Sonntag, 12. Februar 2012

Klimawandel, Euthanasie und der Regenbogen - Gottes Bund mit Noah

(Predigt, gehalten in der EmK Detmold am 12. Februar 2012)


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch. Amen.

Von Noahs Vertrauen – Vertrauen extrem – haben wir am vergangenen Sonntag gehört. Und wir haben uns klar gemacht, warum Noahs Vertrauen ein Vorbild für uns sein kann. Sein Vertrauen ist erstens Zuhören. Noah hört Gott zu. Und zweitens ist Noahs Vertrauen Springen. Noah wagt es, einzig auf Gottes Wort hin zu glauben, dass Gott ihn retten will. Und drittens ist Noahs Vertrauen Tat. Es bleibt nicht eine Haltung allein, sondern wird praktisch, indem Noah für sich und seine Familie und für ein paar aller Geschöpfe die Arche baut.

Und dann – dann kam die Flut. Das 1. Buch Mose erzählt, wie Gott alle Menschen und Tiere auf Grund ihrer Bosheit verdirbt durch die große Flut. Allein mit Noah und seiner Familie und mit einigen wenigen Exemplaren aller Lebewesen will Gott neu anfangen. „Und das Wasser stieg 150 Tage lang an, bis wirklich kein Leben mehr auf der Erde war.“

Und dann heißt es in Kapitel 8: „Gott dachte an Noah und alle Tiere im Schiff. Er ließ einen Wind aufkommen, der die Wassermassen zurückgehen ließ“, bis die Erde wieder ganz trocken war. „Da sprach Gott zu Noah: Verlass nun mit deiner Frau und deiner Familie das Schiff! Lass alle Tiere, die bei dir im Schiff sind, frei, damit sie sich auf der Erde ausbreiten und sich vermehren können.“ Und Noah tat es so.

Als erstes, nachdem er wieder an Land war, betete Noah Gott an. Und Gott versprach: „Nie mehr will ich um der Menschen willen die Erde verfluchen und alles Lebendige vernichten, so wie ich es gerade getan habe, auch wenn die Gedanken und Taten der Menschen schon von Kindheit an böse sind. Solange die Erde besteht, wird es Saat und Ernte geben, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Nie mehr, sagt Gott, will ich alles Lebendige vernichten. Habt ihr auch in dieser Woche die neu aufflammende Debatte um die Klimaerwärmung in den Medien verfolgt? Auf einmal finden sich renommierte Wissenschaftler, auch solche, die sich selbst zur ökologischen Bewegung zählen, die anzweifeln, dass unsere CO2-Abgase verantwortlich für die Erderwärmung sind. Manche sagen, neue Messungen würden ergeben, dass die Erderwärmung sogar stillstehe. Andere Klimaforscher wiederum widersprechen dem ganz energisch.

Gott sagt: Solange die Erde besteht, wird es Saat und Ernte geben, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Mit anderen Worten: Es ist Gottes Gnade, dass es all dies – den Wechsel der Jahreszeiten und des Klimas – gibt. Wir sind nicht die Herren der Welt, sondern nur ihre Verwalter.

Für mich bedeutet das – und das ist das Erste, was ich aus dem Schluss der Sintfluterzählung herausstellen will: Dass wir die Schöpfung schützen und sorgsam mit ihr umgehen wollen, dass wir sparsam mit Energie sind und Tiere schützen, hat seinen Grund nicht in finsteren Voraussagen von Klimaforschern, sondern darin, dass Gott uns dazu beauftragt hat. Er hat uns diese Welt anvertraut. Wir sollen sie bebauen und bewahren und verantwortlich mit ihr umgehen. Deshalb wollen wir unsere Mitgeschöpfe – Menschen, Tiere und Pflanzen – schützen und bewahren und respektvoll behandeln.

Klimaforschung ist eine gute Sache. Aber letztendlich hat Gott es in der Hand, dass es Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht gibt. Wir Christen werden deshalb, meiner Meinung nach, in der Klimadebatte vor allem dafür plädieren, sie unaufgeregt zu führen – möglichst sachlich. Und wir werden deutlich machen: Unser Engagement für die Bewahrung der Schöpfung hängt nicht von den Prognosen dieser Debatte über die Entwicklung des Weltklimas ab, sondern ist begründet in Gottes Gebot für seine gute Schöpfung.

Unsere Erzählung aus dem 1. Buch Mose geht weiter: „Gott segnete Noah und seine Söhne und befahl ihnen: Vermehrt euch und bevölkert die Erde... Jeder, der einen Menschen tötet, soll meine Rache erfahren. Wer das Blut eines Menschen vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden. Denn die Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen“

Gott erklärt das Leben für heilig. Das ist das Zweite, was mir wichtig ist. Das Leben, jedes Leben, ist in Gottes Augen heilig. Und warum? Weil Gott den Menschen zu seinem Bild geschaffen hat. Die Sintfluterzählung hat immer alles Leben, das der Menschen, der Tiere und der Pflanzen im Blick. Und gerade eben in meinem ersten Punkt habe ich das ja auch ausdrücklich gesagt: Wir Menschen sind gerufen, Tiere und Pflanzen zu schützen und Respekt vor allem Leben zu haben.

Hier aber, in diesem zweiten Punkt, geht es speziell um den Menschen. Gott erklärt jeden Menschen für heilig, weil jeder Mensch Gottes Bild ist. „Jeder, der einen Menschen tötet, soll meine Rache erfahren. Denn die Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen.“

Deshalb treten wir als Christen beharrlich und geduldig für Frieden und Verständigung ein, wann immer es möglich ist, und wollen helfen, Krieg und Gewalt zu vermeiden oder zu beenden. Deshalb wehren wir uns, wenn einer Gruppe von Menschen ihre gleiche Würde abgesprochen werden soll: so als seien Frauen weniger wert als Männer, Ausländer weniger wert als Deutsche, Muslime weniger wert als Christen, Menschen mit Behinderung weniger wert als Nicht-Behinderte. Nein, sagen wir dann: Alle Menschen sind zu Gottes Bild geschaffen und deshalb gleichwertig, gleich an Würde und gleich bestimmt zur Freiheit. Deshalb auch finden wir uns nicht damit ab, dass jedes Jahr tausende Kinder in unserem Land abgetrieben werden und keine Chance auf ihr Leben bekommen, nur weil sie mit einer Behinderung zur Welt kommen würden. Deshalb lehnen wir die Bestrebungen in vielen europäischen Ländern ab, Euthanasie an kranken Menschen zu legalisieren. Deshalb, weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Mensch ein Bild Gottes und sein Leben deshalb heilig ist. Es gibt kein nützlicheres und weniger nützliches Leben, kein lebenswerteres und weniger lebenswertes Leben. Jedes Leben ist heilig und wert, gelebt zu werden.

Und dann, heißt es, „sprach Gott zu Noah und seinen Söhnen: Ich schließe einen Bund mit euch und euren Nachkommen; mit allen Tieren und mit allen Lebewesen auf der Erde: ich gebe euch das feste Versprechen, niemals mehr durch eine Flut die Erde und alle Lebewesen zu vernichten. Ich setze meinen Bogen in die Wolken. Er ist das Zeichen meines unumstößlichen Bundes mit der Erde. Ja, dies ist das Zeichen meines Bundes, den ich mit allen Geschöpfen auf der Erde schließe.“

Aus der Waffe also, dem Bogen, macht Gott ein Zeichen des Bundes und des Lebens, den Regenbogen. Der Mensch hat sich nicht geändert. Sowohl vor als auch nach der Sintflut heißt es: Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse. Aber Gott hat beschlossen: Ich will gnädig sein.

Das heißt nicht, dass Gott sich damit abfindet, wie der Mensch ist – wie wir sind. So nach dem Motto: Den änderst du sowieso nicht. Sondern Gott schließt einen Bund mit der Erde, um den Menschen – uns – zu verändern. Der Gegenstand dieses Bundes ist: Zeit. Die Zeit, die Gott der Erde gibt, die er uns Menschen gibt, obwohl er weiß, dass wir „böse sind“, wie es in dem Text heißt. Gott gibt uns Zeit. Das ist sein Bund mit der Erde.

Die Zeit, die wir erleben, heißt das, ist nicht einfach da. Sondern unsere Zeit ist Geschenk. Geschenk des Gottes, der mit uns im Bund sein will, der eine lebendige Beziehung zu uns leben will.

Und deshalb füllt Gott die Zeit, die er uns schenkt, mit dem Angebot seines Bundes für uns in unterschiedlichen Gestalten. Die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen, von der die Bibel erzählt und die ja weitergeht bis heute, ist Bundesgeschichte: und das heißt von Gott gefüllte Zeit, in der er nach uns Menschen ausgreift und uns einlädt zu einer lebendigen Beziehung mit ihm als unserem Gegenüber.

Zunächst ist da Gottes Bund mit Israel: Gott wählt dieses eine Volk – stellvertretend für alle Völker –, um sein Gott zu sein. Er schenkt Israel seine besondere Gegenwart und seine Gebote für ein heilsames Leben. Gott bleibt diesem Bund treu und begleitet Israel durch die Geschichte und durch alle Katastrophen bis heute, damit alle Welt an Israel Gottes Treue sehen kann.

Und da ist Gottes Bund in Jesus für alle Völker. In ihm handelt Gott selbst, wird Gott selbst Mensch – wie wir. Und er lebt in ihm als Mensch, wie Menschsein gemeint ist – in heiler Beziehung zum Nächsten und zu Gott. In echtem, spontanem, geistlichem Gottvertrauen. In ihm geht Gott selbst ans Kreuz und stirbt den Tod des Sünders, stellvertretend für uns, sodass wir ihn nicht mehr sterben müssen. Und in ihm besiegt er den Tod. Wenn wir Abendmahl feiern, nehmen wir teil an diesem Bundeshandeln Gottes in Jesus.

Gottes Bund mit Noah und der ganzen Schöpfung eröffnet die Geschichte Gottes mit den Menschen als Bundesgeschichte. Gott schenkt der Welt Zeit, damit wir ihn als unser Gegenüber entdecken, damit wir sein Bundesangebot hören und annehmen können, damit wir eine lebendige Beziehung zu ihm aufbauen und leben können und sein Heil erfahren.

Nichts wünsche ich euch mehr, als dass ihr dies selbst erfahrt und lebt im Bund, den Gott euch anbietet und schenkt, wenn ihr euch Jesus anvertraut.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Sonntag, 5. Februar 2012

Noahs Glaube - Vertrauen extrem


(Predigt, gehalten in der EmK Detmold am 5. Februar 2012)

Das ist schon bemerkenswert. An sich ist die Sintfluterzählung ja eher unangenehm. Gott sieht die Bosheit der Menschen, die er geschaffen hat. Und diese Bosheit ist so groß, so gewalttätig, das sie Gott einen Stich ins Herz gibt. Er bereut, dass er die Menschen geschaffen hat und beschließt, sie zu verderben – eben durch die große Flut. Nicht besonders erbaulich, oder? „Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend an,“ heißt es am Ende der Erzählung. Erschreckend realistisch.

Und doch sind da die Verse im Hebräerbrief, in denen uns Noah als Vorbild vorgestellt wird. Über sie will ich heute mit euch nachdenken. Ich lese noch einmal: Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.

Noah als Vorbild für die Gemeinde – für uns - , weil er in einzigartiger Weise geglaubt, vertraut hat. Vertrauen extrem.

Drei Dinge sind es, die Noahs Vertrauen auszeichnen:
  1. Noahs Vertrauen ist Hören.
  2. Noahs Vertrauen ist Springen. Und
  3. Noahs Vertrauen ist Tun.

Zunächst ist Noahs Vertrauen Hören. Als er ein göttliches Wort empfing, heißt es in unserem Text. Gott spricht. Er tat das zu Noahs Zeiten: Die Menschen sind so schlecht, dass ich bereue, sie geschaffen zu haben. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, was sie aus der Welt machen. Mit dir will ich einen Neuanfang wagen. Deshalb bau eine Arche, denn ich werde eine Flut kommen lassen. So spricht Gott zu Noah. Und Noah? Sein Vertrauen heißt zu allererst: Er hört Gott zu. Er hört nicht weg, er hört nicht auf andere Autoritäten, er überhört Gott nicht, weil er zu beschäftigt ist, sondern: Er hört Gott zu. Schlicht und einfach.

Gott spricht auch heute. Er tut das zum Beispiel durch Predigten. Er kann das tun durch gute und schlechte Predigten. Gott spricht. Er tut das, wenn wir zusammen im Hauskreis beraten, diskutieren, über die Bibel nachdenken. Und vor allem: Er tut das durch unser persönliches Lesen und Studieren der Bibel. Deshalb nennen wir die Bibel oft Gottes Wort. Nicht weil das Buch an sich Gottes Wort wäre, sondern weil viele von uns es genauso erfahren haben und immer wieder erfahren: In der Beschäftigung mit der Bibel, in der Stillen Zeit mit ihr, im Lesen, Meditieren und Studieren geschieht das, was bei Noah geschehen ist: Gott spricht.

Die Frage ist: Bringen wir das Vertrauen auf, das Noah hatte? Hören wir Gott zu? Verstehen wir, dass er uns – gerade uns: dich und mich – anspricht? Da lesen wir, dass Jesus zu einem Gelähmten sagt: Dir sind deine Sünden vergeben. Und es geschieht, dass Jesus das, indem wir es lesen und darüber nachdenken, zu uns sagt: Dir sind deine Sünden vergeben. Gott selbst spricht. Aber hören wir ihm zu? Wir lesen, dass Jesus zu dem Finanzjongleur, dem Zöllner, sagt: Folge mir nach. Und wenn Gott selbst spricht, dann geschieht es, dass Jesus, indem wir das lesen, das gerade zu uns sagt: Folge mir nach. Hören wir ihm zu?
Das ist das Erste, was an Noahs extremem Vertrauen für uns wichtig ist: Gott spricht und wir haben allen Grund, ihm zuzuhören. In Hebräer 11 heißt es: als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah. Noah hörte zu und vertraute Gottes Wort, obwohl es der offensichtlichen Wirklichkeit widersprach. So extrem war sein Vertrauen.

Wenn Gott spricht: Dir sind deine Sünden vergeben, dann geht mir das auch so. Der Wirklichkeit, die ich sehe, widerspricht das. Ich fühle mich schuldig und diese Schuld drückt mich. Ich hab ein schlechtes Gewissen. Extrem vertrauen wir Noah heißt: Trotzdem darf ich diesen Satz einfach glauben. Mir – sogar mir – sind meine Sünden vergeben.

Das führt uns zum zweiten Punkt, der Noahs Vertrauen auszeichnet. Noahs Vertrauen heißt nicht nur Hören, sondern zweitens auch Springen. Noah springt. Was meine ich damit?

Eigentlich, von außen gesehen, ist der Bau der Arche doch praktizierter Wahnsinn, oder? Von der großen Flut ist ja noch nichts zu sehen. Dafür, eine solche große Arche zu bauen, gibt es logisch überhaupt keinen Anhalt. Noah tut es trotzdem, allein auf das hin, was Gott ihm sagt. Stellen wir uns nur einen ganz kurzen Moment einmal vor, die Flut wäre nicht gekommen. Wie hätte Noah dann dagestanden? Bis auf die Knochen blamiert.

Vertrauen, wie Noah es uns vorlebt, ist Wagnis. Das meine ich mit Sprung. Dieses Vertrauen kann man nicht lernen oder Schritt für Schritt einüben. Für dieses Vertrauen kann man keine logischen, nachvollziehbaren Gründe finden. Man kann es nur wagen, indem man springt.

Ich will euch ein Beispiel geben: Ich bin total eifersüchtig – immer schon. Und in den ersten Jahren, als Dani und ich zusammen waren, bekam sie das richtig zu spüren. Sie brauchte nur einen männlichen Namen zu erwähnen, und ich bin hochgegangen wie ein Stehaufmännchen. Es fiel mir schwer zu ertragen, wenn sie mit Studienkollegen unterwegs war oder allein auf einer Party. Für Dani war das natürlich sehr bedrängend – einengend. Wir hatten oft Streit deswegen. Und der endete immer damit, dass ich sagte: Du hast ja Recht. Ich will das lernen. Aber Vertrauen kann man nicht lernen. Vertrauen ist ein Wagnis, ein Sprung. Bei uns jedenfalls änderte sich durch mein „Ich will das Lernen“ gar nichts. Viel später hab ich begriffen: Vertrauen lernen ist Blödsinn. Vertrauen muss man leben. Vertrauen ist eine Entscheidung, ein Wagnis, ein Sprung. Ich muss es einfach tun. Und von dem Moment an konnte ich es auch tun. Natürlich gibt es Rückfälle, aber insgesamt gesehen gelingt es mittlerweile.

Und so ist es auch mit dem Vertrauen Gott gegenüber. Das Vertrauen wie Noah es uns vorlebt, ist eine Entscheidung, ein Wagnis, ein Sprung. Auf dein Wort hin baue ich diese Arche – gegen alle Logik, gegen alle Erfahrung. Das können wir bei Noah lernen: Auf dein Wort hin, Jesus, vertraue ich darauf, dass mir wirklich meine Sünden – alle und komplett – vergeben sind – gegen alle meine Schuldgefühle und gegen alle Erfahrung. Dieses Vertrauen befreit. Und zu diesem Vertrauen lädt uns Noah ein.

Noahs Vertrauen ist 1. Hören und 2. Springen, und es ist 3. Tun.

Noah vertraut ja nicht nur, sondern er baut auch. Ist euch schon mal aufgefallen, dass Noah sein Vertrauen gar nicht ausdrücklich bekennt? Dass er nirgendwo ausdrücklich sagt: Ja, Gott, ich glaube dir. Er baut einfach. Vielleicht kann man sagen: Das Bauen ist Noahs Vertrauen. Noahs Vertrauen ist Tun.

Ich denke, wenn es um den Glauben geht, ist die bewusste Entscheidung – Ja, Jesus, ich will dir vertrauen – ungeheuer wichtig. Es ist wichtig, das einmal bewusst und erklärt auszusprechen. Aber noch wichtiger ist es, dann auch vertrauend loszugehen und im Vertrauen zu leben. Gott will unser Vertrauen ja nicht aus Eitelkeit, weil er es so gerne hört, dass wir ihm vertrauen. Sondern er will unser Vertrauen, weil er mit uns etwas vorhat und mit uns bauen will – nicht gerade eine Arche wie bei Noah, aber sein Reich seine Herrschaft in dieser Welt will er mit uns bauen. Auch hier in Detmold.

Gott will und lädt uns dazu ein, dass wir ihm vertrauen, wenn er uns sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Und es ist gut, wenn wir ihm das auch sagen: Ja, Herr, ich vertraue dir, dass das stimmt. Ich will es heute wagen. Ich will springen und mich von nun an ganz auf dich und dein Wort verlassen. Das will Gott von uns. Aber er will das nicht um unserer Worte willen, sondern damit wir dann auch so von Schuld befreit leben, damit wir anders leben als bisher, frei und fröhlich und aktiv für sein Reich. Vertrauen ist Tun, ist Mitbauen an Gottes Reich.

Und hier hat das Lernen, das Schritt-für-Schritt-einüben seinen Ort. Das Vertrauen selbst ist Wagnis, ist Sprung, ist Entscheidung: Ja, ich will. Aber dann wird gebaut, dann verändert uns Gott, macht uns neu, verwandelt uns und nimmt uns in Dienst. Dann bauen wir mit ihm. Und das können wir lernen. Schritt für Schritt. Im Nachdenken über die Bibel, in unseren Kleingruppen in der Gemeinde, in Trial and Error im Alltag. In unserem Montagshauskreis lesen wir gerade die Bergpredigt miteinander. Das ist so ein Ort, wo wir bauen lernen. Schritt für Schritt im Gespräch anders leben lernen.

Von Noah können wir lernen, wie Vertrauen funktioniert. Gott lädt uns ein, so wie er zu vertrauen. Und das heißt: Zunächst Zuhören, was Gott uns zu sagen hat. Dann springen, nicht warten, sondern uns entscheiden, es wagen und vertrauen, dass es wahr ist, was Gott sagt. Und dann mitbauen an Gottes Reich und zusammen mit anderen lernen, was es heißt, anders zu leben.