Freitag, 7. Januar 2011

Gehen Sie ruhig, aber lassen Sie mich hierbleiben

Liebe Frau Lötzsch.

Vielen Dank für Ihre erhellende  Rede über die "Wege zum Kommunismus". Es ist gut, dass Sie diese Rede halten, denn nun kann zumindest niemand mehr sagen, er wisse nicht, wo Sie und Ihre Partei hinwollen. Sie sagen, dass der "Pfad zum Kommunismus ... ein langer und steiniger sein wird" und finden, dass es immer noch einige Wege dorthin gebe, die es wert seien, ausprobiert zu werden.

Ich möchte Ihnen und Ihrer ganzen Reisegruppe für Ihren Weg alles erdenklich Gute wünschen. Zugleich möchte ich mich selbst aber entschuldigen und um Ihr Verständnis dafür bitten, dass ich nicht mitgehen werde. Ich bitte Sie, das zu respektieren und diesmal diejenigen, die nicht wollen, auch zurückbleiben zu lassen.

Die Reisegruppen, die sich bisher mit dem gleichen Ziel auf den Weg gemacht haben, waren da ja nicht sehr zimperlich. Sie haben wohl einen so großen Wert auf das Gemeinschaftserlebnis der Reise gelegt, dass sie einzelne Zurückbleibende nicht geduldet, sondern mit Gewalt gezwungen haben, mitzugehen. Ich hoffe, dass Sie das nicht wieder so vorhaben.

Manche nämlich, so wie ich, sind zu sehr geprägt von den Erfahrungen der früheren Reisegruppen auf dem Weg zum Kommunismus, die am Ende alle in der gleichen blutig-totalitären Sackgasse gelandet sind, als dass sie noch große Lust verspürten, sich erneut auf einen Weg zu diesem Ziel zu begeben. Wir wollen lieber hier weiter daran arbeiten und um die besten Ideen darüber streiten, der Stadt Bestes zu suchen und sie ein klein wenig menschlicher, freier und fairer zu machen.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Reise

Uwe Hanis