Freitag, 17. Oktober 2014

Domführung in Paderborn - Noch Plätze frei

Am kommenden Mittwoch, den 22. Oktober, besuchen wir mit einigen Leuten aus der EmK Detmold den Hohen Dom zu Paderborn. Wir haben eine Führung durch den Dom gebucht, für die noch einige wenige Plätze frei sind. Die Führung beginnt um 15 Uhr 15 und wird pro Teilnehmer(in) etwa 4 bis 5 Euro kosten.

Interessiert? Dann melde dich bei Uwe Hanis, detmold@emk.de oder 05231-23297

Donnerstag, 18. September 2014

Einheit statt Uniformität

Paulus schreibt: „Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Ge­duld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einig­keit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ 
(Epheser 4,1-6)

So richtig gerne ermahnen lassen wir uns nicht, stimmts? Auch nicht von Paulus. Ich zumindest nicht. Ermahnung, das klingt mir zu sehr nach erhobenem Zeige­finger, und ich muss unwillkührlich an meine Mutter denken, die mich nie aus dem Haus gehen ließ ohne die Frage: „Junge, hast du auch ein Unterhemd an?“ Heute kann ich darüber schmunzeln, aber damals...

Trotz meiner Abneigung gegen erhobene Zeigefinger will ich die Worte des Apostels auf mich wirken lassen. Ihm geht es um die Einheit der Gemeinde – um die „Einig­keit im Geist“.

Einigkeit, das bedeutet ja nicht Uniformität und Gleichschritt. Mit Kollektivismus und Zwang hat das paulinische Verständnis von Einheit nichts zu tun. Es geht um die Einheit der Freien, oder besser: um die Einheit der von Christus Befreiten.

Da werden wir nicht in eine Uniform gezwungen (auch nicht geistlich) oder in eine Schablone gepresst, und wir müssen auch nicht in Reih und Glied marschieren. DIESE Einheit, die Einheit in Christus, entsteht, wenn wir so sein dürfen, wie wir sind, und die Freiheit haben, die anderen eben auch so zu lieben, wie sie sind. Dazu ermutigt uns Paulus – einander selbstbewusst zu „ertragen in Liebe“. Was uns verbindet und eins macht, ist ja keine gleichmacherische Ideologie, sondern der eine Herr, der uns zu seinem Leib in der Welt macht: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

So wird dann die Ermahnung für mich bei genauerem Hinsehen zur Ermutigung: Du darfst frei sein, weil Christus dich befreit hat. Mach kräftig Gebrauch von deiner Freiheit und genieße es, andere, die es anders machen, auch zu respektieren. Liebe sie, gerade weil sie anders sind. Du musst sie dir nicht gleich machen wollen, um eins mit ihnen zu sein. Die wahre Einheit liegt in  der liebevoll respektierten Vielfalt.

Dienstag, 9. September 2014

Herzliche Einladung zur Freizeit des Kirchlichen Unterrichts (im Distrikt Essen)

KU-Freizeit Herbst 2014

8.-10. Oktober
in Recklinghausen

„Gemeinsam unterwegs!“


Wann? Mittwoch, 08.10.14, 17 Uhr bis Freitag, 10.10.14, 14 Uhr

Wo? EmK Recklinghausen, Limperstraße 34, 45657 R'hausen

Was? Zusammen singen, beten, feiern, Gemeinschaft finden, reden und und und

Wie teuer? 60 Euro pro Person

Und das Beste ist: DU BIST HERZLICH EINGELADEN!

Die teilnehmenden Jugendlichen sollten gebracht und abgeholt wer­den. Ein Abholdienst vom Bahnhof Recklinghausen ist nach Absprache möglich.

Leitung: Pastorin Ruthild Steinert und Pastor Uwe Hanis, Fon 0163-3736467

Mitzubringen sind:

  • Schlafsack und ggf. Luma
  • Kleidung (auch für Regen), Waschzeug, Handtücher
  • feste Schuhe
  • Hausschuhe
  • Bibel und Schreibzeug
  • Krankenkassenkarte!!

Wenn du ein Instrument spielst, kannst du es gerne mitbringen. Auch  Gesellschaftsspiele sind willkom­men.

Anmeldung:

Die verbindliche Anmeldung kann bis zum 30. September per Telefon oder E-Mail – gerne auch durch die Pastorin oder den Pastor – bei

Uwe Hanis
Mühlenstraße 16
32756 Detmold
05231-23297
detmold@emk.de
erfolgen.

Bei Ankunft in Recklinghausen soll­test du dann den Teilnahmebeitrag von 60 € und die ausgefüllte und un­terzeichnete Anmeldung (Rückseite) dabeihaben.

Dienstag, 26. August 2014

Was bedeutet für uns in der Immanuelkirche Detmold "Evangelisch-methodistische Kirche"?

Evangelisch-methodistisch: 
Was ist das denn? 

Evangelisch ist ja noch klar: Wir verstehen uns als Teil der evangelischen Kirchenfamilie, die in der Reformation ihren Ausgang nahm. Aber methodistisch? Was soll das heißen?

Methodistisch, das war zunächst eine spöttische Bezeichnung für eine Gruppe von Studenten um John und Charles Wesley in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England. Die Gruppe fiel durch einen konsequenten Lebensstil und eine hohe Disziplin auf. Neben intensivem Bibelstudium und gemeinsamem Beten waren ihnen vor allem die praktischen Dienste an Armen, Kranken, Arbeitslosen und Gefangenen wichtig. Deshalb wurden sie als Methodisten ver­spottet.

Aus der kleinen Studentengruppe wurde bald eine Erweckungsbewe­gung, die das Leben vieler Men­schen veränderte. Innerhalb weni­ger Jahrzehnte entstand daraus eine weltweite Kirche.

Heute gehören mehr als 70 Millio­nen Menschen weltweit zu einer methodistischen Kirche. Unsere Gemeinde gehört der United Me­thodist Church an, die sich im deutschen Sprachraum Evange­lisch-methodistische Kirche nennt.

Typisch methodistisch

Der Methodismus ist

  • eine Missionsbewegung

Die Liebe Gottes will alle Men­schen erreichen. Deshalb verste­hen wir es als unsere wichtigste Aufgabe, neue Menschen mit der Liebe Got­tes in Berührung zu bringen. Das ist unsere Mission, also unsere Sendung. Unser Gemein­deleben soll dem Ziel dienen, Men­schen mit der Liebe Gottes zu er­reichen. Ob es das tut, ist eine kritische Anfrage, die wir immer wieder an uns selbst richten wollen.

  • eine soziale Bewegung

Von Anfang an kennzeichnet es die methodistische Bewegung, dass Glaube und soziales Engagement zusammengehören. Die Menschen mit der Liebe Gottes in Verbindung bringen – das heißt für uns auch, uns für Kranke, Arme und Ausge­grenzte einzusetzen und  praktisch zu helfen, wo immer wir es kön­nen.

  • eine Heiligungsbewegung

Wir sind überzeugt davon (und erfahren es an uns selbst), dass Gottes Geist jeden Menschen im Sinne der Liebe Jesu verändern kann. Diese Veränderung nennen wir Heiligung. Niemand muss blei­ben, was er jetzt gerade ist.

Und: Gottes Geist verändert nicht nur Einzelne, sondern durch sie auch die Ge­sellschaft. Persönliche und soziale Heiligung gehören für uns deshalb zusam­men.

„Die Kirche hat den Auftrag, Men­schen zu Jüngern und Jüngerinnen Jesu Christi zu machen, damit durch sie die Welt verändert wird.“ (Verfassung, Lehre und Ordnung der Evang.-meth. Kirche)

Was unsere Gemeinde ausmacht

Wichtig ist uns vor allem: Uns sind alle Menschen willkom­men: gleich ob Christen oder Nichtchristen, Alte oder Junge, Behinderte oder Nichtbehinderte, Familien oder Singles, Wohlhabende oder Arme... Wir wollen ein Ort der Begegnung auf Augenhöhe und der Freundschaft sein. Unser Ziel ist es, dass Menschen bei uns die Erfahrung machen, von Gott angenommen und gewollt zu sein.

Lust, vorbeizukommen?

  • Gottesdienst für alle Gene­rationen an jedem Sonntag um 10 Uhr
  • Kostenloses Mittagessen für alle an jedem 1. Sonntag im Monat um 11 Uhr 45
  • Kostenloses Abendessen für alle an jedem Donners­tag um 18 Uhr
  • Viele Kleingruppen (Chor, Hauskreise, Seniorenkreis, Frauenfrühstück...), in de­nen man andern begegnen und Freunde finden kann.

Dienstag, 22. Juli 2014

Über das Gebet der Sammlung / die Meditation

1.) Warum wir meditieren

(Ich beziehe mich in diesem Artikel vor allem auf die Art der Meditation, wie sie von Thomas Keating und anderen als Centering Prayer gelehrt wird. Weitere Infos zum Beispiel auf der Website www.contemplativeoutreach.org)

Es gibt nicht nur eine Art zu beten, sondern viele, stimmt`s? Manche davon sind sehr verbreitet und werden häufig geübt, andere dagegen weit weniger.

Wir im Westen zum Beispiel kennen vor allem das gesprochene Gebet. Beten ist demnach der Ausdruck unserer Gefühle und Gedanken in Worten vor Gott. Oder einfacher: Beten ist Reden mit Gott (meistens dann doch relativ einseitig verstanden im Sinne von Reden zu Gott).

Das Beten als Stillsein und Sich-Versenken in Gott dagegen, das ich Meditation nenne, ist in den Kirchen des Westens jahrhundertelang gar nicht oder nur sehr wenig gelehrt und geübt worden. Es ist in unsern Gemeinden deshalb heute weitgehend unbekannt.

Dabei hat die Meditation im Christentum eine lange Geschichte. Sie geht zurück auf die Wüstenmütter und -väter des 3. und 4. Jahrhunderts nach Christus. Sie wollten der Lehre Jesu vom Gebet in der Bergpredigt folgen:

"Wenn du betest, dann geh in deine Kammer und schließ die Tür zu. Dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist." (Matthäus 6,6).

Und dort bete dann ohne "viele Worte", denn 

"euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Matthäus 6,7f.)

Konsequent suchten deshalb die Wüstenmütter und -väter die Vereinigung mit Gott in der Stille und im Schweigen oder im beständigen Rezitieren eines einzigen einfachen und schlichten Gebetsrufes. Das, was sie dabei erstrebten, war Hesychia - griechisch für "Ruhe" oder "gelassene Stille" in Gott.

Im Westen jedoch, wie gesagt, blieb diese alte christliche Tradition lange Zeit verborgen. Erst im 20. Jahrhundert, als viele junge Menschen in der westlichen Welt sich in ihrem Hunger nach lebendiger Spiritualität östlichen Meditationspraktiken zuwandten, wurde auch die meditative Tradition des Christentums auf verschiedenen Wegen wiederentdeckt:

  • Das Jesusgebet der Ostkirche verbreitete sich auch im Westen immer mehr, im deutschen Sprachraum v.a. durch das Werk Emmanuel Jungclaussens. Heute beten viele Menschen täglich das "Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner" oder den schlichten Ruf "Jesus Christus"
  • Die Bücher von Peter Dyckhoff über das Ruhegebet als Frühform des Jesus- oder Herzensgebetes erfreuen sich v. a. im katholischen Raum großer Beliebtheit. 
  • Das Herzensgebet wird von unterschiedlichen Schulen in Wochenendkursen und Exerzitien gelehrt und findet immer mehr Menschen, die es regelmäßig üben. 
  • Aus der "christlichen Meditation" von John Main, Laurence Freeman und der Weltgemeinschaft für christliche Meditation WCCM sind hunderte Gebetsgruppen in der ganzen Welt entstanden - eine überkonfessionelle Bewegung der Meditation als "Monastery without Walls"
  • Das Gebet der Sammlung oder Centering Prayer von William Menninger, Basil Pennington und heute v.a. Thomas Keating zieht weite Kreise und findet viele Menschen, deren Gebets- und Glaubensleben es bereichert, indem es sie mit dem kontemplativen Gebet vertraut macht. 
Alle diese Formen der Meditation haben im einzelnen unterschiedliche Ansätze. Aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie nehmen die Tradition des kontemplativen Gebetes der Wüstenmütter und -väter auf und entwickeln sie für die Menschen heute zu einer zeitgemäßen Form der christlichen Meditation weiter.

Denn viele von uns heute haben große Sehnsucht nach lebendigen und ganzheitlichen spirituellen Erfahrungen. Sehnsucht nach einer Beziehung zu Gott, die über das Reden und Denken hinausgeht, die auch das Herz und nicht nur den Kopf umfasst - Sehnsucht nach Freundschaft mit ihm, der die Quelle unseres Lebens selbst ist. Und viele von uns, in- und außerhalb unserer Gemeinden, haben Sehnsucht nach echter innerer Ruhe, die aus der Verbindung zu Gott fließt - nach tiefer Ruhe mitten in unserem von Hektik und schnellem Wandel geprägtem Leben. 

Der Glaube lehrt uns: Gott, der im Geist seines Sohnes in uns ist und in uns wirkt, streckt sich uns voller Sehnsucht entgegen. Er ist uns nahe - er ist überall um uns herum und er ist in uns -, uns näher als wir selbst es sind. Er ist tatsächlich erfahrbar und er will uns die Ruhe, nach der wir uns so sehnen, schenken - tiefe innere Ruhe in der Freundschaft zu ihm -, wenn wir nur still werden und lernen, auf unsere Gedanken und Worte zu verzichten und uns der Kraft der Liebe zu öffnen und anzuvertrauen, die von ihm ausgeht. "Sei still und erkenne, dass ich Gott bin," nennt das der Psalmbeter (Psalm 46,10) Genau darum aber geht es in der Meditation. 

2.) Was Meditation nicht ist

Meditation ist kein Ersatz für andere Formen christlicher Praxis. Sie will auch andere Formen des Betens nicht ausschließen, sondern im Gegenteil sie beleben und in neuem Licht erstrahlen lassen. Sie gehört ihrem Wesen nach immer in den Gesamthorizont christlichen Lebens und kann nur dann reifen und uns verwandeln, wenn sie begleitet ist vom Lesen und Bedenken der Bibel, von der Teilhabe an christlicher Gemeinschaft und am Gottesdienst und von tätiger Liebe zu unsern Mitgeschöpfen. Mit anderen Worten: Kontemplation, die Versenkung in Gott im Gebet der Sammlung, und Aktion als aktives Leben des Glaubens gehören notwendig zusammen. 

3.) Wie wir meditieren können

Meditation ist ihrem Wesen nach einfach. Jeder Mensch kann meditieren. Alles, was wir dazu brauchen, ist unser Wille, es regelmäßig zu tun - am besten täglich, wenn möglich einmal am Morgen und einmal am Abend für jeweils etwa 20 Minuten. 

Diese Zeit schenken wir Gott und der Vertiefung unserer Freundschaft zu ihm. Wir wollen in dieser Zeit nichts erreichen und nichts erbitten, sondern einfach bei ihm sein - in Liebe und Zuneigung mit ihm zusammensein und ihn in uns wirken lassen. Meditation heißt: sich selbst loslassen und sich Gott, der Quelle des Lebens, hinhalten, ohne etwas erreichen zu wollen. Das tun wir, indem wir sowohl an unserm Leib, als auch an unserm Geist still werden. 

a) Aufrecht dasitzen

Wir beginnen die Meditationszeit, indem wir uns aufrecht hinsetzen und, wenn wir wollen, uns bekreuzigen "im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". Dann können wir Gott kurz mit einem freien Gebet ansprechen, zum Beispiel: "Lieber Vater, danke, dass du mir nah bist und in mir wirkst. Die nächsten 20 Minuten will ich ganz dir schenken. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Mache mit mir, was du willst. Amen."

Dann sitzen wir einfach still und mit aufrechtem Rücken da. Wir schließen sanft die Augen und legen buchstäblich die Hände in den Schoß. Jetzt müssen wir nichts leisten. Wir sind einfach da vor Gott. Einfach bei ihm, unserm guten Freund. So wird unser Leib still. 

b) Ein Gebetswort innerlich sprechen

Um ungeteilt bei Gott zu sein und nicht von Gedanken, Geräuschen oder anderen Dingen abgelenkt zu werden, nehmen wir ein einfaches und kurzes Gebetswort mit in die Meditation. Das kann zum Beispiel eine Anrede Gottes oder des Sohnes Gottes sein, die uns besonders zusagt: "Jesus", "Christus", "Jesus Christus", "Adonaj", "Vater" oder "Abba"... Wir entscheiden uns für ein Gebetswort. Indem wir es innerlich sprechen und wiederholen, richten wir unser Inneres während der Meditation immer wieder neu auf Gott aus.

Am Anfang unserer Praxis dürfen wir dabei ruhig ein wenig experimentieren, bis wir unser Gebetswort gefunden haben. Dann aber sollten wir dabei bleiben und es nicht allzuoft wechseln, damit es in unsern Herzen Wurzeln schlagen kann. 

Dabei müssen wir unser Gebetswort während der Meditation nicht mechanisch in einem bestimmten Rhythmus wiederholen, sondern dürfen es einfach innerlich sanft und liebevoll so sprechen, wie es zu uns passt. Am Anfang der Meditationszeit wird das vielleicht häufiger und in einem schnelleren Rhythmus sein, nach einigen Minuten vielleicht langsamer und mit größeren Pausen. Vielleicht entgleitet uns das Wort irgendwann auch für einige Zeit ganz und macht tiefer innerer Ruhe Platz. Wie auch immer. Wir überlassen uns unserm Wort und in ihm Gott selbst, und wir erleben, wie es uns in immer tiefere Ruhe führt.

c) Gedanken ziehen lassen

Wichtig ist nur: Immer dann, wenn uns Gedanken, Geräusche, Vorstellungen oder Gefühle ablenken, wenn wir also merken, dass wir irgendwelchen Ablenkungen nachgehen oder uns in sie verlieren, kommen wir einfach sanft zu unserm Gebetswort zurück und nehmen es wieder auf, indem wir es erneut innerlich sprechen.

Dass in der Stille Gedanken kommen, ist ganz natürlich und unvermeidlich. Wir sollten deshalb nicht gegen sie kämpfen oder versuchen, sie zu unterdrücken. Das wäre sinnlos und würde uns außerdem erst recht ablenken. Aber wir sollten uns eben auch nicht auf die Gedanken einlassen und ihnen nachgehen, sondern wir dürfen sie einfach ziehen lassen und uns erneut innerlich ganz Gott zuwenden. Das tun wir, indem wir immer dann, wenn wir uns in Gedanken vorfinden, wieder sanft zu unserm Gebetswort zurückkehren und es innerlich sprechen und wiederholen. 

So sitzen wir da - still und ruhig - nur wir mit unserem Gebetswort vor Gott. Immer, wenn wir abgelenkt werden, kehren wir zurück in die Stille vor Gott, indem wir unser Wort innerlich wieder aufnehmen. 

d) Die Meditation beenden

Am Ende der Meditation, also nach etwa 20 Minuten, lassen wir unsere Augen noch einen Moment geschlossen. Wir hören auf, innerlich unser Gebetswort zu sprechen, aber wir genießen noch einen Moment die Stille. Vielleicht wollen wir jetzt langsam und aufmerksam ein Vaterunser sprechen oder Gott in freien Worten danken für seine Gegenwart und Nähe. Vielleicht ist die Zeit nach der Meditation der richtige Moment, um die Losungen oder einen andern Bibeltext zu lesen und in uns aufzunehmen. Was auch immer unser Weg ist: Der Übergang von der Meditation zum tätigen Leben sollte nicht schlagartig und plötzlich erfolgen, sondern ruhig und langsam, um möglichst viel von der Ruhe der Meditation mit in den Alltag zu nehmen. 

4.) Was Meditation bewirkt

Meditation, wenn wir sie täglich üben, kann uns verändern. Sie kann uns ruhiger und gelassener werden lassen und sie kann dazu beitragen, dass uns Gottes Gegenwart in unserm Leben und seine Freundschaft immer bewusster wird. Gott kann unser Stillhalten in der Meditation nutzen, um an uns zu arbeiten und uns zu prägen, uns immer mehr mit seiner Liebe zu durchdringen. Die Verbundenheit mit der Quelle des Lebens, die wir in der Meditation erfahren, wirkt sich in unserem Leben aus. Aber all das braucht Zeit - Zeit regelmäßiger Übung. 

Wir sollten die Meditation deshalb nicht nach einer Übung oder nach ein paar Tagen auswerten und beurteilen, sondern eine Zeit lang einfach regelmäßig üben und warten, was Gott durch sie mit uns macht. Meine Erfahrung ist: Ganz von allein sprechen uns nach einer Weile Menschen an, die bemerken, dass wir uns verändert haben - ruhiger geworden sind oder gelassener oder liebevoller, weniger reizbar oder ähnliches. Versuch es einfach, hab Geduld mit dir und vertraue auf die Kraft der Stille, in der Gott an dir handelt. 

Freitag, 30. Mai 2014

Über das Gebet der Sammlung - Von Basil Pennington

Von Basil Pennington, übersetzt von Uwe Hanis
Quelle: http://imagodeicommunity.ca/on-spiritual-issues/on-centering-prayer-by-fr-basil-pennington/

Das Gebet der Sammlung ist ein sehr einfacher Gebetsweg. Er kann von allen Menschen gegangen werden, die mit Gott zusammensein und seine Liebe und Gegenwart erfahren wollen. Das Beten führt uns auf einen Weg vom Verlangen nach Gemeinschaft mit Gott zur Erfahrung Seiner Gegenwart.

Als erstes setzen wir uns ruhig hin. Die meisten von uns können am besten im Sitzen beten. Es ist dir aber freigestellt, die Gebetshaltung zu wählen, die dir zusagt. Der Rücken sollte dabei möglichst gerade aufgerichtet sein. Wenn wir dann sanft unsere Augen schließen, beginnen wir sofort, ruhiger zu werden. Eine große Menge psychischer Energie verbrauchen wir nämlich normalerweise beim Sehen.

Wenn wir so sitzen und etwas ruhiger geworden sind, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Herrn, der in uns gegenwärtig ist. Wir wissen, dass Er in uns ist, weil wir es glauben. Wir wissen es, weil Er es gesagt hat. In Liebe wenden wir uns Ihm zu. Für zwanzig Minuten gehören wir allein Ihm. Er kann mit uns tun, was Er will. Dieses Gebet ist reines Geschenk: Wir schenken Ihm uns selbst in Liebe.

Um ruhig und aufmerksam bei unserem Geliebten verweilen zu können, gebrauchen wir ein Wort der Liebe, ein einfaches Gebetswort. Es soll unser Verlangen danach, mit dem Herrn zusammen zu sein, unsere Liebe zu Ihm ausdrücken. Dazu eignet sich gut der Name des Herrn, der uns am liebsten ist: Jesus, Herr, Vater, Liebe... - der Name, der uns am bedeutsamsten ist. Wir lassen das Wort einfach innerlich da sein, um unsere Aufmerksamkeit bei Ihm zu halten. Nicht als angestrengtes Rufen oder krampfhaft wiederholtes Mantra, sondern mehr wie ein leiser Seufzer oder ein liebevolles Murmeln. Das Wort darf einfach da sein.

Wann immer während der Gebetszeit wir auf irgendetwas anderes aufmerksam werden, gebrauchen wir einfach unser Wort, um zum Herrn zurückzukehren. An manchen Tagen werden wir es fast ständig gebrauchen müssen, weil eine Menge Aufregung um uns herum oder in uns ist. Das macht nichts. Wann immer wir unser Wort gebrauchen und zu Ihm zurückkehren, ist das ein vollkommenes Geschenk unser selbst an Ihn in Liebe. An anderen Tagen werden wir unser Wort kaum gebrauchen müssen. Auch gut. Das macht wirklich keinen Unterschied. Diese zwanzig Minuten gehören ganz einfach Ihm, um damit zu tun, was Er will. Wir suchen darin nichts für uns selbst und erwarten nichts. Das Gebet ist reines Geschenk. Wir wollen in diesen zwanzig Minuten nichts erleben. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt Ihm. Außerhalb der Gebetszeit werden wir den Unterschied sehen. Wir werden sehen, wie die Früchte des Geistes wie Liebe, Frieden, Freude und Freundlichkeit beginnen, sich in unserem Leben auszubreiten.

Am Ende unserer zwanzig Minuten wollen wir nicht hektisch in unsere Aktivitäten zurückspringen. Unser Gebet hat uns in die Tiefe geführt, auch wenn wir das vielleicht gar nicht deutlich gemerkt haben. Deshalb wollen wir es möglichst sanft beenden. Ich schlage vor, innerlich ganz langsam das Vaterunser zu beten. Sprich jedes Wort langsam und aufmerksam und mach dir seine ganze Bedeutung bewusst. Der Herr kann uns mit dem Vaterunser eine Menge lehren. Und der tiefe Frieden des Gebets der Sammlung wird sich in unser aktives Leben hinein ausbreiten.

Das Gebet der Sammlung ist ein Gebet der Erfahrung. Wir können es nur durch Erfahrung kennenlernen. Triff am besten eine Vereinbarung mit dir selbst, dass du das Gebet treu, zweimal am Tag, dreißig Tage lang übst. Dann frage dich ehrlich, ob das Gebet Frucht in deinem Leben trägt. Vielleicht nimmst du einen Freund dazu, denn andere sehen manchmal mehr als wir selbst. Wenn die Art und Weise, in der du vorher gebetet hast, mehr Frucht getragen hat, dann kehre zu ihr zurück. Aber wenn das einfache Gebet des Hörens, der aufmerksamen Liebe einen guten Einfluss auf dich hat, dann mach damit weiter. Wichtig ist, dass wir regelmäßig beten und Gott erlauben, das zu sein, was er sein will: die Quelle der Liebe, des Lebens, des Friedens und des Glücks für jeden von uns.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Christliche Meditation nach John Main - Teil 2

(Aus dem Buch "Radical Simplicity" von John Main - übersetzt von Uwe Hanis)

Die Berührung mit deinem Geist

Mehr und mehr Männer und Frauen in unserer Gesellschaft beginnen, zu verstehen, dass unsere persönlichen Probleme, genau wie die, denen wir als Gesellschaft gegenüberstehen, im Kern spiritueller Natur sind. Sie sehen, dass der menschliche Geist in materiellem Erfolg oder materiellem Wohlstand allein keine Erfüllung findet. Materieller Erfolg und Wohlstand sind nicht schlecht an und für sich, aber sie reichen einfach nicht aus, um den Menschen die Antworten zu geben, die sie brauchen. 

Viele empfinden, dass der Materialismus, in dem wir leben, ihren Geist förmlich erstickt. Viele sind frustriert, weil sie genau fühlen: Wir leben für Besseres als das. Wir wurden für Größeres erschaffen als dazu, nur zu überleben. 

Um uns selbst kennenzulernen, um uns zu verstehen, um dadurch fähig zu werden, unsere Probleme wirklich anzugehen, müssen wir in Berührung mit unserem Geist kommen. Erst wenn wir uns als spirituelle Wesen verstehen, verstehen wir uns selbst. Nur die Berührung mit unserem Geist kann uns die Tiefe und die Breite geben, die wir brauchen, um die Bedeutung unserer Erfahrungen zu verstehen. Erfahrung ist nur dann nützlich und hilft uns weiter, wenn wir sie auswerten können. Aber oft genug machen wir Erfahrungen, die uns eigentlich helfen könnten, aber können sie nicht auswerten und fruchtbar machen. 

Die monastische Tradition hat dazu etwas zu sagen: Wenn wir uns selbst verstehen und wissen wollen, wer wir wirklich sind, dann müssen wir in Kontakt mit unserem inneren Zentrum kommen. Solange wir nicht auf diesem Weg zu unserem Zentrum sind, bleiben alle Erfahrungen nur oberflächlich.

Der Weg  in unsere Mitte ist nicht schwer. Er ist sogar sehr leicht. Er braucht nur unser ernsthaftes Wollen und Engagement. Der Weg der Meditation ist einfach. Alles, was von uns verlangt wird, ist mit Leib und Geist so still wie möglich zu sein. 

Den Leib bringen wir in die Stille, indem wir einfach still dasitzen. Also: Wenn du mit der Meditation beginnst, nimm die einen Moment Zeit, um dich bequem hinzusetzen. Nur halte deinen Rücken dabei so aufrecht wie möglich. Dann beginnt der Weg zur Stille des Geistes, indem du lernst, innerlich, in der Tiefe deines Geistes dein Wort oder deinen kurzen Vers zu sagen. 

Die Kunst der Meditation liegt einfach darin, dass du lernst, dein Wort immer und immer wieder zu sagen. Bewege dabei nicht deine Lippen, sondern wiederhole es rein innerlich. Es ist wichtig, dass du dein Wort von Anfang bis Ende der Meditation wiederholst. 

Meditieren lernen heißt lernen, die eigenen Gedanken, Ideen und Vorstellungen gehen zu lassen und in der Tiefe deines Seins zu ruhen - wach, aber still. Versuche, dir das immer zu merken. Denke nicht nach und gebrauche keine anderen Wörter als dein Gebetswort. Stell dir nichts vor. Sprich einfach sanft dein Wort in der Tiefe deines Geistes und höre ihm zu. Richte d eine ganze Aufmerksamkeit auf dein Wort. 

Warum hat das so viel Kraft? Weil es uns den Raum gibt, den unser Geist braucht, um zu atmen. Es gibt uns den Raum, indem wir wir selbst sein können. Wenn du meditierst, musst du dich für dich selbst nicht entschuldigen und du musst dich nicht rechtfertigen. Du kannst einfach du selbst sein.