Donnerstag, 30. April 2015

Nicht immer, aber immer öfter: Collarhemd

Bis vor gar nicht langer Zeit war die Sache für mich klar: Das Collarhemd steht für ein "High Church"-Kirchenverständnis und für ein priesterliches Selbstverständnis dessen, der es trägt. Pastoren, die Collar tragen, betonen den Abstand ihrer selbst zur Gemeinde und halten sich möglicherweise sogar für "was besseres". Das war mein Bild, und mein Misstrauen war Collarträgern deshalb stets gewiss.

Irgendwann hab ich mich dann mal länger mit einem der Kollegen unterhalten, die man fast immer mit Collar sieht. Der Kollege hat erzählt, wie es ihm damit ergeht. Wir haben viel gelacht und: Es ist ihm gelungen, mich neugierig zu machen. Bis dahin hatte ich selbst Collarhemden - wenn überhaupt - im Gottesdienst getragen. Aber nun wollte ich es einfach mal probieren, das auch außerhalb zu tun.

Gesagt, getan: Am nächsten Tag saß ich also mit Collarhemd in meinem Stammcafe, ging damit durch die Fußgängerzone und nahm bewusst den Bus auf dem Weg zu einem Hausbesuch. Und was soll ich sagen? Die Erfahrungen, die ich machte, waren bemerkenswert:

  • Ich war für die Menschen erkennbar als Vertreter der Kirche. Das Collarhemd ist eine Art Signal: Ja, ich komme von der Kirche. Und: Ja, ich bin darauf auch ansprechbar, wenn du das willst. 
  • Im Cafe setzte sich jemand zu mir. "Darf ich Sie was fragen?" Schnell entwickelte sich ein Gespräch über den Glauben. 
  • Im Bus sprach mich ein Flüchtling an, der erst seit kurzem hier in der Stadt lebt. Zuhause habe er immer in einem Neuen Testament gelesen, das er aber nach Deutschland nicht mitnehmen konnte. Ob ich ihm vielleicht... Nichts leichter als das.
Als ich am Abend dieses Experimentes Bilanz zog, konnte ich nicht umhin, festzustellen: So einfach und unkompliziert war ich noch nie mit mir fremenden Menschen über den Glauben ins Gespräch gekommen. 

Seitdem trage ich nicht immer, aber immer öfter Collarhemden - nicht so sehr innerhalb der Gemeinde, sondern am liebsten gerade dann, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Im Alltag. 

Natürlich gibt es dabei auch negative Erlebnisse. Einmal hat ein junger Mann aus einer Gruppe Jugendlicher, die an mir vorbeigingen, demonstrativ ausgespuckt. Das kann passieren. Aber das wars dann auch schon. 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Zum Hochkirchler werde ich sicher nicht mehr. Schon gar nicht durch ein Hemd. Und zu einem Pastor, der ein priesterliches Bild von sich selbst hat und das in der Gemeinde lebt, hoffe ich auch nicht. Aber gerne bin ich in der Stadt erkennbar als ein "Mann der Kirche", den man ansprechen kann auf den Glauben und die Zweifel, die man hat, und der sich Zeit nimmt für ein Gespräch über Gott und die Welt und das Leben. 

Und wenn ich heute ohne Collar unterwegs bin, dann kann es passieren, dass ich mich abends darüber wundere, dass heute gar nichts Besonderes vorgefallen ist und ich niemanden besser kennengelernt habe. Schade eigentlich, oder? 

Sonntag, 26. April 2015

Projekt Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.


Johannes 15,1-8

Das Ziel der Jüngerschaft: Frucht


Auch wenn selbst die letzten bunten Eier jetzt erfolgreich vertilgt wurden und der Osterschmuck schon wieder im Keller verstaut ist: Wir befinden uns vom Kirchenjahr her immer noch in der österlichen Freudenzeit. Jeder Sonntag zwischen Ostern und Himmelfahrt hat dabei sein eigenes österliches Thema, seinen ganz besonderen Fokus, und heute geht es um das neue Leben, das der Auferstandene denen schenkt, die an ihn glauben. Neues Leben. Neue Schöpfung. Wie sieht das aus? Was kennzeichnet einen Jünger Jesu – also einen, der sein Leben mit dem Auferstandenen teilt?

Der erste Hinweis, den unser Text auf all diese Fragen gibt, heißt: Das neue Leben der Jünger Jesu, derer also, die sich Christen nennen, ist ein Projekt Gottes, des Vaters. Um ihn geht es am Anfang und am Ende unseres Gleichnisses: in Vers 1 und in Vers 8. Jesus stellt sich selbst als Weinstock und uns als Reben, die mit ihm verbunden sind, ganz in den Dienst des Vaters. Er ist der Weingärtner, der ganze Weinstock ist sein Projekt.

Und dieser Weingärtner – Gott, der Vater – hat eben was ganz Bestimmtes im Sinn mit seinem Projekt: Er will wie jeder Winzer, der was auf sich hält, am Ende Trauben sehen. Das Ziel des ganzen Projektes Weinstock ist die Frucht. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt. Ein Winzer verwendet viel Mühe und Arbeit auf seinen Weinstock. Das ist ein richtig harter Job. Geduldig und fleißig arbeitet er das ganze Jahr über an seinem Weinstock. Er tut das, damit er im Herbst viele und vor allem gute Trauben trägt, damit er also Frucht bringt.

Unsere Freundschaft mit dem auferstandenen Jesus, unser Glaube, ist ein Teil dieses Projektes Weinstock und hat als solches ein klares Ziel: Der Glaube soll uns so prägen, dass wir Frucht bringen. Paulus beschreibt diese Frucht des Glaubens in Galater 5 genauer: „Wenn der Heilige Geist unser Leben beherrscht“, schreibt er, dann „wird er Frucht in uns wachsen lassen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22-23) Eine beeindruckende Liste, oder? Das ist die Frucht, die der Weingärtner Gott von uns erwartet und die er in uns wirken will. Das sind sozusagen die 9 Rebsorten des Glaubens: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Im Grunde geht es hier um ein urmethodistisches Anliegen: Wenn ein Mensch zum Glauben an Christus kommt, dann ist seine Geschichte mit Gott nicht zu Ende, so nach dem Motto: "Hurra, ich bin gerettet und komme in den Himmel, und das wars jetzt." Nein, meine Bekehrung zum Glauben ist nicht das Ende meiner Geschichte mit Gott, sondern im Gegenteil: sie ist ein neuer Anfang. Jetzt kann Gott durch seinen Heiligen Geist anfangen, mich zu verwandeln, mein Leben neu zu machen und so zu gestalten, wie er es will. Jetzt beginnt die Zeit des Wachsens im Glauben und in der Liebe, damit mein Glaube Frucht bringt für die Menschen um mich herum und für die Welt, in der Gott sein Reich baut. Unsere methodistische Tradition nennt diese Frucht des Glaubens kurz und einprägsam Heiligung. In Gottes Projekt Weinstock geht es um die Frucht des Glaubens, und das ist unsere Heiligung.

Gott hat also ein klares Ziel mit uns: dass unser Leben Frucht bringe, nämlich Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung – das also, was Paulusuns im Galaterbrief als Früchte des Geistes vorstellt.

Was aber muss geschehen, damit das wirklich wird – damit unser Leben als Christen tatsächlich diese Frucht bringt? Seine Antwort gibt Jesus im Gleichnis aus zwei Perspektiven: die erste beschäftigt sich damit, was Gott tut, die zweite damit, was wir tun können (und sollen).

Was Gott tut, damit dein Glaube Frucht bringt: Abschneiden und Zurückschneiden

Erstens also: Was tut Gott, damit dein und mein Glaube Frucht bringt? Er ist ja schließlich der Weingärtner, und der Weinstock ist sein Projekt. Was also tut er als guter Winzer für gute Frucht? Jesu Antwort: Er schneidet die Reben, also uns, zurück und er schneidet faule Reben notfalls auch ab. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Und 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

Ein guter Winzer macht das so: Er schneidet die Reben an seinem Weinstock immer und immer wieder zurück. Er lässt sie nicht wild wachsen und wuchern, sondern er formt sie, indem er sie stutzt. Wenn er das nicht konsequent genug tut, dann gibt es im Herbst zwar quantitativ viele Trauben, aber qualitativ schlechten Wein. Deshalb arbeiten gute Winzer nach der Regel: Lieber weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Trauben. Nicht die Masse machts, sondern der Geschmack.

So auch Gott: Damit in uns die Früchte des Geistes wachsen - Liebe und Freundlichkeit und Güte -, schneidet er uns zurück, formt er uns – immer und immer wieder. Ich empfinde das als sehr wichtiges Bild, bei dem es sich lohnt, dass wir es uns ganz bewusst machen. Das Beschneiden ist ja zunächst mal durchaus schmerzlich: Gott stutzt uns zurecht. Das kann wehtun – wenn er mir zum Beispiel deutlich macht, dass ich immer noch süchtig bin: nach Nikotin oder Alkohol oder Geld oder Pornographie zum Beispiel, und dass diese Sucht der Freiheit, die er mir schenken will, im Weg steht. Nur ein Beispiel. Aber ich denke: Manche Glaubenskrise oder Lebenskrise, in der wir stecken und unter der wir leiden, bedeutet vielleicht, dass Gott gerade jetzt dabei ist, mich als Rebe an seinem Weinstock zu beschneiden – mich zurechtzustutzen. Das tut möglicherweise ganz schön weh, aber es muss sein, damit ich neue Frucht bringen kann. Gott will mir mit dem Beschneiden nicht wehtun, sondern er will, auch wenn das schmerzhaft ist, den Weg freimachen für die Früchte des Geistes in meinem Leben. Es ist gut, das zu wissen und es im Sinn zu behalten für Krisenzeiten.

Und im Ernstfall, sagt Jesus, da schneidet Gott nicht nur zurück, sondern er schneidet einzelne Reben auch ab. Es gibt auch Reben, die haben definitiv keine Perspektive, überhaupt jemals Frucht zu tragen. Und diese Reben schneidet der Winzer dann ab und wirft sie weg. Das klingt brutal, ist es aber nicht. Denn die Wahrheit ist: Diese faulen Reben nehmen, wenn sie nicht abgeschnitten werden, den andern, die durchaus Frucht bringen können, den Raum und die Energie, die sie zum Wachsen brauchen. Sie bringen nicht nur selbst keine Frucht, sondern sie stehen den andern, die durchaus Frucht bringen können, noch im Weg und halten sie auf. Gott muss diese Reben also wegnehmen, wenn er nicht das ganze Projekt Weinstock vor die Wand fahren will.

Seid mir nicht böse, aber an dieser Stelle habe ich auch an unsere Gemeinde gedacht. Viele von euch leiden im Moment an der vielen Veränderng, die der Gemeinde zugemutet wird. Viele sind sich nicht sicher, wie es weitergehen soll in der Immanuelkirche. Und manche fragen auch: Hat Gott die Gemeinde, uns, vielleicht aufgegeben? Ich verstehe euren Frust ganz gut. Aber nachdem ich über unsern Text nachgedacht habe, möchte ich euch fragen: Kann es sein, dass Gott diese Gemeinde keineswegs verlassen hat, sondern im Gegenteil sie gerade zurückstutzt, weil das mal nötig ist, um neu zu wachsen? Dass er sie ganz bewusst in eine Krise führt, weil er sie eben gerade nicht aufgegeben hat, sondern von ihr erwartet, dass sie noch viele gute Frucht bringen kann? Hätten wir denn Matze und Matthias und Birgit und Harry und Sergej und all die andern neuen Freunde gewonnen, mit denen wir so gerne zusammenleben, wenn Gott uns nicht so schmerzlich zurückgeschnitten hätte? Und kann es deshaolb auch jetzt so sein, dass die Schmerzen, die wir empfinden, notwendig sind, damit neue Frucht aufbrechen kann? Damit neues Wachstum entsteht?

Diese Fragen will ich uns als Gemeinde stellen, aber auch mir selbst und allen, die als Einzelne gerade eine Krise im Glauben durchleben. Kann es sein, dass Gott uns gerade zurückstutzt, damit es zu neuem Wachstum und neuer Frucht kommen kann? Wenn du beim Projekt Weinstock dabeibist, weil du mit Christus lebst, dann kannst du dich jedenfalls felsenfest auf eines verlassen: Der Weingärtner Gott tut seinen Job als ein guter Winzer. Er tut alles, was nötig ist, damit die Reben am Weinstock Frucht bringen. Wenn dir das gerade richtig weh tut, dann darfst du wissen, dass er dich damit nicht quälen, sondern reinigen will, damit du neue und gute Frucht bringen kannst.

Was du tun kannst, damit dein Glaube Frucht bringt: In Christus bleiben

Die zweite Perspektive, die Jesus einnimmt, ist der Blick auf uns – auf die Reben. Was können und sollen denn wir tun, damit unser Glaube Frucht bringt?

Um mal im Bild zu bleiben: Reben am Weinstock, die müssen, um Frucht zu bringen und Trauben zu tragen, eigentlich nichts weiter tun als ganz buchstäblich in der Sonne rumzuhängen. Das ist gute Botschaft, finde ich. Reben strampeln sich nicht ab, damit Trauben an ihnen wachsen, sondern die Trauben wachsen einfach, weil Gott es regnen und die Sonne scheinen lässt. Das liegt in der Natur der Sache. Übertragen auf uns: Dass die Früchte des Geistes in unserm Leben als Christen wachsen, das müssen wir nicht machen.  Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung - die 9 Rebsorten des Glaubens – sie wachsen einfach – ganz natürlich.

Was wir tun können, um Gott bei seiner Arbeit an uns zu unterstützen, ist: bleiben. Am Weinstock Christus bleiben und uns auf diese Weise die Sonne des Heiligen Geistes so richtig auf den Pelz scheinen lassen. Das ist alles. Jesus nennt das Wort „Bleiben“ 7 mal in unserm Gleichnis. So wichtig ist ihm das: Alles, was wir tun müssen, ist bleiben: an und in ihm bleiben. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Und wie geht das - Bleiben? Das Wort hört sich erstmal ziemlich passiv an, ist es aber gar nicht. Es gibt nämlich zwei ganz aktive Dinge, die ich tun kann, um in Christus zu bleiben. Jesus nennt sie in Vers 7: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. In Jesus bleiben kann ich, wenn ich mich immer wieder an Jesu Worten orientiere und wenn ich die Freundschaft mit ihm pflege, indem ich bete.

Wenn ich also den Weingärtner Gott bei seiner Arbeit unterstützen will, damit Früchte des Glaubens in meinem Leben entstehen, dann wirft mich Jesus auf zwei ganz elementare geistliche Übungen zurück: Lies die Bibel, sagt er mir, und beschäftige dich besonders mit meinen Worte in den Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), und zweitens bleib in Kontakt mit mir, indem du wagemutig betest und dabei wirklich was von Gott erwartest. Dann wirst du Wunder erleben, und dann werden die Früchte des Geistes tatsächlich in dir wachsen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Wie sieht also das neue Leben aus, das der auferstandene Christus uns schenkt? Es ist Gottes Projekt: das Projekt Weinstock. Gott arbeitet an seinem Weinstock, indem er ihn hegt und pflegt und - wenn das nötig ist - auch zurückschneidet und stutzt - auch wenn das manchmal ganz schön schmerzhaft für uns ist. Wir aber können und sollen Gott in seiner Arbeit an uns unterstützen, indem wir in Christus bleiben, und das heißt seine Worte lesen und uns danach richten und aufrichtig und wagemutig beten. Dann, durch dieses Zusammenwirken von Gott, dem Weingärtner, Christus, dem Weinstock und uns, den Reben, wachsen in uns die Früchte des Glaubens: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Und sie wachsen ganz organisch, ganz natürlich, ohne dass wir uns plagen und abrackern müssen. Sie wachsen durch den Heiligen Geist, mit dem Gott uns beschenkt und in dem er in uns wirken und uns verwandeln kann. Jesus beschreibt hier kein Sein, keinen Zustand, sondern ein Werden. Jesus verlangt nicht von uns, dass wir all das schon sind, sonderner er vertraut uns und traut uns zu, dass wir es werden: 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. Das schenke uns Gott.

Amen.

Montag, 23. Februar 2015

Anders einsam

Für sich zu sein, also alleine, das ist nicht jedermanns Sache. Manche Leute sind gern allein. Sie brauchen das. Zeit für sich – ohne Reden und Lächeln und Konversation und so. Andere dagegen vermeiden es, allein zu sein. Sie fürchten sich regelrecht davor. Für viele ist die Stille ein Horror. Ihr erster Griff am Morgen gilt dem Radio, das sie dann den ganzen Tag über begleitet – zu Hause, im Auto, auf der Arbeit – überall. Nicht, dass sie die ganze Zeit aufmerksam zuhören. Aber das Dudeln im Hintergrund beruhigt sie irgendwie. Hauptsache, es ist nicht still. Hauptsache, sie haben nicht das Gefühl, allein zu sein.

Um das Alleinsein geht es heute auch in dem Text, den ich euch auslegen möchte. Einer, der ist gezwungenermaßen allein und wird aus diesem Alleinsein befreit. Und ein anderer, der sucht mitten im größten Trubel die Stille. Er will allein sein mit sich und mit Gott.

Wir gehen weiter in unserer Predigtreihe über das 5. und 6. Kapitel des Lukasevangeliums. In Kapitel 5, 12-16 heißt es:

12 In einer der Städte traf Jesus einen Mann, der am ganzen Körper aussätzig war. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und flehte ihn an: "Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!" 
13 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: "Ich will es tun! Sei gesund!" Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt. 
14 Jesus befahl ihm, nicht über seine Heilung zu reden. "Geh sofort zum Priester, und lass dich von ihm untersuchen", forderte er ihn auf. "Bring ein Opfer dar für deine Heilung, wie Mose es vorgeschrieben hat. So werden die Priester sehen, dass ich im Auftrag Gottes handle." 
15 Aber das Verbot Jesu änderte nichts daran, dass immer mehr Menschen von seinen Wundern sprachen. In Scharen drängten sie sich um ihn. Sie wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. 
16 Jesus aber zog sich zurück, um in der Einsamkeit zu beten.

Lukas 5,12-16 nach Hoffnung für alle © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.TM

Die ganze Heilung, von der Lukas hier erzählt, die wäre gar nicht passiert, wenn Jesus nicht Jesus wäre. „In einer der Städte“ (V. 12) traf Jesus den aussätzigen Mann. Jesus sucht die Menschen da auf, wo sie sind. Er geht in die Städte – auf die Marktplätze und Hauptstraßen genauso wie in die Siedlungen am Rand. Klar: Jesus lehrt auch in der Synagoge. Oft sogar wird davon erzählt, dass er das tut. Aber er wäre wohl nie auf die Idee gekommen, dass das (der Synagogengottesdienst oder das Gemeindeleben) das Entscheidende am Leben mit Gott sei. Nein, entscheidend für Jesus ist das Leben draußen in der Stadt. Da lebt sich der Glaube aus – nicht in der Kirche.

Mich regt das an, über unser kirchliches Leben heute nachzudenken. Setzen wir die gleichen Prioritäten wie Jesus? Nehmen wir mal als Beispiel die Erwartungen an einen Pastor. Was erwarten wir von dem? Zuerst doch, dass er die Gottesdienste gut vorbereitet, dass er möglichst interessante Predigten hält. Dann, dass er abwechslungsreiche Gemeindeveranstaltungen für die verschiedenen Generationen gestaltet. Dann, dass er kranke und einsame Gemeindeglieder besucht. Und vielleicht noch ein paar andere Sachen mehr. Was wir aber üblicherweise nicht von einem Pastor erwarten, ist, dass er das tut, was Jesus tat: dass er sich möglichst viel in der Stadt rumtreibt und mit den Menschen, besonders mit denen am Rand der Stadt, ins Gespräch kommt und sie auf Gott aufmerksam macht. Seltsam ist das. Findet ihr nicht?

Jesus jedenfalls hielt sich viel in den Städten auf (viel mehr als in der Gemeinde), und er suchte den Kontakt zu den Menschen – besonders zu den Verlorenen – dort, wo sie eben waren. Wenn du den Verlorenen was zu sagen hast, lerne ich daraus, dann musst du dahin gehen, wo die Verlorenen sind: auf die Straßen und in die Raucherecken, in die Kneipen und in die Cafes. So tat das zumindest Jesus.

Und so, nur so, weil Jesus dorthin ging, wo die Verlorenen waren, konnte er auf diesen Mann treffen, der (V. 12)  am ganzen Körper aussätzig war. Lepra war damals eine wirklich schreckliche Krankheit. Sie galt als unheilbar und war hoch ansteckend. Deshalb machte Lepra die, die an ihr litten, ungewollt einsam. Unberührbare waren sie. Es war ihnen streng verboten, sich in der Nähe von Gesunden aufzuhalten oder sie gar zu berühren. Leprakranke waren aussätzig, ausgestoßen und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Sie lebten in erzwungener Einsamkeit.

Wie das wohl sein muss – ohne jede Berührung mit anderen zu leben? Wenn alle zu dir auf Sicherheitsabstand gehen und dir bloß nicht nahe kommen, geschweige denn dich berühren wollen? Furchtbar.

Lepra gibt es bei uns hier heute nicht mehr. Gott sei Lob und Dank dafür. Aber Aussätzige, Unberührbare – die gibt es schon noch. Drogensüchtige zum Beispiel sind solche Aussätzige, oder Obdachlose. Viele, die arm sind, werden heute behandelt als hätten sie Aussatz. Andere wollen lieber nichts mit ihnen zu tun haben. Manchmal kommen sich auch alte Menschen bei uns wie Aussätzige vor, weil sie niemand besucht oder den Kontakt mit ihnen pflegt, weil sie das Gefühl haben, nichts mehr wert zu sein. Oder Menschen mit einer Behinderung spüren, wie andere ihnen aus dem Weg gehen oder peinlich berührt weggucken, wenn sie aufeinander treffen. Jesus hat besonders Menschen, die in diesem Sinn aussätzig waren, da aufgesucht, wo sie sich aufhielten. Die, die erzwungenermaßen einsam waren – ausgeschlossen und abgehängt.

Der leprakranke Mann erkennt sofort, wer da zu ihm kommt. 12 Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und flehte ihn an: "Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!" Der Mann erkennt, dass Jesus anders ist als die andern. Dass dieser Rabbi ihm nicht aus dem Weg geht, sondern im Gegenteil seine Gesellschaft sucht. Dass er ihm nahe kommt. Und er setzt sein ganzes Vertrauen in Jesus. „Wenn du willst, kannst du mich heilen.“ Solches Vertrauen ist es, auf das Jesus aus ist. Dieses Vertrauen will er bei uns wecken. Von wem, wenn nicht von Jesus, können wir erwarten, dass er uns heilt: unsere Zerrissenheit und unsere Entfremdung, unsere Traurigkeit und unsere Angst, unsere Einsamkeit? Jesus kann uns heilen, und er wartet nur darauf, dass wir ihn voll Vertrauen darum bitten. Er sucht bei dir und mir das Vertrauen, das er damals bei dem Leprakranken gefunden hat. Bringen wir dieses Vertrauen auf? "Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!"

Und da geschieht das Unglaubliche: 13 Jesus streckte die Hand aus, berührte den Mann und sagte: "Ich will es tun! Sei gesund!" Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt. Jesus kann und er will den Mann heilen. Und er tut es. Jesus kann wirklich Wunder tun – auch heute. Jesus kann die, die ausgeschlossen und einsam sind, heilen. Ich weiß, dass es vielen von uns schwerfällt, an Wunder zu glauben. Ich glaube daran. Wunder, die geschehen nicht jeden Tag, nicht überall und nicht jedem. Aber sie geschehen.

Wichtig scheint mir vor allem, wie die Heilung des Leprakranken hier geschieht. Sie geschieht durch zwei Dinge: Erstens berührt Jesus den Mann. Jesus streckte die Hand aus und berührte den Mann. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes todesmutig. Es ist nicht nur streng verboten, sondern auch lebensgefährlich. Der Mann könnte Jesus ja anstecken. Und zweitens spricht Jesus mit ihm. "Ich will es tun! Sei gesund!" Er antwortet dem Mann, der ihm so eindrucksvoll sein Vertrauen ausgesprochen hat. Und genau dieses – dass Jesus ihn berührt, ihm die Hand hinhält und ihm nahe kommt, und dass er ihm antwortet und mit ihm spricht – das heilt den Leprakranken. Er ist nicht mehr allein. Er ist nicht mehr ausgeschlossen und nicht mehr unberührbar. Einer nämlich wollte ihn berühren und hat ihn berührt.

Das dürfen und sollen alle wissen, die sich ausgeschlossen, abgehängt und unberührbar vorkommen. Alle, die erzwungen einsam sind. Einer lässt dich nicht allein. Einer will auch dich berühren und ansprechen. Einer will dein Freund sein und dich auf diese Weise aus deiner Einsamkeit befreien und heilen.

Das, was dann kommt in unserm Text, das hat schon vielen Rätsel aufgegeben. 14 Jesus befahl dem Geheilten, nicht über seine Heilung zu reden. Er fordert ihn auf, sich den Priestern zu zeigen, damit die ihm seine Heilung bescheinigen können. Erst dann gehört er wieder zur Gemeinschaft dazu. Aber ansonsten soll er schweigen. Jesus will ganz ausdrücklich nicht, dass der Geheilte Werbung für ihn macht.

Warum ist das so? Warum fordert Jesus immer wieder in der Bibel Geheilte auf, nicht von ihrer Heilung zu erzählen, sondern das Wunder für sich zu behalten? Meine persönliche Antwort ist: Jesus ist unterwegs zum Kreuz - so wie wir auch in dieser Passionszeit -, und Jesus weiß das. Jesus will eben nicht als Wunderheiler bekannt werden. Er will nicht, dass die Leute ihm nachlaufen, weil es allen gutgeht, die er berührt. Jesus will, dass die Menschen ihm nachfolgen – dem nachfolgen, der leidet und ans Kreuz geht. Jesus will kein Superstar sein, den alle anhimmeln und von dem sich die Teens Poster ins Zimmer hängen, sondern er will unser Retter und Lehrer sein, der uns von unserm Erfolgsdenken und unserm Glückswahn befreit. Es ist der leidende und doch gerade darin über die alte Welt siegende Jesus, der uns als seine Jünger sucht.

Deshalb warnt er immer davor, ihm aufgrund seiner Heilungen und Wunder nachzulaufen. Die das tun, die werden am Ende enttäuscht. Denn dieser Retter hier, der wird kein Popstar und will das auch nicht werden, sondern er nimmt bewusst alles Leiden und alle Schuld der Welt auf sich, um uns davon zu befreien. Wenn du also zu Jesus kommst, dann bitte nicht um des Erfolges willen. Nicht, weil du zu den Siegern gehören willst. Sondern, weil du dich von der Siegerwelt gerade befreien lassen und an Gottes Reich der Liebe und Gerechtigkeit mitbauen willst – auch dann, wenn das Leiden mit sich bringt.

Bei Lukas hören wir aber auch, dass Jesu Verbot nichts bringt. Die Nachricht von der Heilung bleibt nicht geheim, sondern verbreitet sich und führt dazu, dass viele Menschen diesen Heiler selbst sehen, ihn hören und von ihm geheilt werden wollen. 15  Das Verbot Jesu änderte nichts daran, dass immer mehr Menschen von seinen Wundern sprachen. In Scharen drängten sie sich um ihn. Sie wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Verständlich ist das. Da ist einer, der die Unberührbaren berührt und der die Kranken heilt. Da ist einer, der dir deine Einsamkeit, in die du gezwungen wurdest, nehmen kann. Der dich befreit aus dieser Einsamkeit. Wer wollte den nicht sehen?

Dich heute morgen kann ich nur einladen zu diesem Jesus. Niemand kann dich zwingen, wie die Menschen damals zu ihm zu kommen. Aber einladen will ich dich doch. Wie den geheilten Leprakranken treibt es auch mich, dir zu erzählen: Da ist einer, der dich heilen kann. Mich hat er geheilt. Mir hat er meine Schuld vergeben, und ich kann aufatmen, weil ich von ihr frei bin. Mir hat er Selbstvertrauen gegeben und mich aufgerichtet. Mir hat er eine Lebensaufgabe gegeben und das sichere Wissen, das ich wertvoll bin – trotz meiner Fehler und Schwächen. Er kann mich brauchen für sein Reich. Und all das kann er auch für dich und mit dir tun. Er sucht dich. Er will dich zum Freund und zum Schüler haben. Du bist ihm wichtig. Also komm wie die Leute damals in dieser Stadt und sprich ihn an. Bitte ihn darum, dich zu heilen und dein Herr zu werden. Er wird nicht nein sagen. Und wenn es dir schwerfällt, diesen Schritt allein zu tun, dann sprich jemanden an, der schon mit Jesus geht. Er wird dir helfen und mit dir zusammen beten.

Jesus also kann dich befreien aus der erzwungenen Einsamkeit – und er will das auch tun. Und dann, dann bist du frei für die andere Form der Einsamkeit – für die heilsame Jesus-Einsamkeit, die nicht erzwungen ist, sondern frei. 16 Jesus aber zog sich zurück, um in der Einsamkeit zu beten. Es gibt also auch eine andere Einsamkeit. Eine, die nicht erzwungen ist, sondern freiwillig. Eine, die nicht bedrohlich ist, sondern wohltuend. Eine, die keine Angst macht, sondern Kraft gibt. Eine, die dich nicht ausschließt, sondern dir Wert verleiht. Diese andere Einsamkeit, die will Jesus uns zeigen. Er selbst hat sie immer wieder gesucht und selbst im allergrößten Trubel darauf bestanden, sich diese regelmäßigen Auszeiten zu nehmen: Zeiten der Stille und Einsamkeit, um zu beten, um beim Vater zu sein. Zeiten allein mit Gott. Aus diesen Zeiten freiwilliger Einsamkeit schöpfte Jesus seine Kraft und Energie. Nichts konnte ihn von diesen Stillezeiten abhalten, denn er wusste, wie wichtig sie sind.

Was also bleibt von unserm Text? Einsamkeit ist nicht gleich Einsamkeit. Das habe ich gelernt. Aus der erzwungenen Einsamkeit will und kann Jesus uns befreien. Er kann uns heilmachen wie den leprakranken Mann. Er ist auch heute in der Stadt unterwegs - und das sollten wir auch sein -, um die zu suchen, die durch Alter, Krankheit, Behinderung, Armut, Angst oder was auch immer erzwungen einsam sind. Er hört ihr Rufen und er heilt sie. Er heilt auch dich, wenn du ihn darum bittest. Was er uns aber schenken will, das ist eine andere Einsamkeit. Eine freiwillige. Die Möglichkeit, immer wieder Zeiten der Stille mit Gott zu pflegen. Mit ihm, dem Schöpfer, zusammenzusein, zu beten, zu schweigen, und so Kraft und Energie zu schöpfen für das Leben als Kinder Gottes.

Das verleihe Gott uns allen.

Amen.  

Angelst du noch oder fischst du schon?

(Predigt über Lukas 5,1-11. Gehalten in der EmK Detmold am 5.2.2015)

Kennt ihr das? Ihr telefoniert gerade mit jemandem per Festnetz, es ist ein wichtiges Gespräch, das eigentlich eure volle Aufmerksamkeit erfordert, und mitten im Gespräch klingelt das Handy, und ihr seht aus dem Augenwinkel die Nummer eines nicht weniger wichtigen Gesprächspartners. Parallel dazu schreit euch vom Bildschirm aus die lange Latte der Mails an, die unbedingt heute noch bearbeitet werden müssen, während – natürlich ohne anzuklopfen – plötzlich eure Tochter im Zimmer steht und eine Frage zu ihren Hausaufgaben hat, ohne deren Klärung sie tatsächlich nicht weiterarbeiten kann. Kennt ihr, oder? So oder so ähnlich kennt ihr das bestimmt.

Vergleichbar stelle ich mir die Situation vor, von der Lukas in Kapitel 5 erzählt. Jesus hatte sein öffentliches Wirken in Galiläa gerade begonnen und durch vollmächtige Predigten und viele Heilungen Aufmerksamkeit bei den Leuten erregt: Da ist einer, der predigt anders, als wir es bisher kannten. Er spricht, als sei er mit Gott vertraut, ganz eng mit ihm befreundet, als kenne er ihn persönlich. Der rechnet wirklich mit Gott und spricht nicht nur allgemein-philosophisch von ihm. Und: Viele Kranke und Ausgestoßene hat er geheilt. Er legt ihnen die Hände auf und heilt sie. Ob er der Messias ist?

Alle Leute in Galiläa wollten diesen seltsamen Prediger und Heiler persönlich sehen. Aus allen Ecken und Enden strömten sie zu ihm. Menschenmassen, ungeordnet, chaotisch – davon schreibt Lukas in Vers 1 seines 5. Kapitels:

1 Eines Tages drängte sich am See Genezareth eine große Menschenmenge um Jesus. Alle wollten hören, was er von Gott erzählte. 

Und wie reagiert Jesus auf dieses Chaos? Ganz anders als ich in der Situation, die ich gerade beschrieben habe: Jesus wird nicht sauer und ranzt die Leute an, und er seufzt auch nicht: „Boah, warum müssen immer alle auf einmal kommen? Können die nicht warten, bis ich Zeit habe?“ Nein, so wie ich reagiert Jesus nicht.

2 Am Ufer lagen zwei leere Boote. Die Fischer hatten sie verlassen und arbeiteten an ihren Netzen. 3 Da stieg Jesus in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück auf den See hinauszurudern. Vom Boot aus sprach Jesus dann zu den Menschen. 

Jesus behält den Überblick und er behält die Ruhe. Er erkennt, dass er die Menschenmassen so nicht erreichen kann. Er würde ihnen gerne von Gottes Liebe und Gottes Reich erzählen, aber in dem Chaos, das da gerade herrscht, ist das unmöglich. Nur: Statt rumzunörgeln oder sich ausgiebig zu ärgern, statt sich in Selbstmitleid zu ergehen, sucht und findet Jesus eine kreative Lösung für das Problem. Jesus weist die Masse nicht ab, sondern findet einen Weg, zu ihnen von Gott, seinem Reich, seiner Vergebung und seiner Liebe zu sprechen: Er sieht die zwei Fischerboote und bittet einen der Fischer, Simon, den er später Petrus nennen wird, mit ihm ein Stück vom Ufer wegzufahren. So baut sich Jesus sein Rednerpult, seine Kanzel. So können ihn alle sehen und gut hören. So kann er den vielen Menschen von Gott erzählen, davon, dass Gott sie liebt und heilen möchte.

Aber Jesus hat nicht nur die Masse im Blick. Sie auch, er will sie alle erreichen, aber nicht sie allein. Zugleich mit ihr hat er von Anfang an einen Einzelnen im Sinn: diesen Simon, den Fischer. Mit ihm hat er Besonderes vor, und ihm wendet er sich deshalb besonders zu.

Darin ist mir Jesus Vorbild. Er weist niemanden ab, auch dann nicht, wenn alle auf einmal kommen. Er lässt sich von den Menschen unterbrechen. Er nimmt sich der Leute an und wendet sich ihnen zu – ihnen allen. Uns allen. Er sucht und findet eine kreative Möglichkeit, allen von Gott zu erzählen. Und doch hat er eben auch den Einzelnen und die Einzelne dabei im Blick. Mit andern Worten: Du bist für Jesus nicht nur eine Fallnummer, sondern er sieht dich als einzigartige Persönlichkeit. Er hat offene Ohren und ein offenes Herz gerade für dich. Und er hat einen Plan gerade mit dir. Du als Person und eben nicht nur als Teil einer Gruppe zählst für ihn. Er ist bei allen, aber zugleich ganz bei dir.

Was Jesus nun mit diesem Simon im Sinn hat, erfahren wir in den nächsten Versen:

4 Anschließend sagte er zu Simon: "Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See, und werft eure Netze aus!" 5 "Herr", erwiderte Simon, "wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es wagen." 6 Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen anfingen. 7 Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Bald waren beide Boote bis zum Rand beladen, so dass sie beinahe sanken. 

Jedes Mal, wenn ich diese Verse lese, staune ich. Jesus weiß genau, was er von Simon will. Er will sein Vertrauen. Echtes und vollkommenes Vertrauen. Seine Anweisung ist nahezu widersinnig. Der Zimmermannssohn will dem gestandenen Profifischer erklären, wie man Fische fängt. Eigentlich ein Witz, eine Zumutung. Wenn man am See Genezareth Fische fangen will, das weiß Simon natürlich, dann muss man nachts rausfahren und in der Nähe des Ufers die Netze auswerfen. Keinesfalls aber am Tag und keinesfalls in der Mitte des Sees. Das wäre aussichtslos. Nur: Genau dazu fordert Jesus Simon auf. Fahr hinaus auf den See und wirf deine Netze aus: Da und jetzt.

Ich stelle mir vor, wie Simon nachdenkt: „Ist der Typ vielleicht einfach nur irre? Macht er sich über mich lustig? Oder ist er wirklich Gottes Sohn, ist er wirklich der Messias?“ Genau das wollte Jesus herausfordern: Simon muss ich entscheiden. Und Simon entscheidet sich, zu vertrauen. Er entscheidet sich, Jesus zu vertrauen. Er setzt ganz auf ihn: „Weil du es sagst, will ich es wagen.“ Tatsächlich fängt er dann Fische. Viele Fische. Unglaublich viele Fische. Zusammen mit seinen Kollegen schafft er es kaum, sie an Land zu bringen. So viele sind es. Der Zimmermannssohn, der weiß, wie man Fische fängt. Irre.

Wie ist das bei dir? Kann es sein, dass Jesus auch dich vor die Entscheidung stellt, ihm zu vertrauen oder lieber dir selbst? Kann es sein, dass er dich heute vor die gleiche Entscheidung stellt wie damals den Simon? Dass er dich heute genau wie ihn damals fragt: „Bin ich für dich ein Irrer oder bin ich dein Messias, dem du dich voll und ganz anvertraust? Entscheide dich.“ Ich wünschte, dass du diese Frage Jesu tatsächlich heute hörst (oder sie neu hörst) und: ich wünschte, dass du die gleiche Entscheidung triffst (oder sie neu triffst) wie Simon: „Weil du es sagst, Jesus, will ich es wagen. Ich will es wagen, dir zu vertrauen, mich dir anzuvertrauen und dich in mein Leben zu lassen.“ Simon hat diese Entscheidung laut und deutlich ausgesprochen und sie so fest gemacht. Und du?

Für Simon hat sich durch diese Begebenheit alles verändert – sein ganzes Leben.

8 Als Simon Petrus das sah, fiel er erschrocken vor Jesus nieder und rief: "Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!" 9 Er und alle anderen Fischer waren fassungslos über diesen Fang, 10 auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Simon bei der Arbeit geholfen hatten. Aber Jesus sagte zu Simon: "Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen." 11 Sie brachten die Boote an Land, verließen alles und gingen mit Jesus.

Simon bekommt Klarheit über zwei Dinge:

Das eine: Ich bin ein Sünder. Ich hab Jesu Freundschaft nicht verdient.
Das andere: Jesus ist Herr. Er geht eben nicht weg von mir, sondern er wendet sich mir zu. Er sagt: Fürchte dich nicht. Jesus ist Gnade und Vergebung.

Beides gehört zusammen. Wie gnädig Jesus ist, das erfasse ich erst, wenn ich mich als Sünder erkenne. Wenn ich also aufhöre, allgemein über Sünde und Schuld zu plaudern und stattdessen anfange, MICH selbst zu erkennen als Sünder – als Menschen, der ohne Jesu Hilfe sein Leben verfehlt. Wenn ich mich dieser Selbsteinsicht aber in ganzer Radikalität stelle, dann ist Hilfe und Heilung nicht weit. Jesus geht nicht weg. Im Gegenteil: Er wendet sich mir zu, um mich zu heilen. Er sagt auch zu mir: „Fürchte dich nicht. Bei mir ist Vergebung. Mit mir kannst du neu anfangen. Dein Vertrauen ist der erste Schritt zu deiner Heilung.“

Simon erfährt Vergebung seiner Schuld durch Jesus. So, wie wir alle Vergebung erfahren können, wenn wir uns voll Vertrauen an Jesus wenden und ihm bekennen, dass auch wir Sünder sind. Alle können Vergebung erfahren, wie groß ihre Schuld auch sei. Auch du. Auch heute.

Für Simon bedeutet dieser Neuanfang mit Jesus zugleich Beauftragung zu einem besonderen Dienst. „Fürchte dich nicht“, sagt Jesus: „Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“ Ich will dich zum Menschenfischer machen.

Simon hört den Ruf, Nachfolger Jesu zu werden. Und Nachfolge, das ist ein Vollzeitjob. Er soll nicht Menschen angeln, sondern er soll Menschen fischen. Angeln, das ist ein Hobby oder ein Sport – etwas, das man nach Feierabend macht oder mal am Wochenende. Aber das ist nicht der Auftrag, den Jesus für Simon hat: „Am Wochenende oder nach Feierabend sollst du Menschen für mich gewinnen. Wenn du gerade nichts anderes zu tun hast, dann kannst du dich ja mit mir und mit Gottes Reich beschäftigen.“ Das sagt Jesus nicht. Jesus ist radikal: „Menschenfischer sollst du werden.“ Fischen ist kein Hobby wie Angeln. Fischen ist ein Lebensinhalt. Eine Profession, der man nur mit ganzer Leidenschaft und ungeteiltem Engagement nachgehen kann oder gar nicht. Ein Fischer, der mit halbem Herzen bei der Sache ist, bleibt ein Angler. Petrus und seine Kollegen wagen es tatsächlich: „Sie verließen alles und folgten Jesus.“ In bemerkenswerter Radikalität widmen sie ihr ganzes Leben von nun an diesem Rabbi vom See Genezareth. Sie lernen von ihm und werden einmal das tun, was er tat: Menschen heilen, die Botschaft von Gottes Liebe weitersagen und neue Menschen gewinnen für Jesus. Das wird ihre Lebensaufgabe.

Und wir? Wenn wir uns Christen nennen – meinen wir dann Angler oder Fischer? Hobbychristen oder Nachfolger Jesu, die mit ganzer Leidenschaft und ungeteilter Liebe zu ihrem Rabbi unterwegs sind. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass Jesus uns alle in die Nachfolge ruft, so, wie er Simon gerufen hat. Egal, welchem Beruf wir nachgehen, ob wir in einer Familie leben oder allein, egal, ob wir wohlhabend sind oder arm, ob wir schon alt sind oder noch jung: Jesus ruft uns in seine Nachfolge als Fischer, nicht als Angler. Wir dürfen wie Simon von ihm lernen, uns von ihm ausbilden lassen, Menschenfischer zu werden und so neue Menschen für ihn zu gewinnen. Neue Menschen für Gottes Liebe und Vergebung zu gewinnen. Neue Menschen, die geheilt werden zu Freundinnen und Freunden Gottes.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Trainingslager für Ungeduldige

Vorfreude sei die schönste Freude, sagen manche. Ein beliebtes Sprichwort, das man oft hört. Für mich gilt das nicht. Geduld ist keine meiner herausragenden Gaben, und das Warten auf etwas, auf das ich mich freue, ist für mich kein Vergnügen, sondern oft eine Qual. Warten, das ist für mich im Normalfall nicht Vorfreude, sondern Sehnen, dass das Warten endlich ein Ende hat.

Überhaupt ist Geduld in unserer Gesellschaft ziemlich unmodern geworden. Alles soll schnell gehen und schnell fertig werden. Die Post klagt darüber, dass viel weniger Briefe und Postkarten als früher geschrieben werden. Wir schreiben E-Mails oder Whats-App-Nachrichten. Das geht einfach schneller. Statt „Gute Nacht“ schreib ich dann Gute N8, weils eben schneller geht, und manchmal tuts auch einfach ein Smily, sodass die Nachricht ganz ohne Worte auskommt. Ein Klick, und ich hab mitgeteilt, wie es mir geht. Schade, finde ich: Mit den Briefen, in Handschrift verfasst, also ganz persönlich, zum Anfassen und Aufbewahren in irgendeiner Kiste geht uns was verloren. Ein Stück Kultur, ein Stück Persönlichkeit. Aber diese Entwicklung ist typisch für unsere Zeit: Geduld ist unmodern geworden.

Jakobus allerdings ermahnt die Jesusleute im 5. Kapitel seines Briefes zu genau dem: zur Geduld. Er schreibt: So seid nun geduldig bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ (Jak 5,7-8)

Mit seinem Beispiel trifft Jakobus ins Schwarze: Ein Landwirt muss in der Tat schon von Berufs wegen geduldig sein. Auf keinen Fall darf zu früh gemäht, Heu eingeholt oder geerntet werden. Davon hängt viel ab. Ein Landwirt braucht Geduld.

Daran, sagt Jakobus, sollen wir uns ein Beispiel nehmen, und geduldig auf den Herrn warten. Jesus hat ja versprochen, dass er wiederkommen wird. Er hat versprochen, dass Gott sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichten wird, dass alle Tränen getrocknet und alles Leid ein Ende haben wird.  Da sollen wir, sagt Jakobus, nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen, sondern wie der Bauer geduldig sein. Geduldig warten und hoffen und das unsere dafür tun, dass diese große Vision des Friedens und der Heilung Wirklichkeit wird.

Um so zu leben wie Jesus, um zu vergeben und Frieden zu stiften, um gewaltlos und sanftmütig Unrecht zu überwinden und Gottes Nähe zu allen Geschöpfen zu leben, braucht es Geduld. Es braucht den freiwilligen Verzicht auf schnelle sichtbare Erfolge, es braucht die durchgehaltene Hoffnung gegen allen Augenschein. Vielleicht ist die Adventszeit eine Art Trainingslager für so ungeduldige Leute wie mich. Eine Zeit des Wartens und der Vorfreude auf Weihnachten. Eine Zeit, in der wir lernen können, auch insgesamt adventlicher zu leben – geduldiger und zufriedener mit den langsamen Fortschritten, die Zeit und einen langen Atem brauchen.

Das schenke uns Gott, dass wir wachsen in seiner Liebe, im Vertrauen und in der Geduld.

Montag, 8. Dezember 2014

Sterben und Auferstehen in der Meditation

An excerpt from John Main OSB, “Death and Resurrection,”
MOMENT OF CHRIST (New York: Continuum, 1998), pp. 68-69. Übertragen ins Deutsche.

"Habt den Tod immer vor Augen", lehrte der Benedikt seine Mönche. In der modernen Welt verdrängen wir meist den Gedanken an den Tod, aber die christliche Tradition lehrt uns, dass, wenn wir weise werden wollen, wir uns bewusst werden müssen, dass wir "hier keine bleibende Stadt haben" und also sterben müssen.

Wir müssen darauf hören, was die Weisen der Gegenwart und der Vergangenheit uns zu sagen haben: Um das Leben zu verstehen, müssen wir den Tod verstehen. Die Notwendigkeit, über den Tod nachzudenken und zu reden ist für die "Kinder der Welt" schwer zu verstehen. Die Weisheit der Welt will uns nämlich ständig weismachen, wir seien unsterblich. Sie verführt uns dazu, unsere Augen vor unserer Sterblichkeit und der Endlichkeit unseres Leibes zu verschließen. Benedikt und die ganze christliche Tradition dagegen lehren, dass das Bewusstsein unserer körperlichen Endlichkeit uns hilft, auch unsere spirituelle Verletzlichkeit zu verstehen.

In uns allen - auch in Ihnen - schlummert, wenn auch oft verdrängt und verschüttet, das Wissen, dass wir, um wahrhaft Menschen zu sein, in Beziehung kommen müssen mit der Quelle des Lebens. Wir müssen mit der Kraft Gottes in Beziehung kommen, sozusagen unsere "irdenen Gefäße" öffnen für die ewige Liebe Gottes, die nie erlischt.

Das Ruhegebet, die christliche Meditation, ist ein Weg, unsere Sterblichkeit zu begreifen. Meditation rückt uns unsern Tod in den Blick, denn Meditation führt uns in eine Bewegung über unsern Tod hinaus zur Auferstehung, zu neuem und ewigem Leben, das aus der Einheit mit Gott erwächst.

Das Evangelium lädt uns ein, jetzt und heute diese Erfahrung zu machen. Wir alle sind eingeladen, unser altes Selbst, unser Ego sterben zu lassen: unsere Selbstbezogenheit, unsere Begrenztheit. Wir sind eingeladen, zu sterben und zugleich zu neuem Leben zu erstehen: zu einem Leben der Gemeinschaft, der Vereinigung, zur Fülle des Lebens ohne Furcht.

Wenn wir uns hinsetzen zum Ruhegebet, zur Meditation, begeben wir uns in die Bewegung von Tod und Auferstehung hinein. Wir tun dies, indem wir uns über unser Leben und all seine Begrenzungen hinaus ausstrecken auf das Geheimnis Gottes hin. Wir erleben, jeder von uns in eigener Erfahrung, das Geheimnis Gottes als das Geheimnis der Liebe, der unendlichen Liebe, die alle Furcht austreibt.

(Das englische Original des Textes findet sich hier:
http://us4.campaign-archive1.com/?u=c3f683a744ee71a2a6032f4bc&id=f3bdc5f6ff)


Dienstag, 4. November 2014

Vor 25 Jahren

Es war unser erster gemeinsamer Urlaub als Paar. Vor ziemlich genau 25 Jahren ging es los. In Danis altem R4 brachen wir auf. Unser Ziel: Mücheln (Geiseltal) in der damals noch existierenden DDR - nahe Halle an der Saale. Nachts um 12 passierten wir reichlich nervös die Grenze bei Herleshausen.

Uns erwarteten 10 ungeheuer spannende Tage, die wir bei unsern Verwandten in Mücheln erleben durften. Wir besuchten zusammen wunderschöne Städte: Halle, Leipzig, Naumburg und und und. Überall, wo wir auch hinkamen, wurde diskutiert: über Demokratisierung, über Freiheit, über die Zukunft, über Veränderungen - und auch über Befürchtungen und Ängste. Die politischen Fragen des Landes waren allgegenwärtig - und es roch nach Revolution.

Mitten in unserm Urlaub dann der 9. November: die Grenzöffnung. Waren wir auf dem Hinweg an der Grenze noch streng kontrolliert und ins Verhör genommen worden, wurden wir 10 Tage später von nunmehr beschäftigungslosen Grenzpolizisten nur noch durchgewinkt - zusammen mit vielen Bürgern der DDR, die unterwegs waren zu IHREM Urlaub - in Hessen, Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Tage waren das, die Dani und ich wie so viele andere auch niemals vergessen werden.

Mit diesen Erinnerungen im Sinn lese ich heute die Tageslosung: "Ich, spricht Gott, will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin." Hesekiel 36,11