Sonntag, 30. Oktober 2011

Berufung - Wie passiert das?

Predigt, gehalten in Detmold am 30.10.2011


Wie kommt es dazu, liebe Freunde, dass sich jemand in die Liste einträgt und Tee und Kaffee für das Zusammensein nach dem Gottesdienst vorbereitet? Wie kommt es dazu, dass eine Frau ihr Haus öffnet und einen Hauskreis zu sich einlädt? Wie kommt es dazu, dass jemand im Gottesdienst Orgel spielt, die Bibeltexte liest oder im Chor mitsingt?

Wir feiern heute die Vocation von Cornelia Ruhnow. Das heißt: Wir feiern ihre Berufung und Ermächtigung zu einem besonderen Dienst in der Kirche, nämlich dem, evangelischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu erteilen.

Ich möchte deshalb mit Ihnen heute Morgen über das Thema Berufung nachdenken. Dabei habe ich sowohl die Berufung zu einem hauptamtlichen Dienst in der Kirche – wie Cornelia Ruhnow sie erlebt hat, im Auge, als auch die Berufung zu einem ehrenamtlichen Dienst: als Lektorin, als Leiter einer Kleingruppe, als Vorbereiter des Kirchenkaffees nach dem Gottesdienst usw. usw.

Der junge Samuel, der später Richter und bedeutender Prophet in Israel werden soll, wächst nicht in seiner Familie auf, sondern im Heiligtum bei Eli, dem obersten Priester. Aus den ersten Kapiteln des 1. Samuelbuches wissen wir, dass die Söhne Elis sich durch Raub und Gewalttaten schwer am Volk Israel und am Heiligtum verschuldet haben. Und nun geschieht Folgendes (1. Samuel 3,1-20):

1 Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung. 2 Und es begab sich zur selben Zeit, dass Eli an seinem Ort zum Schlafen lag. 3 ... Und Samuel hatte sich im Heilgtum des HERRN nahe der Lade Gottes ebenfalls hingelegt.
4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Der aber sprach: Ich habe nicht gerufen. Geh wieder hin und lege dich schlafen. Und Samuel ging wieder hin und legte sich schlafen.
6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Eli aber sprach: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder hin und lege dich schlafen. 7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und das Wort des HERRN war ihm noch nicht offenbart.
8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum dritten Mal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief 9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen. Und wenn du gerufen wirst, dann sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort.
10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört. 11 Und der Herr sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden. 12 An dem Tage will ich über Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe. Ich will es anfangen und vollenden. 13 Denn ich habe ihm angesagt, dass ich sein Haus für immer richten will um der Schuld willen, dass er wusste, wie schändlich sich seine Söhne verhielten und ihnen nicht gewehrt hat. …
15 Und Samuel lag bis an den Morgen und tat dann die Türen auf im Hause des HERRN. Er fürchtete sich aber, Eli zu sagen, was ihm offenbart worden war. 16 Da rief ihn Eli und sprach: … 17 Was war das für ein Wort, das Gott dir gesagt hat? Verschweige mir nichts. 18 Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Eli aber sprach: Es ist der HERR. Er tue, was ihm wohlgefällt.
19 Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 20 Und ganz Israel erkannte, dass Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein.

Es gibt viele Berufungsgeschichten in der Bibel, liebe Freunde. Und nicht nur in der Bibel: Manche hier unter uns könnten auch erzählen von ihrer Berufung zu einem Dienst, die sie selbst erlebt haben. An der Geschichte von Samuel fasziniert mich, dass wir in ihr ganz besondere Dinge lernen können, die wir wissen sollten, wenn es um unsere Berufung geht. Fünf typische Kennzeichen der Berufung fallen mir auf:

Gottes Berufung antwortet auf eine konkrete Not

Gott beruft uns nicht zu einem Dienst, weil es ihm Spaß macht. Und auch nicht, weil der Dienst vielleicht uns Spaß macht. Sondern er beruft uns zu einem Dienst, weil es eine konkrete Not gibt, der er mit unseren Gaben begegnen will. In Samuels Fall ist das die Entfremdung des Volkes Israel von seinem Gott. Sie wird beschrieben in Vers 1: Des HERRN Wort war selten, und es gab kaum noch Offenbarung. Die Verbindung zwischen Israel und seinem Gott war gestört. Gott war für Israel offline.

Ich mag Facebook und genieße es, jeden Tag Meldungen von Freunden zu lesen, die weit weg wohnen und die ich nur selten oder gar nicht sehe. Eine Reihe von ihnen schreibt dann am Aschermittwoch: „Ich faste Facebook. In den nächsten 7 Wochen bin ich offline.“ So ähnlich muss das damals mit Gott und Israel gewesen sein. Plötzlich war von Gott nichts mehr zu hören. Er war stumm. Und wie nicht anders zu erwarten: Ohne Gottes Stimme geht sofort vieles schief. Der Dienst am Heiligtum und manches mehr geriet in Unordnung.

Auf diese konkrete Not antwortet Gott mit der Berufung Samuels zum Propheten. Durch ihn soll Gottes Stimme in Israel wieder hörbar werden. Er soll die Verbindung Israels zu Gott wieder herstellen, Gott online machen.

Gottes Berufung antwortet also auf eine konkrete Not. Wenn Sie sich also fragen, wozu Gott Sie gebrauchen will, wozu er Sie beruft, dann fragen Sie zuerst: Welche konkrete Not gibt es, bei der ich die Möglichkeit habe, zu helfen? Wo läuft etwas schief, und ich kann möglicherweise Abhilfe schaffen? Wenn Sie da etwas entdecken, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gott Sie zu diesem Dienst berufen will, sehr hoch.

Gottes Berufung wird leicht überhört

Viermal muss Gott Samuel rufen, bevor der endlich kapiert, dass es nicht Eli ist, der nach ihm verlangt, sondern der Herr. Viermal. Und das nicht etwa, weil Samuel so faul wäre und einfach keine Lust hat, sich rufen zu lassen. Jedes mal wenn er den Ruf hört, springt er ja sofort auf und rennt zu Eli, um zu fragen, was los ist. Samuel ist nicht faul und auch nicht schwerfällig. Später im 1. Samuelbuch erfahren wir, dass er ausgesprochen clever und intelligent ist. Aber es gelingt ihm hier nicht, die unerwartete Stimme Gottes wahrzunehmen und von anderen Stimmen zu unterscheiden.

Das kenne ich: Als ich 18 war, war ich sicher, zum Pastor berufen zu sein. Das passte auf meine Gaben und Fähigkeiten. Ich war mir sicher: Gott will, dass ich Pastor werde. Und so studierte ich Theologie, nur um nach dem Examen festzustellen, dass meine Kirche mich gerade nicht brauchen kann. Zu wenig Stellen für zu viele Bewerber. Hatte ich mich also getäuscht? War es am Ende gar nicht Gottes Stimme, die mich rief, sondern meine eigene oder die meiner Religionslehrerin in der Schule, die mich zum Theologiestudium ermutigt hatte?
Heute bin ich hier und baue mit Ihnen zusammen in Detmold Gemeinde. Und ich weiß: Gott hat das richtig gemacht. Ich war damals noch lange nicht so weit, Pastor zu werden. Mir fehlte vieles an Erfahrungen, die Gott mich vorher machen lassen wollte. Und es ist gut, dass ich andere Bereiche kennenlernen konnte: Die Arbeitswelt vor allem und viele Menschen, die ich in der Kirche nie getroffen hätte. Von diesen Erfahrungen profitiere ich heute in meinem Dienst.

Es ist nicht einfach, Gottes Stimme wahrzunehmen und sie von menschlichen Stimmen zu unterscheiden. Besonders schwer ist es, wenn Gott uns zu den unbequemen Diensten ruft. „Du bist der, der den Kirchenkaffee vorbereiten soll.“ Oder: „Du solltest öfter beim Spülen helfen.“ „Du könntest doch prima einen Gebetskreis ins Leben rufen.“ Aber wir dürfen beruhigt sein: Gott ruft ganz schön penetrant, wenn es sein muss. Er ruft immer wieder, den Samuel und auch uns, wenn er uns gebrauchen will.

Gottes Berufung braucht manchmal die Bestätigung durch andere Menschen

In unserer Geschichte ändert sich die Situation erst, als Eli Samuel aufklärt. Verse 8 und 9: „Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen. Und wenn du gerufen wirst, dann sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört.“ Womöglich wäre das sonst die ganze Nacht so weitergegangen. Gott ruft Samuel, der springt auf, rennt zu Eli und fragt, was los ist. Der sagt: Nix, leg dich wieder hin, was Samuel tut und dann das Ganze wieder von vorn. Aber glücklicherweise ist Eli ein weiser Mann, der eine gute Antenne für Gottes Reden und Handeln hat.

War das bei dir auch so, Cornelia, dass andere dich bestärkt haben in deiner Berufung zum Dienst als Religionslehrerin? Bestimmt. Vielleicht sitzen hier einige unter uns, die sich ihrer Berufung zu einem bestimmten Dienst in der Gemeinde nicht sicher sind: Soll ich mich wirklich in der Sonntagsschule engagieren? Kann ich das? Bin ich im Chor am richtigen Platz?

Wenn das so ist, dann scheuen Sie sich nicht, andere in Ihr Fragen einzubeziehen. Sprechen Sie andere an: Meinst du, dass ich das kann mit den Kindern? Manchmal müssen uns andere auf Gottes Ruf aufmerksam machen oder ihn uns bestätigen, weil wir selbst ihn überhören oder mit anderen Rufen verwechseln. Das ging Samuel so, und uns eben manchmal auch.

Gottes Berufung ist nicht immer angenehm

Samuel bekommt zunächst mal eine Gerichtsbotschaft für die Familie Elis aufgetragen. Rumms. Und er hat richtig Angst, Eli das auch so weiterzugeben. (Vers 14) Und auch später: Er wird Könige salben, aber er wird sie auch absetzen. Samuel wird, wie viele andere auch, erfahren: Das leben in Gottes Berufung ist keine Butterfahrt, sondern kann ganz schön unangenehm sein.

Dani und ich haben uns in Recklinghausen berufen gefühlt, den Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst zu organisieren. Am Anfang hat das Riesenspaß gemacht und wir haben es genossen, zu sehen, wie unsere Arbeit die Gemeinde verändert hat: Plötzlich blieben die Leute nach dem Gottesdienst noch lange zusammen, haben geplauscht, sich über die Predigt ausgetauscht. Es entstanden Kontakte, Freundschaften. Prima. Aber manchmal war das auch so richtig nervig: Wenn alle wissen: Da gibt es zwei, sie spülen, dann verlassen sie sich auch darauf und dann hilft oft genug auch keiner mit. Und schwupps stehen dann auch die Abendmahlskelche – natürlich Einzelkelche - dabei und wollen gespült werden und schwupps bringt jemand Kuchen mit und 60 Kuchenteller stehen auch noch dabei und so weiter und so weiter. Kennt ihr das?

In Gottes Berufung zu leben ist erfüllend und ein großartiges Gefühl. Und dir, Cornelia, wünschen wir das heute von ganzem Herzen, dass du es so erfährst. Aber es kann auch ganz schön unangenehm werden, Gottes Ruf zu folgen. Jesus hat gesagt: Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich. Das gehört dazu. Manchmal ist es ein Kreuz.

Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Ihnen Ihre Berufung, die zu einer bestimmten Berufsarbeit, die familiäre Berufung oder auch die zu einem bestimmten Dienst in der Gemeinde manchmal zur Last wird. Haben Sie deswegen kein schlechtes Gewissen. Samuel ging das auch so, Jeremia später auch und auch Jesus hätte den sprichwörtlichen Kelch lieber an sich vorbeigehen sehen. Wie gesagt: Das Leben in Gottes Berufung ist keine Butterfahrt, sondern manchmal eine Fahrt in ganz schön stürmischer See. Aber

Gott rüstet, wen er ruft, mit allem Notwendigen aus

Verse 19-20: „Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. Und ganz Israel erkannte, dass Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein.“

Bei allem, was Samuel an Schwerem erlebte und erlitt, wird er doch zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Geschichte Israels bis heute. Er nimmt den Ruf Gottes wahr und lebt in ihm, mit Leib und Seele. Und er erreicht viel damit. Oder besser: Gott erreicht viel mit ihm.

Wir können sicher sein: Egal, ob es um unsere Berufung zu einem ehrenamtlichen Dienst in der Gemeinde geht oder um unsere Berufung zum Leben in einem bestimmten Familienstand oder um unsere Berufung zu einer bestimmten Arbeit, zu einem „Beruf“: Wenn wir dem Ruf Gottes folgen, dann stattet er uns auch mit allem aus, was wir brauchen.

Ich möchte an dieser Stelle etwas zum Thema Beruf sagen: Ich höre oft von jungen Leuten, dass Sie was „soziales“ machen wollen. Damit meinen sie, sie möchten Sozialarbeiter oder Pädagoge oder etwas ähnliches werden. In der Kirche entspricht dem die Rede vom „geistlichen Amt“. Das ist ein seltsamer Begriff, liebe Freunde. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Beruf ein „geistliches Amt“ und ein „sozialer Beruf“ sein kann. Gott beruft nicht nur Pastorinnen und Pastoren, Religionslehrerinnen und -lehrer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Die auch, und sicher: es ist ein besonderer Dienst, den sie versehen. Aber Gott beruft auch Erdkunde- und Sportlehrerinnen, Bäcker, Arbeitsagentur-Angestellte, Buchhalterinnen, Versandmitarbeiter und Verkäuferinnen, Hausmänner und -frauen und Thekenkräfte. Jeder Beruf kann ein „geistliches Amt“ und ein „sozialer Beruf“ sein oder werden, wenn wir, indem wir ihn ausüben, dem Ruf Gottes folgen, unsere Begabungen und Fähigkeiten für ihn und für andere Menschen einzusetzen. Das ist meine feste Überzeugung.

Und Gleiches gilt für das Engagement in der Gemeinde: Nicht nur der Pastor und die Frauen und Männer im Gemeindevorstand sind zu ihrem Dienst berufen, sondern alle sind Glieder am einen Leib. Kein Dienst ist höher zu bewerten als ein anderer: ob wir im Chor singen, Musik im Gottesdienst machen, Kaffee und Tee kochen, Pastor sind, Sonntagsschullehrer oder aktiv im Frauenkreis, ob wir uns um Reparaturen an den Gebäuden hier kümmern oder Blumen für den Abendmahlstisch besorgen oder etwas ganz anderes.

Wie ist das also mit der Berufung durch Gott? Wie kommt es, dass sich Menschen berufen lassen?Die Geschichte Samuels zeigt:

  • Gottes Ruf antwortet immer auf eine konkrete Not. Wann haben Sie das letzte Mal in Ruhe darüber nachgedacht, wo gerade Sie mit Ihren Gaben wirklich gebraucht werden? Vielleicht ist es gerade jetzt Zeit dafür.
  • Gottes Ruf wird leicht überhört und verwechselt. Wenn Sie vor einem halben Jahr nicht sicher waren, ob eine bestimmte Aufgabe die richtige für Sie ist, heißt das nicht, dass Sie heute zum gleichen Ergebnis kommen. Manchmal braucht es seine Zeit, den Ruf Gottes richtig zu identifizieren. Vielleicht sollten Sie einmal jemand anderen nach seiner Einschätzung fragen. Denn
  • Gottes Berufung braucht manchmal die Bestätigung durch andere Menschen. In der Gemeinde sind wir alle gegenseitig Berufungsberater. Es stimmt:
  • Gottes Ruf zu folgen kann ganz schön unangenehm sein und ist nicht nur Zuckerschlecken, aber es ist erfüllend und befriedigend, wenn Sie wissen, dass Sie an dem Ort sind, an den Gott Sie gestellt hat. Und
  • Sie sind dort nicht allein, denn Gott wird Sie mit allem ausrüsten, was Sie brauchen, um Ihren Auftrag zu erfüllen.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Liebe ist...

Predigt in der EmK Detmold am 23.10.2011

Ich lese Worte aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 4.

7 Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. 11 Ihr Lieben: Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. …
16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. … 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.


Tolle Worte, oder? Das ist einer der Texte, die auch Nicht-Christen in der Bibel gerne lesen. Für die Liebe sind wir ja irgendwie alle. Make love, not war. Und wir alle sind davon überzeugt, dass wir nun wirklich wissen, was Liebe ist und bedeutet. Die anderen tun sich damit vielleicht schwer, aber ich... Ich weiß doch, was Liebe ist. Und wenn alle so wären wie ich, dann gäbe es bestimmt mehr Liebe in der Welt.

I    Die Entfremdung von der Liebe

Die Bibel, liebe Freunde, sagt das genaue Gegenteil. Die Liebe ist von Gott und Gott ist die Liebe, schreibt Johannes in seinem Brief. Gott ist die Liebe. Und die ganze Bibel erzählt von ihren ersten Seiten an davon, dass wir eben, so wie wir sind, von Natur aus, gerade nicht wissen, was das heißt. Sie erzählt davon, dass wir von Gott entfremdet sind – sie nennt das Sünde – und dass wir die Gemeinschaft mit ihm, unserem Schöpfer, verloren haben. Gott ist die Liebe, von der die Bibel spricht, und das heißt: Unsere Entfremdung von Gott ist immer auch Entfremdung von der Liebe. Als Menschen, die von Natur aus Gott entfremdet sind, sind wir auch der Liebe entfremdet.

Die Bibel lehrt also, dass wir von uns aus gerade nicht Bescheid wissen, was Liebe ist, dass wir gerade nicht in der Liebe leben, sondern dass wir Gott und der Liebe entfremdet sind.

In den Momenten, in denen wir wirklich ehrlich vor uns selbst sind, ahnen wir ja auch, dass das stimmt: Wir haben die Liebe nur in entfremdeter, gebrochener und höchst unvollkommener Form.

Wir wollen liebevoll mit unseren Mitmenschen umgehen: in der Schule, an der Uni, am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft. Ganz sicher. Aber es gelingt uns doch immer nur stückweise. Manchmal hindert uns unser Egoismus, unsere Ich-Bezogenheit und Selbstsorge. Und manchmal ist gerade dieser eine Arbeitskollege oder diese Kollegin an der Uni, diese Nachbarin oder dieser Neffe eben auch so richtig schwierig. So schwierig, dass, auch wenn wir uns ehrlich um Liebe bemühen, sie uns nicht gelingt.

Und auch, was die geschlechtliche, die erotische Liebe angeht, erfahren wir heute wie keine Generation vor uns, wie brüchig sie sein kann. Die Menschen, deren Ehen scheitern, haben das ja einmal wirklich ernst gemeint mit ihrer Liebe. Sie haben sich wirklich geliebt. Und viele haben auch um ihre Liebe gekämpft, als es schwierig wurde. Und doch mussten sie am Ende feststellen, dass die Liebe sie als Paar nicht dauerhaft trägt.

Das, was die Bibel lehrt, dass wir von Natur aus die Liebe eben – wenn überhaupt – nur in gebrochener und entfremdeter Form kennen, das ist wohl traurig, aber wahr.

II    Die großartige Liebe Gottes

In unserem Text, in 1. Johannes 4, geht es nun aber darum, wie wir wieder in den Machtbereich der Liebe hineinkommen, wie wir sie neu kennenlernen und die Entfremdung von ihr überwinden können.

Gott ist Liebe, schreibt Johannes. Und das heißt: Echte Liebe - Liebe, wie sie ursprünglich und rein ist, können Sie nur kennenlernen bei ihm, bei Gott selbst. Ich zitiere nochmal: 9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.

Echte Liebe können Sie kennenlernen und erfahren bei Gott. Und was ist das für eine Liebe: Sie ist kein Kitsch, kein bloßes Gefühl, keine entfremdete Liebe, kein Stückwerk. Sie ist nicht gebrochen, diese Liebe Gottes, sondern sie ist leidenschaftlich, hingebungsvoll und opferbereit bis zum Äußersten.

Diese Liebe, die Gott zu uns hat, ist die leidenschaftliche Liebe des Vaters zum verlorenen Sohn. Gott lässt uns nicht los, auch wenn wir ihn längst verlassen haben. Er streckt sich nach uns aus, steht am Fenster und sieht den ganzen Tag raus, ob sein Kind, das er so sehr liebt, nicht endlich zurückkehrt. Er ruft uns zu: Komm zurück, mein Kind. Kehr um zu mir. Was für eine leidenschaftliche Liebe.

Und was für eine hingebungsvolle Liebe. So hingebungsvoll, dass Gott nichts unversucht lässt, um unsere Entfremdung zu überwinden. Er spricht zu uns durch die Bibel, durch die Propheten, durch Israel. Er greift auch in unser Leben ein, lässt uns nicht los, bringt uns durch unerwartete Ereignisse immer wieder zum Nachdenken, zum Innehalten. Kennen Sie das, dass Sie in Krisensituationen plötzlich anfangen, über Ihr Leben nachzudenken und Wichtiges neu entdecken? Gottes Liebe ist eine hingebungsvolle Liebe, die uns nicht loslässt.

Und was für eine opferbereite Liebe. So opferbereit, dass  er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Er selbst überwindet die Entfremdung und holt uns heim – zu sich und in den Machtbereich seiner echten Liebe.

Es gibt sie tatsächlich – die Möglichkeit, echte, leidenschaftliche, hingebungsvolle und opferbereite Liebe zu erfahren. Gottes Liebe nämlich erfahren Sie dann, wenn Sie die Erfahrung machen, dass Gott Ihre persönliche Sünde am Kreuz durchstreicht und Versöhnung für Sie erkämpft, indem er sich in Jesus selbst für Sie hingibt. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns. Was für eine Liebe.

Ich höre öfter Leute, auch Christen, sagen: Ich spüre so wenig von Gottes Liebe in meinem Leben. Da ist meine Krankheit, da sind meine finanziellen Sorgen, da ist der Stress und der Ärger mit den Kindern. Wo soll in all dem Gottes Liebe sein?

Gottes Liebe, meine Freunde, zeigt sich nicht darin, dass es mir gut geht. Gottes Liebe zeigt sich am Kreuz. Sie zeigt sich darin, dass Jesus unter Einsatz seines eigenen Lebens Vergebung für mich erkämpft hat. Ihr seid teuer erkauft, sagt Paulus über das Kreuz. Teuer erkauft, mit dem Leben Jesu. Das ist Gottes Liebe. Und diese Liebe können Sie erfahren trotz aller Widrigkeiten und gegen alle Widrigkeiten Ihres Lebens. Paulus hat geschrieben: Ich kann gefangen sein, im Gefängnis, gefesselt und gebunden, sie können mich quälen und schlagen und misshandeln. Trotz allem bin ich gehalten von der Liebe Gottes und geborgen in ihr. Dagegen kommt keine Macht der Welt an. Was für eine Liebe, die im Kreuz liegt.

Hier, und nur hier, am Kreuz, können Sie tatsächlich echte Liebe erfahren, die kein Stückwerk ist, sondern voller Hingabe und Leidenschaft, die Sie trägt und Sie neu macht, die Sie ruhig schlafen lässt, geborgen leben und sterben lässt. Welch ein Geschenk diese Liebe ist.

III    Die Liebe weitergeben

Und wenn Sie diese Liebe wirklich erfahren, dann, schreibt Johannes, dann dürfen und können Sie sie auch weitergeben. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.

Das mit unserer Liebe wird in der Kirche oft missverstanden: Die Bibel will an keiner Stelle, dass wir uns verkrampft abmühen, liebevoll zu sein oder liebevoller zu werden. Sie fordert uns nicht auf, uns mit der Frage zu quälen, was wir alles tun müssen, um in der Liebe zu leben. Sondern sie lädt uns ein und ermutigt uns, zunächst einmal selbst ganz persönlich die Erfahrung der großartigen Liebe Gottes zu machen. Und wenn wir die machen, dann, sagt Paulus, wird die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen. Dann können wir gar nicht anders, als diese Liebe auch weiterzugeben und selbst zu lieben.

Die Bibel fordert keine Liebe von uns, die nicht in der persönlichen Erfahrung der Liebe Gottes wurzelt. Und es gibt keine solche Erfahrung, keine Glaubenserfahrung, die sich nicht dann auch in eigener Liebe ausdrückt. Wenn Sie für sich selbst, ganz persönlich, erfahren: Es ist meine Sünde, die Jesus unter Einsatz seines Lebens am Kreuz trägt und wirklich durchstreicht. Ich bin es, den Gott so leidenschaftlich liebt und um den er voller Hingabe kämpft, für den er seinen Sohn opfert. Dann motiviert Sie diese Erfahrung dazu, drängt und treibt Sie dazu, auch selbst zu lieben. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Das kann dann in der Praxis ganz verschieden aussehen:
  • Da ist die Frau, die Sonntag für Sonntag sich um die Blumen auf dem Abendmahlstisch kümmert.
  • Da ist das Paar, dass bei den Nachmittagen der Begegnung oder im Frauenkreis den Kaffee kocht.
  • Da richtet jemand für die anderen die Tische schön und gemütlich her.
  • Da quält sich jemand früher aus dem Bett, um den Begrüßungsdienst vor dem Gottesdienst zu versehen.
  • Da sind die, die sich um die Finanzen der Gemeinde, um unsere Häuser, um den Gemeindebrief, um die Arbeit mit Kindern kümmern und viele viele andere, die anpacken und sich mit ihren Gaben in der Gemeinde einsetzen.

Und das tun sie aus Liebe.

  • Da ist die Familie, die eigentlich selbst nicht viel Geld hat, aber treu für die Gemeinde spendet und für andere gute Zwecke.
  • Da ist der viel beschäftigte Mann, der seine spärliche Freizeit nutzt, um sich bei Amnesty International oder im Eine-Welt-Laden zu engagieren.
  • Da sind die, die gut zuhören können und sich Zeit nehmen für die, die jemanden zum Reden brauchen.
  • Und da sind manche, die sich von der Liebe Jesu so prägen lassen, dass sie es schaffen, gerade denen auf der Arbeit, in der Familie oder in der Nachbarschaft, die schwierig sind und mit denen keiner was zu tun haben will, mit Liebe und Achtung aufmerksam zu begegnen.

Unendlich viel mehr fiele mir da ein, wie Liebe sich in der Praxis auswirken kann. Und sie kann es nicht nur. Sie tut es auch. Gott setzt, indem er Menschen seine Liebe spüren lässt, einen Kreislauf der Liebe in Gang.

Wie also kommt die Liebe wieder in die ihr entfremdete Welt? Wie werden wir zu liebevollen Menschen? Nicht, indem wir uns verkrampft darum bemühen. Sitzen Sie diesem Irrtum nicht auf. Machen Sie sich kein schlechtes Gewissen, wenn Sie es einmal nicht schaffen, Liebe zu leben oder wenn Sie jemanden nur schwer ertragen können. Johannes ermutigt uns zu etwas anderem. Er sagt

  • Nehmen Sie sich zuerst Zeit und Ruhe, die überwältigende Liebe Gottes selbst und persönlich zu erfahren. Lesen Sie davon im Neuen Testament. Beten Sie darüber. Vielleicht suchen Sie sich jemanden in der Gemeinde – Sie können gerne auch mich ansprechen – und bitten ihn um ein Gespräch darüber. Lassen Sie sich die Liebe Gottes, mit der er in Jesus am Kreuz Ihre Sünde durchstreicht, direkt zusprechen. Für Sie ganz persönlich. Sie sind eingeladen, diese Liebe zu erfahren.
  • Und dann, dann dürfen Sie diese Liebe weitergeben. Die Erfahrung der Liebe Gottes wird Sie verändern, verwandeln. Das geht Schritt für Schritt und fängt vielleicht mit scheinbaren Kleinigkeiten an. Aber Gott wird Sie verwandeln. Und Sie werden ohne Krampf und ohne schlechtes Gewissen immer mehr Liebe bei ihm lernen.

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Wer's glaubt, wird selig

Predigt in der EmK Detmold am 16.10.2011

Jedes Jahr aufs Neue in der Sommerpause, spätestens, wenn ich das Kicker-Sonderheft verschlinge, packt mich mein Optimismus. Diesmal muss es endlich klappen, geht es mir durch den Kopf. Und dann fange ich an zu träumen. In dieser Saison, da bin ich dann ganz sicher, wird Schalke 04 wieder Deutscher Meister. Das kann gar nicht anders sein.

Diejenige, der ich meine, nicht von übermäßig viel fußballerischem Sachverstand getrübte Einsicht dann als erstes mitteile, ist meine Frau Daniela. „Du, Schatz. Diesmal wird Schalke Meister, glaub's mir. Das hab ich irgendwie im Gefühl.“

Danis Antwort besteht dann regelmäßig aus diesem sanften professionellen Ehefrauen-Lächeln, dass manche Männer hier sicher auch kennen, und aus den Worten „Wenn du meinst...“ Sie könnte auch sagen: „Wer's glaubt, wird selig.“

Denn „Wer's glaubt, wird selig“, das sagen wir, wenn uns etwas vollkommen Unglaubliches erzählt wird. Etwas, von dem wir ganz sicher sind, dass es so nicht stimmt oder stimmen kann. Zum Beispiel, wenn sich jemand mit etwas brüstet und wir genau wissen, dass er maßlos übertreibt. Dann denken oder sagen wir: Wer's glaubt, wird selig. Oder eben, wenn jemand und von unerfüllbaren Träumen berichtet, wie ich sie vor Saisonbeginn habe.

Kaum jemandem ist aber bewusst, dass es sich bei diesem Satz „Wer's glaubt wird selig“ um ein Bibelzitat handelt – um eine dieser etlichen Phrasen aus Martin Luthers Übersetzung, die als Sprichwörter in den deutschen Sprachschatz eingegangen sind. Wir können da mal ausprobieren. Ich beginne einen Satz und Sie – wenn Sie können, vervollständigen ihn:
„Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier“
„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“.
„Wer's glaubt, wird selig“.

Es ist schon beeindruckend, wie sprichwörtlich manche Sätze aus Luthers Übersetzung geworden sind.

Der Ausdruck „Wer's glaubt, wird selig“ stammt in der Tat aus der Bibel, er meint aber dort  etwas ganz anderes als der Volksmund es tut.

Als Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern erschien, erteilte er ihnen einen Auftrag. Er hinterließ sozusagen ein Testament, seinen letzten Willen an seine Freunde.

Ich lese Markus 16, 15-16:
15 Und Jesus sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen.
16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Wer's glaubt, wird also selig. Hier kommt es her – unser Sprichwort: aus Markus 16. „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Aber der Satz hat hier in der Bibel eine komplett andere Bedeutung als im Volksmund.  Drei Unterschiede fallen dabei ins Auge:

1.) „Wer's glaubt, wird selig“ bezieht sich in der Bibel auf das Evangelium.
2.) „Wer's glaubt, wird selig“ beinhaltet hier eine große Verheißung. Und
3.) „Wer's glaubt, wird selig“ beinhaltet im Umkehrschluss eine ernste Warnung.

Zunächst also:

I    „Wer's glaubt, wird selig“ bezieht sich auf das Evangelium

Jesus beauftragt seine Jünger damit, das Evangelium weiterzusagen. Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Auf dieses Evangelium – auf nichts anderes – bezieht sich der Satz „Wer's glaubt, wird selig“ in Markus 16.

Was aber ist das – das Evangelium?

a) Es ist die großartige Nachricht, die wir allen Menschen ausrichten sollen: Gott ist in Jesus selbst Mensch geworden, er hat in ihm gelebt, er hat in ihm gesprochen und er hat in ihm gehandelt.

Wenn Sie also wissen wollen, wie Gott ist und vor allem wie er zu Ihnen steht, dann müssen Sie nichts weiter tun als auf Jesus schauen (also im Neuen Testament von ihm lesen). Woanders werden Sie Gott nicht finden, aber hier werden Sie ihm begegnen – ganz gewiss. Wie Martin Luther es gesagt hat: Wenn du Gott sehen, etwas von ihm erfahren willst, dann „halte dich an die Krippe.“

b) Das Evangelium ist die großartige Nachricht, dass in diesem Menschen Jesus Gott selbst am Kreuz alle Schuld, die auf uns lastet, für uns – also für Sie und Sie und Sie ganz persönlich – getragen hat. Jesus erleidet stellvertretend für uns Gottes Zorn über unsere Schuld. Er trägt die Konsequenzen unserer Sünde, damit wir frei ausgehen. Und er will uns – Ihnen und Ihnen und Ihnen ganz persönlich – alle Schuld vergeben, er will Sie freisprechen.

Wenn Sie also von Schuld gequält werden, wenn Sie wissen, dass Sie nicht so leben, wie Gott es für Sie vorgesehen hat, wenn es Dinge gibt, die sie anderen getan haben und für die Sie sich heute schämen – und bei wem von uns ist das nicht so? -, dann ist das Evangelium die beste Botschaft, die es für Sie gibt: Gott selbst hat seinen Zorn über Ihre Schuld schon getragen, in Jesus, an Ihrer Stelle, für Sie. Sie müssen seinen Zorn nicht mehr fürchten. Und er bietet Ihnen die Vergebung aller Ihrer Schuld an.

Das ist das Evangelium, dass wir allen Menschen ausrichten sollen. Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen.  Es ist die beste Nachricht, die man sich nur vorstellen kann. Und auf dieses Evangelium - auf nichts sonst -  bezieht sich Jesu Satz „Wer's glaubt, wird selig.“

Der zweite Unterschied zum Volksmund:

II    „Wer's glaubt, wird selig“ in Markus 16 beinhaltet eine große Verheißung

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. So lautet unser Satz wörtlich im Markustext.

Nun will ich heute nicht über die Taufe sprechen. Zur Zeit, als das Markusevangelium verfasst wurde, war die Taufe nicht mehr und nicht weniger als ein Bekenntnis des Glaubens. Wenn jemand sich zu Jesus bekehrt hat, zum Glauben gekommen ist, dann hat er sich taufen lassen - sich und sein ganzes Haus. Die Taufe war Ausdruck des Glaubens. Für all die Fragen, die sich heute in Bezug auf die Taufe stellen, auch für die Frage nach Kinder-oder Erwachsenentaufe, gibt unser Text deshalb wenig her. Das ganze Gewicht liegt hier auf dem Glauben: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

Das Evangelium, diese beste Nachricht, die man sich nur vorstellen kann, will geglaubt werden. Jesus hat für alle unsere Schuld gebüßt, für uns, an unserer Stelle. All unsere Schuld will Gott uns deshalb vergeben. Was er dafür von uns erwartet, ist unser Glaube. Und Glaube meint hier zweierlei:

1.) Glaube heißt, dass wir nicht mehr meinen, wir selbst könnten ohne diese Vergebung irgendwie vor Gott  bestehen. Gott will, dass wir uns nicht auf uns selbst verlassen, um mit ihm ins Reine zu kommen, sondern ganz und allein auf Jesus: auf das, was Gott in ihm getan hat. Nicht unsere Frömmigkeit, nicht unser kirchliches oder soziales Engagement, nicht unser Lebensstil lassen uns vor Gott bestehen. All das ist gut und wichtig. Es ist schön, dass Sie zur Gemeinde gehören. Es ist toll, dass Sie das Gemeindeleben aktiv gestalten und es ist toll, wenn Sie regelmäßig in der Bibel lesen und beten. Prima, wenn Sie sich sozial engagieren und sich bemühen, anderen zu helfen, wo es Ihnen möglich ist. Es ist klasse, wenn Sie versuchen, Ihr Leben bewusst an Jesus auszurichten, an der Bergpredigt zum Beispiel. All das ist gut.

Aber wenn es darum geht, wie Sie vor Gott bestehen können, dann will Gott nichts als Glauben. Er will, dass Sie sich allein auf Jesus verlassen, darauf, was er für Sie getan hat und darauf, dass Gott Sie um seinetwillen als gerecht ansieht. Und

2.) Glaube heißt, dass wir uns bewusst und klar dafür entscheiden, die Vergebung, die Gott uns anbietet, anzunehmen und dass wir ihm das auch sagen. „Jesus, ich danke dir für das, was du für mich getan hast. Ich bitte dich um Vergebung meiner Schuld. Von heute an will ich mit dir leben.“ So oder ähnlich beginnt Glaube.

Auf dieser bewussten Entscheidung für Jesus, auf diesem Glauben, liegt die Verheißung: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

An dieser Stelle kann ich nur persönlich von mir reden und bezeugen: Ja, das stimmt. Die Tatsache, dass ich mich ganz bewusst für Jesus entschieden habe, weil er sich zuvor am Kreuz für mich entschieden hat, dass ich ihm mein Leben anvertraut habe und dass ich aus der Vergebung lebe, die er am Kreuz erkämpft hat, macht mich selig. Selig nicht in dem Sinne, dass ich nur noch lächelnd durch die Welt laufe. Sondern selig in dem Sinne, dass mich meine Schuld – und ich habe schon Schuld auf mich geladen – nicht mehr drückt, dass ich davon wirklich befreit bin und dass ich weiß: Von Gottes Liebe kann mich nichts mehr trennen, noch nicht einmal der Tod.

Ich wünsche Ihnen, jedem Einzelnen hier, dass Sie diese Befreiung von Schuld und Angst, die im Glauben liegt, selbst erfahren. Dass das möglich ist, wenn Sie sich bewusst für ein Leben mit Jesus entscheiden, das ist die große Verheißung, die der Satz „Wer's glaubt, wird selig“ in Markus 16 meint. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

Das sind also die ersten zwei Besonderheiten des Satzes „Wer's glaubt, wird selig“ in Markus 16: Erstens bezieht er sich auf das Evangelium, auf diese großartige Botschaft, dass Gott uns um Jesu willen Vergebung aller Schuld anbietet. Zweitens meint der Satz die Verheißung, dass wir wirklich frei werden von Schuldgefühlen und Angst, wenn wir uns allein auf Jesus verlassen und ihm – vielleicht heute – unser Leben anvertrauen.

Die, die das nicht schon getan haben, will ich ausdrücklich einladen, heute den Mut dazu aufzubringen. Wenn Sie sich entscheiden wollen für einen Neuanfang, wenn Sie heute ein Leben mit Jesus beginnen und Ja sagen wollen zur Vergebung, die Gott ihnen anbietet, dann machen Sie diesen Tag heute zu Ihrem persönlichen Tag der Entscheidung. Sie können mich auch gerne nach dem Gottesdienst ansprechen, wenn Sie das nicht allein tun wollen.

Und der dritte Unterschied zum Volksmund:

III    „Wer's glaubt, wird selig“ in Markus 16 beinhaltet eine ernste Warnung.

Er steht halt da – dieser unangenehme Nachsatz: Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Mir ist dieser Satz genauso unangenehm wie vielleicht Ihnen. Er erinnert mich an diese Prediger, die ich nie mochte, die die meiste Zeit in ihren Predigten damit verbringen, ihren Zuhörern die Hölle, die ewige Verdammnis, so plastisch wie möglich auszumalen, um ihnen Angst zu machen. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber – auch und vielleicht gerade dann, wenn es um die Entscheidung für Jesus geht.

Denn Jesus geht es hier nicht darum, zu drohen, sondern zu warnen: Für die Entscheidung die Gott von uns will, für das Ja, das wir sprechen zu dem, was Jesus für uns getan hat, für den Glauben, der uns frei macht von Schuld und Angst und der es uns ermöglicht, frei und im Vertrauen auf Gottes  Nähe und Liebe zu leben und zu sterben, gibt es ein „Zu spät“.

Viele Menschen, die mir lieb und teuer sind, haben dieses Ja nicht gesprochen und wollen es auch nicht tun. Und – mancher von Ihnen kennt das vielleicht – es tut mir weh, wenn ich daran denke, dass sie eben nicht leben und dann auch sterben können in der Gewissheit, von Gott angenommen zu sein. Sie müssen selbst fertig werden mit ihren Schuldgefühlen, sie müssen damit leben und mit der Angst vor dem Tod. Eben das ist für mich Verdammnis.

Trotzdem will und werde ich diesen Menschen ganz sicher keine Angst vor der Hölle machen. Aber ich will ihnen bezeugen, wie großartig die Befreiung von Schuld und Angst ist, die Gott denen schenkt, die glauben, und ich will ihnen bezeugen, was sie verpassen, wenn sie nicht Ja dazu sagen. Ich will sie einladen, immer wieder neu, dieses Ja – vielleicht heute – bewusst zu sprechen.

Wir sollten Menschen keine Angst machen, das ist meine feste Überzeugung, sondern sie fröhlich einladen, sich für ein Leben mit Jesus zu entscheiden. Aber wir sollten auch nicht verschweigen, dass es ein Zu-spät für diese Entscheidung gibt und wir sollten – wie Jesus – davor warnen, die Chance dazu – hier und heute – zu verpassen.

Von der Frage, ob und wann Schalke jemals wieder wieder Deutscher Meister wird, hängt meine Seligkeit nicht ab. Aber hier, wo es um die großartige Botschaft vom Kreuz, um das Evangelium, um das Angebot der Vergebung geht, das Gott uns macht, hat der Satz „Wer's glaubt, wird selig“ seinen guten Sinn: Alles hängt davon ab, ob wir bereit sind, Gottes Angebot anzunehmen, Ja zu sagen und Ihr Leben Jesus anzuvertrauen. Mit anderen Worten, ob wir glauben.

Denn wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Den Mut zu diesem Glauben und den Mut, sich für Jesus zu entscheiden und bewusst Ja zu ihm zu sagen, wünsche ich Ihnen allen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Dürfen Christen klagen?

Predigt in der EmK Detmold vom 09.10.2011


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes, des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ich lese Worte aus den Klageliedern Jeremias, Kapitel 3, Verse 22-26 und 31-32

22 Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, 23 sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. 24 Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele. Darum will ich auf ihn hoffen. 25 Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.26 Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. 31 Denn der Herr verstößt nicht ewig, 32 sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Manche Leute meinen, liebe Freunde, ein Christ dürfe nicht klagen. Ein Christ müsse immer fröhlich und zuversichtlich sein und dürfe nie schlechte Laune haben geschweige denn verzweifeln, nie Trauer und Niedergeschlagenheit empfinden oder anderen zeigen. Ich habe Christen kennengelernt, die angefangen haben, an ihrem Glauben zu zweifeln, weil ihnen zum Klagen zumute war.: „Stimmt etwas nicht mit meinem Glauben, weil ich traurig bin, weil ich klage?“

Einspruch, euer Ehren, ruft da die Bibel: Auch ein Mensch, der glaubt, auch ein Christ, darf klagen. Es gibt Situationen im Leben, in denen ist gute Laune und Fröhlichkeit einfach deplatziert.
  • Die alte Frau, die von Schmerzen geplagt wird, jeden Tag aufs Neue, darf klagen.
  • Das Mädchen, das nicht weiß, wie es dem Leistungsdruck der Klausuren und Prüfungen in der Schule standhalten soll, darf klagen.
  • Der Angestellte, der im Büro gemobbt wird, darf klagen.
  • Die Frau, die alleinstehend nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht, weil sie ihren Beruf, die Sorge für die Kinder und den Haushalt irgendwie auf die Reihe kriegen muss, darf klagen.

Deshalb, weil Klagen eben erlaubt ist, finden wir in der Bibel Klagepsalmen, in denen Menschen ihrem Gott gegenüber ihr Herz ausschütten. Und deshalb finden wir ein ganzes Buch mit dem Namen „Klagelieder“. In diesem Buch klagt Jeremia Gott sein Leid und das seines Volkes Israel. Jerusalem ist zerstört, das Land liegt in Trümmern, nichts ist mehr so, wie es war. Zur Klage gibt es also allen Grund, und Jeremia klagt ausgiebig.

Verblüffend sind dabei mitten in diesen Klageliedern Jeremias die Verse, die wir gerade gehört haben. Ganz offenbar erfährt Jeremia mitten in all dem Leid, das er beklagt, Trost. Und zwar keinen billigen Trost nach dem Motto: Es wird schon alles wieder gut, sondern echten Trost von Gott als lebendigem Gegenüber. Wie kommt es dazu, dass Jeremia in seiner Klage solchen Trost erfährt?

Drei Dinge fallen mir auf und möchte ich gerne heute Morgen mit Ihnen teilen:

I Jeremia klagt, aber er klagt voll Vertrauen

24 Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele. Darum will ich auf ihn hoffen. 25 Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. 26 Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen.

Jeremia richtet seine Klage an Gott. Er sucht und findet bei ihm Trost und Hilfe. Klagen kann destruktiv sein, wenn es nur dazu dient, sich selbst und anderen immer wieder zu bestätigen, dass die Situation aussichtslos ist. Klagen wird dann zum Selbstmitleid, das gar keinen Trost mehr hören will.

Aber Jeremias Klagen ist anders. Er richtet seine Klage an Gott und erwartet von ihm wirklich eine Antwort. Er „hofft“ auf Gott und „fragt nach ihm“. Das heißt: Er rechnet wirklich damit, dass Gott ihn trösten kann.

Klagen, wenn es sich an Gott richtet und von ihm wirklich eine Antwort erhofft, ist nicht destruktiv, sondern in höchstem Maße konstruktiv, weil es „nach Gott fragt“, wie Jeremia sagt. Das Klagen Jeremias drückt aus: Ich rechne mit dir, Gott. Ich erwarte etwas von dir.

Ich wünsche uns, wenn wir Grund zum Klagen haben, weil es uns richtig dreckig geht, etwas von diesem Vertrauen Jeremias und ich hoffe, dass unsere Gemeinde ein Ort ist, an dem wir uns gegenseitig zu solchem Vertrauen ermutigen. Das wäre toll: wenn wir nicht mit den Augen rollen, wenn jemand klagt, nicht genervt reagieren, sondern wenn wir ihn oder sie ermutigen, seine oder ihre Klage an Gott zu richten und wirklich damit zu rechnen, dass er helfen und trösten kann. 25 Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.

Die erste Antwort auf die Frage, wie es dazu kommt, das Jeremia wirklich getröstet wird in seiner Klage, lautet also: Jeremia klagt, aber er klagt Gott sein Leid voll Vertrauen. Deshalb, weil er so klagt, voll Vertrauen, macht er eine Erfahrung, die als zweiter Hinweis für uns bedeutend ist. Jeremia erfährt:

II Gegen allen Augenschein: Gott ist treu

22 Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, 23 sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.

Gott ändert nicht magisch die Situation, in der sich Jeremia befindet. Nach wie vor ist die Lage in Juda katastrophal, die Stadt Jerusalem liegt in Schutt und Asche, die Zustände sind anarchisch, trostlos.

Wirklich trostlos? Nein, denn: Mitten in diesem Elend geht dem klagenden, aber mit Gott rechnenden Jeremia die Erkenntnis auf: Gott ist treu, und das kann nur heißen: Er ist mit seinem Weg mit Israel noch nicht am Ende. Das hier, die Besetzung, die Gewalt, das Elend, kann nicht das Ende des Weges Gottes mit seinem Volk sein. Gott ist treu.

Jeremia erinnert offenbar in seinem Klagen die Verheißungen Gottes: dass er gütig ist, barmherzig, dass er mit seinem Volk geht, es begleitet, auch und gerade im Leiden. Das ist der Inhalt des Trostes, den Jeremia erfährt, eben kein „Kopf hoch, es wird schon wieder“, sondern die Zusage Gottes: „Ich bin da - mitten in deinem Leiden - und ich bin noch lange nicht am Ende.“

Mich beeindruckt, wie Jeremia von der dritten in die zweite Person wechselt, wenn er von Gott spricht. Zunächst spricht er von „seiner“ Barmherzigkeit, aber dann heißt es plötzlich: „Deine Treue ist groß“. Jeremia wird vom Klagenden zum Betenden. Er entdeckt, dass er in Gott ein lebendiges Gegenüber hat, das er ansprechen kann, und dass dieses Gegenüber treu ist in seinen Verheißungen.

Gott hat nirgendwo in der Bibel versprochen, dass seine Leute keinen Grund zur Klage haben werden, dass es ihnen immer blendend gehen wird. Aber er hat versprochen, dass er da sein wird, „alle Morgen neu“, dass er mitträgt an allem Leiden und aller Not und dass seine Güte und Barmherzigkeit am Ende siegen werden. Diese Erfahrung macht der klagende Jeremia, weil er in seiner Klage Gott vertraut.

Für uns Christen ist das, was Jeremia hier erfährt, in Jesus einzigartig erfüllt worden. In ihm ist Gott selbst Mensch geworden und hat alles mit uns geteilt: auch Schmerzen, Leiden, Ängste und Not – und am Ende einen Tod absoluter Gottverlassenheit. Auch Jesus betet ja dort am Kreuz einen Klagepsalm: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,“ ruft er. Aber Gottes Treue ist in der Tat groß: Jesus besiegt den Tod und nimmt ihm seine Macht, wie es in unserem Wochenspruch heißt. Einen Tod der Gottverlassenheit kann es nach Jesu Tod nicht mehr geben, denn Gott selbst hat dort die Gottverlassenheit des Todes getragen und damit zunichte gemacht.

Wie kommt es also, dass Jeremia in seiner Klage echten Trost erfährt: Die erste Antwort unseres Textes war: Jeremia klagt zwar – er hat ja auch allen Grund dazu -, aber er klagt voll Vertrauen und rechnet mit Gott. Die zweite Antwort heißt: Weil er so vertrauend klagt, erfährt er: Gott ist mein lebendiges Gegenüber. Mit ihm kann ich reden, er hört meine Klage und er ist treu. Er geht mit mir in meinem Leiden.

Der dritte und letzte Hinweis unseres Textes lautet: Jeremia spürt in seinem Klagen:

III Gottes Güte ist stärker als sein Zorn

31 Denn der Herr verstößt nicht ewig, 32 sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Jeremia weiß und spürt, dass die Situation, in der sich sein Volk und er selbst befinden, etwas mit Schuld zu tun hat. Die Zerstörung Israels ist eine Folge der Abwendung des Volkes von seinem Gott. Dessen ist sich Jeremia ganz sicher.

Indem er aber Gott sein Leid klagt und es ihm voll Vertrauen bringt, spürt er zugleich auch: Gottes Zorn über die Schuld Israels kann nicht sein letztes Wort sein. Gott „verstößt nicht ewig“, denn das letzte Wort hat seine Güte, nicht sein Zorn. So ist Gott, wie Jeremia ihn verkündet.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt keinen Grund, dann, wenn Menschen leiden und Grund zur Klage haben, eine Schuld zu vermuten, so nach dem Motto: Gott straft durch dieses oder jenes Leiden eine Sünde dieses Menschen. So zu denken ist meilenweit entfernt von dem, was Jeremia wollte. Aids zur Strafe Gottes für Homosexuelle zu erklären zum Beispiel oder Menschen, die krank sind und von Schmerzen geplagt werden, vorzuwerfen, sie seien wohl durch einen sündigen Lebensstil selbst schuld an ihrem Elend, ist unbiblisch und unjesuanisch.

Als Jesus mit seinen Jüngern einmal einem Blinden begegnete und seine Jünger ihn fragten, ob Gott mit der Blindheit denn die Sünde des Blinden selbst oder die seiner Eltern bestraft habe, weist Jesus die Frage schroff zurück und wendet sich dem Blinden gütig und heilend zu. (Johannes 9)

Also nochmal ganz klar: Leiden – welcher Art auch immer – als Strafe Gottes für Sünde hinzustellen, ist unbiblisch und unjesuanisch. Aber andersherum wird ein Schuh daraus: Menschen, die leiden, die Grund zur Klage haben sind ganz besonders offen und empfänglich dafür, Gottes Güte zu spüren und zu erfahren. Sie haben sozusagen eine besondere Antenne, um – wie Jeremia – wahrzunehmen, dass Gott wohl zornig ist über Sünde, aber dass seine Güte immer größer ist als sein Zorn.

Jeremia ist hier – denke ich – ganz nah bei dem, was Jesu Kreuz bedeutet: Gott ist nicht nur der „liebe Gott“. Gewiss nicht. Er ist zornig über unsere Sünde – darüber, dass wir ihn links liegen lassen und uns von ihm abwenden, er ist zornig über Lieblosigkeit und Unrecht. Gott ist zornig, so zornig, dass er die Sünde straft. Aber, so wissen wir aus der Bibel, er straft die Sünde so, dass sein Zorn nicht uns Sünder trifft, sondern in Jesus ihn selbst, den Mensch gewordenen Gott. Seine Güte ist größer als sein Zorn, so viel größer, dass er selbst die Strafe für alle Sünde trägt – an unserer Stelle - und uns Vergebung anbietet.

Und wer „Ja“ sagt zu dieser Vergebung, wer das Angebot Gottes annimmt und darauf vertraut, dass ihm um Jesu willen alle Schuld vergeben ist, dem kann dieses Vertrauen zum Trost werden im Leiden und Klagen und ihm helfen, auch in seinem Elend aus dem Klagen wieder herauszukommen, weil er weiß: Gottes Güte trägt mich hier durch.

IV Zusammenfassung

Klagen ist also erlaubt – das gilt. Und es gilt auch für Christen: Wenn Ihnen elend zumute ist, wenn Sie Grund dazu haben, dürfen Sie klagen. Lassen Sie sich von niemandem einreden, Sie müssten immer fröhlich sein und gute Laune haben, weil Sie Christ sind.

Unser Text aus den Klageliedern gibt uns aber drei Hinweise, wie unsere Klage produktiv werden kann, wie wir echten Trost gewinnen können, der uns neuen Mut macht und uns wie Jeremia durch unsere Klage hindurchträgt:

  1. Richten Sie Ihre Klage an Gott und vertrauen Sie darauf, dass er wirklich helfen und trösten kann. Und lassen Sie uns unsere Gemeinde zu einem Ort machen, an dem Menschen, die klagen, nicht auf taube Ohren stoßen, an dem wir nicht die Augen über sie rollen, sondern an dem wir uns gegenseitig ermutigen, unsere Klagen voll Vertrauen an Gott zu wenden.
  2. Gott ist treu – gegen allen Augenschein. Lassen Sie uns das uns gegenseitig immer wieder sagen. Gott geht mit uns, gerade wenn es uns dreckig geht. All das, was menschliches Leben mit sich bringt, auch Leiden, Schmerzen, Angst und Verzweiflung, über die wir klagen, hat er selbst erlebt, indem er Mensch wurde. Und
  3. Gottes Güte ist stärker als sein Zorn. Gott will Ihnen alle Schuld vergeben und Sie von dieser Last frei machen. Seinen Zorn über Ihre Schuld hat er selbst getragen und ausgehalten. Wenn Sie „Ja“ sagen zu dem, was Jesus für Sie getan hat, dann dürfen Sie sicher sein: Ihnen ist vergeben. Seine Güte ist groß. Und dieses Wissen kann und wird Sie durchtragen – durch das Leid und durch ihr Klagen, sodass Sie mit Jeremia sagen können: Gottes Barmherzigkeit hat noch kein Ende – und deine Treue ist groß.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.








Montag, 3. Oktober 2011

Hurra, wir wachsen - über Kartoffeln und die Gemeinde


Predigt in der EmK Detmold am 2.10.2011 (Erntedank)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

I Erntedank – das fremde Fest

Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein.“ Das war der Standardsatz meines Vaters zum Erntedankfest. Für ihn als Marxisten bedeutete das: Dafür, dass alle Essen und Trinken haben, dass es uns gut geht, haben wir nicht Gott zu danken, sondern den Menschen, die hart dafür arbeiten. „Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein.“

Aber auch ohne Marxist zu sein kann einem dieses Fest ganz schön fremd werden. Ich bin ein Stadtkind (wenn auch aus der Kleinstadt). Für mich kommen der Strom aus der Steckdose und die Kartoffeln aus dem Supermarkt – und all das selbstverständlich ganzjährig. Genau wie Erdbeeren, Äpfel, Gemüse, Schnitzel, Frikadellen und Speisen jeder Art und Weise.

Erntedank wird da schnell zu einem fremden Fest, weil ich das Säen, das Wachsen der Saat und das Ernten kaum oder gar nicht mitbekomme.

Vielleicht tut uns – mag mancher da denken - das Erntedankfest gerade deshalb gut, weil es so fremd ist und weil es uns einmal im Jahr daran erinnert, dass es das alles – Säen und Ernten - gibt.

Das schöne Lied von Matthias Claudius, das wir gleich singen werden, gibt uns einen Hinweis, was Erntedank bedeutet. Erntedank heißt – so meine ich – zuallererst Unterscheidung. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“

II Erntedank heißt Unterscheidung

Wir pflügen und wir streuen.“ Mit anderen Worten: Es kommt in der Tat auf den Menschen und auf seine Arbeit an. Es muss gesät und geerntet werden und vieles mehr. Wir haben allen Grund, denen dankbar zu sein, die hart dafür arbeiten, dass wir zu essen und zu trinken und anzuziehen haben: den Landwirten, den Erntehelfern, den Brummifahrern, den Verkäuferinnen, denen im Büro und im Versand und vielen vielen anderen Menschen. Im Zeitalter der Arbeitsteilung erinnert uns das Erntedankfest daran, dass wir abhängig sind von der Arbeit anderer, wie sie von der unseren. Und es hilft uns, Arbeit neu wert zu schätzen. Da hatte mein Vater absolut Recht.

Aber dann die zweite Liedzeile: „Doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Will sagen: Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir eben gar nichts ein. Da hatte mein Vater Unrecht. Erntedank hilft uns zu unterscheiden zwischen dem, was wir tun müssen und dem, was wir nicht tun können. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein für jeden Menschen, der durch seine Arbeit zum Wohlstand aller beiträgt. Und genauso haben wir allen Grund dankbar zu sein für Gottes Fürsorge und Liebe, die nötig ist, damit wir leben und arbeiten können und ohne die all unsere Arbeit nichts ist.

Hurra, die Kartoffeln wachsen also, auf Grund dieser wunderbaren Kooperation zwischen menschlicher Arbeit und Gottes reichem Segen. Sie wachsen nur deshalb, weil es Menschen gibt, die hart und fleißig arbeiten und weil es Gott gibt, der die Schöpfung trägt und erhält, der Wachstum und Gedeihen schenkt.

Aber was hat das alles mit uns, mit der Gemeinde Jesu zu tun? Unser Gottesdienst hat ja das Thema „Hurra, wir wachsen – von Kartoffeln und der Gemeinde“.

III Das Reich Gottes wächst wie die Kartoffeln

Erinnern Sie sich noch an die Lesung aus dem Neuen Testament, die wir vorhin gehört haben? „Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß selbst nicht wie. Denn die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, so schickt er sogleich die Sichel, denn die Ernte ist da.“ (Markus 4,26-29 ELB)

Wenn ich das lese, wie Jesus über das Wachstum des Reiches Gottes spricht, dann denke ich: Unter kaum etwas leiden doch unsere Kirchen und Gemeinden im Moment so sehr wie unter der Last des Stillstandes oder sogar des Schrumpfens. Wir werden weniger – zumindest in Europa. Dabei wünschen wir uns kaum etwas so sehr wie Wachstum.

Und wenn ich Wachstum sage, dann meine ich damit nicht nur das Wachsen an Zahl. Das sicher auch. Wir wollen mehr werden, wir wollen mehr Menschen erreichen mit der guten Nachricht von Jesus, wir wollen mehr Menschen zu seinen Jüngerinnen und Jüngern machen.

Aber ich meine auch geistliches Wachstum. Wir wünschen uns, dass Jesus uns wirklich verändert, dass er uns neu macht, dass wir ihm ähnlicher werden. Der Methodismus nennt dieses geistliche Wachstum von je her Heiligung, und es ist eines seiner wichtigsten Anliegen.

Das wünschen wir uns ehrlich und aufrichtig, dass wir wachsen: geistlich wachsen im Leben mit Jesus - und an Zahl wachsen.

An dem Gleichnis, das Jesus erzählt, können wir lernen, wie solches Wachstum des Reiches Gottes – und das heißt sowohl unser persönliches Wachsen im Glauben als auch das Wachsen der Gemeinde – gelingt, oder eben nicht. Was Wachstum angeht, sagt Jesus, sind nämlich das Reich Gottes und die Kartoffeln ziemlich ähnlich.

IV Wo es auf uns ankommt: Das Säen

Damit meine ich:

Genau wie bei den Kartoffeln kommt es beim Wachsen des Reiches Gottes zunächst auf uns an, auf unsere Arbeit. Das Wachsen des Reiches Gottes beginnt in Jesu Gleichnis mit menschlicher Arbeit – mit dem Säen. „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft.“ Ohne Säen, ohne menschliche Arbeit, gibt es kein Wachstum und keine Frucht. Das ist bei den Kartoffeln so, und, so sagt Jesus, auch beim Reich Gottes.

Damit das Reich Gottes unter uns wächst, damit wir im Glauben wachsen und damit die Gemeinde wächst, müssen wir säen. Es kommt auf uns – auf jede und jeden von uns – an. Drei Beispiele, wie solches Säen aussehen kann, möchte ich hier nennen:

  • Unser Säen besteht zum Beispiel im Studium der Bibel, sowohl jedes Einzelnen für sich als auch zusammen in der Gemeinde. Wenn wir Gott zu uns reden lassen, indem wir die Bibel lesen, sie studieren, Verse auswendig lernen, sie meditieren, dann ist das das Aussäen des Reich-Gottes-Samens in unser Leben. Ohne unser Tun, ohne dass wir die Bibel wirklich lesen, studieren, lernen, meditieren, kann dieser Same nicht ausgesät werden. Hier kommt es ganz auf uns an.
  • Zweitens besteht unser Säen im Gebet. Gott will, dass wir mit ihm reden – so bezeugt es die Bibel -, dass wir unseren Dank, aber auch unsere Sorgen, Nöte und Ängste mit ihm besprechen. Und Gott will, dass wir im Gebet vor ihm für die Menschen in unserer Nachbarschaft, in unserer Stadt und in der Welt eintreten, dass wir für sie beten. Das Gebet ist das Aussäen des Reich-Gottes-Samens in unsere Beziehung zu Gott.
  • Und drittens besteht unser Säen in der ganz praktischen Nachfolge Jesu. Jesus wird im Neuen Testament immer wieder beschrieben als einer, der predigt und heilt. Einer, der die Menschen einlädt zu einem Leben mit Gott, der sie zur Umkehr aufruft, und der ihnen zugleich ganz praktisch hilft und ihr Leben heil macht. Beides gehört bei Jesus untrennbar zusammen. Wenn wir ihm nachfolgen, indem wir das auch tun – Menschen zum Glauben einladen und ihnen von Jesus erzählen und zugleich praktisch helfen, wo immer es geht – dann säen wir den Samen des Reiches Gottes unter unseren Mitmenschen aus.

Wie bei den Kartoffeln gilt also auch für unser Wachstum und für das Wachstum der Gemeinde: Es kommt darauf an, dass wir säen. Es braucht unsere Arbeit.

V Wo es allein auf Gott ankommt: Das Wachsen

Aber das Gleichnis geht ja noch weiter: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, er weiß selbst nicht wie. Die Erde bringt von selbst Frucht hervor.“

Was macht der Bauer in Jesu Gleichnis, nachdem er gesät hat? Sagen Sie jetzt nicht: Nichts. Er macht nicht Nichts. Er tut etwas ausgesprochen Bedeutsames und Wichtiges:

Er wartet geduldig auf das Aufgehen der Saat und vertraut darauf, dass es geschieht. Das ist wichtig, genauso wichtig wie das Säen selbst. Unsere Ungeduld, und ich gestehe, ich gehöre zu den Ungeduldigen, ist gefährlich für unser Wachstum. Wachstum braucht Zeit und Vertrauen. Früchte müssen reifen. Es bringt überhaupt nichts, ungeduldig zu sein, denn den Prozess des Wachsens (sowohl der Kartoffeln als auch der Gemeinde) können wir durch hektische Aktivität nicht beschleunigen. Unsere Arbeit sollten wir getan haben, so gut und fleißig und gewissenhaft wie eben möglich, aber dann sollten wir dem, der allein Wachstum und Gedeihen schenkt, auch Zeit geben.

Ich wünsche mir für uns hier in der EmK in Detmold, dass wir es schaffen, hier klar zu unterscheiden zwischen dem, wo es auf uns ankommt und dem, wo wir nur geduldig warten und vertrauen können. Beim Säen kommt es ganz auf uns an: Im Studium der Bibel – allein und gemeinsam – im Gebet und in der praktischen Nachfolge Jesu säen wir den Samen des Reiches Gottes in unser Leben, in unsere Beziehung zu Gott und in die Welt aus. Das haben wir zu tun. Aber dann gilt es, nicht in hektische Aktivitäten zu verfallen, sondern geduldig darauf zu vertrauen, dass Gott den Samen angehen und wachsen lässt, damit wir geistlich wachsen und von ihm verändert werden und damit unsere Gemeinde wächst. Bringen wir dieses Vertrauen auf?

VI Am Ende werden wir ernten

Wenn ja, dann verspricht uns Jesus etwas: Dann nämlich – am Ende – wenn wir gesät und unsere Arbeit getan haben und wenn wir dann geduldig Gott vertraut und uns wirklich mit ganzem Ernst in seine Hand gegeben haben, dann werden wir ernten. „Wenn aber die Frucht es zulässt,“ sagt Jesus, „schickt er (der Bauer) sogleich die Sichel hin, denn die Ernte ist da.“ Wir dürfen uns darauf freuen, die Früchte unserer Arbeit und des Segens Gottes dann auch zu genießen und Wachstum zu sehen, wie bei den Kartoffeln, so auch in der Gemeinde. Da, liebe Freunde, bin ich ganz sicher.

Das Wachstum des Reiches Gottes, so lehrt uns Jesus in seinem Gleichnis, vollzieht sich nicht viel anders als das der Kartoffeln. Zunächst kommt es auf unsere Arbeit an: Planen, Feld bestellen, säen. Beispiele, wie das in der Gemeinde aussehen kann, habe ich vorhin genannt. Dann aber handelt nur Gott. Auf ihn kommt es an, und unsere Aufgabe besteht darin, geduldig ihm zu vertrauen, dass er die Saat aufgehen lässt.

Jesus lädt uns als EmK in Detmold ein, zu unterscheiden: Wir wollen das unsere beitragen und den Samen des Reiches Gottes aussäen: Allein und zusammen die Bibel studieren, unsere Beziehung zu Gott im Gebet vertiefen und in der praktischen Nachfolge Jesu für die Menschen in unserer Stadt unseren Auftrag erfüllen, indem wir sie zu Jesus einladen und ihnen, wo immer es uns möglich ist, Gutes tun. Dann aber wollen wir geduldig auf Gott vertrauen, darauf, dass er die Saat aufgehen und wachsen lässt.

Und dann, da bin ich ganz sicher, werden wir eine reiche Ernte erleben, die es einzufahren gilt. Wir werden erleben, wie wir in der Nachfolge Jesu wachsen, wie unser Glaube reifer, fester, fröhlicher wird, und wir werden erleben, wie unsere Gemeinde wächst, in der Nachfolge Jesu wächst und auch an Zahl. Ich hoffe und bete dafür, dass wir dann zusammen sagen werden: Hurra, wir wachsen – wie die Kartoffeln, so auch die Gemeinde.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.