, der Jesus selbst einfach fragt: Bist du der Christus? Ja, sagt Jesus, ich bin's. Und wer bist du?

Wer bist du? Welche Rolle spielst du in der Geschichte, die Gott in Christus mit den Menschen eingeht?

Da Sie alle hier sitzen heute Abend, können wir wohl voraussetzen: Sie fragen nach Jesus. Sie erwarten etwas von ihm. Die meisten von uns sind Christen – Menschen also, die erfahren haben, dass Er der Christus ist. Menschen, die an Ihn glauben und ihm nachfolgen wollen. Würden Sie sagen, dass Sie ein Jünger Jesu sind? Dass Sie ihm nachfolgen? Viele unter uns würden das so sagen, oder?

Und doch bleibt es dabei, dass der Text uns die Frage stellt: Wer bist du?

Bist du wie Petrus? Auch er ist Jesu Jünger und er hätte über weite Strecken seines Lebens mit Begeisterung und Elan laut und deutlich gesagt: Ja, ich folge ihm nach. Das Problem ist: Mit dem Leiden Jesu, mit dem Kreuz, hat er seine Probleme. Er versteht es nicht, kann und will es nicht verstehen. Er folgt Jesus nach, aber „von ferne“ wie es im Text heißt. „Petrus aber folgte ihm nach von ferne... und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer“. Wer bist du? Bist du wie Petrus? Willst du Jesus folgen, sein Jünger sein, bist aber fern von ihm, weil du seinen Weg, den Weg des Leidens – noch – nicht mitgehen kannst? Dann hab ich gute Nachricht für dich. Jesus geht diesen Weg – für dich. Er trägt deine Schuld, dein Versagen, deine Angst, die Konsequenz deines Unglaubens. Petrus wird Jesus bald verleugnen – dreimal sogar – und bitterlich darüber weinen. Und auch dieses Versagen trägt Jesus am Kreuz. Später wird Petrus das begreifen und glauben können und verkünden. Bist du wie Petrus? Ein Jünger Jesu „von ferne“? Dann kann das dich ermutigen. Bleib auf dem Weg. Bleib bei Jesus, auch wenn es im Moment noch von ferne ist. Bleib dran an ihm und bitte ihn, dass du ihm näher kommst. Petrus durfte das erfahren, und du wirst es auch dürfen.

Oder bist du der junge Mann, von dem in der Bibel nur hier, an dieser Stelle, die Rede ist: Er bleibt namenlos für uns, ein Zeichen dafür, dass er womöglich nicht zum Inner Circle um Jesus, zu seinen Vertrauten oder gar zu den Zwölfen gehörte. Und doch: Anders als Petrus ist ihm Jesus und ist er Jesus jetzt, in der Zeit des Leidens, nicht fern – alles andere als das. Von ihm heißt es: „Ein junger Mann aber folgte Jesus nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt davon.“ Wer bist du? Bist du dieser junge Mann? Vielleicht hast du Schwierigkeiten mit der Kirche und mit der Jüngerschaft. Vielleicht würdest du dich gar nicht als Jünger bezeichnen und auch nicht als Christen. Vielleicht sagst du: Ich bin ein Suchender. Vielleicht sagst du: Jesus fasziniert mich. Jedenfalls hast du im Inner Circle keinen Namen. Der junge Mann, der manchmal in den Gottesdienst kommt. Die junge Frau, die oft in der Gemeinde auftaucht. Bist du das? Dann hab ich gute Nachrichten für dich. Gerade von diesem jungen Mann heißt es: Er folgte Jesus nach. Vielleicht ohne es zu wissen hat er begriffen, was Nachfolge wirklich heißt. Nah an Jesus dran sein, ihm wirklich „folgen“, bei ihm in die Lehre gehen und lernen, so zu werden wie er. Und das auch dann, wenn es etwas kostet, wenn es einen Preis hat. Der junge Mann gibt buchstäblich sein letztes Hemd für Jesus, dafür, ihm nachzufolgen.

Ich wünsche uns allen, dass wir wirkliche Jünger Jesu werden, dass wir lernen, ihm nachzufolgen. Möglich ist das – sowohl dann, wenn wir eher wie Petrus sind als auch dann, wenn wir eher wie der namenlose junge Mann sind. Ich wünsche uns allen, dass wir in der Jüngerschaft wachsen, wirklich hinter Jesus hergehen, jeden Tag von ihm lesen, ihn besser begreifen, von ihm lernen und ihm mehr und mehr ähnlicher werden, auch dann, wenn es mit Kosten verbunden ist.

Jesus sagt: Ja, ich bin's. Ich bin der Christus. Und wer bist du? Willst du – heute - mein Jünger werden?