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Wenn beide Seiten Recht haben... - das Dilemma der Bootsflüchtlinge

Der Artikel in der Welt macht das ganze Ausmaß des Dilemmas deutlich, in dem wir in der Flüchtlingspolitik stecken.

Natürlich haben Malta, Frankreich und Deutschland Recht damit, einige der Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Die Menschen, um die es geht, sind dem Tod durch Ertrinken entronnen und wurden glücklicherweise gerettet. Also ist es nur recht und billig, vor allem aber zutiefst human und menschlich, sie aufzunehmen.

Andererseits aber hat auch der tschechische Premierminister Babis Recht: Das Signal, das von solchen Rettungsaktionen ausgeht, ist eine Ermutigung für andere, sich ebenfalls in die Hand der Schlepperbanden zu begeben und die riskante, lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer anzutreten - eine Fahrt mit ungewissem Ausgang, die immer auch mit dem Tod im Mittelmeer enden kann.

Niemand behält in dieser Zwickmühle eine moralisch saubere Weste. Die Bootsflüchtlinge nicht aufzunehmen wäre unbarmherzig, sie aufzunehmen führt aber zu neuen und immer neuen Kunden der Schleppe…
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Wie Christen in der DDR lebten - Gut, dass wir die Senioren haben

Das Treffen der Seniorenhilfe Friedrichroda von gestern geht mir nicht mehr aus dem Kopf: "Wie die Christen in der DDR lebten" hieß unser Thema, und statt eines Vortrags haben wir dazu eingeladen, eigene Erfahrungen, Erlebnisse und Begebenheiten, an die die Senioren sich erinnern, auszutauschen.

Ganz unterschiedliches wurde da berichtet: Manche haben keinerlei Einschränkungen in der DDR erlebt und schafften es, mit ihrem Christsein durchzukommen. Andere erzählten von massiven Schikanen, Einschüchterungen und Einschränkungen. Das waren bewegende Schilderungen, und auch einige Tränen flossen.

Wie schön ist es, dass es diese Generation noch gibt und dass sie ihre Erfahrungen mit dem Sozialismus weitergeben kann. Und bei mir entsteht beim Zuhören ganz neu Dankbarkeit für den Mut und die Courage der Ostdeutschen während der Wendezeit und Leidenschaft für die Freiheit. Die soll uns niemals wieder jemand nehmen.


Fußball. Einfach nur Fußball.

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist für mich ein Fest. Ich liebe diesen Sport. Ich freue oder ärgere mich über Tore, Fouls, vergebene Chancen und Torwartparaden. Für mich gibt es weniges, was schöner wäre, als mich zum Feierabend mit einem schönen Bier vor den Fernseher zu setzen und einem spannenden Spiel zuzusehen.

Und das alles gilt bei dieser WM auch nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft, was natürlich auch, aber durchaus nicht nur mit meiner Sympathie für England zu tun hat. Was haben wir für tolle Mannschaften gesehen: die Kroaten, die Russen, die Franzosen und die Belgier und so viele mehr. Also: Diese Wochen der WM sind für mich eine wahre Festzeit.

Was mir den Spaß allerdings manchmal verdirbt, ist die politische Instrumentalisierung des Fußballs. Vor der WM ging das schon los mit der Özil-Gündogan-Erdogan-Posse. Natürlich hat es mich wie viele andere auch geärgert, dass die beiden sich vor den Wahlkampf-Karren des türkischen Präsidenten haben spannen lassen. Dann kam d…

Fasten mit John Wesley

Was ist Fasten?

Fasten bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch, für eine bestimmte festgelegte Zeit zu verzichten:
•aufs Essen und Trinken oder
•nur aufs Essen oder
•nur aufs Essen bestimmter Speisen.

Christlich verstanden ist Fasten der Verzicht aufs Essen als geistliche Übung.

Für die meisten Christen gehören dabei Fasten und Beten zusammen. Fasten kann ein Weg sein, um ein tieferes, intensiveres und effektiveres Gebet zu erleben. Viele machen die Erfahrung, dass ihr spirituelles Erleben intensiver wird, wenn sie für eine begrenzte Zeit dem körperlichen Hunger widerstehen.

Fasten soll also zu kraftvollerem Gebet helfen und dazu, Gottes Stimme klarer zu vernehmen.

Was ist Fasten nach John Wesley?

Eine Zeit lang hat John Wesley dazu geraten, als geistliche Übung sowohl am Mittwoch als auch am Freitag einer jeden Woche zu fasten. Er wollte niemanden als Pastor ordinieren, der dazu nicht bereit war.

Mit der Zeit aber wurde Wesley sanfter: Er selbst fastete einen Tag in der Woche, nämlich …

Eine Gemeinde mittendrin

Heute nun war es endlich so weit: Stühle, den Abendmahlstisch und unser Pult konnten wir in die "Ladenkirche" räumen, damit wir schon Weihnachten dort Gottesdienst feiern können. Aber der Reihe nach...

Am 1. September begann mein Dienst als Pastor der EmK Schmalkalden - und einen Tag vorher, am 30. August, wurde das Gemeindehaus verkauft. Nach zwei Gottesdiensten und einer Handvoll Kleingruppentreffen stand also Ausziehen auf dem Programm.

Die Gemeinde war entsprechend traurig - und ich natürlich auch. Dank der guten ökumenischen Beziehungen in Schmalkalden gelang es, Übergangslösungen zu organisieren: Mit unsern Kleingruppen konnten wir in der örtlichen Baptistengemeinde und mit den Gottesdiensten in einem evangelischen Gemeindehaus unterkommen. Es war aber klar, dass all das nur Zwischenlösungen sein konnten.

Wir dachten viel nach, beteten viel und dann... Dann bot uns die städtische Wohnungsbaugesellschaft ein leerstehendes Ladenlokal mitten in der Fachwerk-Altstadt von S…

Nicht immer, aber immer öfter: Collarhemd

Bis vor gar nicht langer Zeit war die Sache für mich klar: Das Collarhemd steht für ein "High Church"-Kirchenverständnis und für ein priesterliches Selbstverständnis dessen, der es trägt. Pastoren, die Collar tragen, betonen den Abstand ihrer selbst zur Gemeinde und halten sich möglicherweise sogar für "was besseres". Das war mein Bild, und mein Misstrauen war Collarträgern deshalb stets gewiss.

Irgendwann hab ich mich dann mal länger mit einem der Kollegen unterhalten, die man fast immer mit Collar sieht. Der Kollege hat erzählt, wie es ihm damit ergeht. Wir haben viel gelacht und: Es ist ihm gelungen, mich neugierig zu machen. Bis dahin hatte ich selbst Collarhemden - wenn überhaupt - im Gottesdienst getragen. Aber nun wollte ich es einfach mal probieren, das auch außerhalb zu tun.

Gesagt, getan: Am nächsten Tag saß ich also mit Collarhemd in meinem Stammcafe, ging damit durch die Fußgängerzone und nahm bewusst den Bus auf dem Weg zu einem Hausbesuch. Und was sol…