Mittwoch, 27. Oktober 2010

Mutig und ausdauernd beten

Deutsche Übersetzung der Upper-Room-Andacht vom 26. Oktober 2010
Autorin des Originals: Janey L. DeMeo (California, USA)

Zum Bibeltext: Matthäus 15,21-28

"Lasst uns also voller Zuversicht vor den Gnadenthron treten. Dort werden wir Mitleid empfangen und Gnade finden. Und wir werden Hilfe bekommen,
wann immer wir sie brauchen." (Hebräer 4,16 Basisbibel)

Der schrille Schrei meines Babys ließ mich rennen. Als ich ankam, hatte es aber scheinbar schon aufgehört zu atmen. Voller Panik eilten mein Mann und ich mit dem Baby ins Krankenhaus. Das Kind, das wir trugen, sah aus wie tot.

Voller Sorge und Angst betete ich laut. Es war, als würde das laut gesprochene Gebet mein Vertrauen stärken. Die Angestellten im Krankenhaus sahen mich an, als hielten sie mich für verrückt. Ich betete immer noch, voller Ausdauer, und bat Gott, mein Baby zu retten. Ich war verzweifelt und es war mir egal, was die Leute dachten. Als der Arzt schließlich sagte, dass unser Baby entgegen dem Augenschein noch lebte, dankte ich Gott.

Die kanaanäische Mutter in Matthäus 15 bat Jesus auch, ihr Kind zu retten. Aber Jesu Antwort auf ihre Bitte war verblüffend. Zuerst ignorierte er sie, dann wies er sie zurück. Aber die verzweifelte Mutter kümmerte sich nicht darum. Sie hörte nicht auf, Jesus um Heilung für ihr Kind zu bitten. Sie hatte Ausdauer, und ihr Kind wurde schließlich heil.

Gott ist souverän und weiß mehr über diese Welt und das Leben als wir. Und Gott heilt nicht immer, wenn wir ihn um Heilung bitten. Aber doch können wir immer mutig mit unseren Nöten zu ihm kommen. Gott hört uns immer. Unser Vertrauen gefällt Gott, egal was andere darüber denken und egal was am Ende passiert.

Gebet: Jesus, bitte hilf uns, mutig zu sein, unsere Bitten auszusprechen und uns nicht davon zurückhalten zu lassen, was andere denken mögen. Amen

Gedanke zum Mitnehmen: Bete mutig und vertraue Gott.

Fürbitte: Kinder, die krank sind.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Müssen Christen Pazifisten sein?

Predigt über das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" am 15.08.2010 in der EmK Recklinghausen

(An dieser Stelle biete ich nur einen Aufriss der Predigt, nicht den Wortlaut.)

I Einstieg mit zwei Zitaten
  • "Nichts ist gut in Afghanistan." Margot Käßmann in ihrer Neujahrspredigt 2010. Prägung durch den Pazifismus der Friedensbewegung der 80er-Jahre. Christlicher Pazifismus in Anlehnung zum Beispiel an Matthäus 5, 39-41.
  • "Thank you for serving your country. I pray for you." Ein Flughafen-Angestellter am Flughafen Atlanta, USA zu einem Soldaten.
Ich will mir selbst Rechenschaft geben über die Frage: Müssen Christen, die das 5. Gebot ernstnehmen, Pazifisten sein?

Meine ganz persönliche Antwort, die ich mit euch teilen möchte, besteht aus drei Teilen:
1. Als Christen wollen wir von und mit Jesus gewaltfrei leben lernen.
2. Wir wissen jedoch darum, dass wir in der noch nicht erlösten Welt um des Rechtes und des Friedens willen ein begrenztes Maß an staatlicher Gewalt brauchen. 
3. Was das konkret in der Afghanistan-Frage bedeuten kann. 

II In der Nachfolge Jesu gewaltfrei leben lernen.
  • Jesus legt in der Bergpredigt das fünfte Gebot vollmächtig aus. Matthäus 5,21-22. Das Töten beginnt im Kopf, mit dem, was wir über andere denken und sagen. 
  • Jesus ermutigt zu einer ernsthaften Einstellung der Gewaltlosigkeit. Wir lernen sie von ihm in der Nachfolge - immer mehr. 
  • Die Bibel nennt diese Einstellung Feindesliebe. Beispiele: gegenüber dem Nachbarn, der keine Kinder mag; gegenüber dem Supermarkt-Rowdy, der mit seinem Einkaufswagen in meine Hacken fährt, um an der Kasse zu drängeln; gegenüber dem mobbenden Arbeitskollegen.
  • Gewaltlosigkeit/Feindesliebe ist alles andere als einfach. Wir können sie nur lernen a) an und von Jesus, b) Schritt für Schritt in der Nachfolge.
  • Dieses Lernen wirkt sich auch aus, wenn es um politische Fragen geht. Wir können es nicht ablegen, wie ein Kleidungsstück, wenn wir über Politik nachdenken und reden. Deshalb treten wir ein a) für den Vorrang gewaltfreier Konfliktlösung, b) für Versöhnungsbereitschaft, c) für die Beschränkung staatlicher Gewalt auf ein Minimum. 
III Die noch nicht erlöste Welt
  • Aber dieses Minimum ist eben notwendig.
  • Lies Barmer Theologische Erklärung These V und Römer 13.
  • Der Staat hat ein begrenztes Recht und eine ebenso begrenzte Pflicht zur Androhung und Ausübung von Gewalt um des Rechtes und des Friedens willen, also um die Menschen zu schützen. 
  • Dieses Recht/diese Pflicht nimmt er wahr a) gegen Bedrohungen im Inneren durch die Polizei und die Gerichte und b) gegen Bedrohungen von außen durch das Militär. Die Begrenzung der staatlichen Gewalt soll sich in der Rechtssetzung wiederfinden. 
  • Auch diese begrenzte, nach Barmen V rechtmäßige Gewalt bedeutet Schuld. Der Staat wird / wir werden schuldig am Leib und Leben anderer. 
  • Trotzdem ist diese Gewalt in den genannten Grenzen rechtmäßig. Wer wenn nicht wir Christen, die aus der Vergebung der Schuld leben und von ihr herkommen, sollte in der Lage sein, diese Schuld zu tragen?
Müssen also Christen Pazifisten sein, wenn sie das 5. Gebot ernstnehmen? Meine persönliche Antwort lautet "Nein".
  • Ich will dafür eintreten, jede Chance auf Versöhnung und Frieden zu nutzen. 
  • Ich will auch im politischen Bereich der gewaltlosen Konfliktlösung unbedingten Vorrang geben. 
  • Ich will sorgsam und gewissenhaft prüfen, wann begrenzte Gewalt um des Rechtes und des Friedens willen gerechtfertigt und nötig ist. 
  • Mir ist klar: Wenn ich staatliche Gewalt - auch in engen Grenzen - befürworte, trage ich Mit-Schuld für die Folgen. (Ich werde aber unter Umständen auch schuldig, wenn ich sie ablehne und damit den Status Quo befürworte.) Diese Schuld will und kann ich bewusst tragen, weil ich um die Vergebung der Sünden weiß und aus ihr lebe. 
IV Was das konkret in der Afghanistan-Frage bedeuten kann
  • Mitglieder der von der afghanischen Talibanregierung unterstützen Al Qaida griffen am 11. September 2001 das WTC in New York an. Wir alle erinnern uns an diese furchtbaren Anschläge.
  • Am 12. September 2001 traten viele nationale sowie internationale Gremien rund um den Globus zu Krisensitzungen zusammen. Bedeutsam unter völkerrechtlicher Perspektive ist dabei die einstimmige Verurteilung des Geschehenen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Rahmen der Resolution 1368.
  • Darüber hinaus rief die NATO ebenfalls am 12. September 2001 erstmals seit ihrem Bestehen den „Bündnisfall“ aus. Damit stellte sie fest, dass die Terroranschläge ein kriegerischer Angriff auf das Staatsgebiet eines NATO-Mitgliedsstaates gewesen seien, der nach Artikel 5 des NATO-Vertrages als Angriff auf alle Vertragspartner zu werten sei und deren militärischen Beistand erfordere.
  • Im Oktober 2001 griff die US-geführte Koalition Afghanistan an und erreichte Sturz der Talibanregierung. 
  • Im Rahmen des Petersberger Prozess wurde eine neue Verfassung ausgearbeitet und der Weg zu einer erstmals seit 1964 demokratisch legitimierten Regierung geebnet.
  • Seitdem liefern sich die Koalitionstruppen und die Kräfte des neuen afghanischen Staates auf der einen Seite und die von den mittlerweile wieder erstarkten Taliban gestützten Oppositionsgruppen auf der anderen Seite einen Krieg. 
  • Der Einmarsch in Afghanistan erfolgte aus meiner Sicht zurecht, denn er hatte drei Gründe: a) Selbstverteidigung nach dem Terrorangriff auf New York und Verhinderung weiterer Anschläge, b) Schutz der eigenen Bevölkerung und c) Herstellung einer Rechtsordnung für die afghanische Bevölkerung. 
  • Mir ist bewusst, dass diese Rechtfertigung des Krieges in Afghanistan mit Schuld verbunden ist: Schuld an den Opfern des Krieges, sowohl den militärischen Opfern als auch den zivilen Leidtragenden. Ich bin aber überzeugt, dass auch eine Nicht-Beteiligung an diesem Krieg Schuld bedeuten würde: Schuld an den Opfern eventueller zukünftiger Terroranschläge und Schuld an den unter dem Taliban-Regime leidenden Menschen in Afghanistan. 
  • Politisch und strategisch wurden in Afghanistan nach dem Sturz des Taliban
  • Deshalb ist es schwer, den Krieg zu beenden. Um so stärker sollten wir uns für den Dialog - auch mit den Taliban -, die Stärkung des Rechts und die konsequente Verfolgung einer Strategie einsetzen, die einen Rückzug ermöglicht und das Land in die Lage versetzt, selbst eine Ordnung des Rechts zu gewehrleisten. 
Anders als Margot Käßmann - das wird vielleicht am Beispiel des Afghanistan-Krieges deutlich - bin ich der Meinung, dass Krieg gerechtfertigt sein kann und es in diesem Fall auch ist. Gemeinsam mit ihr möchte ich mich für Frieden, Dialog und Versöhnung einsetzen, ohne jedoch die Anwendung von Gewalt auszuschließen. 

V Schluss

Müssen Christen Pazifisten sein?

Nein, das müssen sie meiner Meinung nach nicht. Sie
a) lernen mehr und mehr von und mit Jesus ein gewaltfreies Leben
b) setzen sich - auch im politischen Bereich - gegen Gewalt und für Frieden und Verständigung ein
c) wissen um die Notwendigkeit und zugleich die Begrenzung des staatlichen Rechtes und der staatlichen Verpflichtung zur Gewaltausübung um des Rechtes und des Friedens willen
d) beurteilen nach bestem Wissen und Gewissen politische Fakten und entscheiden sich gewissenhaft, ob und wann sie im Einzelfall militärische Gewalt befürworten können (für mich ist das in Afghanistan der Fall)
e) tragen bewusst mit an der Schuld und beten für die Regierenden und die Regierten. 

Montag, 18. Oktober 2010

Die Ehe - alles andere als ein Auslaufmodell

Predigt über das sechste Gebot "Du sollst nicht ehebrechen" in der EmK Recklinghausen am 17.10.2010

(An dieser Stelle biete ich einen Aufriss meiner Predigt, nicht den Wortlaut.)

I Einstieg


  • Arno Backhaus: Früher hatten Eltern durchschnittlich vier Kinder. Heute haben Kinder durchschnittlich vier Eltern. 
  • Zum Normalfall in unserer Gesellschaft scheint mehr und mehr die zeitlich befristete Patchworkfamilie zu werden. Die dauerhafte Bindung von Mann und Frau in der Ehe wird mehr und mehr zum Auslaufmodell.
II Das Gebot in seiner Zeit

  • Sesshaftwerdung Israels
  • Patriarchalische Landverteilung
  • Schutz der Frauen vor Verarmung durch Entlassung aus der Ehe
  • Das lange Zeit hindurch praktizierte Benutzen des Gebotes, um Frauen, die in der Ehe von ihren Männern unterdrückt und misshandelt wurden, davon abzuhalten, sich zu trennen, ist ein Missbrauch des Gebotes, der dem ursprünglichen Sinn - Schutz der Frauen - gerade widerspricht. 
III Jesu Auslegung des Gebotes

Lies Matthäus 19, 3-12

  • Rabbinisches Streitgespräch, typisch für das antike Judentum.
  • Zu verstehen als echtes und ernsthaftes Ringen um die angemessene Auslegung der Gebote. 
  • Beide Seiten haben ein Stück weit recht, also hier zum Beispiel auch die Pharisäer: a) Ehescheidung kann manchmal unausweichlich sein. Sie ist einfach da. b) Wenn Sie unausweichlich ist, miss sie fair geregelt werden (Scheidebrief). 
  • V.12: Jesus gibt (auf Nachfrage seiner Jünger hin) zu, dass die Ehe kein Modell für alle Menschen sein muss. Interessant dabei sind seine Beispiele. Es gibt Menschen, die a) von Geburt an, also von Natur aus nicht für die Ehe geschaffen sind (Dürfen wir dabei auch an Homopsexuelle denken?), die b) aus Erfahrung besser keine Ehe (mehr) führen und c) ganz für Gottes Reich da sein wollen (wie Paulus und wohl auch Jesus selbst) und deshalb keine Ehe führen. Jesus respektiert diese anderen Lebensentwürfe. 
  • VV 4-5: Zugleich stellt Jesus die Ehe als das bevorzugte Lebensmodell Gottes für die meisten Menschen heraus. Die Ehe ist von Gott gewollt, mit anderen Worten: Die Ehe ist heilig. Sie gehört zu den Ordnungen, die durch die zweite Tafel der 10 Gebote besonders geschützt sind: Leib und Leben (Du sollst nicht töten), Eigentum (Du sollst nicht stehlen), Elternschaft und Regierung (Du sollst Vater und Mutter ehren) und eben Ehe (Du sollst nicht ehebrechen).
Ich möchte die zwei Seiten der Haltung Jesu zum 6. Gebot so zusammenfassen:  Die Ehe ist nicht mehr wert als andere Lebensformen, aber sie ist etwas ganz besonderes, sie ist heilig. Für diese Aussage ließen sich viele Begründungen finden, zum Beispiel politische oder wirtschaftliche. Ich möchte - anknüpfend an den Text aus Matthäus 19 - drei biblische Begründungen anführen:

  • Jesus verweist seine Gesprächspartner auf die erste Schöpfungserzählung. Gott hat den Menschen als Gegenüber von Mann und Frau erschaffen, und als solches Gegenüber (1. Mose 1,27) ist er Ebenbild Gottes. Dass der Mensch erst als Gegenüber von Verschiedenen Ebenbild Gottes wird, symbolisiert in wunderbarer Weise das Gegenüber, das Gott in sich selbst ist. Die Ehe als Gegenüber von Mann und Frau repräsentiert damit das Gegenüber in Gott selbst. 
  • Jesus zitiert den Satz aus der zweiten Schöpfungserzählung "Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen und die zwei werden ein Fleisch sein." Das Leben, zu dem Gott uns geschaffen hat, ist von vornherein auf Beziehungen angelegt. Die unmittelbarste Beziehung aber, die ich mir vorstellen kann, ist die Ehe, denn sie ist Beziehung Tag für Tag und sie gründet auf verbindlicher Liebe (mehr als ein Gefühl) und Treue. Die Ehe repräsentiert damit das Leben in Beziehung. 
  • Lies Epheser 5,21.32-33: Dieser Text wird wenig gelesen und noch weniger gepredigt, weil er sehr stark von einer patriarchalischen Sicht des Verhältnisses von Mann und Frau geprägt ist. Für mich persönlich gebe ich gerne zu, dass ich weite Teile dieses Textes für sehr zeitbedingt halte und in meinem persönlichen Leben nicht befolgen kann und will. Aber die genannten Verse am Anfang und Ende des Textes sind großartig. Paulus beschreibt, wie die gegenseitige Unterordnung in der Ehe, die verbindliche Liebe und der Dienst aneinander sie zu einem wundervollen Symbol des neuen Lebens in Christus machen. Die Ehe repräsentiert als Mikrogemeinde das neue Leben, das Jesus uns schenkt. Ehe bedeutet auch ständigen Neuanfang, Bereitschaft zur Vergebung und Annahme auch der Fehler des Partners. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Ehe nicht nur zu zweit, sondern zu dritt führen. Jesus, von dessen Vergebung wir leben, muss dabei sein. 
Aus diesen biblischen Gründen können wir sagen: Ja, die Ehe ist nicht mehr wert als andere Lebensformen, aber sie ist heilig, etwas ganz besonderes.

IV Unsere Stellung zur Ehe

Aus all dem ergeben sich vier Wünsche, die ich habe. Ich wünsche mir, dass meine Gemeinde und meine Kirche sich zur Ehe so verhält:

  1. Weil wir Jesus nachfolgen wollen, werden wir jeden Menschen, unabhängig von seiner Lebensform, wertschätzen: Verheiratete, Ledige, Singles, Witwen und Witwer, Hetero- und Homosexuelle.
  2. Wir werden lehren und leben, dass die Ehe nicht mehr wert ist als andere Lebensformen, aber etwas ganz besonderes und heiliges. Wir werden deshalb die Ehe feiern, zur Ehe ermutigen und unsere Kinder zur Ehe anhalten.
  3. Wir werden immer wieder zur Vergebung der Sünden einladen. Auch heute will ich das jetzt tun. Das ist unser wichtigstes Thema als Gemeinde Jesu aus vielen Gründen, eben auch deshalb, weil das Leben aus der Vergebung eine gute Grundlage dafür ist, selbst anderen vergeben zu können. Und das wiederum braucht es für eine gelingende Ehe. 
  4. Wir können nicht alle Eheberater sein, aber wir werden so gut wir können in Ehekrisen praktische Hilfe leisten. Wir vermitteln den Kontakt zu Profis, die helfen und beraten und wir laden ein, unsere Fürbitte für Eheleute in Anspruch zu nehmen.