Mittwoch, 30. November 2011

Predigtreihe im Advent

Die EmK Detmold lädt herzlich ein zu einer Predigtreihe an den Adventssonntagen. Jesus kommt - das ist schön und gut. Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Alltag. Ich genieße die Adventsstimmung: die Plätzchen, die adventlichen Düfte, die besonderen Lieder... Und ich freue mich auf Weihnachten und versuche, mich darauf vorzubereiten - das Kommen Jesu wirklich zu feiern. Aber wie um alles in der Welt kommt Jesus in meinen Alltag - so, dass er bleibt, auch wenn Advent und Weihnachten vorbei sind? Wie geht das, dass mein Alltag mit Jesus verbunden ist, nicht nur der Sonntag oder bestimmte Zeiten unter der Woche, sondern mein ganzer Alltag?

Jesus kommt in deinen Alltag, das ist das Thema unserer Predigtreihe im Advent. Wir wollen uns mit Hilfmitteln beschäftigen, die es Jesus erleichtern können, in unserem Alltag präsent zu sein:

2. Advent: Jesus kommt in deinen Alltag - Haltungen, die helfen
3. Advent: Jesus kommt in deinen Alltag - Gegenstände, die helfen
4. Advent: Jesus kommt in deinen Alltag - Taten, die helfen

Alle sind herzlich eingeladen zu den Gottesdiensten jeweils am Sonntag um 10 Uhr in der Immanuelkirche, Mühlenstr. 16 in Detmold.

Montag, 28. November 2011

Jesus kommt - der etwas andere König


Wäre ich nur in die angelsächsische Kultur hineingeboren,“ so hat Thomas Mann seinem Sehnen einmal Ausdruck gegeben. Und ich gebe gern zu, liebe Freunde: Auch ich bin anglophil durch und durch. Ich mag die englische Sprache und benutze sie gern, ich schätze die englische Kultur und den englischen Humor, sehe im Fernsehen nichts lieber als englische Krimis. Ich genieße englischen Schnupftabak und esse sogar – spätestens an dieser Stelle bin ich dann recht allein – gerne englische Gerichte.

So ist es kein Zufall, dass ich – obwohl ich den Klatschspalten der Zeitungen ansonsten nicht sehr zugetan bin – die wohl prunkvollste Hochzeit dieses Jahres durchaus zur Kenntnis genommen und auch Anteil genommen habe: Am 29. April heirateten in London Prinz William und Kate Middleton. Und da gab es dann all das zu bestaunen, was in Europa wohl nur noch die Briten zu bieten haben: Schon Tage vorher nächtigten viele Menschen auf den Londoner Straßen, um live dabei sein zu können. Die Hochzeit selbst war feierlich, fröhlich und prunkvoll. Tausende und Abertausende säumten die Straßen Londons und jubelten dem jungen Paar begeistert und voll Stolz auf das britische Königshaus zu.

Uns Deutschen, die wir in einer Republik leben, ist das Ganze ein wenig fremd. Aber doch gibt es viele, die mehr oder weniger heimlich auch ein wenig neidisch auf die Insel blicken und am liebsten mitfeiern würden.

Warum ich Ihnen all das erzähle? Die Tage im April und die Fernsehbilder von den jubelnden und Fahnen schwenkenden Massen kamen mir wieder in den Sinn, als ich über die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem nachdachte.

Ich lese Matthäus 21, die Verse 1 bis 11:

Als Jesus und seine Jünger in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus. Er sagte ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Ihr werdet dort eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr. Bindet sie los und führt sie zu mir. Und wenn euch jemand anspricht, dann sagt: Der Herr braucht sie. Man wird euch die Tiere überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten: Sagt der Tochter Zion – also Jerusalem: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig. Er reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres.
Die Jünger gingen hin und taten, was ihnen Jesus befohlen hatte. Sie brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete vor Jesus ihre Kleider auf den Weg. Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihn begleitete, schrie: Hosianna dem Sohn Davids. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe. Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist das? Die Menge aber antwortete: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Die ganze Stadt war in Aufregung, heißt es in der Bibel, als Jesus als König auf einem Esel in Jerusalem einzog. Ich stelle mir das ein bisschen so vor wie die Aufregung in London rund um die Hochzeit von Kate und William. Es gibt kein anderes Gesprächsthema auf den Straßen und in den Cafés, keine wichtigere Nachricht als: Er kommt. Gehst du hin? Was wird er sagen? Wie wird es werden? Und von Sprechchören wird auch erzählt: Hosianna dem Sohn Davids, also dem Messias. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna, mit diesem Ruf verbindet sich die Erwartung an die Hilfe Gottes, an eine neue, messianische Weltordnung des Friedens und des Rechtes.

Und doch gibt es einige gewichtige Unterschiede zwischen den beiden Ereignissen: dem Einzug Jesu in Jerusalem und der königlichen Hochzeit in London am 29. April diesen Jahres. Ich möchte drei Gedanken zum Text aus dem Matthäusevangelium mit Ihnen teilen:

1. Der da einzieht, ist wirklich der Messias, der König der Welt.

Für diese Aussage kann ich keinen rationalen, nachvollziehbaren Grund, kein Argument anführen. Diese Aussage ist nicht beweisbar, auch wenn wir das manchmal gerne so hätten. Wir würden gerne anderen mit rationalen Argumenten – so dass sie uns quasi glauben müssen – erklären, was an Jesus so besonders ist. Aber das geht nicht: Wir können nur bezeugen, nicht beweisen. Denn das Jesus der Messias ist, diese Aussage beruht auf persönlicher Erfahrung.

Der da einzieht, ist der Messias, der König der Welt. In ihm begegnet uns jemand, der sich von allen anderen Menschen in einem Punkt unterscheidet: Gott selbst wird in ihm sichtbar und erfahrbar. Wie gesagt: Das ist nicht begründbar oder belegbar, das ist ein Satz persönlicher Erfahrung.

Ohne Jesus, liebe Freunde, wäre ich ganz sicher Atheist. Aber weil ich ihm vertraue, ihm glaube, wenn er sagt: In mir kommt Gottes Herrschaft zu euch, in mir könnt ihr Gott erfahren, bin ich Christ. Jesus zeigt mir, wie Gott ist, er lässt mich seine Größe und seine Liebe, seine Macht und seine Hingabe für uns erleben und erfahren. Und: Er verändert mich, er macht mich zu einem Menschen, der seiner Bestimmung mehr und mehr entspricht. Meine Erfahrung ist: Ich erlebe Frieden mit mir selbst, Frieden mit meinen Mitmenschen und Frieden mit Gott, wenn ich mich Jesus anvertraue, wenn ich mit ihm lebe, zu ihm spreche, auf ihn höre und von ihm lerne jeden Tag neu. Sie können sich auf diese Erfahrung, die ich mit vielen anderen Christen teile, einlassen oder sie können es lassen. Überzeugen kann ich sie nicht, nur erzählen von meinem persönlichen Erleben. Das aber ist: Er ist der Retter der Welt, der Messias Gottes, in dem Gott uns begegnet und uns verändert, wenn wir uns auf ihn einlassen und beginnen, täglich neu mit ihm zu leben.

2. Der da einzieht in Jerusalem, ist König, aber er ist ganz anders König:

Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein, aufwie es im Text heißtdem Jungen eines Lasttiers. Das ist das Paradox, das nur in Jesus zu finden ist: Er kommt als König, der nicht in die Stadt läuft, sondern reitet, und zwar auf einem roten Teppich, wahrhaft fürstlich und begleitet von begeistert jubelnden Massen. Aber: Er reitet auf einem Esel, einem Lasttier. Sanftmütig nennt das die Bibel. Man könnte auch demütig sagen oder eben: arm. Dieser König will arm sein, er macht sich klein, vom Anfang bis zum Ende. Als Baby liegt er in einer Futterkrippe, später als Rabbi, zieht er ohne festen Wohnsitz mit seinen Schülern durch das Land, und diese Königsstadt Jerusalem, in die er jetzt auf einem geliehenen Esel einzieht, wird er wenig später geschmäht, beschimpft und bespuckt, gefoltert und gequält, mit einem Holzkreuz auf dem Rücken wieder verlassen, um sein Kreuz dorthin zu tragen, wo er hingerichtet werden wird.

Gott, wie Jesus ihn uns zeigt, ist der Gott der Armen, der Gott, der uns ansieht, auch heute noch, in den Leidenden und Gequälten, den Gefolterten und Misshandelten, den Hungernden und Obdachlosen, den Kranken und Bedürftigen, den Ungeliebten und Gemiedenen. An einen kalten, allmächtig im Himmel thronenden Gott, der unbewegt ist von dem, was hier auf der Erde vor sich geht, würde ich nicht glauben wollen. Aber der Gott, der sich uns in Jesus zeigt, der Mitleid hat mit den Leidenden, der sich herab beugt und sich mit den Armen solidarisiert, der sich auf die Seite derer stellt, die heute noch unterliegen und der ihr Leiden mit trägt, an diesen Gott kann ich glauben. Und er verspricht uns, dass es einmal anders sein wird, dass er am Ende sein Reich durchsetzt, in dem es keine Armut, kein Leiden, keine Krankheit und keine Tränen mehr geben wird. An diesen Gott allein, wie er sich in Jesus zeigt, kann und will ich glauben. Ihm will ich vertrauen.

Im Philipperbrief heißt es: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller Knie und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters.

Jesus ist König, aber eben ganz anders, weil Gott ein Gott ist, der mitleidet.

Und 3. Der, der da einzieht, fordert und zu einer Entscheidung heraus.

Jesus will keine Zuschauer, sondern er sucht Nachfolger. Wir haben die Wahl. Wir können am Straßenrand stehen bleiben und uns wie viele der Menschen damals in Jerusalem fragen: Wer ist das? Was hat er vor? Wir können in der Beobachterposition bleiben, in sicherer Entfernung. Nur werden wir dann das, was Jesus für uns tun kann, nie selbst erfahren. Wir werden vielleicht an anderen sehen, wie sie von ihm begeistert sind, wie sie ihr Leben auf ihn bauen und von ihm prägen lassen, wir werden vielleicht etwas verwundert wahrnehmen, wie andere fröhlich mit sich selbst und mit Gott in Übereinstimmung leben, wie sie ihr Leben verändern lassen von ihm, wie sich auch ihr Umgang mit ihren Mitmenschen verändert, wie sie befreit werden von ihren Ängsten, von Süchten und von Sorgen. Aber selbst erleben werden wir das alles als Zuschauer am Straßenrand nicht.

Die Alternative ist: Wir können uns auf Jesus, diesen ganz anderen König, in dem Gott sich uns zeigt, wirklich einlassen. Vielleicht zum ersten Mal, vielleicht noch einmal neu. Jesus sucht Menschen, die ihm nachfolgen, die ihn in ihr Leben hineinwirken lassen. Menschen, die sich dafür entscheiden, mit ihm leben zu wollen, sich von ihm verändern und erneuern zu lassen, ihm ähnlicher zu werden. Ich habe das am Anfang dieser Predigt schon einmal gesagt: Dass Jesus der Retter ist, dass er Leben verändern kann und uns in Übereinstimmung mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und mit Gott bringen kann, das ist nicht beweisbar und nicht theoretisch begründbar. Das ist etwas, was sich nur persönlicher Erfahrung erschließt. Aber wir sind eingeladen, diese Erfahrung zu machen und durch sie reich zu werden. Heute, jetzt und hier, am ersten Advent 2011.

Ich möchte Sie einladen, mit mir zusammen in der Adventszeit ein Experiment zu machen. Es sind nur noch wenige Tage bis zum 1. Dezember. Lassen Sie uns doch diesen Monat Dezember für eine ganz neue Begegnung mit Jesus nutzen. Wir können dazu das Lukasevangelium als Adventskalender der etwas anderen Art betrachten. Das Lukasevangelium hat 24 Kapitel, für jeden Tag des Dezember bis Weihnachten eines. Lassen Sie uns also einen Vertrag schließen: Jeden Tag machen wir ein Türchen auf, das heißt wir lesen ein Kapitel des Lukasevangeliums. Jeden Tag, ab dem 1. Dezember bis Weihnachten. Und wenn wir uns begegnen, hier in der Gemeinde oder anderswo, dann erzählen wir uns davon, was wir beim Lesen über diesen ganz anderen König herausgefunden haben. Wäre das was? Jeden Tag ein Kapitel, das ist machbar, oder?

Und bevor wir lesen, beten wir:

Jesus, ich will in dieser Adventszeit zum ersten Mal oder neu dich als meinen Herrn und Retter erfahren. Ich will offen dafür sein, wie du zu mir sprichst. Ich will heute von dir lesen, und ich will mehr erfahren darüber, wie du mich ganz persönlich verändern und mein König sein willst. Bitte sprich zu mir und komme du in mein Leben.

Ich bin sicher: Jesus wird unser Gebet hören, und er wird uns verändern in dieser Adventszeit. Er wird in unser Leben einziehen und uns Gott näher bringen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

Sonntag, 20. November 2011

Das Abendmahl - Vorgeschmack des Himmels

Predigt in der EmK Detmold am 20.11.2011


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ich lese Worte aus dem 26. Kapitel des Matthäusevangeliums: Und am Abend setzte Jesus sich zu Tisch mit den Zwölfen. Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

Herr Jesus, regiere du unser Reden und unser Hören. Amen.

Für John Wesley gehörte das Abendmahl zu den geistlichen Übungen, die er ausgesprochen geschätzt hat, zu den Gnadenmitteln. Er rechnete damit, so sagt es ja schon diese Bezeichnung Gnadenmittel, dass bei diesen geistlichen Übungen Gottes Gnade in besonderer Weise wirken kann. Deshalb empfahl er seinen Leuten, so oft wie möglich am Abendmahl teilzunehmen und tat das auch selbst.

Und in der Tat: Viele können erzählen, dass ihnen beim Abendmahl Gott besonders nahe gekommen ist. Eine Freundin erzählte einmal beim Hauskreis, dass sie das auch physisch spürt – dass ihr buchstäblich warm ums Herz wird beim Abendmahl und dass sie sich dann ganz geborgen fühlt in Gott.

Das Abendmahl ist etwas ganz besonderes – wenn wir es so nennen wollen: etwas heiliges. In den Einsetzungsworten kommen drei Perspektiven des Abendmahls zur Sprache, die wichtig sind:

1. Das Abendmahl ist echte Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern

Und am Abend, heißt es in Matthäus 26, setzte Jesus sich zu Tisch mit den Zwölfen. Im Abendmahl können wir echte Gemeinschaft erfahren – sowohl untereinander als auch mit Jesus. Hier wird Glaube im wahrsten Sinne des Wortes zu einer sozialen Erfahrung, einer Gemeinschaftserfahrung.

Der Einladende zum Abendmahl ist Jesus selbst. Er lädt uns alle an seinen Tisch. Und ich meine wirklich alle, wenn ich das sage:
  • Jesus lädt dich ein, auch wenn du keiner oder einer anderen Kirche angehörst. Das Abendmahl ist an keine Mitgliedschaft gebunden. Alle, die Jesus nachfolgen wollen, werden von ihm eingeladen. Mach dir keine Sorgen, ob du willkommen bist, nur weil du nicht der EmK angehörst. Hier geht es nicht um die EmK, sondern um die Gemeinschaft mit Jesus.
  • Jesus lädt dich ein, auch und gerade wenn du mit Schuld beladen bist und sie bereust. Wenn du Schuld auf dich geladen hast, die dich bedrückt und die dir Leid tut, musst du dem Abendmahl nicht fernbleiben. Im Gegenteil: Gerade dann lädt Jesus dich an seinen Tisch ein. Das ist so eine Angewohnheit von Jesus: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken, hat er gesagt, ich bin gekommen, die Sünder zur Umkehr zu rufen. Und er hat zeitlebens besonders gerne mit ausgewiesenen Sündern gegessen und getrunken und gefeiert. Also denk dran, wenn du heute morgen hier sitzt und dir bewusst bist, dass du Schuld hast, dass du ein Sünder bist: Gerade mit dir will Jesus Gemeinschaft haben. Und wenn du auch Gemeinschaft mit ihm haben willst, wenn du deine Sünde bereust, dann bist du, gerade du, von ihm eingeladen an seinen Tisch, zum Abendmahl.

Es gibt überhaupt nur eine Voraussetzung, zum Abendmahl zu gehen: das Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus. Punkt. Mehr nicht. Allen, die dieses Verlangen haben, will Jesus Gemeinschaft mit sich schenken und tut das im Abendmahl.

2. Das Abendmahl ist persönliches Erleben der Vergebung

Wenn du dieses Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus hast und deine Schuld bereust, dann will Jesus dir alle deine Schuld vergeben. Und er kann das auch tun. Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Brot und Wein werden im Abendmahl zu Bildern für Jesus selbst. So wie er uns Brot und Kelch hingibt, so gibt er sich selbst hin für uns zur Vergebung unserer Schuld.

Wenn du richtig was auf dem Kerbholz hast an Schuld, an Sünde, dann darfst du wissen: Jesus hat sich selbst hingegeben, hat seinen Leib geopfert und sein Blut vergossen, damit du frei ausgehst, damit dir vergeben werden kann. Und er will dir vergeben – hier und heute.

Ich genieße in unserer Abendmahlsordnung die Stelle, an der wir gemeinsam unsere Schuld bekennen und an der der Pastor uns die Vergebung unserer Schuld ausdrücklich zuspricht. Das ist wunderbar. Leider ist uns die Einzelbeichte ja fremd geworden. Unsere katholischen Geschwister haben uns da was voraus, finde ich. Jesus ermächtigt seine Jünger – und zwar alle, nicht nur den Pastor – ausdrücklich dazu, Sündern, die ihre Schuld bereuen, die Vergebung zuzusprechen. (Matthäus 18, 18). Das ist ein großes Vorrecht, das wir leider weitgehend vergessen haben. Und ich möchte Sie alle dazu ermutigen, dieses Vorrecht der Einzelbeichte neu zu entdecken:

Wenn eine Schuld Sie drückt und Sie bereuen, dann haben Sie den Mut und suchen sich jemanden in der Gemeinde, dem Sie vertrauen. Fragen Sie, ob Sie bei ihm oder ihr beichten dürfen und bekennen Sie in seiner Gegenwart Gott ihre Schuld. Beten Sie zusammen und bitten Sie Gott um Vergebung und um einen Neuanfang. Sie können gerne zu mir kommen, wenn Sie das mit mir tun möchten. Ich lade Sie ausdrücklich dazu ein. Es ist befreiend, glauben Sie mir, von einem anderen dann ausdrücklich gesagt zu bekommen: Weil Jesus für dich starb, ist dir deine Schuld vergeben. Lassen Sie uns das neu entdecken und miteinander einüben.

In unserer Abendmahlsordnung gibt es zwar keine Einzelbeichte, aber ein gemeinsames Sündenbekenntnis und den Zuspruch der Vergebung für alle, die dieses Bekenntnis ernst und aufrichtig meinen. Und beim Austeilen von Brot und Wein wiederholen wir die Worte Jesu: Christi Leib, für dich gebrochen – und – Christi Blut, für dich vergossen. Oft hören wir auch: So wahr du von diesem Brot isst, so wahr starb Christus für dich – und – So wahr du aus diesem Kelch trinkst, so wahr starb Christus für dich.

So kann das Abendmahl zu einem Ort werden, an dem wir in ganz verdichteter, konzentrierter Weise und sehr sinnlich Vergebung unserer Schuld erfahren. Ich wünsche uns allen heute und hier diese Erfahrung. Und

3. Das Abendmahl ist Vorgeschmack des Himmels.

Indem das Abendmahl das alles ist - echte Gemeinschaft, die wir untereinander haben und mit Jesus, der uns alle, wirklich alle, zu sich einlädt und persönliches Erleben der Vergebung – wird es zugleich zum Vorgeschmack des Himmels.

Diese dritte Perspektive auf das Abendmahl ist der Grund, warum wir es gerade auch am Ewigkeitssonntag miteinander feiern. Heute denken wir an unsere Lieben, die im vergangenen Jahr verstorben sind. Zweier von ihnen, die zu unserer Gemeinde gehörten, haben wir vorhin in besonderer Weise gedacht. Aber manche hier unter uns denken vielleicht noch an ganz andere Menschen, die gestorben sind und die sie vermissen. Wir suchen Trost an diesem Sonntag im November.

Wir wissen nicht viel über den Himmel. Wie sieht's da aus? Wie geht’s da zu? Auf solche Fragen gibt es keine befriedigenden Antworten – Jesus selbst hat Fragen nach den Verhältnissen bei der Auferstehung ziemlich schroff zurückgewiesen. (Matthäus 22,29 ff.)

Aber eines wissen wir ganz sicher: Im Himmel gibt es das, und es ist ganz zentral, was wir im Abendmahl jetzt schon erleben dürfen: echte Gemeinschaft untereinander und mit Jesus an einem Tisch und die persönliche Erfahrung: Mir ist vergeben. Gott hat mich angenommen. Jesus sagt: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Im Abendmahl, heißt das doch, nimmt Jesus ein Stück des Himmels vorweg und schenkt es uns – schon jetzt.

Und ist das nicht der beste und schönste Trost, den wir heute am Ewigkeitssonntag bekommen können - zu wissen, dass es so ist im Himmel wie beim Abendmahl?

Hier und heute, liebe Freunde, lädt uns Jesus ein an seinen Tisch. Er lädt uns ein, Gemeinschaft zu erleben – untereinander als Brüder und Schwestern und mit ihm, der sich selbst hingab, damit wir gerettet werden. Er lädt uns ein, die persönliche Erfahrung zu machen: Gott vergibt mir meine Schuld und nimmt mich um Jesu willen an als sein geliebtes Kind. Und er lädt uns ein, in all dem einen Vorgeschmack des Himmels jetzt schon zu erleben.

Schmeckt und seht, wie freundlich dieser Herr ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 13. November 2011

Außerordentliche Großzügigkeit


Robert Schnase erzählt in seinem Buch „Fruchtbare Gemeinden“ folgende Begebenheit: Sechs Mitglieder des Finanzausschusses einer kleinen Gemeinde standen vor dem Problem, für eine Reparatur im Gebäude der Gemeinde 465 Dollar zahlen zu müssen. Der Jahresetat für den Gebäudeunterhalt war aber schon überzogen und der Kontostand war gefährlich niedrig. Fast eine Stunde lang diskutierten sie verschiedene Möglichkeiten: Sollten Sie einen Kredit aufnehmen oder am Sonntag einen besonderen Spendenaufruf machen? Sie dachten über einen Flohmarkt nach, einen Kuchenverkauf und vieles mehr. Jemand hatte die Idee, von einem der reichsten Gemeindeglieder eine besondere Spende zu erbitten, obwohl das Mitglied inaktiv war und in der Vergangenheit wenig Neigung zum Helfen gezeigt hatte. Im Verlauf der Sitzung wuchs die Frustration. Gute Ideen blieben aus.

Schließlich schüttelte eines der Mitglieder des Ausschusses, eine Lehrerin, lächelnd den Kopf über die Sackgasse, in die sie geraten waren. Sie schlug vor, mit Reden aufzuhören und in einer Gebetsstille darauf zu warten, ob Gott einen anderen Weg zeigen würde. So machten sie es. Nach einigen Augenblicken der Stille schaute sich die Lehrerin in der Runde um und sagte: Wir alle wissen, dass jeder von uns ohne große Probleme einen Scheck über die gesamten 465 Dollar ausstellen könnte. Dann zog sie ihr Scheckbuch aus der Handtasche und füllte einen Scheck über 465 Dollar für die Gemeinde aus. Darauf sagte sie: Wer sich mir anschließen will, kann das tun. Den Überschuss können wir für die Arbeit mit Kindern verwenden. Drei andere taten es ihr gleich und zwei weitere stellten Schecks über 200 und 100 Dollar aus. Das Resultat: Die Reparatur war bezahlt und für die Arbeit mit Kindern standen unerwartet 1.695 Dollar zur Verfügung.

Tolles Erlebnis, oder? „Außerordentliche Großzügigkeit“ nennt Schnase das Kapitel in seinem Buch, das sich mit dem Geben für die Gemeinde beschäftigt. Und genau das war es hier wohl auch: außerordentliche Großzügigkeit.

In drei Schritten möchte ich mit Ihnen heute Morgen über das Geben nachdenken: Erstens wollen wir in die Bibel sehen: Was steht da über das Geben? Dann, als zweites, möchte ich über den Zehnten sprechen. Und zum Schluss möchte ich Ihnen eine weitere Geschichte aus dem Buch von Bischof Schnase erzählen, die einen konkreten Weg aufzeigt, wie außerordentliche Großzügigkeit möglich ist.

Zunächst also der Blick in die Bibel:

In der Hebräischen Bibel begegnet uns an vielen Stellen der Zehnte. Schon von Abraham heißt es, dass er Gott den Zehnten „von allem“ gab (1. Mose 14,20). Das Geben des Zehnten und der Erstlingsfrüchte wird in der Thora ausdrücklich geboten. Es soll die Hingabe des Volkes an den Gott Israel und seine Dankbarkeit ihm gegenüber ausdrücken. Für den Bau des Heiligtums wird uns erzählt, dass viele aus dem Volk großzügig über den Zehnten hinaus dafür spendeten. (2. Mose 35, 4-9.20.29).

Bekannt ist – wenn wir in der Bibel weitergehen - Maleachis Werben für großzügiges Geben: Bringt den Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle. (Maleachi 3,10): Es ist, als ginge Gott mit dem Volk eine Wette ein. Wetten, dass großzügiges Geben Segen bringt? Wenn du ein Wunder erfahren willst, dann lass dich auf die Wette ein. Speise Gott nicht mit einer Gabe aus deinem Überfluss ab, sondern wage richtig was beim Geben. Gib ihm den vollen Zehnten, und du wirst ein Wunder erfahren, nämlich dass er Segen schenkt.
Und im Neuen Testament? Jesus kritisiert den Zehnten. Allerdings tut er das nicht, weil er ihn für zu anspruchsvoll hält, sondern weil der Zehnte allein ihm nicht genug ist. Der Zehnte ist ihm zu sehr leere Form ohne Inhalt geworden. Den Zehnten geben allein aus Pflichtgefühl, das reicht ihm nicht. Geben, sagt er, soll verbunden sein mit „Recht, Barmherzigkeit und Glauben.“ (Matthäus 23,23).

Interessant ist die Zachäusgeschichte in Lukas 19,1-10. Das ist ja eine Bekehrungsgeschichte. Der Zolleinnehmer Zachäus erfährt in der Begegnung mit Jesus, dass der ihn annimmt trotz seiner Betrügereien und ihm seine Sünde vergibt. Und er erfährt, dass Jesus ihn verwandelt und neu macht. Und was ist seine erste Schlussfolgerung? Was folgt für ihn als allererstes aus seinem neuen Leben mit Jesus? Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. (Vers 8) Unglaublich radikal wirkt sich das neue Leben des Zachäus im Glauben auf seinen Umgang mit Geld aus. Er gibt nicht nur den Zehnten, sondern weit darüber hinaus die Hälfte von seinem Besitz.

Über die erste Gemeinde in Jerusalem heißt es in der Apostelgeschichte (2,45): Sie verkauften alle Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Beeindruckend, oder?

Was ist das, was diese Menschen, Zachäus zum Beispiel oder die Mitglieder der Jerusalemer Urgemeinde, dazu veranlasst, so radikal und außergewöhnlich zu geben: nicht von ihrem Überfluss eine milde Gabe, sondern mutig zu geben, den Zehnten und viel mehr als das? Was motiviert sie?

Es ist die Erfahrung, dass sie ihr Leben führen aus der Gnade dessen, der sich selbst hingegeben hat. Die Hingabe Jesu, die ihn ans Kreuz geführt hat, um für uns Vergebung der Sünden zu erwirken, diese radikalstmögliche Hingabe des eigenen Lebens, ist es, die diese Menschen antreibt und ermutigt, selbst auch außerordentlich großzügig zu geben.

Die Außerordentlichkeit des Gebens der Jünger Jesu im Neuen Testament ist Ausdruck ihrer Dankbarkeit dem gegenüber, der sich selbst für sie hingegeben hat.

So weit ein kurzer Überblick über das Geben in der Bibel. Aber wie steht es nun mit uns? Geben wir auch nur annähernd so großzügig wie Zachäus oder die Leute in der ersten Gemeinde in Jerusalem?

Wir sind es mittlerweile gewohnt, auf unsere Gaben für die Kirche angesprochen zu werden, weil es der Kirche finanziell schlecht geht. Da ist die Aktion 1000 X 1000 der Jährlichen Konferenz und vieles mehr an Aufrufen, Bitten und Aufforderungen, mehr Geld für die Kirche zu geben. Der Blick in die Bibel lenkt uns aber auf einen anderen Weg: Außerordentlich großzügiges Geben, so lesen wir da, ist auch für den, der gibt, wichtig, nicht nur für den, der empfängt oder für die Kirche, die unser Geld braucht. Geben ist ein Segen für den, der gibt.

Woraus beziehst du deinen Wert? Was macht dich wertvoll? Das ist die Kernfrage, die hinter unserer Praxis des Gebens steht. Und wenn wir glauben, dann wissen wir: Echten Sinn, wirkliches Glück, wahres Angenommensein erfahren wir, weil Gott uns liebt, so sehr liebt, dass er sich in Jesus selbst für uns hingibt. Wenn wir das wirklich verinnerlichen und aus dieser Gewissheit leben, dann kann uns das befreien, um wirklich außerordentlich großzügig zu geben. Dann können wir wirklich radikal geben im Vertrauen darauf, dass Hingabe ein Segen für uns ist.

Solches Geben, radikales außerordentlich großzügiges Geben, wie es sich im Zehnten ausdrückt, ist gut für uns, weil es uns hilft, geistlich zu wachsen, im Glauben reifer zu werden. Wir lernen damit, immer weniger den Heilsversprechungen des Materialismus zu vertrauen und immer mehr unserem Herrn, der uns zuruft: Lass alles los, was dich bindet und folge mir ganz nach. Wage etwas mit mir und lerne von mir.

Der Zehnte ist uns fremd geworden und wir haben Angst davor, so viel zu geben. Lasst uns mal ein paar Sekunden der Stille nutzen, um im Kopf für uns selbst zu überschlagen, wie viel das wäre pro Monat, wenn wir den Zehnten, also zehn Prozent aller unserer Einkünfte geben würden. Wie viel wäre das bei dir oder in deiner Familie? (Moment der Stille)

Ganz schön viel, oder? Vielleicht sogar unvorstellbar viel. Ist das unerreichbar, den Zehnten zu geben? Eine Illusion?

Für den Schluss der Predigt habe ich Ihnen eine weitere Geschichte versprochen, die Bischof Schnase in seinem Buch erzählt. Sie knüpft an dem an, was wir eben selbst gemacht haben: Wir haben uns klar gemacht, wie hoch für uns persönlich unsere monatlichen Gaben an die Gemeinde wären, wenn wir den Zehnten geben würden. Vermutlich war es auch bei den meisten von uns so wie bei Susan und Mark, von denen Bischof Schnase erzählt: Der realistisch berechnete Zehnte als Beitrag für die Gemeinde erscheint uns unglaublich hoch. Wir sind es nicht gewohnt, auch nur darüber nachzudenken, so viel zu geben.

Mark und Susan wuchsen in methodistischen Familien auf. Obwohl sie die Sonntagsschule und die Jugendgruppe besucht hatten, waren sie während ihrer College-Zeit weniger aktiv. Später, als sie verheiratet waren und sich niedergelassen hatten, engagierten sie sich wieder in der Kirche. Jetzt sind sie Mitte 30 und haben zwei kleine Kinder. Sie haben ein durchschnittliches Einkommen und pflegen einen durchschnittlichen Lebensstil. Sie müssen für eine Hypothek auf dem Haus, zwei Autos und eben ihre beiden Kinder aufkommen.

Während eines Glaubenskurses in ihrer Gemeinde haben sich Mark und Susan bewusst für den Glauben entschieden. Sie sind Gastgeber eines Hauskreises und engagieren sich in der Arbeit mit Kindern. Sie lieben ihre Gemeinde und haben ihre engsten Freunde dort.

Ein Gottesdienst zum Thema „Geben“ vor 5 Jahren forderte sie heraus, über ihre eigene Praxis nachzudenken. Eigentlich hatten sie im Blick auf ihren finanziellen Beitrag ein gutes Gefühl. Sie hielten ihn für durchaus großzügig – großzügiger als den der meisten Paare ihres Alters.

In dem Gottesdienst hatte der Pastor betont, dass der finanzielle Beitrag für die Gemeinde einen angemessenen Prozentsatz des Einkommens betragen sollte – mit dem Ziel, 10 % des gesamten Einkommens, also den Zehnten, für die Gemeinde zu geben. Beim Nachrechnen stellten Mark und Susan fest, dass ihre Beiträge weniger als 2 % ihres Einkommens ausmachten. Sie begannen, sich intensiver mit der Praxis des Zehnten zu befassen. Obwohl sie die biblischen Belege und Anweisungen für den Zehnten studierten und darüber beteten, schienen ihnen 10 Prozent eine zu hohe Erwartung zu sein. Sie hatten schließlich eine Hypothek auf ihrem Haus, Ausgaben für zwei Autos, mussten für die Kinder aufkommen und wollten auch etwas für ihren Ruhestand zurücklegen. Wie könnten sie da den Zehnten geben?

Mark und Susan dachten immer wieder über die Geschichte der Witwe am Tempel in Lukas 21 nach. Diese arme Witwe, sagte Jesus, hat mit ihren zwei Münzen mehr als alle anderen eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss eingelegt, sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte. Mark und Susan war bewusst geworden, dass sie – wie auch die anderen in der Gemeinde – nicht aus der Armut, sondern vom Überfluss gaben. Aus dieser Erkenntnis heraus forderten sie sich und die anderen heraus, im Geben zu wachsen. Für sich selbst beschlossen sie, ihren Beitrag in diesem Jahr von zwei auf drei Prozent ihres Einkommens zu erhöhen.
Im Jahr darauf beschlossen Mark und Susan, für sich den Zehnten als Ziel anzustreben. Sie steigerten ihre Beiträge um ein weiteres Prozent ihres Einkommens und nahmen sich vor, einen solchen Schritt jeweils auch in den Folgejahren zu tun, bis sie den Zehnten erreicht hätten.

Schon vier Prozent bedeuteten, dass sie ihre Gewohnheiten beim Geldausgeben überdenken mussten. Sie schauten sich einige ihrer Ausgabenmuster an, etwa wie häufig sie Fertigmahlzeiten kauften statt miteinander zu Hause zu essen. Sie veränderten ihren Lebensstil allmählich auf positive Weise. Eines Tages fiel es Mark auf, dass ihre Gehälter jährlich um etwa vier Prozent ansteigen. Wenn sie jedes Jahr die eine Hälfte davon zurücklegten oder verbrauchten und mit der anderen Hälfte ihre Beiträge steigerten, könnten sie ihr Ziel, den Zehnten, bis in drei Jahren erreichen. Das taten sie dann.

Das Ziel, den vollen Zehnten zu geben, erreichten Mark und Susan vor einem Jahr. Soviel sie auch darüber gelesen, gesprochen, gebetet und es sich fest vorgenommen hatten, es war doch etwas völlig Neues, als sie ihren Dauerauftrag bei der Bank auf zehn Prozent ihres Einkommens zugunsten der Gemeinde erhöhten. Susan erinnert sich daran als an einen emotional tief bewegenden Moment ihrer Glaubensreise. Beide empfanden sie dabei eine unglaubliche Freude.

Langsam und stetig hatten sie ihren Beitrag in kleinen Schritten erhöht, von nicht mal zwei Prozent ihres Einkommens auf drei, vier, sechs und schließlich zehn Prozent. Ihr Glaube hatte sich durch diese Reise verändert. Er war tiefer und reifer geworden. Statt Gott nur das zu geben, was am Ende des Monats übrigbleibt, hatten sie als geistliche Disziplin gelernt, ihm auch bei den Finanzen den ersten Platz einzuräumen. Das Geben des Zehnten erforderte von ihnen ein großes Vertrauen, aber es stärkte auch ihren Glauben.

Mark und Susan wurde bewusst, dass ihr ganzes Einkommen ihnen von Gott anvertraut ist. Sie dachten neu über ihren Umgang mit Geld nach. Sie wurden bei den Ausgaben weiser und weniger verschwenderisch und tätigten weniger überflüssige Einkäufe. Wie sie ihr Geld ausgaben, sparten oder spendeten, wurde Teil ihres Glaubenslebens.

Und das Interessanteste: Das Geben des Zehnten hatte bei ihnen das Gefühl von Sorge, Angst und Panik durchbrochen, aus dem sie in der Vergangenheit manche finanzielle Entscheidung getroffen hatten. Zu wissen, dass sie freiwillig zehn Prozent ihres Einkommens weggeben konnten, befreite sie vom lähmenden Gefühl, in ihrer finanziellen Situation hoffnungslos gefangen zu sein. Je mehr sie gaben, desto weniger machten sie sich Sorgen.

Wie wäre es, liebe Freunde, wenn wir alle uns in der kommenden Woche zu Hause als Familien die Zeit nehmen, einmal auszurechnen, wie hoch genau der Anteil unseres Einkommens ist, den wir derzeit der Gemeinde geben und wenn wir uns gemeinsam vornehmen, unseren Beitrag in den nächsten Jahren immer im November um ein Prozent unseres Einkommens zu erhöhen, bis wir beim vollen Zehnten angelangt sind. Nicht oder nicht nur, weil die Gemeinde Geld braucht, sondern vor allem, weil auf dem außerordentlich großzügigen Geben Segen liegt, weil wir durch das Geben wachsen und im Glauben reifen. Wie wär's? „Bringt aber den Zehnten in voller Höhe in mein Haus,“ sagt Gott, „und prüft mich hiermit, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.“ (Maleachi 3,10)

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

(Die Predigt ist eine freie Wiedergabe des Kapitels „Außerordentliche Großzügigkeit“ aus Robert Schnases Buch „Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet“.)

Sonntag, 6. November 2011

Reformationstag: Das große "E" und das kleine "m"

Predigt, gehalten in Detmold am 06.11.2011


Hat jemand von euch am Montag an den Reformationstag gedacht? Was bedeutet uns Methodisten der 31. Oktober 1517, der Tag, an dem Martin Luther in Wittenberg mit seinen 95 Thesen die Reformation einleitete? Seit Jahrhunderten begehen die evangelischen Kirchen an diesem Tag sowas wie den „Geburtstag“ des Protestantismus und denken in Gottesdiensten darüber nach, was sie zu „evangelischen“ Kirchen macht. Genau das möchte ich mit euch heute auch tun. Was macht uns zu einer evangelischen Kirche?

Evangelisch-methodistisch sind wir, und zwar mit großem „E“ und kleinem „m“. Das ist gut so, finde ich. Es ist, als nähmen wir unser Eigenes, das „m“ nicht so wichtig gegenüber dem „E“, das wir mit vielen anderen gemeinsam haben. Für das große „E“ gibt es historische Gründe in der Zeit vor 1968, das ist wahr. Gerade hier, in einer alten EG-Gemeinde, ist es für manche eine ganz wichtige Reminiszenz an die Evangelische Gemeinschaft, in der sie einst zum Glauben gekommen sind. Aber es gibt auch inhaltliche Gründe, warum einem das wichtig sein kann, dass wir das „E“ groß und das „m“ klein schreiben. Darüber will ich heute reden, und zwar anhand eines für den Reformationstag grundlegenden Bibeltextes.

Ich lese Epheser 2, 8-10: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben - ich möchte den Text mit euch erschließen durch folgende zwei Fragen:
  1. Was ist das für ein Glaube, der uns selig macht? Und
  2. Was ist das für eine Seligkeit, die der Glaube schenkt?
Und ich will im Laufe der Predigt dann auch sagen, wo ich das große „E“ und das kleine „m“ in all dem entdecke. Also

I Was ist das für ein Glaube, der uns selig macht?
Wenn Paulus vom Glauben schreibt, dann meint er nicht die bloße Überzeugung, dass ein Gott existiert. Es ist wichtig, das klarzustellen, um Paulus richtig zu verstehen. Wenn wir sagen, dass wir „an einen Gott glauben“, dann ist das gewiss ein wichtiges und manchmal auch mutiges Zeugnis. Das kann uns in schwere Auseinandersetzungen mit anderen führen, die eben an keinen Gott glauben. Es kann uns allein dastehen lassen unter unseren Freunden oder Kollegen, in der Nachbarschaft oder in der Familie.

Aber Paulus, wenn er vom Glauben schreibt, meint etwas anderes. Jakobus schreibt in seinem Brief (2,19): „Du glaubst, dass nur Einer Gott ist? Du tust recht daran. Die Teufel glauben's auch und zittern.“ Nein, dieser Glaube, die Überzeugung, dass es einen Gott gibt, der zu ehren ist, ist nicht der Glaube, der uns selig macht und von dem Paulus im Epheserbrief spricht.

Was aber meint Paulus dann mit diesem Glauben, der uns selig macht?

1. Er meint den Glauben an Gott in Christus.

Der Glaube, den Paulus predigt und für den er wirbt, der Glaube, der selig macht, wie er schreibt, ist Glaube an Gott in Christus. Dass ich so glaube, heißt: Ich verlasse mich darauf,
  • dass Gott sich in diesem einen Menschen Jesus von Nazareth offenbart hat, so wie er ist
  • dass das, was Jesus sagt, Wort Gottes ist und
  • dass die Taten, die Jesus tut, Taten Gottes sind.

Glaube meint nicht nur, dass da ein höheres Wesen existiert, sondern dass dieses Wesen ein konkretes Gegenüber, eben Gott ist, und dass Gott in Jesus Mensch geworden ist und sich erfahrbar gemacht hat.

2. Paulus meint mit dem Glauben mehr als ein Vermuten

Ich glaube, dass der Winter ganz schön hart wird, das wäre so ein Glauben im Sinne von Vermuten. Ich weiß das natürlich noch nicht. Wie soll ich auch jetzt schon wissen, was der Winter bringt? Aber ich vermute, dass er richtig hart wird.

Glaube im Sinne des Paulus ist mehr als das. Glaube ist ein Vertrauen mit dem ganzen Herzen. Dieser Glaube verlässt sich darauf: Das, was Gott in Jesus von Nazareth tut, das tut er für mich. Das,was Jesus sagt, ist Wort Gottes an mich. Wenn ich in der Bibel lese, dass Jesus zu einem Betrüger sagt: Dir sind deine Sünden vergeben, ich mache dich neu, dann gilt das mir. Ich verlasse mich darauf. Das ist der Glaube, der selig macht. Er ist viel mehr als bloßes Vermuten von etwas, das ich nicht sicher weiß. Er ist Sich-Verlassen von ganzem Herzen. Und

3. Paulus meint mit dem Glauben, der selig macht, das Vertrauen auf die geschenkte Gerechtigkeit

Man kann den Glauben als etwas verstehen, das Gott von uns fordert so wie vieles andere auch. Gott will, dass wir uns an die Gebote halten: d.h. den Sonntag heiligen, unsere Eltern ehren usw., er will, dass wir unsere Mitmenschen lieben und achten, dass wir anständig mit ihnen umgehen, er will wohl auch, dass wir fair gehandelten Kaffee trinken, möglichst wenig Auto fahren, Ökostrom beziehen und für gute Zwecke spenden. Und so, wie er das alles will, will er auch, dass wir in der Bibel lesen, beten, in die Kirche gehen und eben glauben. So kann man den Glauben verstehen, und vielleicht ist das sogar das heute am weitesten verbreitete Verständnis von Glauben.

Aber was Paulus mit dem Glauben meint, der selig macht, ist das genaue Gegenteil dessen. Der Glaube, den er meint, ist das Gegenteil aller unserer guten Werke. Er setzt geradezu unsere persönliche Bankrotterklärung in Bezug auf alle diese Werke voraus.

Hier sind wir im Kern der reformatorischen Lehre, sozusagen im Kern des großen „E“. Der Glaube, von dem Paulus spricht, heißt: Gott will, dass wir uns, wenn es darum geht, wie wir mit ihm ins Reine kommen, gerade nicht auf irgendetwas verlassen, was wir tun können. Glaube ist der Sprung weg von der eigenen Gerechtigkeit hin zur fremden, geschenkten Gerechtigkeit.

Und dass Gott das will ist Gnade, denn wenn wir uns auf unsere eigenen Werke verlassen müssten – seien wir ehrlich – dann sähen wir ganz schön alt aus. Nur: Selbst wenn das nicht so wäre, selbst wenn wir etwas vorzuweisen hätten vor Gott, wenn wir wirklich gerecht in jeder Hinsicht leben würden, würde Gott wollen, dass wir uns ganz allein auf Jesus verlassen und nicht auf uns.

Im Römerbrief (Kap. 10) beschreibt Paulus das ganz klar: Das Gegenteil des Glaubens ist die eigene Gerechtigkeit, also die Selbst-Gerechtigkeit. Das Gegenteil des Glaubens ist es, wenn ich meine, ich könne vor Gott bestehen und mit ihm ins Reine kommen, indem ich gerecht bin und handle. Und Glaube heißt eben: Ich wage den Sprung weg von meiner eigenen Gerechtigkeit, aus der Selbst-Gerechtigkeit heraus und verlasse mich allein auf Jesus. Das, und nur das, was Jesus für dich getan hat, lässt dich vor Gott bestehen und bringt dich mit ihm ins Reine. Dich darauf allein zu verlassen und nicht auf irgendetwas, was du tust, das ist der Glaube, der selig macht und von dem Paulus spricht.

Die Reformatoren bekannten diesen Glauben gegen den Ablasshandel und die frommen Werke des Mittelalters. Ablass zu erwerben bringt dich mit Gott nicht ins Reine, sagten sie, Wallfahrten auch nicht, Mönch zu werden auch nicht. Im Gegenteil: Du stehst mit deinen frommen Werken in der Gefahr, hochmütig zu werden und zu meinen, du hättest ein Recht auf den Himmel. Stattdessen glaube, und das heißt verlass dich allein darauf, dass Christus alles für dich getan hat, um vor Gott zu bestehen. Dich darauf zu verlassen, das ist der Glaube, der selig macht. So die Reformatoren.

Und heute? Ist das erledigt, weil wir nicht mehr in großer Versuchung stehen, Ablass zu erwerben oder Mönch zu werden? Ich versuche mal eine Übersetzung in unsere Zeit: Fairen Kaffee zu trinken, die Umwelt zu schützen, die Mitmenschen zu lieben, dich sozial zu engagieren – all das ist gut und wichtig, wenn du es tust. Aber denke nicht, du wärst mit Gott im Reinen, wenn du das alles tust. Im Gegenteil: Du stehst gerade mit deinen guten Taten in der Gefahr, selbstgerecht zu sein und zu meinen, du wärst deswegen mit Gott im Bunde. Stattdessen glaube, verlass dich allein darauf, was Jesus für dich getan hat. Er hat schon alles getan, damit du vor Gott bestehen kannst und er will, dass du dich allein darauf verlässt und ihm allein vertraust. Spring von der Selbst-Gerechtigkeit weg hin zur fremden Gerechtigkeit, die Jesus dir schenkt. Halte dich an ihm fest. Das ist der Glaube, der selig macht. Ich finde, die Botschaft der Reformatoren ist ganz schön aktuell und wir haben sie bitter nötig. Und

II Was ist das für eine Seligkeit, die dieser Glaube schenkt?

1. Die Seligkeit, die der Glaube schenkt, ist Vergebung der Sünden

Wenn ich mich allein auf Jesus verlasse und so an ihm glaube, kann ich leben in der Gewissheit, dass meine Schuld, wie groß sie auch sei, mir um seinetwillen vergeben ist. „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“ (Kolosser 2,14) Dass dir das für deine persönliche Schuld zur Gewissheit wird, schenkt dir der Glaube.

Ich weiß nicht, ob es euch so geht wie mir, aber: Für mich ist das immer wieder unglaublich, mir das deutlich zu machen. Gott vergibt mir meine Schuld, alle meine Schuld, weil Jesus sie für mich gebüßt hat. Ich stehe vor Gott allein um Jesu willen mit blütenreiner Weste da. Ist das nicht der pure Wahnsinn? Das ist die Seligkeit, von der Paulus spricht. Das tut Jesus für mich. Und das heißt

2. Die Seligkeit,die der Glaube schenkt, ist Heilsgewissheit

Wenn Gott so für uns ist, wer oder was soll dann gegen uns sein? Wer oder was soll uns noch etwas anhaben können? Das gilt im Leben und auch im Tod. Auch der Tod ist entmachtet durch das, was Jesus für uns getan hat. Denn die Macht des Todes ist doch, dass wir, wenn wir sterben, endgültig aus der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen herausgerissen und allein sind. Endgültig. Das ist Tod. Aber das gilt mit Jesu Tod und Auferstehung nicht mehr für die, die glauben. Gott war in Christus am Kreuz, und das heißt doch, dass auch der Tod uns von ihm nicht mehr trennen kann. Der Tod ist besiegt.

Und auch die Angst vor einem letzten Gericht, davor, dass wir alle einmal Rechenschaft ablegen müssen über unser Leben, kann Menschen, die glauben, nicht mehr schrecken. Denn sie wissen ja: Es ist kein anderer als Jesus, der da richten wird, und der hat alles dafür getan, dass ich freigesprochen werde. Er hat den Schuldspruch schon selbst getragen, bis zum bittersten Ende, damit ich und du frei ausgehen. Dessen sicher zu sein, das ist die Seligkeit, die der Glaube schenkt. Und nur der Glaube, kein Werk, das ich tun könnte, kann sie schenken.

Und das ist im Kern, so meine ich, das große „E“, dass die Reformatoren so klar und deutlich ans Licht gebracht haben und das wir mit allen evangelischen Kirchen am Reformationstag feiern. Gott verlangt von uns keine frommen Werke, um vor ihm bestehen zu können. Ja, unsere frommen Werke können uns gerade von Gottes Gnade, von der geschenkten Gerechtigkeit wegtreiben und so Sünde sein. Gott selbst hat in Jesus alles für uns getan und spricht uns um seinetwillen gerecht, wenn wir uns allein auf ihn verlassen und so glauben. Könnt ihr dazu „Amen“ sagen?

Und wo bleibt nun das kleine „m“? Keine Bange, das habe ich nicht vergessen. Die Seligkeit, die allein der Glaube mir und dir schenkt, ist – so habe ich gesagt - 1. Vergebung der Sünde und 2. Gewissheit des Heils. Das ist das große „E“. Und – das ist nun das kleine „m“ -

3. Die Seligkeit, die der Glaube schenkt, krempelt mein ganzes Leben um

Wir können Luther und den anderen Reformatoren meiner Meinung nach gar nicht genug dankbar dafür sein, wie klar und deutlich sie gegen alle eigene Gerechtigkeit, gegen alle Selbst-Gerechtigkeit und Frömmelei herausgestellt haben, was Gott in Christus alles für uns tut. Das ist ihr großes Verdienst und wir haben allen Grund, uns darauf als auf das große „E“ immer wieder zu besinnen und uns daran zu freuen.

Aber dabei allein bleibt es nicht: So wie Gott in Christus für uns ist, so ist er, wenn wir glauben, auch in uns. Er wirkt in uns und krempelt unser Leben um, seine Liebe gießt er aus in unsere Herzen. Er besiegt die Sünde nicht nur in dem Sinn, dass er sie uns vergibt und durchstreicht, für uns, sondern auch in dem Sinne, dass er sie in unserem Leben ganz real überwindet, in uns.

Beides gehört zusammen und macht erst zusammen die Seligkeit aus, die der erfährt, der glaubt. Das hat John Wesley glockenklar herausgestellt. Es bleibt nicht dabei, was Gott in Christus für uns tut, sondern Christus wirkt dann auch in uns, in denen, die glauben. Er verändert uns, erneuert uns n
(Die Predigt ist entstanden unter Verwendung der Lehrpredigt Nr. 1 von John Wesley: „Das Heil, das durch den Glauben kommt“.)

ach seinem Bild. Das ist ein wichtiger Akzent, den wir als Methodisten in die evangelische Familie einbringen, weil er in der reformatorischen Theologie manchmal zu kurz kommt. Die Reformatoren betonen völlig zu Recht das Für-uns, so stark, dass das In-uns dabei fast verschluckt wird. Uns Methodisten aber ist gerade das ein Anliegen, beides zusammenzudenken.

Für Paulus jedenfalls gehört beides zusammen: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben,“ schreibt er, ganz das große „E“ betonend, und dann sofort im nächsten Vers: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

Erst der Glaube, und das heißt das Loslassen von den eigenen guten Werken, macht uns frei dazu, gute Werke in rechter Weise zu tun. Und dann kommen auch all die Dinge, die bei der Frage, wie wir mit Gott ins Reine kommen, nichts zu suchen hatten, zu ihrem Recht: sich sozial engagieren, die Umwelt schützen, fairen Handel unterstützen, sich den Armen zuwenden und und und. Nicht als eigene Gerechtigkeit, die uns vor Gott rein macht – das kann allein der Glaube an Christus -, aber als Ausdruck der Liebe, die Jesus nun auch ganz real in uns, den Glaubenden, wirkt.

Fröhlich dürfen und sollten wir also das Reformationsfest mitfeiern und uns daran freuen, dass die Reformatoren so deutlich und klar das Evangelium, das, was Jesus für uns tut, ganz neu ans Licht gebracht haben. Das ist das große „E“. Und ebenso fröhlich dürfen und sollen wir unser kleines „m“ in die Familie der evangelischen Kirchen einbringen und uns daran freuen, dass Jesus in denen, die ihm vertrauen, ganz real wirkt, dass er sie erneuert und verändert und antreibt, ihm Schritt für Schritt und nach und nach ähnlicher zu werden und der Welt durch ihre Liebe ein anderes Gesicht zu geben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen. 


(Die Predigt ist entstanden unter Verwendung der Lehrpredigt Nr. 1 von John Wesley: „Das Heil, das durch den Glauben kommt“.)