Freitag, 22. Januar 2010

Was die Mission so treibt

Endlich ist sie da und kann als pdf heruntergeladen werden, die neue Projektliste der EmK-Weltmission. Ein bisschen stolz bin ich schon drauf, denn wie in jedem Jahr ist eine Menge Arbeit mit der Erstellung des Heftes verbunden. Aber es ist wichtig, denn das ganze Jahr über können wir damit arbeiten, das Heft verteilen und vorstellen und damit einen Überblick über die Projekte der EmK-Weltmission geben.
Wie schon im letzten Jahr haben wir die Liste nicht nach Ländern gegliedert, sondern nach Förderbereichen:
  • Evangelisation, Gemeindeaufbau, Theologische Ausbildung
  • Kinder und Jugend
  • Mädchen und Frauen
  • Gesundheit und Kampf gegen HIV/AIDS
  • Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung
Erstmals finden die Leserinnen und Leser auf dem Titelblatt ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, damit sie schnell finden, wonach sie suchen. Neben den aufgelisteten Projekten mit Angaben über den Haushaltsplan für 2010 gibt es kurze Einführungen in wichtige Projekte und einen Überblick über unsere Missionarinnen und Missionare.

Und dann gibt es da noch einen kleinen Wermutstropfen: Dies ist die letzte Projektliste, die wir mit unserem Missionssekretär Thomas Kemper veröffentlichen. Thomas verlässt die EmK-Weltmission am 15.3. und wird Generalsekretär der weltweiten Missionsbehörde der EmK GBGM. Schade. Trotzdem zeigen wir mit der Veröffentlichung, dass wir kontinuierlich weiterarbeiten wollen, dann bald auch ohne Thomas, um Gottes Liebe auf verschiedenste Art und Weise weiterzugeben.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Das 1. Gebot

Aufriss meiner Predigt in der EmK Recklinghausen am 24.01.2010

"Und Gott redete alle diese Worte:
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!
Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Eltern heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. " 2.Mose20,1-6

  • Rauche nicht! Trinke keinen Alkohol! Geh nicht ins Theater oder ins Kino! Tanze nicht! Trage keine auffällige Kleidung, sondern kleide dich bescheiden, einfach, aber sauber und ordentlich! Solche und ähnliche Gebote spielten lange Zeit die Hauptrolle in der christlichen Heiligungsbewegung, deren Teil der Methodismus ist. Heute gelten die meisten von ihnen als überlebt und veraltet. Kaum jemand fordert heute noch von jungen Christinnen und Christen, aufs Kino und aufs Tanzen zu verzichten, und das ist auch gut so. Höchstens das Verdikt "Ein Christ raucht nicht" ist heute noch aktuell, allerdings nicht mehr gegen, sondern im Einklang mit dem Zeitgeist.
  • An die Stelle all dieser Ideen und Hinweise für Heiligung getreten ist vielfach: ein großes Nichts. Außer einem entschiedenen "Trinke fair gehandelten Kaffee, auch wenn du eigentlich gar keinen Kaffee magst" fällt uns zum Thema Heiligung wenig ein. Dabei ist ein authentischer christlicher Lebensstil mit klaren und festen Werten heute, gerade bei jungen Leuten, gefragter denn je. Nur: Wie sieht der aus?
  • Ich finde Hinweise und Regeln, an die ich mich halten kann, in den 10 Geboten. Die habe ich für mich wiederentdeckt. Die 10 Gebote, so wie Jesus sie in der Bergpredigt und an vielen Stellen in den Evangelien auslegt. Deshalb möchte ich in meinen nächsten 10 Predigten mit euch Gedanken über die 10 Gebote teilen.
  • Heute also das 1. Gebot.
I Was heißt "einen Gott haben"?
  • Luther: "Ein Gott heißt etwas, von dem man alles Gute erhoffen und zu dem man in allen Nöten seine Zuflucht nehmen soll." Zu wem oder was fliehst du in allen Nöten? Wenn du zum Beispiel einsam bist oder wenn es finanziell besonders eng ist, wenn du dir Sorgen um die Zukunft machst oder vor einer Prüfung oder Veränderung Angst hast: Was hält dich? Was gibt dir Hoffnung?
  • "Allein das Vertrauen und Glauben des Herzens macht etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott. Denn die zwei gehören zuhauf, Glaube und Gott. Woran du nun, sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott."
  • Einen Gott haben heißt also zunächst nur dies: Ich habe etwas, dem ich vertraue und auf das ich mich verlasse. Ich habe etwas, an dem mein Herz hängt.
  • Aber nun sagt der Gott, der sich im 1. Gebot vorstellt: Ich allein will dein Gott sein. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. "Sieh zu und lasse mich allein deinen Gott sein und suche ja keinen anderen." Gott will, dass wir uns in unseren Nöten auf ihn verlassen und auf nichts anderes.
  • Das erste Gebot bezieht sich also nicht nur auf die Konkurrenz zu anderen Göttern oder Religionen. Es bedeutet nicht nur: Du kannst nicht Christ und zugleich Muslim oder Buddhist sein. Sondern dieser Gott stellt sich in Konkurrenz zu allem anderen, dem wir vertrauen und auf das wir uns verlassen. "Was dir mangelt an Gutem, das erhoffe von mir und suche bei mir, und wenn du Unglück und Not zu leiden hast, so kriech und halt dich zu mir. Lass nur dein Herz an keinem anderen hangen noch ruhen."
  • Das Besondere an Luthers Auslegung des 1. Gebotes ist: Sie richtet sich nicht zuerst gegen andere Religionen oder gegen den Atheismus. Ihn interessiert nicht die Frage: Glaubst du, dass es einen Gott gibt? Er argumentiert hier nicht. Sondern er sagt, dass wir alle einen Gott haben, nämlich etwas, worauf wir uns verlassen und woran wir unser Herz hängen. Die Frage ist nur: Worauf verlässt du dich? Was ist dein Gott?
II Die 3 Konkurrenten Gottes um mein Vertrauen

a) Geld und Wohlstand
  • Geld ist nicht alles im Leben, aber es beruhigt ungemein, sagt der Volksmund. Der größte Konkurrent des lebendigen Gottes um unser Vertrauen ist der Materialismus. Das war offenbar zu Luthers Zeiten so. Er nennt den "Mammon, das heißt Geld und Gut den allgemeinsten Abgott auf Erden. Das klebt und hängt der menschlichen Natur an bis in die Grube." Bemerkenswert aktuell. Auch unsere Gesellschaft ist - vielleicht wie keine vor ihr - vom Materialismus geprägt. => Wachstum, der Markt, die Karriere, finanzielle Sicherheit als Götzen.
  • Geld und Gut, Wohlstand und materielle Sicherheit ziehen unser Vertrauen auf sich und wollen so zu unserem Gott werden, an dem unser Herz hängt. Aber Gott will, dass wir uns nicht auf sie verlassen, sondern auf ihn. Lukas 12,15-21.
  • Das heißt nicht, dass Geld oder Wohlstand an sich immer schlecht ist. Aber es hilft uns im Umgang damit und in unserem Leben mit Gott, wenn wir uns von der Vergötzung des Geldes befreien lassen, wenn wir also darauf achten, dass nicht unser Herz daran hängt. Es verliert dann seine Macht, die es vielfach über uns hat. Durch Gott befreites Leben heißt auch Befreiung von der Macht des Geldes zu einem einfachen Leben im Vertrauen darauf, dass Gott für das Nötige sorgt. Wie würde sich wohl unsere Gesellschaft verändern, wenn wir - du und ich - uns von dem Abgott Mammon befreien ließen?
b) Wissen, Einfluss und Ansehen
  • Oft hängt dieser Abgott eng mit dem Mammon zusammen. Haste was, dann biste was. Genau darum geht es hier: dass mein Herz daran hängt, jemand zu sein. Luther nennt als Beispiele "Wissen, Klugheit, Gewalt, Beliebtheit, Freundschaft und Ehre."
  • Das Einsetzen der Ellenbogen oder das Spinnen von Intrigen, um Karriere zu machen, zum Beispiel: Es kann begründet sein in der Vergötzung des Geldes. Ich will unbedingt Karriere machen, koste es, was es wolle, um mehr und mehr Geld zu haben. Daran hängt mein Herz und ich vertraue darauf, dass es mir gut geht, wenn ich das habe. Muss aber nicht. Vielleicht ist mir Geld gar nicht so wichtig, und trotzdem verhalte ich mich so. Deshalb nämlich, weil ich mir von dem Ansehen, dass ich durch meinen Aufstieg gewinne, alles verspreche. Dann wird das Ansehen zu meinem Abgott.
  • Diesen Götzen gibt es - vielleicht besonders häufig und gefährlich - im kirchlichen Bereich. Jesus kritisiert die, die immer obenan sitzen wollen, die gerne in der Öffentlichkeit lange und schöne Gebete sprechen und die gerne öffentlich spenden und Gutes tun, um von anderen gesehen zu werden. Das Ansehen wird zum Abgott und verdrängt damit Gott als den, um den es beim Gottesdienst feiern, beim echten und ernsten Beten und beim sozialen Engagement von Christen doch eigentlich geht.
c) Selbstverwirklichung und Selbstgerechtigkeit
  • Selbstverwirklichung ist sicher einer der populärsten Abgötter unserer Zeit. Ich will unbedingt Ich-selbst sein. Menschen verlieren sich, werden psychisch krank, setzen ihre Ehen aufs Spiel, verlieren alles und versinken in bitterer Armut, um sich selbst zu verwirklichen.
  • Unbedingt man selbst sein wollen, ohne je dazu zu kommen, einfach das Leben zu leben, das Gott uns geschenkt hat, ewig an sich herumzubasteln, im ewigen Streben nach Selbstverwirklichung sich selbst gerade zu verlieren, das nennt Sören Kirkegaard Verzweiflung: verzweifelt man selbst sein wollen (sich selbst erfinden wollen) und dabei gerade verzweifelt nicht man selbst sein wollen (nämlich so, wie man de facto ist).
  • Und auch dazu gibt es eine Parallele im Bereich des Glaubens: die Selbst-Gerechtigkeit. Luther spricht hier von der "höchsten Abgötterei, die wir bisher getrieben haben und die noch immer in der Welt regiert. Sie betrifft das Gewissen, das in eigenen Werken Hilfe, Trost und Seligkeit sucht und Gott den Himmel abzuzwingen sich vermisst. Es berechnet, wie viel es gestiftet, gefastet, Mose gehalten hat u.s.w., verlässt sich darauf und pocht darauf, als wolle es alles selbst mit guten Werken verdienen. Was heißt das anderes als aus Gott einen Götzen, ja einen Apfelgott machen und sich selbst für Gott halten und aufwerfen?"
  • Gott will uns Gerechtigkeit, Vergebung unserer Sünden, Leben in Fülle jetzt schon und in Ewigkeit schenken. Er will, dass wir das alles von ihm erwarten, erhoffen, erbitten und empfangen. Ich bin der Herr dein Gott. Gerechtigkeit, Vergebung und ewiges Leben liegt wie ein Weihnachtsgeschenk für uns vor uns eingepackt auf dem Tisch. Wenn wir, statt es dankbar auszupacken und uns beschenken zu lassen, es liegen lassen und selbst gerecht sein wollen (durch unsere Frömmigkeit, dadurch, dass wir täglich in der Bibel lesen und viel beten, durch unser soziales Engagement, durch die vielen Spenden, die wir geben, durch unseren Einsatz in der Gemeinde...), dann wird die Selbst-Gerechtigkeit unser Gott und nimmt dem Gott, der uns beschenken will, den Platz weg. Lukas 18, 9-14
Und genau hier liegt

III Der Schlüssel zur Befreiung
  • Gott will uns aus aller Abgötterei und aus der Gefangenschaft in der Macht der Götzen Mammon, Ansehen, Selbstverwirklichung und Selbstgerechtigkeit befreien. So, wie er Israel aus Ägypten befreit hat.
  • Wir verfehlen das 1. Gebot gerade dann, wenn wir uns furchtbar anstrengen, es zu halten, wenn wir es verstehen im Sinne von: Puh, ich muss also peinlich darauf achten, dass ich nicht zu sehr am Geld hänge, dass ich nichts Unrechtes tue, um Karriere zu machen, dass ich mich nicht zu sehr in den Vordergrund setze, dass ich mich nicht selbst verwirkliche und dass ich nicht zu fromm bin, um Gott zu gefallen. Darum geht es gerade nicht.
  • Gott will uns Befreiung von allen Abgöttern schenken. Er bietet sie uns an, umsonst und heilsam. In Jesus. Der hat am Kreuz dafür gesorgt, dass Gott uns gerecht spricht ohne jede Leistung, die wir erbringen müssten. Das einzige, was er von uns will, aber das will er wirklich, ist, dass wir uns ganz und allein auf ihn verlassen, an ihn unser Herz hängen und ihm vertrauen.
  • Ich bin der Herr dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir. Das ist eine Einladung. Eine Einladung dazu, dass wir uns entscheiden: Ja, dir allein will ich vertrauen, an dich mein Herz hängen und mich darauf verlassen, dass du alles getan hast, damit ich vor dir bestehen kann. Ich will mich darauf verlassen, dass du mir meine Schuld vergibst, dass du mich gerecht sprichst nicht auf Grund irgendwelcher Leistungen, die ich erbringen muss, sondern auf Grund der Gerechtigkeit Jesu, die du mir anrechnest. Dazu, zu dieser Entscheidung, will uns das 1. Gebot einladen.
  • Und wenn du diese Entscheidung triffst, dann beginnt Jesus in dir zu wirken und dann erfährst du die Befreiung von den Götzen, die dich jetzt noch gefangen halten: sei es das Geld, die Karriere, der Zwang zur Selbstverwirklichung oder was auch immer. Nicht sofort, nicht auf einmal, aber Schritt für Schritt wirst du frei davon Dinge zu Gott zu machen, weil du wächst im Vertrauen auf den einen Gott. Den Mut zu dieser Entscheidung, den Mut dazu, sie auszusprechen und klar zu treffen und die Erfahrung dieser Befreiung von den Abgöttern unserer Welt wünsche ich uns allen.
Amen

Montag, 18. Januar 2010

Warum ziehen sich Frauen aus?

Wie wohl keine Generation vor Ihnen ist die unserer drei Töchter einer völlig entgrenzten Sexualisierung des Alltags ausgesetzt. Ein Beispiel, das mich sehr beschäftigt hat, war eine Pornomesse in Dortmund im Jahr 2008. Um für diese Messe zu werben, haben die Veranstalter buchstäblich jeden Baum in der Umgebung der Stadt mit einem Plakat bestückt. Auf diesem Plakat sah man dann wochenlang neben dem Titel und den Daten der Messe ein Foto. Nicht irgendein Foto, kein erotisches Foto, sondern ein ausgesprochen pornografisches Foto. An jedem Baum der Stadt hing das Foto einer gedemütigten nackten Frau: auf den Knien, ihren Po dem Publikum anbietend.

Ein Beispiel, nicht mehr, für die Sexualisierung unserer Gesellschaft. Ich will nicht prüde sein, aber was mag in einem Kind vorgehen, wie lernt es Sexualität kennen, wenn es an jedem Kiosk, im Fernsehen, an unzähligen Schaufenstern von Erotik-Fachgeschäften ständig und immer mit Pornografie konfrontiert wird? Dass das nicht zu einer Wertschätzung von und Freude an der Entwicklung der eigenen Sexualität führt, zeigt ein Artikel im Stern aus dem Jahr 2009.

Unsere Tochter fragte meine Frau und mich gestern auf dem Weg von Recklinghausen nach Hause recht unvermittelt: Warum ziehen sich Frauen aus? Wir brauchten eine Weile, bis wir verstanden, was sie meinte. Auf unserer Fahrt passieren wir regelmäßig eine Stelle, an der sich ein Erotikkino, eine Table-Dance-Bar und ein Sex-Shop nebeneinander befinden. Die Werbung auf der Straße, die Leuchtreklamen und Plakate machen deutlich: Liebe Männer, kommt rein, hier ziehen sich Frauen für euch aus.

Spontan fiel uns keine gute Antwort auf Leas Frage ein: Da gehts um Geld, um Männer, die keine erfüllte und liebevolle Ehe haben und um Frauen, die das Geld dringend brauchen, die keine andere sinnvolle Arbeit haben, manchmal auch um solche, die dazu gezwungen werden, sich auszuziehen. Hätten Sie eine bessere Antwort gehabt?

Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, unseren Töchtern zu vermitteln und vorzuleben: Frauen ziehen sich aus, wenn sie es wollen und nur dann; wenn sie und ein Mann sich lieben und miteinander glücklich sind, wenn sie sich beieinander geborgen und sicher fühlen und immer zusammenbleiben wollen. Dann wollen sie auch zärtlich miteinander sein und dann ziehen sie sich aus: aus Liebe, aus Zärtlichkeit, aus Lust, aus Freude und nur für sich und diesen einen geliebten Menschen.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Josua - Adonaj hilft

Aufriss einer Kurzansprache beim Espraise-Gottesdienst in der EmK in Recklinghausen am 16. Januar 2010:



  • Harry, hol schon mal den Wagen. Manche von euch kennen sicher noch Derrik, die alte Kult-Krimiserie aus den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Kultstatus hatte nicht nur die Serie an sich, sondern auch und vor allem die Beziehung des Hauptkommissars Derrik zu seinem Assistenten Harry.
  • So eine Art Harry für Mose ist in den ersten Büchern der Bibel dieser Josua, um den es heute geht. Er ist sein Assistent, er geht schweigend mit, er unterstützt Mose, ist ungemein wichtig für ihn, aber er bleibt dabei stets im Hintergrund. Er stiehlt seinem Chef nicht die Show. Und ich stelle mir Josua als genau diesen Typen Harry vor, als den geborenen zweiten Mann im Hintergrund. Exodus 24,12-13
  • Aber Gott wäre nicht der Gott Israels und Jesu, wenn es in der Bibel so liefe wie im spießigen ZDF-Krimi. Gott liebt gerade die Typen im Hintergrund, die Unscheinbaren. Er arbeitet an ihnen und: Er (ge)braucht sie. Josua, dieser Harry, der nur still mitgegangen ist und assistiert hat, wird selbst zum Anführer Israels berufen und tritt damit Moses Nachfolge an. Deuteronomium 31,7-8
  • Ein ganzes Buch, das seinen Namen trägt, erzählt dann davon, wie Josua diese Berufung erfüllt hat: Er führt Israel in Gottes Auftrag in das verheißene Land. Und er ist es, der - Josua 24 - den Bund Gottes mit Israel bekräftigt und neu schließt.
  • In den Versen aus Deuteronomium 31 wird das Grundmotiv sichtbar, dass das Handeln Josuas durchzieht wie ein roter Faden: "Sei getrost und unverzagt. Fürchte dich nicht und erschrick nicht. Der Herr wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen." Josua ist an sich kein Superstar, kein charismatischer Anführer, kein früher Barak Obama, keiner, von dem - wie von Mose - große, weltbewegende Reden überliefert sind. Aber doch gebraucht ihn Gott, traut ihm etwas zu, wird er von Gott als Anführer Israels berufen.
  • Josua wird gerufen zum Vertrauen. Nicht zum Vertrauen auf seine eigene Kraft, auf seine eigenen Begabungen und Fähigkeiten. Er wird gerufen zum Vertrauen auf Gott. Auf ihn soll er sich ganz verlassen und tut es auch. Gott ist mit mir, darauf vertraut Josua, ihm vertraut er sich ganz an. Nichts kann ihn schrecken, auch seine große und schwierige Aufgabe nicht, weil er weiß: Es kommt nicht auf mich an, sondern allein auf Gott.
  • Schon der Name Josua drückt das aus: Jehoschua bedeutet: "Adonaj, der Gott Israels hilft". Und dieser Name verbindet ihn auch mit dem, der das für uns in einzigartiger Weise verkörpert und lebt: mit Jesus, der auch Jehoschua heißt. Er hat dafür gelebt, ist dafür gestorben und auferstanden, dass wir das wissen und darauf allein vertrauen dürfen: Gott hilft und rettet, dich und mich.
  • Wenn du vor Gott bestehen willst, vertraue nicht auf deine eigene Kraft, auf dein gerechtes Leben, auf deine Frömmigkeit oder auf deine Begabungen. Wenn du vor Gott bestehen willst, dann vertraue auf IHN, auf Jehoschua, auf Jesus. So wie Gott dem Josua des ersten Testaments versprochen hat: Ich werde bei dir sein, dich nicht verlassen, so verspricht er dir: Ich nehme dich an, vergebe dir deine Schuld und spreche dich gerecht, weil Jesus für dich Gerechtigkeit erwirkt hat. Alles, was du tun musst, ist auf IHN zu vertrauen. Das aber sollst du auch tun.
  • Und dann kann Gott in dir wirken, wie er in Josua gewirkt hat. Als Mensch des Vetrauens auf Jesus kann er dich (ge)brauchen, um sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens zu bauen, auch dann, wenn du an und für sich ebenso unscheinbar bist und alles andere als ein geborener Anführer wie Josua.

Montag, 11. Januar 2010

Die EmK in Afrika - Anwalt für Hoffnung und Veränderung


So lautete der Titel eines Vortrags, den ich am 6. Januar bei der Distriktsversammlung der EmK in Reutlingen gehalten habe.

Kann eine Kirche eine so anspruchsvolle Aufgabe wahrnehmen? Nein, das kann sie nicht. Der Anwalt für Hoffnung und Veränderung kann nur der Herr der Kirche selbst sein. Wir aber sind "Botschafter an Christi statt" und stehen für diesen Anwalt ein. Der Titel des Vortrags sollte also verstanden werden im Sinne von "Die EmK in Afrika als Botschafter des Anwalts für Hoffnung und Veränderung".

Anhand von vier Schwerpunkten habe ich versucht aufzuzeigen, wie die Kirche in Afrika ihre Mission, für Hoffnung und Veränderung einzustehen, wahrnimmt:

1. Evangelisation
Die Kirche lädt Menschen zum Glauben an Jesus ein und wirbt für eine lebendige und intensive Begegnung mit Jesus. Beispiele sind der Gemeindeaufbau in Malawi oder die Gemeindegründungsarbeit der Kirche in Namibia im Flüchtlingslager Osire.

2. Kampf gegen HIV/AIDS
Die Kirche weiß aus ihrem Leben mit Jesus heraus wie kaum eine andere Institution in der Gesellschaft (nicht nur in Afrika) um die Bedeutung von Themen wie Schuld, Vergebung, Neuanfang und Umkehr. Deshalb kann sie mit HIV/AIDS ganz anders umgehen als andere.

Die Kirche hat HIV/AIDS, so lautet ein Slogan der Methodist Church in Southern Africa, anknüpfend an das Paulus-Wort aus dem 1. Korintherbrief: "Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit." So ist die HIV/AIDS-Arbeit der Kirche geprägt von einer Identifikation mit den Betroffenen, den Leidenden.

Die Kirche kann viel beitragen zur Aufklärung und Vorbeugung, besonders unter Jugendlichen, zur Entstigmatisierung der Betroffenen, sie kann praktische und seelsorgerliche Hilfe leisten und sie kann ihnen eine Stimme im öffentlichen Diskurs geben.

Beispiele aus unserer Arbeit sind die HIV/AIDS-Projekte der Kirche in Südafrika sowie die HIV/AIDS-Workshops für Jugendliche in Sierra Leone und Liberia.

3. Kinder und Jugendliche

Sehr früh übernehmen Kinder in Afrika Verantwortung für sich selbst und für ihre Familien. Sehr früh sind sie mit der sorge um das Überleben und im ihre Existenz beschäftigt. Deshalb ist die Hinwendung Jesu zu Kindern für die Kirche in Afrika in besonderer Weise Auftrag zu eigenem Handeln.

Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, Kinder zu sein. Und sie sollen eine gute Ausbildung bekommen, die sie sich leisten können.

Beispiele sind die Vorschul- und Schulprojekte in Mosambik und Namibia.

4. Frauen und Mädchen

Frauen sind in vielen teilen Afrikas in besonderer Weise bitterer Armut und geschlechtsspezifischer Unterdrückung ausgesetzt. Die Kirche kann in der Nachfolge Jesu Frauen Wertschätzung entgegenbringen, sie ermutigen und stärken und ihnen helfen, Selbstvertrauen zu entwickeln.

Beispiele sind hier die Frauen-Ausbildungsprojekte in Liberia und Sierra Leone.

Es ist wahr: Die Kirche selbst kann nicht Anwalt für Hoffnung und Veränderung sein. Das wäre eine Selbstüberschätzung. Aber sie kann in der Nachfolge Jesu teilhaben an seinem Handeln, an seiner Mission und so für die Hoffnung und Veränderung, die von ihm ausgeht, einstehen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Gemeindeaufbau in Kaliningrad - Ein Reisebericht


Auf der Homepage der EmK-Weltmission befindet sich hier mein Bericht über meine Reise nach Russland im vergangenen Oktober. Immer noch bin ich beeindruckt von der besonderen Frömmigkeit, die ich in den Gemeinden erlebt habe: Bibelstudium in Kleingruppen, die den Einzelnen helfen sollen, geistlich zu wachsen, Gottesdienste mit gemeinsamem Essen im Anschluss, um Gemeinschaft zu erleben und zu fördern, ein starkes evangelistisches Engagement und viel praktische soziale Arbeit unter den Armen und am Rand der Gesellschaft Lebenden.

Die Mitte der Gemeinden, das, was sie ausmacht, sind die Kleingruppen, die "Zellen", wie sie genannt werden. Jede und jeder soll eine Kleingruppe haben, zu der er oder sie verbindlich gehört und die sich regelmäßig trifft: zum Lernen, zum Austausch, zum gemeinsamen Nachdenken über die Bibel und den Glauben, zum Entwickeln neuer Ideen und für gemeinsame Aktionen. Ein Gemeinde-Modell auch für uns?

Samstag, 9. Januar 2010

Losungen oder Lösungen

Unserer Tochter Lea haben wir zu Weihnachten ihre erste eigene Ausgabe der Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine geschenkt. Sie ist jetzt 10 Jahre alt und geht in die fünfte Klasse. Das, dachten wir, ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem regelmäßigen Lesen in der Bibel anzufangen. Die Losungen als "kleine Ration Bibel" für jeden Tag, die zugleich ja immer eine Einladung sind, den Zusammenhang in der Bibel selbst zu lesen, schienen uns genau richtig für eine Zehnjährige. Dazu kam, dass die Herrnhuter nun im zweiten Jahr eine spezielle Ausgabe für junge Leute anbieten, die es ihnen erleichtert, sich einzufinden.

Meiner Frau Daniela und mir selbst bedeuten die Losungen sehr viel. Für mich persönlich sind sie seit Jahren die Grundlage meiner täglichen Bibellese. Oft haben sie uns in schwierigen Zeiten Mut gemacht, uns an das, was unseren Glauben an Jesus im Kern ausmacht, erinnert, uns ermahnt ... Kurz: Die Losungen helfen uns, geistlich zu wachsen und Jesus immer wieder neu zu begegnen und nachzufolgen.

Lea hat ihr Buch begeistert aufgenommen. Morgens liest sie meist die kurzen Texte und macht sich, wie das Buch es anbietet, ein paar Notizen oder schreibt sich eine Frage auf. Und abends nach dem Essen lesen wir alle gemeinsam als Familie noch einmal die zwei Verse und tauschen uns kurz darüber aus. Ich glaube, wir alle empfinden das als Gewinn für unser Familienleben.

Witzig ist, dass Lea vom ersten Tag an nicht "Losungen" sagt, sondern konsequent "Lösungen". Zunächst habe ich gedacht, sie verspricht sich oder sie versteht nicht, dass es sich um Losungen im buchstäblichen Sinn handelt. Aber mittlerweile glaube ich das nicht. Für sie sind es Lösungen. Und stimmt das nicht auch irgendwie? Manchmal habe ich das selbst auch so erfahren. Die Verse und das tägliche Bibellesen könnenlösen: Probleme, Verspannungen, Erstarrungen im Glauben. Und sie können aus-lösen: Neubesinnung, Aufbrüche, neues Nachdenken, Erkenntnisse, Staunen, manchmal auch Ärger...