Dienstag, 19. April 2011

Fröhliches Hasenfest?

Sicher erinnern Sie sich noch alle an die erregten Diskussionen über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Zuerst der Bundespräsident und dann der Innenminister haben die Diskussion angestoßen. Immer betont wurde dabei, dass Deutschland in besonderer Weise von der christlich-jüdischen Tradition geprägt sei.

Wie viel oder wenig es mit dieser Prägung auf sich hat, zeigt diese Begebenheit in Bonn: Die Thalia-Buchhandlung hatte für das Osterfest (beziehungsweise besser für die Verkaufstage davor) ihre Fenster neu dekoriert und bot ihren Kunden plakativ "die schönsten Geschenke fürs Hasenfest" an.

Zum Schmunzeln? Einerseits schon - erinnert der Vorfall doch an so schöne Wortschöpfungen wie die legendäre "Jahresendflügelfigur". Andererseits aber fragt sich der Beobachter dann schon, ob wir wirklich noch von einem jüdisch-christlich geprägten Land sprechen können, wenn Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, zum "Hasenfest" degeneriert. Anders gesagt: Gehört das Christentum zu Deutschland? Oder haben nicht doch die Recht, die beide oben genannten Politiker kritisiert haben mit dem Argument, bei der Bundesrepublik Deutschland handle es sich faktisch doch längst um ein säkulares, religiös neutrales Land, das Religionsfreiheit für alle Bekenntnisse sicherstelle, sich aber auf keinen Glauben festlegen lasse und auch nicht von einem Glauben in besonderer Weise geprägt sei?

Seltsam mutet vor diesem Hintergrund das Rückzugsgefecht an, mit dem Kirchenvertreter das "Verbot öffentlicher Tanzveranstaltungen" am Karfreitag verteidigen. Soll in einer scheinbar doch christlich mehr und mehr analphabetischen Gesellschaft wirklich der Staat in Anspruch genommen werden, um christliche Feiertage zu ordnen? Ist es nicht längst eine Mehrheit, die den Karfreitag als Auftakt des langen Hasenfest-Wochenendes betrachtet und eben auch entsprechend lebt?

Mir wäre es am liebsten, wir Christen würden nicht nach dem Staat schreien, damit er unsere Karfreitagsruhe gesetzlich sicherstellt und anderen aufdrückt, sondern wir würden so glaubwürdig, fröhlich, engagiert und deutlich mit unseren Worten und Taten von dem Glück zeugen, das wir durch das Sterben und Auferstehen Jesu erfahren, dass wieder mehr Menschen Karfreitag und Ostern als für sie persönlich bedeutsames Fest erleben.

Der Karfreitag erinnert uns daran, dass Gott selbst in Jesus unsere Schuld trägt. Er erleidet selbst das Gericht, das wir verdienen. Er lässt sich festnageln, damit wir leben. Und er bietet uns an, uns darauf zu verlassen, dass wir in seinen Augen nun gerecht und rein sind, weil er die Konsequenzen unserer Schuld für uns getragen hat. Aus diesem Vertrauen dürfen wir leben.

Und dieser Jesus, der das für uns tut, der lebt. Er ist nicht im Tod geblieben, sondern hat ihn besiegt. Er ist quick-lebendig und will persönlich mit uns in Kontakt kommen, uns mit Glauben, Hoffnung und Liebe erfüllen, hier und jetzt.

Für mich persönlich ist das die beste und wichtigste Nachricht, die wir als Christen zu bieten haben. Karfreitag und Ostern bedeutet für mich Befreiung davon, selbst-gerecht sein zu müssen. Ich darf all das, was mein Gewissen plagt (und das ist eine ganze Menge), einfach am Kreuz abladen und fest darauf vertrauen, dass meine Schuld vergeben ist, dass Gott mich annimmt und als sein geliebtes Kind erwartet. Und ich darf mit dem lebendigen Jesus reden, mich ihm anvertrauen, von ihm lernen und mich (mehr und mehr) von ihm prägen lassen.

Dieses Ostern ist unendlich viel mehr als jedes "Hasenfest" sein kann. Es ist das Fest des von Schuld und Angst vor dem Tod befreiten Auflebens, das Jesus uns (uns allen!) schenken will. Wie sehr wünschte ich mir, dass, wenn am Freitag und am Sonntag die "Tagesschau" und das "heute journal" von den festlichen Gottesdiensten und den Predigten dazu berichten, diese Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu und das, was sie für jeden einzelnen an Befreiung bedeuten kann, im Mittelpunkt stünde. Vielleicht würden dann wieder mehr Menschen etwas davon erahnen, was sie gewinnen können durch das, was wir an Ostern feiern.

Dienstag, 5. April 2011

Fragen zur Energiewende

Dass Atomenergie keine Zukunft hat, dass es eine schnellere Energiewende geben soll hin zu regenerativen Energieträgern, ist in unserer Gesellschaft Konsens. Auch die Kirchen haben zu diesem Konsens durch atomkritische Stellungnahmen beigetragen - und das ist gut so.

Von verantwortungsvoller Politik ist jetzt aber zu erwarten, dass sie sich den Fragen stellt, die eine schnelle Energiewende mit sich bringt und dass sie Antworten darauf findet und zur Diskussion stellt:

  • Welche Auswirkungen hat ein schneller Kernenergie-Ausstieg auf den Klimaschutz und die anspruchsvollen Ziele, die sich Deutschland in Sachen CO2-Ausstoß gesetzt hat? Können wir diese Ziele bei einem Atomausstieg, der schneller ist als bisher geplant, halten oder müssen wir sie revidieren?
  • Wenn wir die CO2-Ziele halten wollen: Welche zusätzlichen Anstrengungen (in der Gebäudesanierung zum Beispiel) sind dann nötig und was werden sie Hausbesitzer und Mieter kosten?
  • Vieles deutet darauf hin, dass für einen längeren Zeitraum verstärkt auf Kohleverstromung gesetzt werden soll. Überall dort aber, wo neue Kohlekraftwerke in Planung sind oder gebaut werden, gibt es Widerstand von Umweltschützern und besorgten Anwohnern gegen die Umweltbelastung, die sie mit sich bringen. Wie lange werden wir wie viel Kohleverstromung über das bisher bekannte Maß hinaus brauchen? Wie viele Kohlekraftwerke müssen wo neu gebaut werden, um schnell von der Kernenergie wegzukommen? Müssen alte, umwelt- und gesundheitsbelastende Kohlekraftwerke länger laufen als bisher geplant? Wie lange?
  • Wie können wir es vermeiden, zum dauerhaften Stromimporteur zu werden?
  • Wie werden sich die Strompreise bei einem schnelleren Kernkraft-Ausstieg verändern? Welche Subventionen, die die Steuerzahler finanzieren, sind bei einem schnellen Kernkraft-Ausstieg nicht mehr nötig bzw. werden weniger, welche werden (für die notwendigen Investitionen in regenerative Energien und neue Netze) in welcher Höhe neu auf uns zukommen und wie sollen sie finanziert werden?
  • Der Anteil der Unternehmen am Stromverbrauch lag 2010 bei 46 %. In vielen Industrieunternehmen übersteigen die Energiekosten die Lohnkosten. Welche Auswirkungen hat die schnelle Energiewende auf diese Unternehmen? Wie können sie weiterhin konkurrenzfähig produzieren? Wie werden sich Preise entwickeln und welche Auswirkungen hat das für diese Unternehmen und darin Beschäftigte?
Fragen über Fragen, die in den nächsten Wochen und Monaten zu klären sind.  "Es reicht nicht zu sagen: Wir schalten ab", meint Klaus Töpfer, einer der Vorsitzenden der Ethikkommission zum Atomausstieg. In den letzten Wochen läuft die Atomdebatte aber so, dass die politischen Parteien sich einen Wettbewerb liefern, wer am schnellsten aus der Atomkraft aussteigen will und wer das al lautesten verkündet. Jetzt geht es darum, Antwortvorschläge für die genannten Fragen zu erarbeiten und sie den Bürgern vorzulegen. Vielleicht werden dann ja auch grüne, sozialdemokratische, christdemokratische und liberale Antworten wieder unterscheidbar.